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Zu den herkömmlichen Veranschaulichungsmedien der Kartographie zählen die Karte als das bekannteste Medium sowie kartenverwandte Darstellungen, wie Globen, Panoramen oder Geländereliefs. Alte, schmuckvoll ausgestaltete Karten, aber auch die Kunstfertigkeit der Kartographen werden häufig auch unter künstlerischen Aspekten betrachtet.
Moderne Veranschaulichungsmedien der Kartographie sind z.B. Bildschirme und Displays, auf denen raumbezogene Informationen durch Grafiken, Bilder, Fotos oder dreidimensionale Modelle statisch oder dynamisch angezeigt werden und mit denen Benutzer interaktiv kommunizieren können.
Kartographie lässt sich nach unterschiedlichen Kriterien einteilen. Mindestens eine Einteilung in „Theoretische Kartographie“ und „Angewandte Kartographie“ ist sinnvoll. „Angewandte (oder auch „Praktische) Kartographie“ lässt sich in „Gewerbliche Kartographie“ und „Amtliche Kartographie“ gliedern. Aber auch andere Gliederungen, z.B. nach Themenbereichen, sind möglich und gebräuchlich.
Darstellungsgegenstände der Kartographie sind die Erde und ihre Oberfläche, aber auch Planeten und andere Himmelskörper. Insbesondere die Erdoberfläche mit ihren vielfältigen topographischen Gegebenheiten, mit ihren geowissenschaftlichen und infrastrukturellen Sachverhalten und mit ihren sozialen, politischen und historischen Prozessen fordert die Kartographie zu großer Methodenvielfalt heraus.
Der Begriff „Kartographie“ hat sich etwa Mitte des 19. Jahrhunderts herausgebildet. Er setzt sich zusammen aus dem lateinisch-griechischen „charta“ = Urkunde und dem griechischen „graphein“ = zeichnen, beschreiben. Auch nach der Rechtschreibreform 1998 weist der Duden primär die Schreibung des Begriffs mit „ph“ aus, lässt aber auch die Form „Kartografie“ zu. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen schreiben nach ihrem Beschluss vom 10.6.1999 innerhalb und außerhalb des Wissenschaftsbetriebs gebrauchte Fachwörter in ihrer alten Form. In Bezug auf „Kartographie“ haben sich die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) und die Deutsche Gesellschaft für Kartographie e.V. (DGfK) dieser Regelung angeschlossen.
Die Hauptaufgabe und damit das Kernproblem der Kartographie bestehen darin, komplexe, im Originalraum - im Maßstab 1:1 - sich ereignende Phänomene, Sachverhalte und Prozesse auf einer maßstäblich erheblich verkleinerten Darstellungsfläche (Kartenblatt, Bildschirm) abzubilden und zu beschreiben. Um dies sinnvoll zu ermöglichen, müssen die Kartographen aus der Fülle der Originaldaten die wichtigsten oder typischen auswählen oder zusammenfassen und für die Darstellung "generalisieren". Zur Veranschaulichung der wirklich darstellungswürdigen Informationen dient vor allem ein System kartographischer Zeichen. Die Generalisierung der Originaldaten und die Gestaltung und Anordnung der Kartenzeichen (Signaturen) müssen so ausgeführt werden, dass der Benutzer des kartographischen Produkts die zu vermittelnden Informationen leicht aufnehmen und verstehen kann. Ziel ist es letztlich, vom Originalraum, z.B. einem Erdoberflächenausschnitt, ein Modell in Form des kartographischen Produkts zu erstellen, das es dem Nutzer ermöglicht, eine Vorstellung vom Original zu gewinnen und seine im Gehirn gespeicherte kognitive Karte zu erweitern oder zu korrigieren.
Ein weiteres Problem in der Kartographie ist die Dreidimensionalität der Erde. Um die Erde oder einen Erdoberflächenausschnitt in der zweidimesionalen Darstellungsfläche einer Karte abzubilden, bedarf es deshalb besonderer Verfahren der Kartenprojektion, denen sich die mathematische Kartographie widmet.
Zur räumlichen Festlegung (Geokodierung) der in der Karte darzustellenden Gegenstände und Sachverhalte werden Koordinatensysteme benutzt, insbesondere geographische Koordinaten, Gauß-Krüger-Koordinaten, UTM-Koordinaten oder geozentrische Koordinaten.
Die Geschichte der Kartographie ist naturgemäß mit der Geschichte der Geographie eng verbunden. Geographen waren immer auch Kosmographen oder Kartographen, auch wenn der letztere Begriff sich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Kartographie aus der Geographie und Geodäsie gelöst und als Wissenschaft eigenständig entwickelt.
Aus der Zeit der Urgeschichte hat man fast nur Vermutungen und dürftige Nachrichten über Karten primitivster Art, von denen sich fast keine Spuren erhalten haben. Die bisher älteste kartografische Darstellung fand man im Jahre 1963 im türkischen Çatal Hüyük bei den Ausgrabungen einer neolithischen Siedlung. Die Wandmalerei zeigt die Siedlung um 6200 v. Chr. mit ihren Häusern und dem Doppelgipfel des Vulkans Hasan Dağı (3.270 m).
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Ca. 3800 v. Chr. wurde eine Karte von Nord-Mesopotamien in die so genannte Tontafel von Nuzi (auch Ga-Sur), dem heutigen Jorgan Tepe, südwestlich von Kirkuk im Irak, geritzt. Auf der 7 cm x 7 cm großen Tontafel sind Berge, Flüsse und Städte eingezeichnet. Die Erde schwimmt als runde Scheibe im Weltmeer.
Die zwischen 1800 v. Chr. und 1600 v. Chr. erschaffene Himmelsscheibe von Nebra ist die älteste bekannte Himmelsdarstellung und evtl. auch die älteste astronomische Sternkarte der Menschheitsgeschichte.
Ca. 1500 v. Chr. entstand im heutigen Italien die in einen Felsen geritzte Karte von Bedolina nahe der Ortschaft Capo di Ponte im Tal Val Camonica. Sie zeigt auf 4,16 m x 2,30 m den Plan eines Ortes sowie Tiere und Menschen.
Ebenfalls um ca. 1500 v. Chr. entstand in Babylonien ein Stadtplan von Nippur auf einer 21 cm x 18 cm großen Tontafel, die das Stadttor, Gebäude und den Euphrat zeigt und in sumerischer Keilschrift beschriftet ist.
Aus der Zeit um 1300 v.Chr. ist eine ägyptische Papyruskarte von den nubischen Goldminenfelder erhalten. Sie stellt das Becken östlich von Koptos mit einer Hauptstraße und dem Ammonstempel dar.
Aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammt eine in eine Tontafel geritzte Weltkarte, die das babylonische Weltbild als Kreis zeigt.
Kurz vor 200 v.Chr. gelingt es dem Griechen Eratosthenes von Kyrene auf Basis des Sonneneinstrahlwinkels sogar den Erdumfang zu berechnen. Ein kugelförmiges Weltbild liegt zugrunde. Sein Kartenbild gibt nur noch zu 25% das zu diesem Zeitpunkt nahezu maximal ausgedehnte römische Weltreich wieder.
Part_of_Tabula_Peutingeriana.jpg (Ausschnitt)]] Zur Zeitenwende entwarf der Grieche Strabon mit seiner 17-bändigen Geographica ein Werk, das nicht zuletzt eine Weltkarte enthielt, nicht ohne auf zahlreiche Unsicherheiten der eingearbeiteten Informationen aufgrund der Quellenlage speziell Bezug zu nehmen.
Ferner gibt es aus nachchristlicher Zeit (Original nicht erhalten, aber Inhalte der Kopien zeigen Orte ab 50 n.Chr., Gesamtheit wird auf ca. 400 n.Chr. eingestuft) die Tabula Peutingeriana, eine von West nach Ost unnatürlich verzerrte Straßenkarte des römischen Reichs mit Angabe der Militärstationen und Entfernungsangaben in Meilen.
Als für die weiteren Epochen prägend sollte das Weltbild des griechischen Ptolemäus (ca. 100 n.Chr.) werden, das ebenfalls die Ansicht der Kugelgestalt der Erde integrierte und zugleich, im Sinne einer leider falschen These, die Erde in den Mittelpunkt des Weltalls setzte. Insbesondere aber ging er, angelehnt an Poseidonios, bei seinen Arbeiten von einem Erdumfang aus, der einige tausend Kilometer zu wenig betrug. In den ältesten Manuskripten seiner Kosmographie finden sich auch Handzeichnungen von Karten. Das Werk war jedoch im Kern ein Verzeichnis astronomischer Positionen mit den Attributen Breite und Länge (vergleichbar mit den heutigen Leuchtfeuerverzeichnissen der Schifffahrt) dessen Fehler auf Grund der berechneten Länge am Ostende des Mittelländischen Meers ca. 20° und an der Gangesmündung im östlichen Indien schon 46° betrug. Eine fälschlicherweise zunächst ihm zugeschriebene Weltkarte reichte im Osten bis China und im Süden bis hinter die Mondberge welche die Quellen des Nils darstellen. Letztendlich bezog sich unter anderem Kolumbus auf darauf aufbauendes Material. Die Werke von Ptolemäus erfuhren durch den einsetzenden Buchdruck um 1450, also nach über 1000 Jahren, noch eine dramatische Erhöhung der Auflage und dadurch eine Beschleunigung ihrer Verbreitung. Erst die verstärkte weltweite Seefahrerei um 1500 und die Werke Mercators läuteten eine Wende hin zu mehr Realitätsnähe bei der Kartografie ein.
Ebstorfer_Weltkarte.jpg]] Die europäische Kartographie des Mittelalters war, verglichen mit dem hohen Wissensstand der antiken Welt, ein bedeutender Rückschritt, vor allem aufgrund der weitgehenden Herrschaft der Kirche auch für Angelegenheiten der Forschung. Die bereits vorhandenen Kenntnisse wurden in der islamischen Welt weitergepflegt, deren Kartographie und Mathematik später wegweisend für die europäische Kartographie der Renaissance werden sollte.
Die verschiedenen Handzeichnungen der Europäer, meist von Mönchen angefertigt, sind allenfalls Versuche von Weltkarten (mappae mundi) nach heutiger Vorstellung. Diese waren leider auf den Irrtümern des Ptolemäus aufgebaut, der noch lange als unfehlbare Quelle galt, und wurden durch die Missinterpretation neuer Entdeckungen (z.B. von Marco Polo und anderer Entdecker) mit schweren Fehlern versehen. Beispielsweise rückte Asien so weit gegen Osten, dass Kathai (China) am Ende nur noch 130° westlich von Spanien lag.
Zu dieser Kategorie von Weltkarten zählen:
Der Globus des Nürnberger Gelehrten Martin Behaim von 1492, auch Martin Behaims Erdapfel genannt, kann als Schlussstein dieser Periode angesehen werden. Er trägt noch alle Spuren des unvollkommenen Wissens und der Irrtümer seiner Zeit.
Ct000725C-wh012 5-Universalis cosmographia secundum Ptholomaei traditionem et Americi Vespucii alioru-m-que lustrationes..gif In diesem Zeitabschnitt machen sich die Fortschritte der Kartografie schon sehr bemerkbar. Allmählich vollzieht sich die Emanzipation von Ptolemäus, die Adaption bestimmter Projektionen, die Auswechslung fabelhafter und hypothetischer Ausfüllung mit den Ergebnissen neuer Entdeckungen im Bereich des asiatischen und amerikanischen Kontinents.
Im Jahre 1507 gibt Martin Waldseemüller zusammen mit Matthias Ringmann einen Globus und eine Weltkarte sowie eine "Einführung in die Kosmografie" heraus. Auf der Karte findet sich die Kontinentbezeichnung Amerika, welche auf Drängen von Ringmann, andere Quellen benenen Waldseemüsller, aus dem Vornamen des italienischen Forschers und Geografen Amerigo Vespucci gebildet wurde. Dieser hatte wiederum mit seinen Berichten (Briefe 1497-1503, "Mundus Novus" Druck ab 1504) ein sehr solides Fundament (nur drei falscha Positionsangaben in den erhaltenen Fassungen) zur Geografie Südamerikas abgeliefert.
Es erscheint eine ansehnliche Anzahl von Küstenkarten (portolani), welche in Venedig, Genua, Lissabon, Mallorca und anderen Orten fast fabrikmäßig gefertigt werden, allerdings noch mit teilweise falsch orientierten Umrissen infolge der Unkenntnis der Missweisung (Deklination) der Magnetnadel im Verhältnis zur Rotationsachse der Erde (Grundlage der Astronavigation) und mit bedeutenden Fehlern bezüglich der geografischen Länge, welche nur nach der Schnelligkeit des Segelns geschätzt wurde. Aus ihnen werden die Weltkarten zusammengesetzt, und es wird die Kunst des Grabstichels zu ihrer Vervielfältigung aufgeboten.
Carta Marina.jpeg der Ostsee, 1539, Olaus Magnus, Schweden]] Auch die Kartografen des Nordmeers sind nicht untätig, so hat unter anderem die vorangegangene Blützezeit der Hanse mit dazu bei getragen, dass umfangreiches Material über Meere, Häfen, Orte und Länder vorhanden ist so dass erfolgreiche Schritte zur Feingliederung des Kartenbilds der bekannten Welt gemacht werden können.
Jede größere Bibliothek besitzt eine Anzahl von Portolani aus jener Zeit. Seltener sind die Weltkarten, sowohl die Handzeichnungen als auch die Abdrücke der gestochenen.
Weltkarte-ptolemaeus-ausgabe-1548_1-1200x890.jpg In diese Suite gehören die Carta marina von Portugal (1504), die türkische Weltkarte (Karten von Piri Reis) (1513), die Weltkarten von Descelliers (1553, im Privatbesitz in Wien), Gaultier (1512), Peter Apian (1524), Diego Ribero (1529), Cabot (1544) u.a. die Globen von Schoner (1520), Mercator (1541) und dessen schon mit wachsenden Breiten konstruierte Weltkarte (1569).
Seltzlin_map_1572.JPG, David Seltzlin, 1572]]
Paraguay - O Prov de Rio de la Plata - cum regionibus adiacentibus Tvcvman et Sta. Cruz de la Sierra - ca 1600.jpg, Johannes Janson, Amsterdam]] So wird es möglich, dass vor und nach 1600 an die Stelle der Portolani ganze Atlanten treten, z.B. der von Mercator (gest. 1595), den dessen Söhne vollendeten, von Ortelius ("Theatrum Orbis Terrarum", 1570), Jodocus Hondius (1563-1612), Johannes Jansson (1636, 6 Bände mit 451 Karten), Willem Blaeu (1571-1638) und seinen Söhnen (372 Karten) etc. Damals waren also die Niederländer tonangebend auf dem Gebiet der Kartografie.
Der Landkartenstich war, wie der Buchdruck, ein Gewerbe geworden.
Mit Jacques und César Cassini, welche 1750 bis 1793 die große Triangulation von Frankreich und die darauf begründete große topographische Karte vollendeten, begann endlich die Zeit der genauen topografischen Aufnahmen und der kritischen Bearbeitung der Karten.
In ersterer Beziehung stand nun Frankreich an der Spitze, doch genügten die großartigen Leistungen der beiden Cassini nicht: Es wurde eine neue, große topografische Karte geplant, deren letzte Blätter (267) erst Ende des 19. Jahrhunderts erschienen sind. Dem Beispiel Frankreichs folgten nach und nach alle europäischen Staaten, und es fehlt nicht mehr sehr viel, um Europa, mit Ausnahme der Türkei und größerer Teile von Spanien sowie der nördlichsten Teile von Skandinavien und Russland, mit allem Aufwand gereifter Geodäsie trigonometrisch ausgenommen und topografisch mappiert anzunehmen. Unter den asiatischen Ländern erfreut sich Ostindien, unter den amerikanischen die Union des allmählichen Zustandekommens guter Spezialkarten.
Für die genaue Aufnahme der Küstenstriche aller Ozeane wirken in erster Linie die britische Admiralität, in zweiter die nordamerikanische und französische Marine. Tausende von Seekarten und von topografischen Sektionen beweisen die überall erwachte Tätigkeit der Marinen, der Generalstäbe und Ingenieur-Geografenkorps.
Selbstverständlich ist dieser Umschwung nicht ohne Einfluss auf die Privatindustrie geblieben, und es kann auf die Leistungen der geografischen Institute zu Gotha und Leipzig, auf die Produktion vieler Verleger von London, Paris, Berlin (Reimer), Sankt Petersburg etc., auf die zahlreichen Illustrationen zu den Mitteilungen der verschiedenen geografischen Gesellschaften hingewiesen werden, um die Überzeugung zu erlangen, dass die Kartografie beschleunigt in allen Richtungen fortschreitet. Nicht nur der Gelehrte, der Forscher, der Militär, auch Geschäftsleute und selbst die lange vernachlässigte Schule finden Befriedigung für ihre mannigfaltigen Bedürfnisse, obgleich noch lange nicht alle Kombinationen erschöpft sind, um den überreichen Stoff dem Fachmann und dem Lernenden mundgerecht zu gestalten.
Dufour-karte-bern_1-880x803.jpg]] Mitte 19. Jahrhundert wurde von General Henri Dufour eine Kartenserie 1:100 000 der Schweiz mit einer Beleuchtungsrichtung aus Nordwest erstellt. Diese Beleuchtungsrichtung wurde in der Folge von vielen Kartographen übernommen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es auch üblich Karten mehrfarbig zu drucken. Dadurch wurde das Kartenbild anschaulicher. Die dominierenden Schraffuren wurden vielfach durch Flächentöne ersetzt.
Relief_Kartografie.jpg von Südamerika]] In Bereich der Schulkartografie machte sich besonders Carl Diercke mit dem nach ihm benannten Diercke-Atlas einen Namen.
Nach jahrhundertelanger, hauptsächlich handwerklicher Tätigkeit bei der Originalherstellung oder Reproduktion von kartografischen Erzeugnissen, hat sich mit dem Aufkommen der Computer das Bild der Kartografie stark gewandelt. Mit heutigen Geoinformationssystemen (GIS) arbeiten Kartografen eher am Bildschirm mit Maus und Tastatur als über dem Leuchttisch mit Griffel und Tuschefeder. Der Karteninhalt wird jedoch meist aus dem GIS in eine Graphiksoftware konvertiert und dort auf den Druck vorbereitet.
Als Grundlage für neue Karten sind seit frühester Zeit die Ergebnisse der Geodäsie (Vermessungskunde) interessant gewesen. Mit der Eroberung der Lüfte und später auch des Weltalls wurde mit der Fernerkundung und Photogrammetrie eine neue reichhaltige Datenquelle, das Luftbild und Satellitenbild gefunden, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Im Rahmen der Etablierung von Routenplanern auf CD und als Online-Dienst sowie von GPS-Navigationssystemen hat sich die Entwicklung in vielen Produkten nieder geschlagen.
Die rasante Entwicklung von interaktiven Karten im Internet oder bei mobilen Endgeräten sind Schwerpunkt zahlreicher Untersuchungen, aber auch Forschungsschwerpunkte wie Virtuelle oder Erweiterte Realität sind heute in der Kartografie vertreten. Als Masstab im 3D-Bereich für den PC-Heimanwender gilt derzeit Google Earth.
Nachstehend werden vier Qualitätskriterien für eine gute Karte beschrieben, die Genauigkeit, die Grafik, die Verständlichkeit und die Ästhetik.
Genauigkeit: Die Informationen der Karte (zum Beispiel Geländeform, Verkehrslinien und Texte) müssen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Für die Beurteilung der Genauigkeit sind Fachleute (Vermessungsingenieur, Kartograf, Geograf) zuständig.
Grafik: Die Zeichnung, die Beschriftung und die Farbgebung müssen den üblichen fachlichen Mindestanforderungen der Grafik und der Typografie genügen. Verständlichkeit: Mit dem Begriff "Verständlichkeit" wird vor allem eine gute Lesbarkeit der Karte definiert. Für die Beurteilung der Verständlichkeit sind allein die Benutzer zuständig. Kartografische Produkte erfüllen in der Regel die Anforderungen an Genauigkeit und Grafik. Bezüglich Verständlichkeit werden jedoch oft schlechte Karten publiziert. An dieser Stelle sollen nicht die Lernziele von Ausbildungsstätten für Kartografen beschrieben werden. Hingegen möge eine Aufzählung der häufigsten Mängel zeigen, was unter guter Verständlichkeit zu verstehen ist:
Zu viele Informationen: Zu jedem Kartenmaßstab gehört ein angemessener Umfang von Informationen. Wenn im Maßstab 1:25 000 noch jedes einzelne Gebäude dargestellt werden kann, müssen die Gebäude im Maßstab 1:100 000 zu Gebäudegruppen zusammengefasst werden. Ein Stadtplan im Maßstab 1:20 000 erlaubt, die Namen aller Straßen und Gassen, ja sogar die Hausnummern darzustellen. Im Maßstab 1:100 000 hingegen können höchstens die Namen der wichtigsten Straßen angeschrieben werden. Mit dem Fachbegriff Generalisierung wird in der Kartografie die sinnvolle Reduktion der Informationen entsprechend dem Kartenmaßstab bezeichnet. Eine Karte, die man mit dem Vergrößerungsglas lesen muss, ist eine schlechte Karte.
Zu wenige Informationen finden sich hauptsächlich in zensierten Karten diktatorisch regierter Länder sowie in aus Kostenersparnisgründen zu stark generalisierten kommerziellen Kartenwerken.
Zu viele Farbabstufungen: Elemente einer Karte, wie zum Beispiel Bodenbedeckung, Höhenstufen oder Bauzonen können mit Farben dargestellt werden. Karten mit zu feinen Farbabstufungen sind schlecht lesbar. In der Regel kann ein Benutzer höchstens drei verschiedene Abstufungen derselben Farbe auf der Kartenlegende wieder erkennen.
Mangelhafte Generalisierung: Dieser Mangel soll am Beispiel einer Straße erläutert werden. Die Begrenzungslinien einer 25 Meter breiten Straßenanlage haben im Maßstab 1:10 000 einen Abstand von 2.5 Millimeter. Eine solche Doppellinie ist gut lesbar. Im Maßstab 1:100 000 hätten die beiden Linien bei maßstäblicher Darstellung nur einen Abstand von 0.25 Millimeter und wären nicht mehr als Doppellinie erkennbar. Damit die Karte verständlich bleibt, müssen die beiden Linien einen Abstand von mindestens 1 Millimeter haben, auch wenn dies im Maßstab 1:100 000 einer vier mal zu großen Straßenbreite von 100 Metern entspricht. Eine mangelhafte Generalisierung muss immer dann beanstandet werden, wenn Karten ohne kartografische Bearbeitung fotomechanisch oder digital verkleinert werden. Dies ist die häufigste Ursache schlecht lesbarer Karten.
Ästhetik: Eine Karte kann dann als perfekt bezeichnet werden, wenn sie keinen der erwähnten Mängel aufweist und von der Benutzerin und vom Benutzer auch noch als ästhetisch gut empfunden wird: Eine Karte, schön, wie ein Bild.
Amtliche geothematische Karten werden vom Bund, den Ländern und den Gemeinden je nach rechtlicher Zuständigkeit bearbeitet und herausgegeben. Hierzu zählen z.B. geowissenschaftliche Karten, Raumordnungs- und Landesplanungskarten oder Karten der Bauleitplanung.
Amtliche Seekarten insbesondere für die Navigation werden vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Sitzen in Hamburg und Rostock bearbeitet und herausgegeben. Hier ist die Grundlage ein Bundesgesetz.
In der DDR waren der Topographische Dienst Dresden mit der Außenstelle für Photogrammetrie (Luftbildauswertung) in Leipzig, der Topographische Dienst Erfurt und der Topographische Dienst Schwerin für das Landeskartenwerk (Ausgabe Volkswirtschaft), die Landeslage- und Landeshöhennetze und das Schwerenetz zuständig. Ab 1971 war das Kombinat Geodäsie und Kartographie mit der Verwaltung Vermessungs- und Kartenwesen, die dem Ministerium des Innern der DDR unterstellt war, für die amtliche Geodäsie und Kartographie zuständig. Darüber hinaus lagen verschiedene Aufgaben, wie beispielsweise das Landeskartenwerk (Ausgabe Staat) beim Militärtopographischen Dienst der NVA mit dem Militärkartographischen Dienst in Halle und dem Kartographischen Dienst Potsdam. Die amtlichen topographischen Karten basierten auf der Topographischen Karte der DDR mit einem Maßstab von 1 : 10 000 als Grundmaßstab.
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