Der Karfreitag (althochdeutsch "kara" = Klage, Kummer, Trauer), auch "Stiller Freitag" oder "Hoher Freitag", ist der Freitag vor Ostern. Die Bezeichnung "Guter Freitag" kommt aus dem Englischen von "Good Friday". Er folgt auf den Gründonnerstag und geht dem Karsamstag voraus. Der Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage der Christen, die an diesem Tag der Kreuzigung Jesu Christi gedenken. Unter Einbeziehung des Gründonnerstagabends ist der Karfreitag der erste Tag der österlichen Dreitagefeier (Triduum Sacrum oder Triduum paschale).
Die Karfreitagsliturgie ist eingebunden in die Dreitagefeier von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn, das Triduum Sacrum. Diese einzige Feier beginnt am Gründonnerstag mit der Messe vom Letzten Abendmahl und findet ihren Höhepunkt in der Auferstehungsfeier der Osternacht.
Der Wortgottesdienst beginnt mit einer Zeit des Schweigens, bei der sich Vorsteher und Assistenz als Zeichen von Demut, Schmerz und Trauer auf den Boden hinstrecken können (Prostratio). Nach einem Eröffnungsgebet folgen Lesungen aus dem Jesajabuch und dem Hebräerbrief, dazwischen der Gesang von Psalm 31. Höhepunkt der Wortfeier ist der Vortrag der Leidensgeschichte (Passion) nach dem Evangelisten Johannes, der traditionsgemäß mit verteilten Rollen erfolgen kann. Nach der Predigt folgen die Großen Fürbitten, welche die Anliegen der Kirche, der Welt und der Notleidenden in den Blick nehmen. Die Bitte für die Juden, deren aus dem Mittelalter stammender und bis ins 20. Jahrhundert gebrauchter Wortlaut als diskriminierend empfunden werden konnte, ist heute mit Wertschätzung für das Volk Israel und offenem Ziel formuliert. Jede der einzelnen Bitten besteht aus vier Teilen: (1) Gebetseinladung mit Nennung des Anliegens, (2) stilles Gemeindegebet im Knien, (3) zusammenfassende Oration des Vorstehers, (4) "Amen" als Ausdruck der Zustimmung aller Feiernden.
Die Kreuzverehrung (Adoratio crucis) bildet den zweiten Teil der Feier. Ein Kruzifix wird in den Altarraum gebracht und/oder dort enthüllt und gezeigt. Dann kommen alle Mitfeiernden zu diesem Kreuz und verehren es durch die klassischen Zeichen der anbetenden Kniebeuge und des Kusses; es sind auch Alternativformen möglich wie die Verneigung, das Niederlegen von Blumen, das Aufstecken von Kerzen oder das Einlegen eines Weihrauchkorns in ein Kohlebecken. Verschiedene Gesänge begleiten die Kreuzverehrung, darunter die klassischen Improperien und der Hymnus Pange lingua gloriosi proelium certaminis.
Eine schlichte Kommunionfeier, eingeleitet mit dem Vaterunser und abgeschlossen durch ein Dankgebet, bildet den dritten Teil des zentralen Karfreitagsgottesdienstes, der mit einem Segensgebet über das Volk endet. Da man am Karfreitag nach ältester Tradition keine festliche Eucharistie feiert, werden für die Karfreitagskommunion genügend Hostien aus der Messe des Gründonnerstags aufbewahrt. In manchen Gemeinden erfolgt keine Kommunionfeier, der Gottesdienst schließt dann mit dem Vaterunser.
Mancherorts schließt sich als weiteres, eher volkstümliches Element die Grablegung an. Das in der Feier verehrte Kreuz oder eine Figur des Leichnams Jesu werden dabei unter Gesang und Gebeten an einen feierlich geschmückten Ort, meist in einer Seitenkapelle der Kirche, verbracht.
Neben der Hauptfeier sind der Kreuzweg und die "Andacht von den Sieben Worten (Jesu am Kreuz)" beliebte Frömmigkeitsformen. Örtlich leben noch Karfreitagsprozessionen weiter, so in Lohr am Main und an anderen Orten des deutschen Sprachraums, in Süditalien und Sizilien und vor allem in Andalusien.
In der Katholischen Kirche ist der Karfreitag ein strenger Fast- und Abstinenztag. Die Tradition, freitags grundsätzlich kein Fleisch zu essen, ist auf den Karfreitag zurückzuführen. In vielen katholischen Landstrichen in Süddeutschland schweigen ab Karfreitag die Kirchenglocken. Sie fliegen, wie die Legende sagt, nach Rom. Stattdessen werden die Kirchgänger nach alter Tradition mit sogenannten Karfreitagsrätschen zur Kirche gerufen. Das sind Holzkästen, auf die von einer Kurbel angetriebene Hämmer schlagen. Gerätscht wird bis zum Ostersonntag, der Auferstehung Christi. Dann kehren die Glocken aus Rom zurück.
Heute hängt am Holz, der die Erde in die Wasser gehängt hat. Mit einem Kranz aus Dornen wird umwunden der König der Engel. Lügenhaft wird mit Purpur verhüllt, der den Himmel mit wolken verhüllt. Schläge hat empfangen, der im Jordan den Akam befreite. Mit Nägeln würde befestigt der bräutigam der Kirche. Mit einer Lanze wurde durchbohrt der Sohn der Jungfrau. Wir verehren deine Leiden, Christus. Zeige uns auch deine herrliche Auferstehung!
Die nächsten Gottesdienste, die am Freitag Morgen gefeiert werden, sind die Königlichen Stunden. In der anschließenden Vesper erfolgt die feierliche Auslegung des Grabtuchs Christi (epitaphios/plaschtschanica) in der Kirche. Dieses verbleibt dort bis zum Osterfest als Ort, vor dem die Gläubigen den ins Grab gestiegenen Christus verehren. In der Karfreitagsvesper wird immer gepredigt. Als besonderes Zeichen der Stille im Angesicht des Todes wird am Karfreitag keine eucharistische Liturgie gefeiert.
Selbstverständlich ist der Karfreitag in den orthodoxen Kirchen strenger Fastentag. Wenn überhaupt gegessen wird, so beschränkt sich das auf einfachste fettfreie pflanzliche Lebensmittel.
Der Karfreitag ist für die Christen einer der höchsten Feiertage. Nicht, weil Jesus ihrer Meinung nach dort leiden und sterben musste, sondern weil er demnach im Kreuzestod die Schuld aller Menschen auf sich nehme. Dadurch wird dem Christen erst Sündenvergebung und damit Errettung und Heil ermöglicht. Das Karfreitagsgeschehen sei auch nicht alleine und isoliert zu betrachten sondern steht in einer Reihe mit Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Nicht der Tod Jesu soll damit alleine das Große sein, sondern der Sieg Jesu über Hölle, Tod und Grab.
In Deutschland und den meisten Kantonen der Schweiz ist Karfreitag ein gesetzlicher Feiertag. In Österreich ist der Karfreitag kein gesetzlicher Feiertag.
Insbesondere viele Nichtchristen kritisieren das am Karfreitag geltende Tanzverbot, das auch für sie gilt. Es verbietet öffentliche Tanzveranstaltungen an diesem Tag abzuhalten, selbst wenn man sich nicht dem Christentum verbunden fühlt. Es müsse jedem selbst überlassen sein, wann man sich einer Tanzveranstaltung hingibt und Nichtchristen dürften im Zuge der Religionsfreiheit christliche Vorgaben nicht aufgezwungen werden. Vielmehr sollte es Christen überlassen bleiben, sich von solchen Veranstaltungen fernzuhalten. Andererseits argumentieren die christlichen Kirchen, dass öffentlicher Tanz ohne Beeinträchtigung der Nachbarn nicht möglich sei, und sie erwarten deshalb Rücksichtnahme auf den stillen Charakter des Karfreitags.
Besonders für die katholische Liturgiewissenschaft ist die Karfreitagsliturgie von großem Interesse, da sich an ihr der Grundsatz bewahrheitet: "Älteste Überlieferungen erhalten sich am ehesten in liturgisch hochwertiger Zeit". Zu den ältesten Überlieferungen zählen hier die Prostratio und die typisch römische Fürbittweise, nämlich die Großen Fürbitten. Denn bereits ab 500 übernahm die Kirche unter Papst Gelasius die Kyrielitanei aus dem Osten, die heute noch üblich ist.
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