Unter dem Begriff
Karzinoid versteht man in der Medizin eine bestimmte Sorte von
Tumoren.
Systematik
Karzinoide sind Tumoren des so genannten
neuroendokrinen Systems. Sie sind durch ihre niedrige
Malignität gekennzeichnet, d.h. Karzinoide sind aufgrund des relativ hohen Differenzierungsgrades der Tumorzellen durch ein langsames Wachstum sowie eine gute Prognose charakterisiert.
In Abhängigkeit von der Lokalisation werden das Thymuskarzinoid, Bronchuskarzinoid, Appendixkarzinoid, Ileumkarzinoid, Rektumkarzinoid, Duodenalkarzinoid sowie das Magenkarzinoid unterschieden.
Mittlerweile wird der Begriff Karzinoid nur noch selten verwendet, stattdessen wird heute meist von diffusen neuroendokrinen Neoplasien bzw. nach WHO-Definition von neuroendokrinen Tumoren (NET) gesprochen.
Pathologie
Karzinoide sind
submukös gelegene Tumoren, die überall dort entstehen können, wo neuroendokrine Zellen vorhanden sind. Im Laufe der Tumorprogression dringen die Tumore in die
Tunica muscularis ein und im weiteren Verlauf entstehen zunächst lymphogene und später auch hämatogene
Metastasen. Häufig sind beim Karzinoid die Metastasen größer als der Primärtumor.
Die Symptome entstehen -im Gegensatz zu den meisten Neubildungen- nicht durch Verdrängung von gesundem Gewebe oder die komsumierende Wirkung, sondern vorrangig durch die Produktion von Gewebshormonen: Kallikrein, u. a., vor allem aber Serotonin.
Symptomatik
Erster Hinweis ist oft ein anhaltender Durchfall (
Diarrhoe).
Typisch für Karzinoide ist die so genannte
Flush-Symptomatik. Darunter ist eine plötzliche blau-rote Verfärbung von Gesicht, Hals und unter Umständen des Oberkörpers zu verstehen. Für die Lokalisationsdiagnostik ist der
Flush insofern relevant, dass er für eine bereits metastasierte oder primär extra-intestinale Lage des Karzinoids spricht. Bei nur intestinal (im Verlauf des Magen-Darm-Traktes) gelegenen Tumoren wird das Serotonin durch die Leber abgebaut (siehe auch
Pfortader-Kreislauf) und führen nicht zum
Flush.
Spätfolgen sind u. a.
pellagraartige Dermatosen,
Tachykardien (hohe Herzfrequenz),
Verhaltensveränderungen und
Endokardfibrosen des rechten Herzens (Hedinger-Syndrom), die zur
Trikuspidalinsuffizienz und zur
Pulmonalstenose (beides Formen von Herzklappenschäden) führen können.
Diagnose
Wegweisend ist der Nachweis erhöhter Serotoninspiegel in
Serum bzw. von 5-Hydroxyindolessigsäure (Abbauprodukt von Serotonin) in Urin.
Primärtumor und Metastasen werden sonographisch, mit CT, Angiographie oder Endoskopie nachgewiesen. Möglich ist auch die Somatostatinrezeptor-Szintigraphie, da das Karzinoid diese Rezeptoren aufweist.
Therapie
Primäre Therapie ist die
operative Entfernung des Primärtumors und -wenn möglich- einzelner Metastasen. Die Behandlung mit
Somatostatin (Octreotid) kann die Symptomatik verbessern.
Tumor
Carcinoid | カルチノイド