Karl Mannheim (* 27. März 1893 in Budapest; † 9. Januar 1947 in London) war ein Soziologe und Philosoph jüdischer Abstammung.
Mannheim hob hervor, dass menschliches Denken und Erkennen nicht in rein theoretischem Rahmen ablaufen, sondern von gesellschaftlichen und geschichtlichen Lebenszusammenhängen geprägt werden. Mit der Konzeption des "totalen Ideologiebegriffs" nahm Mannheim eine radikale wissenssoziologische Position ein, die relativistisch argumentierte, und von Gegnern als nihilistisch bezeichnet wurde. Im Gegensatz zu Marx postulierte Mannheim einen Ideologiebegriff, der jedes Denken, auch das eigene, als ideologisch, nämlich notwendig perspektivisch betrachtete. Er hat dies detailliert v.a. für das konservative, das liberale und das sozialistische Denken gezeigt.
Er beschäftigte sich mit politischen Krisenerscheinungen in der Massendemokratie. Im Gegensatz zur einseitig geleiteten Gesinnung und zur laisser-faire-liberalistischen Demokratie, die die Gefahr des Umschlagens in eine totalitäre Diktatur einschließe, empfahl Mannheim als dritten Weg die "geplante Demokratie" mit einer "Planung für Freiheit", wobei Planung "als rationale Beherrschung der irrationalen Kräfte" verstanden wird. Die Gesellschaft der "geplanten Freiheit" setzt die Umformung des Menschen voraus. Laut Mannheim ist dafür eine Zusammenarbeit von Soziologen und Theologen von Bedeutung.
Von Karl Mannheim stammt der Begriff der "frei schwebenden Intelligenz", die von Menschen ausgeht, die sich von einer normativen Bindung an eine Klasse "befreit" haben.
Ebenso gilt er als Pionier der Jugendsoziologie, wobei er den Begriff der Generation benutzte, um Kohorten (Geburtsjahrgänge) zusammen zu fassen, die ein einschneidendes Jugenderlebnis (z. B. den Ersten Weltkrieg) geteilt haben, und so gegenüber künftigen sozialen Herausforderungen (Lebenszusammenhängen) erwartbar einander ähnliche soziale Antworten geben würden.
Mannheims Vorschlag einer "geplanten Demokratie" und "Planung für die Freiheit" wurde von Friedrich August von Hayek in dessen Buch Der Weg zur Knechtschaft scharf angegriffen. Hayek argumentierte, dass selbst zunächst von Demokratien beschlossene planwirtschaftliche Maßnahmen unvermeidlich mit Individualrechten in Konflikt geraten und damit - wenn auch nicht unbedingt beabsichtigt - gerade den Weg zu totalitären Systemen ebnen würden. Diese würden dann die "Umformung des Menschen" mittels Gewalt betreiben. Dementsprechend sei in Mannheims Werk bereits eine Tendenz zur Einschränkung des rechtsstaatlichen Prinzips zugunsten angeblich höherer Ideale erkennbar.
Nick Abercrombie entwickelt aus der Arbeit Mannheims eine Kritik, die er gemeinsam mit St. Hill und B. Turner 1980 unter dem Titel: The Dominant Ideology Thesis veröffentlichte.
Mann | Soziologe (20. Jh.) | Philosoph (20. Jh.) | Autor | Geboren 1893 | Gestorben 1947
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