| Karpfen | ||||||||||||
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| : | Wirbeltiere (Vertebrata) |
| : | Kiefermäuler (Gnathostomata) |
| : | Knochenfische (Osteichthyes) |
| : | Karpfenartige (Cypriniformes) |
| : | Karpfenfische (Cyprinidae) |
| : | Karpfen |
Der Karpfen (Cyprinus carpio L.) ist eine Fischart aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Zu dieser Fischgruppe gehören etwa 1500 Arten.
In Deutschland gibt es zahlreiche Karpfenzuchtbetriebe, besonders in Franken im Aischgrund (Landkreis Erlangen-Höchstadt), in der mittleren Oberpfalz im Landkreis Schwandorf, im Oberpfälzer Stiftland (Landkreis Tirschenreuth) sowie in Peitz, unweit von Cottbus.
Der größte Karpfenteich (Schwarzenberg-Teich mit ca. 260 ha Fläche) liegt aber im südböhmischen Karpfenteichgebiet, dem Wittingau bei Trebon. Dieses Gebiet hängt geografisch mit dem österreichischen Teichgebiet im Waldviertel zusammen. Wichtige österreichische Karpfengebiete liegen ferner in der südlichen Steiermark und im südlichen Burgenland.
Größere Bedeutung hat die Karpfenteichwirtschaft auch in Polen, Ungarn, Slowenien und Kroatien sowie in Israel und weiten Teilen Asiens. Lediglich in Australien soll das Züchten "aufgrund der warmen Witterung" gesetzlich verboten sein.
Karpfen sind beliebte Speisefische, in Deutschland und Österreich insbesondere zu Weihnachten und Silvester. Ein großer Teil der Produktion aus der Teichwirtschaft geht deshalb in den Markt für Speisefische. Einen wesentlichen Anteil hat aber auch die Erzeugung von Satzfischen für die Angelfischerei in freien Gewässern.
Karpfen werden im warmen, flachen Süßwasser gesetzt, wie z.B. in Teichen, Baggerseen und langsam strömenden warmen Bereichen von Flüssen. Sie gehen sogar bis in die Brackwasserregion der großen Ströme. Als Friedfisch ernährt sich der Karpfen als Brütling von Zooplankton, später hauptsächlich von am Boden lebenden Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Schnecken und Würmern. Die Überwinterung erfolgt in tieferen Bereichen von Seen bzw. in speziellen tiefer angelegten Winterungsteichen der Teichwirtschaft, die nicht bis zum Grund durchgefrieren können. Sie gehen dabei in eine Winterruhe mit reduziertem Stoffwechsel.
Die Länge beträgt bei Speisekarpfen meist ca.35 cm bei einem Gewicht vom ca. 1 kg. In freien Gewässern erreichen sie in seltenen Fällen bis 110 cm. Es wurden schon Exemplare mit 1,2 m und bis über 35 kg gefangen. Der Körper ist seitlich abgeflacht; Zuchtformen wie der "Aischgründer" sind oft besonders höchrückig. Der Karpfen hat eine Rückenflosse, eine schwach gegabelte Schwanzflosse, 2 kurze und 2 lange Barteln neben dem Maul. Karpfen können mehr als 50 Jahre alt werden. Sie werden aber in der Teichwirtschaft normalerweise nach 2 Jahren (wärmere Gebiete) bis 3 Jahren als Speisefisch mit ca. 1 kg vermarktet. Die Laichzeit liegt in Europa zwischen Mai und Juli . Die Paarung bzw. der Laichvorgang erfolgt nur bei einer Temperatur von mehr als 17°C, spontan bei Wassertemperaturen zwischen 18° und 20°C in der Uferregion von Teichen oder ruhigen Flussabschnitten, vor allem Altwässern und überschwemmten Wiesen. In der Teichwirtschaft wird das Laichen meist künstlich herbeigeführt (z. B. durch Gabe von Hypophysenextrakt).
Von den Karpfen gibt es diverse Formen, die aber alle der Art Cyprinus carpio angehören:
Bei Fischen bezeichnet man die Weibchen als Rogner und die Männchen als Milchner. Zur Paarung treffen sich die Karpfen in flachen wärmeren und pflanzenreichen Gewässerbereichen. Das Männchen "treibt" das Weibchen im Laichspiel. Es dient der Synchronisation der Laichbereitschaft. Nach dem Treiben stößt das Männchen mit dem Maul mehrfach gegen die Flanke des Weibchens. Dieses gibt daraufhin Eier ins Wasser ab. Anschließend gibt das Männchen seine Samen hinzu. Es findet eine äußere Befruchtung im Wasser statt. Das Weibchen legt, je nach Alter und Größe, ca. 1,5 Millionen Eier ab. Die befruchteten Eier haften sich an Pflanzen. Nach dem Ablaichen schwimmen die Elternfische wieder in ihr ursprüngliches Gewässer zurück. Es erfolgt keine Brutpflege.
Die Eier enthalten Dotter zur Ernährung des Brütlings. Am 3.-8. Tag schlüpft er mit dem Kopf voran aus der Eihülle. Die Fische sinken zu Boden, weil die Schwimmblase noch nicht mit Luft gefüllt ist. Kurze Zeit nach dem Schlüpfen ernähren sie sich noch von dem Dottersack an ihrem Bauch, der allmählich aufgezehrt wird. Dann beginnen sie, planktische Kleintiere aufzunehmen, zuerst die kleineren Rädertiere, mit dem Heranwachsen auch Kleinkrebse. Nach dem Schlüpfen schwimmen sie auf schnellstem Wege zurück zu ihren normalen Lebensräumen.
In der Karpfenangelei ist es verbreitet, den Fang wieder auszusetzen. Das ist aber nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar, da hier einem Wirbeltier ohne "vernünftigen Grund", wie ihn nach dem Gesetz die Gewinnung von Nahrung darstellt, Leiden zugefügt wird. Schlachten und danach essen ist also erlaubt.
In Deutschland ist vor allem in Franken eine Hochburg des Karpfens. Die "Aischgründer Karpfen" sind eine bekannte Spezialität der Gegend. Hier wird der Karpfen einschließlich Kopf und Flossen längs in zwei Hälften gespalten, in Mehl gewendet und in schwimmendem Fett gebacken ("Karpfen fränkisch"). Dabei sind sogar die Flossen knusperig essbar.
Ähnlich wie Muscheln isst man Karpfen in den Monaten mit "r", also von September bis April. Das liegt hauptsächlich an der Verfügbarkeit, weil in den anderen Monaten nicht abgefischt wird.
In Deutschland versucht man, den größten Nachteil des Karpfen, seinen enormen Reichtum an Zwischenmuskelgräten, mit besonderen Zubereitungsmethoden, wie dem seitlichen Einschneiden ("Schröpfen"), zu umgehen. Auch neuartige Vermarktungsformen ähnlich wie bei Fischstäbchen werden versucht. Doch der Erfolg ist hierbei mäßig.
Der Geschmack des Fisches selbst ist auch unter Gourmets umstritten. Manche nennen ihn strohig oder schlicht fade. Andere schätzen dagegen sein "nussiges" Aroma. Geschmack und Konsistenz des Karpfen hängen aber stark von den Haltungsbedingungen und der verwendeten Zufütterung ab (Getreide, Mais, Soja, Pelletfutter). Wichtig ist neben der richtigen Zubereitung auch die Wasserqualität in den letzten Tagen vor dem Töten des Tieres. Wird der Fisch direkt aus dem Ursrpungsgewässer heraus zubereitet, schmeckt er oft strohig oder schlammig. Der Fisch muss daher zuvor in frischem Wasser gehalten werden.
Berüchtigt ist eine verbreitete Geschmacksbeeinträchtigung, das "Mooseln" oder "Letteln". Sie entsteht, wenn die Fische im Teich eine bestimmte Alge aufnehmen. Es handelt sich um die Teichschwingalge Oscillatoria limnetica oder deren Gattungsverwandte, die bei Überdüngung der Teiche mit Phosphor flächig am Grund wächst, wo die Karpfen typischerweise ihre Nahrung suchen.
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