Kashmir_region_2004.jpgTalmarg.jpg.jpg Kaschmir (Kashmiri in Devanagari-Schrift: कश्मीर, Kaśmīr) ist ein ehemaliger Fürstenstaat im Himalaya, der heute von Indien und Pakistan gleichermaßen beansprucht wird.
Die größte Provinz des indischen Kaschmirs ist Ladakh.
Siehe auch: Erdbeben in Kaschmir 2005
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Von 1846 bis 1947 war das Kaschmirgebiet ein großes, von hinduistischen Dogra-Maharajas geführtes, halbselbstständiges und mehrheitlich muslimisches Fürstentum unter britischer Verwaltung. Der Norden Kaschmirs war muslimisch geprägt, der Süden hinduistisch und der Osten buddhistisch. Ein machtpolitisches Ungleichgewicht herrschte jedoch dadurch vor, dass hohe Positionen und öffentliche Ämter fast ausschließlich durch Dogra-Hindus aus Jammu besetzt wurden. Protestbewegungen von Moslems, wie zum Beispiel 1930 gegen die autoritäre Herrschaft des Maharajas wurden immer häufiger und zumeist blutig niedergeschlagen.
Kaschmir_umstrittene_Gebiete.PNG Die Ursache für das heutige Spannungsverhältnis in Kaschmir (Kaschmir-Konflikt) ist einerseits begründet durch den Eroberungsfeldzug 1819 der Sikhs von Punjab (Indien) aus, die das muslimische Kaschmir mit dem hinduistischen Jammu vereinigten und andererseits im Teilungsprozess Britisch-Indiens im Jahr 1947, in dessen Folgen die Staaten Pakistan und Indien gegründet worden waren. Die Teilung in das muslimisch dominierte Pakistan (einschließlich Ost-Pakistan, das heutige Bangladesch) und in die hinduistisch geprägte Indische Union folgte der so genannten „Zwei-Nationen-Theorie“.
Danach sollten die Distrikte Britisch-Indiens, die nach der letzten verfügbaren Volkszählung von 1941 eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung aufwiesen, Pakistan zufallen. Im umgekehrten Falle sollten muslimische Minderheitengebiete in der Indischen Union verbleiben. Dieses Kriterium traf nicht für die semi-autonomen Fürstenstaaten und damit auch nicht für Kaschmir zu. Das britische Gesetz (indisches Unabhängigkeitsgesetz von 1947) besagte, dass die Herrscher der Fürstenstaaten die Entscheidungsfreiheit haben, sich entweder Indien oder Pakistan anzuschließen (oder unabhängig zu sein).
Kaschmir blieb nach der Teilung Britisch-Indiens zunächst unabhängig, wurde aber bald zu einer militärischen Konfliktregion. Der damalige Maharaja Hari Singh versuchte durch Verzögerungen in der Entscheidung, sich auf die pakistanische oder indische Seite zu schlagen, die Souveränität zu wahren. Nach der Invasion von durch Pakistan unterstützten muslimischen Stammeskriegern und der fortlaufenden Rebellion gegen seine Herrschaft (besonders im Bezirk Punch) bat der Herrscher im Oktober 1947 Indien um militärischen Beistand und schloss sich demonstrativ dem Land als Bundesstaat an. Binnen weniger Tage verlegte Indien massiv Truppen in die Krisenregion, um Aufständischen und eingesickerten Kämpfern zu begegnen. Pakistan akzeptierte den Beitritt zu Indien nicht. Darüber hinaus wurde der bereits in der Kolonialperiode schwelende Hindu-Moslem-Konflikt immer weiter auf die Ebene der Staatspolitik übertragen, der dadurch kontinuierlich an Brisanz gewann, obwohl die Mehrheit der Bewohner Kaschmirs eine gemäßigte religiöse Einstellung besaß. Die Eskalation führte letztlich zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg, der 1949 mit der De-Facto-Zweiteilung Kaschmirs unter Vermittlung der Vereinten Nationen endete. Seitdem existiert im Süden der indische Bundesstaat Jammu und Kashmir (etwa zwei Drittel des Territoriums), während der Norden mit Asad Kaschmir und den Northern Areas (Nordgebiete) unter pakistanischer Verwaltung steht. Die Grenzlinie zwischen dem pakistanischen und indischen Teil bildet die Waffenstillstandslinie („Line of Control“) von 1949. Sie ist etwa 500 km lang und steht unter dem Mandat der Vereinten Nationen.
Die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 1949 geforderte Volksabstimmung über den Beitritt Kaschmirs zu Indien oder Pakistan oder die Gründung eines eigenen Staates hat bis heute nicht stattgefunden. Indien führt die folgenden Gründe an:
Pakistan betrachtet vor allem einen muslimisch geprägten Nationalismus und leitet daraus den Souveränitätsanspruch über ein Land mit 77 % muslimischer Bevölkerung ab:
Aus indischer Sicht steht vor allem die Vermeidung eines Präzedenzfalles durch Loslösung aus dem Staatsverbund Indiens und die Sicherung der Verkehrswege in das Hochtal von Kaschmir im Vordergrund. Das Regierungsprinzip des säkularen Nationalismus, das heißt keine Abhängigkeit der Regierung von Religionen, sollte für ganz Kaschmir gelten und somit auch für die muslimisch dominierten Bereiche. Indien sieht in der Kaschmirfrage daher keinen Diskussionsbedarf.
Neben Indien und Pakistan ist die Volksrepublik China als dritte Partei indirekt am Kaschmirkonflikt beteiligt. Nach der gewaltsamen Besetzung des im Osten Kaschmirs gelegenen Aksai-Chin-Plateaus durch chinesische Truppen (1956 und 1962) näherte sich Indien verstärkt der Sowjetunion an. Aufgrund der gleichgerichteten Interessenlage gegen Indien wurde Pakistan zum Verbündeten Chinas. Es trat 1963 seinerseits einen schmalen Streifen um die Mount-Godwin-Austen-Gipfelregion (K2) an China ab. Dieses ehemals zu China gehörende Gebiet wurde seit der britischen Kolonialzeit von Pakistan kontrolliert. Im Gegenzug erhielt Pakistan chinesische Hilfe beim Bau des Karakorum Highway.
Das Gebiet von Aksai Chin war bis 1956 ein autonomes Fürstentum, das sich an der Politik des Maharajas von Kaschmir orientierte. Die Chinesen sahen die Besetzung als Rückeroberung eines von Britisch-Indien 1846 unrechtmäßig besetzten Gebietes. Außerdem planten sie eine Straße von Westtibet durch Aksai Chin weiter nach China, welche ab 1958 auch gebaut wurde. Sowohl die indische als auch die pakistanische Regierung nehmen sowohl auf internationaler Ebene als auch in Südasien für sich in Anspruch, die rechtmäßigen Vertreter der kaschmirischen Interessen zu sein. Während die indische Seite einen multikulturellen und Minderheiten tolerierenden Staat propagiert, der aber keinerlei Separationsbestrebungen der einzelnen Bundesstaaten akzeptiert, erhebt Pakistan den Anspruch, alle Moslems in einem einzigen pakistanischen Moslemstaat zu vereinigen.
Bereits 1947 zeichnete sich jedoch eine weitere Option ab. Kaschmirische Nationalisten forderten die Gründung eines von Indien und Pakistan unabhängigen Binnenstaates Kaschmir, der sich idealer Weise aus dem pakistanisch-kontrollierten Asad Kaschmir und dem indisch-kontrollierten Jammu und Kashmir zusammensetzen sollte. Diese Lösungsvariante wird bis heute nicht nur von Indien und Pakistan aus strategischen, ökonomischen und soziokulturellen Erwägungen abgelehnt, sondern auch von einer Mehrheit der kaschmirischen Bevölkerung, welche einen unabhängigen muslimischen Staat Kaschmir fordert.
Pakistan verlangte die Lösung der Kaschmir-Frage auf der Basis der entsprechenden Resolutionen der Vereinten Nationen und des Selbstbestimmungsrechts des kaschmirischen Volkes, insbesondere der Moslems.
1965 kommt es im Streit um die Region zum Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg. 1999 bricht auf Grund des Eindringens vermutlich von Pakistan unterstützter bewaffneter Einheiten in die Region um Kargil der Kargil-Krieg aus.
Im Zuge des einsetzenden Entspannungsprozesses Ende 2003 schlug der pakistanische Präsident Pervez Musharraf einen völligen Truppenabzug (des indischen und des pakistanischen Militärs) aus der umstrittenen Himalaya-Region vor. Indien lehnt dies mit Hinweis auf die instabile, komplexe Sicherheitslage und wegen der Gefahr des Einsickerns von Extremisten aus Pakistan ab. Der zentrale Streitpunkt zwischen beiden Ländern, wonach sie beide den alleinigen Anspruch auf ganz Kashmir erheben, wurde in dem bisherigen Annäherungsprozess ausgeklammert.
Nach der Region benannt ist die kostbare Kaschmirwolle, die zum Ende des Winters durch Kämmen aus dem Unterfell der Kaschmirziege gewonnen wird. Pro Tier werden ca. 150 Gramm gesammelt, die dann (von Hand) von den einzelnen Oberhaaren (Grannen) gereinigt werden müssen. Der Verkaufspreis der Wolle richtet sich nach deren Qualität; die Haare sollten möglichst fein (dünn), lang und hell (weiß) sein.
Siehe auch: Siachen-Gletscher
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