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Karl Bücher, selten auch Carl, (* 16. Februar 1847 in Kirberg, Hessen; † 12. November 1930 Leipzig) war ein deutscher Nationalökonom. Er war einer der Gründerväter der non-market economics und der wissenschaftlichen Journalistik (Zeitungswissenschaft) in Europa. Innovativ waren auch seine Beiträge zur Arbeitssoziologie ("Arbeit und Rhythmus") und Wirtschaftsgeschichte ("Die Entstehung der Volkswirtschaft").

Leben und Werk


Bücher studierte an den Universitäten Bonn und Göttingen Alte Geschichte und Philologie. Nach der Promotion war er mehrere Jahre als Lehrer auf einem Gymnasium tätig. 1878 nahm Bücher ein Angebot des Herausgebers der Frankfurter Zeitung, Leopold Sonnemann, an und wurde Redakteur des sozial- und wirtschaftspolitischen Ressorts. Aus einem immer stärker zu Tage tretenden Interesse für die sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen am Beginn der Ära Bismarck fasste er eine Habilitation ins Auge. 1881 erhielt er an der Universität München die Venia legendi für Nationalökonomie und Statistik. Nach Ordinariaten an den Universitäten Dorpat und Basel und an der Technischen Hochschule Karlsruhe folgte er 1892 einem Ruf nach Leipzig, er lehrte dort bis 1917 .

Büchers nationalökonomisches Werk ist charakteristisch für die Erkenntnisperspektive der „jüngeren Historischen Schule“ in der Nationalökonomie. Diese hatte zum Ziel, den zeitgenössischen Problemen durch die Rekonstruktion ihrer historischen Wurzeln auf die Spur zu kommen. Dafür steht auch Büchers „Wirtschaftsstufentheorie“, die er in dem Werk darstellte, mit dem er als Nationalökonom Ansehen und Berühmtheit erlangte, seine zweiteiligen Aufsatzsammlung „Die Entstehung der Volkswirtschaft“ (1893, 1918).

Wenig bekannt ist, dass Bücher zusammen mit Johann Friedrich Schär der Erfinder der Break-Even Analyse ist. Er formulierte das Gesetz der Massenproduktion.

Nach der Emeritierung widmete Bücher sich dem Feld, das ihn Zeit seines Lebens – praktisch in seinen Jahren als Journalist der „Frankfurter Zeitung“, theoretisch in seiner nationalökonomischen Lehre – begleitet hat: der Zeitungskunde. 1916 errichtete er an der Universität Leipzig das erste Institut für Zeitungskunde in Deutschland. Das Ziel des Institutes war, den angehenden Journalisten eine akademisch fundierte und ebenso berufsvorbereitende wie zeitungsfachliche Ausbildung zu ermöglichen, um damit das Niveau der Presse zu heben. Andererseits wollte er für die Presse eine Stätte der ernsten wissenschaftlichen Forschung schaffen. 1926 gipfelten seine Bemühungen für das Fach in der Einrichtung der ersten ordentlichen Professur für Zeitungskunde, die von Erich Everth besetzt wurde.

Karl Bücher besaß in Bad Liebenstein ein Sommerdomizil („Mein Belvedere“) -seine Nachfahren wohnen noch immer dort- und seine Studenten bauten ihm in Dankbarkeit im Wald ein Denkmal.

Karl Bücher starb am 12. November 1930 in Leipzig.

Er wurde im Kolumbarium auf dem Südfriedhof Leipzig (Nische II/25) beigesetzt. Die Urne wurde Anfang der 1990er Jahre gestohlen.

Schriften


  • Karl Bücher: Lebenserinnerungen. Laupp, Tübingen 1919 (nur Bd. 1 erschienen)
  • Karl Bücher: Arbeit und Rhythmus, Leipzig (Hirzel) 1904
  • Karl Bücher: Die Entstehung der Volkswirtschaft, zahlreiche Auflagen
  • Karl Bücher: Arbeitsteilung und soziale Klassenbildung. Frankfurt/Main, 1946.
  • Karl Bücher: Zur Frage der Pressereform. Tübingen, Mohr, 1922
  • Karl Bücher: Der deutsche Buchhandel und die Wissenschaft. Teubner Leipzig, 1903
  • Karl Bücher: Arbeit und Rhythmus. Teubner Leipzig, 1924

  • Arnulf Kutsch: Schriftenverzeichnis Karl Bücher. Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-934565-59-X (Bibliographie)

Literatur


  • Jürgen G. Backhaus: Karl Bücher. Theory - History - Anthropology - Non Market Economies. ISBN 3-89518-229-X

Weblinks


  • http://www.uni-leipzig.de/journal/gesichter/0506.htm

Mann | Deutscher | Wissenschaft | Wissenschaftler | Ökonom (19. Jh.) | Ökonom (20. Jh.) | Soziologe | Geboren 1847 | Gestorben 1930

Karl Bücher

 

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