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Karl Martell, der Hammer (* 23. August 686 in Herstal/Wallonien; † 22. Oktober 741 in Quierzy) war ein fränkischer Hausmeier aus dem Geschlecht der Arnulfinger, großmütterlicherseits aus dem der Pippiniden, das in der Folge nach ihm Karolinger genannt wurde. Seine Eltern sind der Hausmeier Pippin der Mittlere und dessen Friedelfrau Chalpaida.

Leben


Karl beherrschte von 714 bis 741 als Hausmeier die fränkischen Teilreiche. Im Teilreich Austrien war er dabei 715 bis 717, 718 bis 720 und 737 bis 741 sogar - in Ermangelung eines Königs - Staatsoberhaupt. Das gleiche gilt für das Teilreich Neustrien in den Jahren 737 bis 741.

Nach dem Tod seines Vaters Pippin des Mittleren setzte sich Karl Martell in der Nachfolgefrage gegen seine Stiefmutter Plektrud und deren minderjährige Enkel durch. In der gleichen Zeit besiegte er, von seiner Machtbasis in Austrien ausgehend, mehrere neustrische Machthaber. Seine militärischen Erfolge galten den Zeitgenossen als ein Beweis für das "Heil" der karolingischen Familie und festigten den Bestand des Frankenreichs.

Sein berühmtester Sieg, die Schlacht von Tours und Poitiers gegen die aus Spanien einfallenden Mauren im Jahre 732, bei der der maurische Anführer Abd ar-Rahman fiel, wird oft als Rettung Europas vor den einfallenden Muslimen angesehen, obwohl sie als Einzelereignis eher unbedeutend war und im Zusammenhang mit weiteren Kämpfen gegen die Araber gesehen werden muss. Die in der Folge dieser Schlacht eingeführte Heeresreform sollte jedoch von geschichtlicher Bedeutung sein: Karl ließ eine schwere gepanzerte Reiterei aufstellen (im Gegensatz zu den bis dahin vorherrschenden freibäuerlichen Fußtruppen) und stattete die Ritter mit Lehen aus, womit er einen entscheidenden Impuls für die Herausbildung des Lehnswesens im Frankenreich gab. Zwar wurden dafür auch Kirchengüter herangezogen, Karl Martell betrachtete dies allerdings nicht zuletzt als eine Maßnahme, um das Christentum militärisch verteidigen zu können.

Neben den innerfränkischen Auseinandersetzungen und der Abwehr der Mauren führte Karl Martell Krieg gegen Sachsen, Friesen, Thüringer, Alemannen und Bayern. Diese Feldzüge dienten der Grenzsicherung und der Ausdehnung des Reiches. Karl trieb auch die nachfolgende christliche Missionierung dieser Gebiete voran, teilweise in Zusammenarbeit mit Bonifatius. Letzteres brachte ihn aber in Konflikt mit dem neustrischen Episkopat, das sich durch die Bistumsgründungen Bonifatius' bedroht sah. In Karls Regierungszeit fiel auch das erste Hilfsgesuch eines Papstes an einen Frankenherrscher, als die Langobarden 739 Rom belagerten. Karl kam dieser Bitte, mit der ein Bündnisangebot einherging, nicht nach. Unter seinen Nachfolgern sollte das Bündnis mit dem Papst zu einer entscheidenden politischen Konstante werden.

Während seiner Amtszeit verloren die merowingischen Könige des Frankenreichs weiter an Bedeutung und Einfluss. Nach dem Tod Theuderichs IV. 737 verzichtete Karl endgültig auf die Legitimierung seiner Macht als Hausmeier durch einen merowingischen Schattenkönig, allerdings vermied er ebenso den sofortigen Griff nach der Krone, möglicherweise aufgrund der negativen Erfahrungen mit einem derartigen Staatsstreich durch Karls Großonkel Grimoald des Älteren, der für die Dynastie fast das Ende bedeutet hätte.

Kurz vor seinem Tod teilte Karl Martell sein Reich zwischen seinen Söhnen aus erster Ehe, Karlmann und Pippin, auf. Karlmann bekam Austrien, Alemannien und Thüringen, Pippin Neustrien, Burgund und die Provence. Allerdings sind die wenigen Quellen (Reichsannalen, Bericht des Fredegar, Metzer Annalen, Einhardsannalen), auch hinsichtlich der rechtlichen Behandlung von Karls jüngerem Sohn Grifo, hierzu nicht eindeutig und übereinstimmend, teilweise stammen sie auch erst aus dem 8. bzw. 9. Jahrhundert. Als Grabstätte wählt Karl Martell die Abtei Saint-Denis, wo mehrere fränkische Könige beigesetzt waren. Damit unterstrich er den Anspruch seiner Familie auf die Königswürde.

Der Name Karl bedeutet so viel wie "Kerl" oder "Mann". Er ist der erste Träger dieses Namens in seiner Familie. Sein Beiname "Martell" bedeutet "der Hammer", ist jedoch nicht zeitgenössisch.

Feldzüge Karl Martells


716 Karl Martell besiegt die aufständischen Friesen und Sieg über König Chilperich II. (Fränkischer König] bei Ambleve
719 Sieg bei Soissons über den von Chilperich II zu Hilfe gerufenen Eudo, Herzog von Aquitanien
724 Niederschlagung von aufständischen Sachsen
725 Feldzug gegen die Alamannen und Sweben, Karl Martell fällt in Bayern ein und besiegt Grimoald
732 Sieg über die arabischen Heere unter Führung von Abd ar-Rahman bei der Schlacht von Tours und Poitiers
733 Erneuter Feldzug gegen die Friesen unter Friesen-Häuptling Bobo
737 Zurückschlagung der arabischen Heere bei Avignon
738 Karl Martell richtet ein Blutbad unter aufständischen Sachsen bei Wesel an

Nachkommen


Erste Ehe: Karl heiratete Chrotrud († vor 725).

Zweite Ehe: Karl heiratete Swanahilde illustris matrona, 725-741 bezeugt, Nichte Herzog Odilos von Bayern.
  • Grifo (* wohl 726, † 753 bei St-Jean-de-Maurienne)
Dritte Verbindung: N.N. (möglicherweise Ruadheid)
  • Bernhard (* vor 732, † 787), der 1. eine Fränkin, 2. eine Sächsin heiratet
  • Hieronymus, 754 bezeugt
  • Remigius (oder Remedius) († 771), 755 Bischof von Rouen

Literatur


  • Theodor Brensig: Jahrbücher des fränkischen Reiches 714-741. Die Zeit Karl Martells. Berlin, 1975 (2. Aufl)
  • Jörg Jarnut (Hrsg.): Karl Martell in seiner Zeit (Beihefte der Francia 37), Sigmaringen 1994.
  • Waltraud Joch: Legitimität und Integration. Untersuchungen zu den Anfängen Karl Martells, Historische Studien 456, Husum 1999
  • Ulrich Nonn: Das Bild Karl Martells in den lateinischen Quellen vornehmlich des 8. u. 9. Jahrhunderts, in: Frühma. Stud. 4, 1970, S. 70-137
  • Ulrich Nonn: Die Schlacht bei Poitiers 732. Probleme historischer Urteilsbildung, in: Rudolf Schiefer (Hrsg.), Beiträge zur Geschichte des Regnum Francorum, Sigmaringen, 1990
  • Thomas R. P. Mielke: Karl Martell. Der erste Karolinger, Romanbiographie, Lübbe, Berg.-Gladb. 2002, ISBN 3404146573

Weblinks


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