- | - | Karnataka - ಕರ್ನಾಟಕ | - | Land: | Indien | - | Hauptstadt: | Bangalore (5.104.000 Einwohner) | - | Fläche: | 191.791 km² | - | Einwohner: | 56.114.000 ''(2006) | - | Bevölkerungsdichte: | 293 Einwohner je km² | - | Sprachen: | Kannada (Amtssprache); Tulu, Tamil, Telugu, Konkani, Urdu, Marathi, Kodava, Koraga, Bellari, Englisch | - | Religionen: | Hinduismus (83,9 %), Islam (12,2 %), Christentum (1,9 %), Jainismus (0,8 %), Buddhismus (0,7 %), andere | - | Webseite: | www.karnataka.gov.in | - | Karte | - | |
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Karnataka (kannada: ಕರ್ನಾಟಕ) ist ein südindischer Bundesstaat mit einer Fläche von 191.791 km² und 56.114.477 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2006). Bis 1973 hieß Karnataka noch Mysore. Dieser Staat war 1956 durch Zusammenlegung der damaligen Staaten Mysore, Coorg sowie Teilen der Staaten Hyderabad, Madras und Bombay gebildet worden. Die Hauptstadt Karnatakas ist Bangalore, die Amtssprache Kannada.
Karnataka gliedert sich in drei landschaftliche Großräume. Auf die 320 km lange und nur 48 bis 64 km breite Küstenebene im Westen folgen die Bergketten der Westghats, die in Karnataka eine Höhe von bis zu 1923 Metern erreichen. Den größten Teil des Bundesstaats nimmt das Hochland von Dekkan ein. Im äußersten Süden hat Karnataka einen kleinen Anteil an den Nilgiribergen.
Auf dem Dekkan entspringen auch die drei wichtigsten Flüsse Kaveri, Krishna und Tungabhadra.
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- | Distrikt | Hauptstadt | Fläche | - | 1 | Bagalkot | Bagalkot | 6.575 km² | - | 2 | Bangalore | Bangalore | 2.190 km² | - | 3 | Bangalore Rural District | Bangalore | 5.815 km² | - | 4 | Belgaum | Belgaum | 13.415 km² | - | 5 | Bellary | Bellary | 8.450 km² | - | 6 | Bidar | Bidar | 5.448 km² | - | 7 | Bijapur | Bijapur | 10.494 km² | - | 8 | Chamarajanagar | Chamarajanagar | 5.101 km² | - | 9 | Chikmagalur | Chikmagalur | 7.201 km² | - | 10 | Chitradurga | Chitradurga | 8.440 km² | - | 11 | Dakshina Kannada | Mangalore | 4.560 km² | - | 12 | Davanagere | Davanagere | 5.924 km² | - | 13 | Dharwad | Hubli-Dharwar | 4.260 km² | - | 14 | Gadag | Gadag | 4.656 km² | - | 15 | Gulbarga | Gulbarga | 16.224 km² | - | 16 | Hassan | Hassan | 6.814 km² | - | 17 | Haveri | Haveri | 4.823 km² | - | 18 | Kodagu (Coorg) | Madikeri | 4.102 km² | - | 19 | Kolar | Kolar | 8.223 km² | - | 20 | Koppal | Koppal | 7.189 km² | - | 21 | Mandya | Mandya | 4.961 km² | - | 22 | Mysore | Mysore | 6.854 km² | - | 23 | Raichur | Raichur | 6.827 km² | - | 24 | Shimoga | Shimoga | 8.477 km² | - | 25 | Tumkur | Tumkur | 10.597 km² | - | 26 | Udupi | Udupi | 3.880 km² | - | 27 | Uttara Kannada | Karwar | 10.291 km² | - | Karnataka | Bangalore | 191.791 km² |
An der Küste herrscht tropisches Wechselklima. Es ist ganzjährig heiß – im Jahresmittel um 27 Grad Celsius – bei geringen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. Während des Sommermonsuns kommt es zu starken Niederschlägen. Von Oktober bis Dezember können noch schwache Nachmonsunregen auftreten. Die restlichen Monate sind zwar niederschlagsfrei, teilweise herrscht aber dennoch hohe Luftfeuchtigkeit, besonders unmittelbar vor und nach dem Monsun. Über das Jahr verteilt fallen je nach Ort bis zu 3500 mm. Die hinter der schmalen Küstenebene aufsteigenden Westghats gehören zu den regenreichsten Gegenden Indiens. Dort gibt es einige Orte mit jährlichen Niederschlagsmengen von mehr als 5000 mm.
Auch im Hochland von Dekkan, das den größten Teil Karnatakas einnimmt, herrscht tropisches Wechselklima, allerdings ein wesentlich trockeneres als an der Küste. Die Temperaturen schwanken stärker, da der ausgleichende Meereseinfluss fehlt. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen höhenbedingt teils deutlich niedriger als an der Küste, dennoch wird es in den Sommermonaten auch auf dem Dekkan unerträglich heiß. In den niedriger gelegenen Regionen im Norden Karnatakas (Bijapur, Gulbarga, Raichur, Bellary) sind die Niederschläge mit 500 bis 600 mm pro Jahr am geringsten; gleichzeitig wird es dort im Sommer am heißesten. In den anderen, höher gelegenen Teilen des Hochlandes fallen die jährlichen Regenmengen etwas höher aus. Die größte Stadt des Staates, Bangalore, ist bekannt als moskito
In einigen Grenzregionen sind auch Sprachen der Nachbarbundesstaaten im Umlauf. So finden sich entlang der Küste viele Sprecher des indogermanischen Konkani, im Raum Belgaum ist das eng verwandte Marathi verbreitet, und im Distrikt Kolar gibt es eine telugusprachige Minderheit. Viele Muslime sprechen Urdu. Als Bildungs- und Verkehrssprache ist Englisch praktisch überall gegenwärtig.
In der Hauptstadt Bangalore herrscht ein buntes Sprachengewirr. Kannada wird dort nur von einem knappen Drittel der Einwohner verwendet. Stattdessen gibt es große Zahlen von Sprechern des Tamil, Telugu und Urdu.
Viele Nichtmuttersprachler des Kannada sind zweisprachig.
Von großer Bedeutung ist die Minderheit der Jainas, die zwar nur 0,8 Prozent der Einwohner ausmacht, aber dennoch wichtige Beiträge zur Kulturgeschichte Karnatakas geleistet hat. Auch im Wirtschaftsleben ist ihr Einfluss unübersehbar.
Eine weitere Minderheit ist die der Buddhisten (0,7 Prozent). 0,5 Prozent verteilen sich auf sonstige Religionen.
Karnataka verfügt über 16 Universitäten bzw. höhere Bildungseinrichtungen mit dem Status einer Universität, davon allein drei in der Hauptstadt Bangalore: die Bangalore University, die University of Agricultural Sciences sowie das Indian Institute of Science. Karnatakas älteste Universität ist jedoch die 1916 gegründete University of Mysore.
| Stadt | Einwohner | Stadt | Einwohner | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Bangalore | 4.292.223 | 9 | Shimoga | 274.105 |
| 2 | Hubli-Dharwar | 786.018 | 10 | Dasarahalli | 263.636 |
| 3 | Mysore | 742.261 | 11 | Tumkur | 248.592 |
| 4 | Gulbarga | 427.929 | 12 | Bijapur | 245.946 |
| 5 | Belgaum | 399.600 | 13 | Raichur | 205.634 |
| 6 | Mangalore | 398.745 | 14 | Bommanahalli | 201.220 |
| 7 | Davanagere | 363.780 | 15 | Krishnarajapura | 187.453 |
| 8 | Bellary | 317.000 | 16 | Byatarayanapura | 180.931 |
| Quelle: www.bevoelkerungsstatistik.de | |||||
Karnatakas Frühgeschichte weist einige Unterschiede zu den frühen Kulturen Nordindiens auf. So begann die Eisenzeit in Karnataka schon viel früher, wie Funde von Eisenwaffen aus der Zeit um 1200 v. Chr. belegen. Dennoch stand der Norden des heutigen Karnataka unter der Herrschaft nordindischer Dynastien, wie der Nanda im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. und der Maurya im 4. und 3. vorchristlichen Jahrhundert. Danach weitete die Dynastie der aus Andhra oder Maharashtra stammenden Satavahana, ehemals Vasallen der Maurya, ihren Machtbereich auf den Norden Karnatakas aus. Die Pallava lösten sie im 3. Jahrhundert n. Chr. ab und dehnten ihr eigenes Reich für kurze Zeit bis zum Fluss Krishna aus.
Hauptartikel: Kadamba, Ganga (Dynastie)
Zwei örtliche Dynastien beendeten die Vorherrschaft der Pallava. Um 345 begründete der Brahmane Mayurasarman das Haus Kadamba. Er lehnte sich gegen die Pallava auf, die ihn schließlich als Herrscher Nordkarnatakas anerkennen mussten.
Auch im Süden Karnatakas wurden die Pallava etwa zur gleichen Zeit von den Ganga abgelöst.
Hauptartikel: Chalukya
Um die Mitte des 6. Jahrhunderts begann sich eine neue Macht zu regen: die Chalukya, um 550 von Prinz Pulakeshin I. (reg. als König bis 566) begründet. Ursprünglich in Aihole, im nördlichen Zentralkarnataka, residierend, machte Pulakeshin schon bald das nahe gelegene Vatapi (Badami) zu seiner neuen Hauptstadt, von wo er die Kadamba und Ganga, und damit ganz Karnataka, unterwarf. Pulakeshin II. (reg. 609-642) errichtete ein riesiges Reich zwischen der Narmada im Norden und dem Kaveri im Süden. Auch weite Teile der heutigen Staaten Gujarat, Madhya Pradesh, Chhattisgarh und Orissa waren den Chalukya zeitweise untertan. Rund 200 Jahre lang bestimmten sie die Geschicke Karnatakas und weiter Teile Süd- und Zentralindiens. Auch kulturell leiteten sie eine neue Ära ein. Die Chalukya-Hauptstädte Badami, Aihole und Pattadakal zeugen noch heute mit prächtigen Tempelbauten von Macht und Glanz ihrer Erbauer.
Glücklos waren die Chalukya jedoch bei dem Versuch, ihre ständigen Feinde, die Pallava, niederzuringen. Stattdessen gelang es letzteren 642, Badami einzunehmen und Pulakeshin II. zu töten. Der Erfolg war aber nur von kurzer Dauer, da sich die Chalukya schnell wieder erholten.
Hauptartikel: Rashtrakuta
Das Ende der Chalukya kam gegen 757, als ihr Vasall Dantidurga (reg. 753-757) den König stürzte. Sein Herrscherhaus, die Rashtrakuta, übertraf die Macht seiner Vorgänger sogar noch, indem er Bengalen und das nordindische Kannauj am Ganges zur Tributzahlung zwang. Zu den kulturellen Errungenschaften der Rashtrakuta-Zeit zählt die Herausbildung der Kannada-Literatur. Die ältesten in dieser Sprache verfassten Überlieferungen stammen aus dem 9. Jahrhundert.
Hauptartikel: Chalukya
973 entmachteten die Chalukya ihre einstigen Widersacher wieder. Als neue Hauptstadt ließen sie Kalyana nahe dem heutigen Bidar erbauen. Zwar konnten sie ihr altes Reich mit Ausnahme Gujarats wiedererlangen, sahen sich aber den ständigen Angriffen des tamilischen Chola-Reiches ausgesetzt, denen sogar die Einnahme Kalyanas gelang. Erst Someshvara I. (reg. 1042-1068) vermochte es, sie aufzuhalten und ihren König Rajadhiraja 1052 zu besiegen. Seine Nachfolger Someshvara II. (reg. 1068-1076) und Vikramaditya II. (reg. 1076-1127) setzten den Kampf gegen die Chola fort. Die Chola wurden zwar nicht endgültig besiegt, als ernsthafte Konkurrenten aber zunächst ausgeschaltet. Dennoch verfiel das Chalukya-Reich nach dem Tode Vikramadityas II. durch neue innere und äußere Feinde zusehends.
Hauptartikel: Hoysala
Belur4.jpg in Belur]] Die neuen Feinde waren die Hoysala, die schon seit dem 11. Jahrhundert als Vasallen den Süden Karnatakas verwalteten, sowie die aus Maharashtra in den Norden Karnatakas eindringenden Yadava. Auch letztere waren einst Vasallen der Chalukya gewesen, gewannen jedoch unter Bhilama (reg. 1185-1193) weitgehende Unabhängigkeit. 1186 eroberten sie Kalyana. Der Herrschersitz der Yadava war in Devagiri (heute Daulatabad in Maharashtra).
Im Süden hatten sich derweil die Hoysala zum bestimmenden Herrscherhaus aufgeschwungen. 1187 besiegten sie den letzten Chalukya-König, 1190 gingen sie aus einem Zusammenstoß mit den Yadava als Sieger hervor und etablierten sich als führende Macht in Karnataka. Ihre Hauptstädte waren Dorasamudra (heute Halebid) und Belur. In beiden Städten kann man noch heute einige der herausragendsten Bauten im Hoysala-Stil bewundern.
Im 14. Jahrhundert wurden die Hoysala und Yadava zunehmend durch das islamische Sultanat von Delhi bedroht. Die vom Sultan Ala-du-Din Khilji (reg. 1296-1316) befohlene Militärexpedition führte seinen General Malik Kafur im Jahre 1310/11 bis nach Madurai. Das Yadava-Reich wurde dem Sultanat einverleibt, während die Hoysala zwar tributpflichtig wurden, aber ihre Regentschaft fortsetzen durften. Das riesige Sultanat zerfiel jedoch innerhalb kürzester Zeit wieder, und die beiden Dynastien in Karnataka konnten, zumindest vorübergehend, ihre Reiche wiederherstellen, waren aber empfindlich geschwächt. Das endgültige Aus für die Yadava kam 1318 mit einer erneuten Invasion aus dem Norden. Mohammed ibn Tughluq, von 1325 bis 1351 Sultan von Delhi, unterwarf schließlich auch die Hoysala. Sein Reich zerfiel jedoch noch zu seinen Lebzeiten. Im äußersten Norden Karnatakas spaltete sich 1345 das Bahmani-Sultanat mit der Hauptstadt Gulbarga (ab 1347; ab 1428 Bidar) ab.
Im verzweifelten Kampf um die Rettung seines Reiches fiel der Hoysala-König Ballala III. 1343 im Kampf gegen den Sultan von Madurai. Mit dem Tod seines Sohnes im Jahre 1346 ging seine Linie endgültig zu Ende. Seinen Platz nahm Vijayanagar ein, das als eines der legendärsten Hindu-Reiche Südindiens gilt und den muslimischen Herrschern für über 200 Jahre den Zugang nach Südindien verwehren sollte.
Hauptartikel: Vijayanagar
Der genaue Ursprung des Reiches Vijayanagar ist nicht restlos geklärt. Die Gründer des Reiches, die beiden Brüder Harihara und Bukka, waren möglicherweise Vasallen der Hoysala, anderen Quellen zufolge hatte der Sultan von Delhi sie zum Islam bekehrt und als Statthalter auf dem Dekkan eingesetzt, wo sie wieder ihren alten Glauben annahmen und ein eigenes Reich gründeten. Belegt ist, dass Harihara Vijayanagar 1336 gegründet und nach dem Tod des letzten Hoysala-Herrschers (1346) dessen Reich übernommen hatte. 1357 bestieg sein jüngerer Bruder Bukka den Thron. Ihm gelang die Eroberung des Sultanats Madurai.
Als bedeutendster Herrscher gilt Krishnadeva Raya (reg. 1509-1529), der Vijayanagar nach inneren Schwierigkeiten zur wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Blüte führte. Sein ärgster Gegner, das schon im Verfall befindliche Bahmani-Sultanat, zerbrach ab 1490 auch unter dem militärischen Druck Vijayanagars endgültig in fünf Einzelstaaten, die als Dekkan-Sultanate zusammengefasst werden. Gleichzeitig wurden auch die ersten Kontakte zu den Portugiesen geknüpft, welche Goa, die Konkan- und die Malabarküste erobert hatten.
Unter seinen Nachfolgern kamen Streitigkeiten mit den Dekkan-Sultanaten auf, die sich gegen Vijayanagar verbündeten. Sie brachten dem Reich 1565 in der Schlacht von Talikota eine vernichtende Niederlage 1565 bei und leiteten damit den seinen Untergang ein. Die Hauptstadt wurde in Schutt und Asche gelegt. Zwar konnte der König nach Süden fliehen, wo sein Reich noch bis ins 17. Jahrhundert fortbestand, seinen Großmachtstatus hatte es jedoch eingebüßt.
Vom Bahmani-Sultanat hatten sich schon Ende des 15. Jahrhunderts die vier Sultanate Bijapur, Bidar, Ahmednagar und Berar (beide im heutigen Maharashtra) abgespalten. 1512 bildete sich Golkonda (im heutigen Andhra Pradesh) als letztes der sogenannten Dekkan-Sultanate heraus. Bijapur und Golkonda erweisen sich als die mächtigsten der fünf Sultanate, die, abgesehen von dem Bündnis gegen Vijayanagar, unentwegt in Feindseligkeiten verwickelt waren.
Berar und Ahmednagar unterlagen schließlich dem nordindischen Mogulreich unter Shah Jahan (reg. 1627/28-1658). Bidar fiel an Bijapur, das 1686 von Shah Jahans Nachfolger Aurangzeb erobert wurde. Ein Jahr später ereilte Golkonda das gleiche Schicksal.
Das Erstarken der Marathen und innere Schwierigkeiten brachten das Mogulreich aber schon nach Aurangzebs Tod wieder um seine Besitzungen auf dem Dekkan. Die Gebiete der ehemaligen Dekkan-Sultanate wurden 1724 Bestandteil des neu gegründeten Reiches des Nizams von Hyderabad, fielen ab 1760 aber teilweise den Marathen zu.
Tipu Sultan.jpg Mit der Niederlage Vijayanagars 1565 war das Königreich Mysore unter der seit 1399 als Untergebene Vijayanagars regierenden, hinduistischen Wodeyar-Dynastie nicht mehr tributpflichtig. Anfang des 17. Jahrhunderts gewann es endgültig seine Unabhängigkeit und entwickelte sich zum einflussreichsten Staat im südlichen Karnataka.
Ab 1744 kam es im Zuge der Auseinandersetzungen im Österreichischen Erbfolgekrieg zum Ersten Karnataka-Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien.
Den Höhepunkt seiner Macht erreichte Mysore in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der muslimische Offizier Hyder Ali stieg 1761 de facto zum Machthaber auf, ließ aber das alte Herrscherhaus formal weiterhin regieren. Hyder Ali begann auf dem südlichen Dekkan zu expandieren, was die Interessen der Briten in Madras verletzte und deren Unmut hervorrief. Die Folge waren die vier Mysore-Kriege zwischen dem zur Regionalmacht aufgestiegenen Mysore und der Kolonialmacht Großbritannien. Im ersten Krieg (1766-1769) drang Hyder Ali bis kurz vor Madras vor und zwang seinen Gegnern im Ergebnis des Krieges ein gegen die Marathen gerichtetes Militärhilfeabkommen auf. Wieder angeheizt wurde der Konflikt durch die Tatsache, dass Hyder Ali und, nach seinem Tode 1782, sein Sohn Tipu Sultan mit den Franzosen verbündet waren, die seit 1775 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten kämpften. Während die Briten gegen die letzten noch verbliebenen französischen Stützpunkte an der Südküste Indiens vorgingen, nutzte Mysore die Gelegenheit, um die Marathen zurückzudrängen, ohne englische Einflussnahme befürchten zu müssen. Erst als Gebiete eines Verbündeten Mysores von den Engländern annektiert wurden, kam es 1780 zum Ausbruch des Zweiten Mysore-Krieges. Er endete nach vier Jahren unentschieden mit dem Frieden von Mangalore. Die Entscheidung zu Gunsten Großbritanniens fiel schließlich im Dritten (1789-1792) und Vierten Mysore-Krieg (1799), in dem Tipu Sultan fiel und seine Hauptstadt Shrirangapattana eingenommen und zu großen Teilen zerstört wurde. Auf französische Unterstützung hatte er auf Grund der Wirren der Französischen Revolution bzw. des ungünstigen Verlaufs der Ägypten-Expedition Napoleons vergebens gehofft.
Nach dem Tode Tipu Sultans stutzten die Briten Mysore auf seine ursprüngliche Größe zurück und setzten die Wodeyars als Vasallen wieder ein. Die übrigen Gebiete teilten sie zwischen den Präsidentschaften Bombay und Madras auf. Die Marathen, die zu diesem Zeitpunkt noch immer den Norden Karnatakas hielten, wurden 1818 besiegt und entmachtet. 1831 unterstellte man auch Mysore wegen angeblicher finanzieller Verfehlungen der Rajas der unmittelbaren Verwaltung durch die Britische Ostindien-Kompanie bzw. ab 1857 Britisch-Indien. 1881 erhielten die Wodeyars aber ihr Reich zurück.
Mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurde das Königreich Mysore zum Bundesstaat. 1956 erhielt dieser im Zuge der Neuordnung der Bundesstaaten nach Sprachgrenzen seine heutige Ausdehnung durch die Zusammenlegung mit Coorg sowie den kannadasprachigen Teilen der ehemaligen Staaten Bombay, Madras und Hyderabad. Seit dem 1. November 1973 trägt der Bundesstaat den heutigen Namen Karnataka.
Obwohl Karnataka stärker industrialisiert ist als viele andere Bundesstaaten, ist die Mehrheit der Bevölkerung noch immer im Agrarsektor beschäftigt. Rund 55 Prozent der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Die wichtigsten Anbaupflanzen sind Reis, Ragi (Fingerhirse), Sorghum, Mais und Hülsenfrüchte. Als Plantagenpflanzen werden vor allem Zuckerrohr und Kaffee angebaut, in geringerem Umfang auch Kokos-, Cashew- und Betelnüsse sowie Chili, Kardamom, Baumwolle und Tabak. Karnatakas Anteil an der gesamten Kaffeeproduktion Indiens beträgt 60 Prozent. Von Bedeutung ist auch die Blumenzucht.
Bergbau
Karnataka ist relativ reich an Bodenschätzen. Die wichtigsten vorkommenden Rohstoffe sind Eisen-, Mangan- und Kupfererze, Magnesit, Bauxit, Granit sowie Kalkstein. In geringeren Mengen kommen auch Chromeisenstein, Dolomit, Quarz und Asbest vor. Zudem ist Karnataka der einzige indische Bundesstaat, der über nennenswerte Gold
Industrie Bangalore Infy.jpg
Karnataka zählt zu den höher industrialisierten Bundesstaaten Indiens. Etwa ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes wird im industriellen Bereich erwirtschaftet. Die Hauptstadt Bangalore hat sich zu einem der Zentren der indischen IT-Industrie entwickelt. Zahlreiche ausländische Softwarefirmen haben sich dort angesiedelt. Auch die Elektronik-, Luftfahrt-, Maschinen- und Biotech
Dienstleistungen
In den letzten Jahren wies der Dienstleistungssektor stets das höchste Wachstum auf (10,3 Prozent im Zeitraum 2002/03) und hat sich zum Hauptträger der Wirtschaft entwickelt. Mittlerweile trägt er mehr als die Hälfte zum BIP Karnatakas bei. Der IT-Bereich ragt besonders heraus. Karnataka war 1991 der erste indische Bundesstaat, der einen Softwaretechnologiepark einrichtete. Heute erbringt der Staat 36 Prozent der gesamtindischen Softwareausfuhren.
Bei der Gesundheit weist Karnataka statistisch gesehen bessere Werte auf als im Landesdurchschnitt. Die Lebenserwartung betrug 1999 64,0 Jahre (Männer: 62,4 Jahre, Frauen: 65,5 Jahre). Sie war damit höher als durchschnittlich in Indien, wo sie im gleichen Jahr bei 61,7 Jahren (Männer: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre) lag. Die Kindersterblichkeitsrate lag 2002 mit 55 Totgeburten auf 1000 Lebendgeburten niedriger als im Landesdurchschnitt (63 auf 1000).
Karnatakas Straßennetz umfasst rund 153.000 Kilometer (Stand: 2004), davon sind knapp 4000 Kilometer National Highways. Die Bewältigung des stark wachsenden Verkehrsaufkommens – allein der Verkehr auf den National Highways nimmt pro Jahr um etwa 20 Prozent zu – wird zusehends schwieriger. Obwohl die Regierung des Bundesstaats den Straßenbau vorantreibt, kann der Ausbau mit dem schnellen wirtschaftlichen Wachstum kaum Schritt halten.
Eisenbahnnetz
Das Schienennetz der Eisenbahn umfasst in Karnataka knapp 3200 Kilometer. Die Konkan-Bahn, sicherlich das ehrgeizigste Eisenbahnprojekt Indiens seit der Unabhängigkeit, konnte 1998 nach siebenjähriger Bauzeit eröffnet werden. Sie führt über 760 Kilometer die Konkanküste entlang und verbindet Mangalore mit der südlich von Mumbai in Maharashtra gelegenen Stadt Roha.
Flughäfen
Der einzige internationale Flughafen Karnatakas befindet sich in Bangalore (IATA-Code: BLR). Da er für eine Stadt dieser Ausmaße viel zu klein ist, soll bis 2006 ein neuer Flughafen gebaut werden. Inlandsflughäfen befinden sich außerdem in Belgaum (IATA-Code: IXG), Hubli-Dharwar (IATA-Code: HBX) und Mangalore (IATA-Code: IXE). Ein weiterer in Mysore ist derzeit in Planung.
Seehäfen
Karnataka verfügt mit Mangalore über einen der zwölf Hauptseehäfen Indiens. Im Jahr 2004/05 (April bis März) wurden dort 33,89 Millionen Tonnen umgeschlagen. Damit lag Mangalore an sechster Stelle, wobei es auch noch die höchste Wachstumsrate Indiens aufwies. Daneben existieren noch einige kleinere Häfen, vor allem Karwar im Norden der Küste des Bundesstaates ist dabei hervorzuheben.
Stromversorgung
Die Stromversorgung ist – wie fast überall in Indien – unzureichend. Stromausfälle sind auf Grund des hohen Energiebedarfs der boomenden Industrie und Wirtschaft allgemein sogar eher noch häufiger als durchschnittlich in Indien. Der Großteil des elektrischen Stroms wird durch Wasser-, Wärme- und Atomenergie erzeugt. Asiens erstes Wasserkraftwerk entstand 1902 in Shivasamudram in Südkarnataka. Bemerkenswert ist die starke Förderung der Windenergie.
Aber nicht nur die Sprache, sondern auch die männliche Kleidung (Lunghi), das Essen, die Tempelbauten und die Musik vermitteln dem aus Nordindien kommenden Reisenden nicht unbedingt das Gefühl, noch im selben Land zu sein. Der Lunghi ist ein etwa 1,20 Meter breites und zwei Meter langes, sehr dünnes Tuch, das von den erwachsenen Männern um die Hüften geschlungen und ohne Hilfsmittel befestigt getragen wird. Westliche Shorts gelten als Unterhosen und rufen vor allem bei Kindern in ländlichen Gebieten meistens sofort große Heiterkeit hervor.
Die Landesküche ist weniger scharf als im Norden und reichhaltiger mit verschiedenen Gemüsen ausgestattet, zusätzlich zu diversen Pickles und Chutneys.
Die Tempelbauten erreichen gigantische Ausmaße von über zwei Quadratkilometern Grundfläche, meistens von einer Mauer umgeben. In der Mauer gibt es Torgebäude von über achtzig Metern Höhe, die übersät sind von hunderten bemalten, verschiedenartigen Götterfiguren. Dabei sind die Tordurchlässe selbst so hoch, dass ein geschmückter Tempelelefant mit Reitgondel optisch ein imposantes Bild beim Durchschreiten des Tores bietet. Wo vorhanden, sind alle Tempelgebäude, der für die rituellen Waschungen wichtige Tempelteich und sogar das Pflaster der Tempelhöfe aus reinem Granit.
Die Musik unterscheidet sich ebenfalls deutlich von der im Norden, allein schon durch die gespielten Instrumente. Als wichtigstes wäre davon zu nennen die Nadaswaram, ein hölzernes, der Oboe ähnliches Blasinstrument von über einem Meter Länge, das einen sehr schrillen, durchdringenden Ton abgibt. Meist wird es im Doppelpack bei Tempelzeremonien gespielt, wobei beide Instrumente möglichst synchron spielen. Begleitet wird die Nadaswaram von der Trommel Tavil, einer sogenannten Zweifelltrommel, deren beide Felle links mit der Hand und rechts mit einem Stock gespielt werden. Zu einem Nadaswaram-Doppelpack gehört natürlich auch ein Tavil-Doppelpack, ebenfalls synchron gespielt. Die Veena ist ein südindisches Saiteninstrument, ähnelt der nordindischen Sitar, ist aber anders bespannt und gestimmt und klingt auch dementsprechend anders. Andere Trommeln wären noch: Kanjira (mit Echsenhaut bespannt und mit nur einer Hand geschlagen), Mridangham (Zweifelltrommel, bei der beide Felle mit den Händen geschlagen werden) und Ghatam (Tontopf aus speziellem, mit Eisenspänen vermischtem Ton gebrannt; wird mit beiden Händen geschlagen). Die im Ausland bekanntesten Virtuosen von Kannada-Musik bilden das Karnataka College of Percussion, eine Formation, die im Westen vor allem durch Fusion-Konzerte mit Charlie Mariano bekannt wurde.
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