Karussell war eine deutsch singende Rockband aus der DDR und zählt neben Karat, City und den Puhdys zu den bedeutendsten und populärsten Gruppen jener Epoche. Am bekanntesten ist die Band mit ihren Titeln "Wer die Rose ehrt", "Ehrlich will ich bleiben", "Autostop" u.a. und später mit „Als ich fortging“ geworden – welcher auch heute noch von einigen Radiostationen gespielt wird und zu den populärsten Hits aus der DDR-Zeit gehört.
Musikalisch trat sie für viele das „Erbe“ von Renft an. Dafür standen nicht nur Trommler Jochen Hohl und Sänger Peter Gläser („Cäsar“), sondern auch die Wiederbelebung des alten Renft-Klassikers „Wer die Rose ehrt“ für ihre zweite LP und die im Renft-Stil gehaltenen ersten Lieder „Whisky“, „Lebe“ und „Welt im Sand“, die zunächst im Rundfunk produziert wurden. Auch Texter und Liedermacher Kurt Demmler begleitete sie aus Renft-Zeiten noch lange – mit der Mehrzahl der von Karussell interpretierten Texten.
Dank eines Fördervertrages mit dem Zentralrat der FDJ und der KGD (Konzert- und Gastspieldirektion) Berlin wandelte sich die Gruppe 1978 zur Berufsformation um, was ihr einen neuen Aufschwung bescherte und einen Auftritt am „Rhythmus 78“-Festival. Im gleichen Jahr erschien auch ihre erste AMIGA-Single „Der Gitarrist“.
Aber bereits damals zeigte sich, dass ihr Name „Karussell“ in Bezug auf ihre Mitglieder leider auch Programm war. Im Laufe ihrer Geschichte drehte sich das Mitgliederkarussell eigentlich ständig und immer schneller, und viele verließen nicht nur die Band, sondern auch die DDR. Den ersten Umbau gab es bereits 1978, als Bernd Dünnebeil (Gitarre) für Lutz Kirsten neu zur Band kam. Auch hatte sie seit dem Weggang von Bernd Schumacher keinen Saxophonisten mehr. Wechselnde Gäste (und Bernd Dünnebeil) übernahmen für Studio-Aufnahmen oder Konzerte fortan dieses Instrument. In dieser Besetzung spielten sie 1979 ihre erste LP „Entweder oder“ ein. Bald darauf 1980 folgte ihre zweite LP „Das einzige Leben“.
Bei den Aufnahmen zu ihrer dritten LP „Schlaraffenberg“ 1982 war Bernd Dünnebeil nicht mehr dabei, für ihn kam der ehemalige Gitarist der Gruppe Passion Tom Leonhardt. 1983 verließ Peter „Cäsar“ die Band – bis dahin die prägende Stimme – um sich ganz seinem Soloprojekt mit eigener Gruppe zu widmen. Lutz Salzwedel, ehemals Sänger bei ZOE und Schwarzer Pfeffer wurde als neuer Frontmann in die Gruppe aufgenommen. Allerdings verließen Leonhardt und Salzwedel die Band kurze Zeit später, indem sie in der damaligen Bundesrepublik blieben, während Karussell sich dort gerade auf einer Tournee befand, und zwar mit ihrem neuen Album „Was kann ich tun“ 1984.
Mit diesem Weggang Richtung Westen, und vor allem dem erneuten Wegfall ihres Frontmannes stand die Band 1985 kurz vor ihrer Auflösung. Nur Dank des Bemühens von Keyboarder Wolf-Rüdiger Raschke, der auch schon zuvor die Band immer wieder zusammengehalten hatte, und die Integration des jungen Sängers und Komponisten Dirk Michaelis als neuen Frontmann schaffte sie ein Comeback. Mit Jürgen Hofmeister kam auch ein neuer Gitarist in die Gruppe.
1987 meldeten sie sich mit ihrer LP „Café Anonym“ und dem Hit „Als ich fortging“ zurück. Mit Michael Sellin hatte die Gruppe auch einen neuen Texter. Allerdings verließ in der Folgezeit Klaus Winter die Band, der durch Jan Kisten (Basgitarre) ersetzt wurde. 1990 erschien ihre vor erst letzte LP „Solche wie du“. Wie viele andere Gruppen der DDR auch, löste sie sich in der unmittelbaren Nachwendezeit 1991 auf. Einige Musiker starteten Soloprojekte (Dirk Michaelis), oder spielen in wechselnden Besetzungen in anderen ehemaligen bzw. wieder gegründeten DDR-Gruppen.
1994 versuchten Wolf-Rüdiger Raschke und Jan Kirsten mit neuen Sänger (Uli Schroeter), Schlagzeuger (Ali Zieme) und den Gitarristen Kayode Eschrich ein Comeback und brachten mit "Sonnenfeuer" ihr siebente LP - jetzt eine CD - heraus. Allerdings haben die Fans den erneuten Umbau – anders als alle anderen zuvor – nicht mehr akzeptiert, so dass der Erfolg ausblieb.
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