Karen Blixen, eigentlich Karen Christence von Blixen-Finecke, geborene Dinesen, (* 17. April 1885 in Rungstedlund bei Kopenhagen, † 7. September 1962 ebenda) war eine dänische Schriftsteller in und 17 Jahre lang eine Kaffee-Farmerin in Kenia . Ihr Pseudonym auf dem deutschen Buchmarkt ist meist Tania Blixen. Ihre englischsprachigen Bücher erscheinen meist unter dem Pseudonym Isak Dinesen. Karen Blixen wird in dem Film Jenseits von Afrika von Meryl Streep dargestellt.
Karen besuchte Schulen in Kopenhagen, Paris und Rom. Sie hat als Kind häufig Kontakt zu ihrem späteren schwedischen Ehemann Bror von Blixen-Finecke. Er ist der Sohn von Baron Frederik von Blixen-Finecke und seiner Frau Clara von Blixen-Finecke und der Zwillingsbruder von Hans von Blixen-Finecke. Clara ist die Schwester des größten dänischen Landbesitzers, des Grafen Mogens Frijs, eigentlich Mogens Krag-Juel-Vind-Frijs von Schloss Frijsenborg. Mogens´ Mutter wiederum war die Tante mütterlichseits von Wilhelm Dinesen. Somit waren Brors Mutter und Karens Vater Cousins.
1909 verliebt sie sich in den schwedischen Baron Hans von Blixen-Finecke (1886-1917), einen Sohn des Cousins ihres Vaters. Diese Liebe bleibt unerwidert. Am 23. Dezember 1912 verlobt sich Karen stattdessen mit dem Bruder von Hans, ihrem Halbvetter Baron Bror von Blixen-Finecke auf Näsbyholm in Schweden. Die beiden beschließen, gemeinsam nach Kenia auszuwandern und eine Milchfarm bei Nairobi zu eröffnen. Die bürgerliche Familie von Karen, Dinesen, finanziert das Projekt. Karen flieht damit aus der Enge des bürgerlichen Elternhauses, um sich mit ihm außerhalb Dänemarks eine Existenz aufzubauen.
Im Dezember 1913 kommt Karen mit dem Schiff von Neapel nach Mombasa nach, wo Bror sie abholt und sie am 14. Januar 1914 heiraten. Auf dem Schiff hat Karen den deutschen Gouverneur von Tanganjika, Paul von Lettow-Vorbeck, kennen gelernt und mit ihm die Lieferung von mehreren Pferden vereinbart, einen Plan, den der Ausbruch des ersten Weltkriegs am 5. August 1914 durchkreuzen wird. Lettow-Vorbeck wird am 14. Januar 1914 in Mombasa ihr Trauzeuge, bevor er mit dem Schiff weiter in die deutsche Kolonie fährt. Später trägt das zu dem Verdacht der englischen Siedler bei, Karen Blixen sei eine Deutschenfreundin.
Als Karen und Bror die neue Farm erreichen, muss sie feststellen, dass ihr Mann keine Milch- sondern eine Kaffeefarm gekauft hat, deren Anbaugebiete ungewöhnlich hoch liegen. Zu dieser Zeit galt es noch als unmöglich, in einer Höhe von etwa 1700 m Kaffee anzubauen. Doch Karen versucht das Unmögliche. Später wird sie diese Zeit beschreiben und den Roman "Afrika, dunkel lockende Welt" mit den Worten beginnen Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong-Berge... - so beginnt auch der Film Jenseits von Afrika.
Bror, obwohl offiziell Manager der Farm, zeigt auch kein großes Interesse zu farmen, sondern gibt sich lieber den Großwildjagden und den damit verbundenen Safaris hin. Ähnlich wie sein späterer „Nachfolger“ Denys Finch Hatton ist Bror ein äußerst charmanter, witziger und liebenswerter Mann. Er war auch ein hingebungsvoller Krankenpfleger und guter Masseur, wenn Karen krank war (sie hat davon in ihren vielen Briefen an die Familie in Dänemark immer wieder berichtet).
Der Kleinkrieg während des 1. Weltkriegs entlang der Grenze zu Tanganjika entzog den Farmen Arbeitskräfte und Nachschub. Karen unternimmt mehrere Versorgungsfahrten zu den Truppen im Grenzgebiet
Zwischen 1915 und 1918 wird Kenia von einer großen Trockenperiode überzogen. 1917 stoppen die Briten die Kaffeeeinfuhr, und Krankheiten unter den Rinderherden brechen aus. Unter diesen extrem harten Bedingungen leiden in dieser Zeit alle Farmen Kenias – viele erst gerade gegründet.
Bror ging völlig sorglos mit dem Geld – meist das seiner Frau bzw. deren Familie - um. Es wird kolportiert, dass Bror geglaubt haben soll, eine Rechnung sei bezahlt, wenn er sie unterschrieben hätte.
Diese Eigenschaften führten aber auch dazu, dass er ein klassischer „womanizer“ (= "Weiberheld") war. Große Wirkung hat er auf seinen Safaris auch auf die Maassai-Frauen, wo er sich wohl 1915 auch die Syphilis holt und seine Frau ansteckt. In Nairobi wird sie mit Quecksilber-Tabletten behandelt. Karen verlässt 1915 zum ersten Mal Kenia, um sich in Dänemark mit dem neu entdeckten Salvarsan behandeln zu lassen. Bror fährt ihr nach. In Kopenhagen wird sie drei Monate stationär behandelt und die Krankheit so kontrolliert, dass sie nicht mehr ansteckend ist. Karen wird ihr Leben lang unter Dauer-Schmerzen als Nachfolge der Syphilis-Infektion leiden. Die Schmerzen wurden durch die Schwermetallvergiftung aufgrund der Quecksilber-Tabletten hervorgerufen.
1916 kommen beide nach Kenia zurück. Sie gründen abermals mit dem Geld der Dinesens die „Karen Coffee Corporation“, vergrößern Mbagathi auf 2.200 Hektar und kaufen eine zweite – gleichgroße - Farm in den White Highlands. Für kenianische Verhältnisse ist das eine relativ normale Farm, gibt es doch Latifundien, die 100.000 Hektar groß sind. Noch heute gibt es in Laikipia solch große Farmen.
1917 ziehen die Blixens auf dem zugekauften Farmgelände in das nächste Haus, "Mbogani", das heutige Museum. Mbogani war 1912 von dem Schweden Åke Sjögren erbaut worden. 1985 wurden in Mbagathi (dem ersten Haus), das heute eine Milchfarm ist und Mama Ngina gehört, die Szenen in Jenseits von Afrika gedreht, die in Karen Blixens zweitem Haus Mbogani spielen.
1919 Fahrt der beiden nach Dänemark bzw. Schweden. Bror kehrt im März 1920 nach Kenia zurück. Vorher bittet er Karen schriftlich um die Trennung. Karen willigt nicht ein, aber 1921 trennen sie sich durchaus gegen Karens Willen. Bror wird 1921 von Aage Westenholz, Karens Onkel und Vorsitzender der Karen Coffee Corporation, als Manager entlassen. Karen lebt für ein Jahr mit ihrer Mutter auf Rungstedlund. Sie leidet an Spanischer Grippe, Blutvergiftung und ständigen Schmerzattacken.
1925 wird die Ehe geschieden.
Im Januar 1925 fahren die drei zurück nach Dänemark. Dort versucht Karen Kontakte herzustellen, um ihre Werke veröffentlichen zu können, u.a. mit Georg Brandes, dem führenden dänischen Kritiker.
Am 1. Februar 1926 kehrt Karen auf ihre Farm zurück. Ihre Krise versucht Karen in langen und intensiven Briefen an ihren Bruder zu bewältigen. 1927, am 23. Januar, kommt ihre Mutter erneut nach Kenia und bleibt für mehr als drei Monate auf der Farm.
1929 wird ihre Mutter ernsthaft krank, und Karen weilt vom 18. Mai bis 25. Dezember in Rungstedlund. Sie besucht die Finch Hattons in England. Thomas Dinesens Buch „""Niemandsland''“, Erinnerungen an die Französische Front im 1. Weltkrieg, an dem er hoch dekoriert teilgenommen hat, erscheinen auf Dänisch. Die Beziehung zu Denys bricht.
Nach der Scheidung zieht Denys ganz bei ihr in "Mbogani" ein. 1926 ist Karen wieder schwanger. Denys hat Schwierigkeiten, sich vorzustellen, Vater zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Am 21. Mai 1926 sendet er Karen aus England ein Telegramm bezüglich "Daniels" (das Codewort für ein Kind): "Reference your cable and my reply please do as you like about Daniel as I should welcome him if I could offer partnership but this is impossible STOP You will I know consider your mother's views Denys." Karen hat wieder eine Fehlgeburt. 1927 ist das harmonischste Jahr, in dem der bisexuelle Denys nach dem Tod seines Freundes Berkeley Cole endlich sehr viel Zeit mit Karen verbringt.
Karen Blixen führte ein sehr offenes Haus mit berühmter Küche. Am 9. November 1928 speist der Prince of Wales auf seiner Safari in Ostafrika, deren Leiter Denys war, mit Karen, Bror, Denys und der schwangeren Beryl Markham in Mbogani. Die neue Baroness Blixen (Bror hat mittlerweile wieder geheiratet) macht Karens gesellschaftliche Situation in Kenia kompliziert. Das Dinner mit dem Prinzen, das Denys arrangiert hat, soll Karens Stellung stärken. Andererseits wird die Beziehung von Karen und Denys besonders durch Denys Entscheidung belastet, Bror mit auf die Safari mit dem Prinzen zu nehmen.
Sie verkauft die Farm an Remi Martin, einen Geschäftsmann aus Nairobi, der nichts mit der französischen Cognac-Marke Rémy Martin zu tun hat. Remi Martin parzelliert ihr Land und verkauft es an wohlhabende Siedler, die dort große Villen oder kleinere Stadtfarmen errichten. Bis heute ist das Land um ihre Farm, das ihren Namen "Karen" trägt, ein eleganter Wohnort von Nairobi geblieben.
Karen Blixen hat, frei von Vorurteilen, bei den einheimischen Völkern Kenias das entdeckt, was ihr bei den Europäern fehlte: menschliche Würde und Weisheit.
1934 veröffentlichte sie "Seven Gothic Tales" in Englisch und gewann damit 1939 einen Preis, den Tagea Brandt Rejselegat. Während des Zweiten Weltkriegs, als die Deutschen Dänemark besetzt hielten, schrieb sie ihren einzigen großen Roman "The Angelic Avengers", der als Allegorie des Untergangs des Naziregimes interpretiert wird. In den 40er und 50er Jahren widmete sie sich ganz den Erzählungen in der Tradition der Geschichtenerzähler. Die bekannteste dieser Erzählungen aus jener Zeit ist Babettes Fest. Eine der Geschichten, eigentlich ein Märchen, "An Immortal Story", in der ein alternder Mann seine Jugend zurück kaufen will, wurde 1968 von Orson Welles verfilmt.
In den 50er wurde ihr das Schreiben aufgrund ihrer schwer angeschlagenen Gesundheit unmöglich, doch sie sprach in verschiedenen Radiosendungen. Viele ihrer Werke erschienen dann posthum. Im Alter von 76 Jahren starb sie völlig abgemagert auf dem Familiensitz.
Rungstedlund ist seit 1991 ein Museum, das von der Familie begründeten "Rungstedlund-Stiftung" betrieben wird.
In der Zeit ihres Aufenthalts in Kenia hatte sich Karen Blixen angewöhnt in der für sie ja fremden Sprache Englisch zu schreiben. Das behielt sie auch in Dänemark so bei, schrieb erst in Englisch und übersetzte dann selbst ins Dänische. Viele ihrer Bücher wurden parallel auf Englisch und Dänisch publiziert. Ihr Englisch war von großer Raffinesse und Schönheit. Besonders die atmosphärische Dichte ihrer Werke wurde viel gerühmt. Ihre Arbeit wurde u.a. von Ernest Hemingway und Truman Capote aufrichtig bewundert.
1954 ging das Gerücht, Blixen solle den Nobelpreis für Literatur erhalten, der dann allerdings an Ernest Hemingway verliehen wurde. Der lobte dann Blixen und meinte, sie sei des Preises eigentlich würdiger gewesen; aber auch ohne den Preis müsse man sie immer zu den großen Frauengestalten ihres Jahrhunderts zählen.
Von afrikanischen Autoren wird Karen Blixen trotz aller bekundeten Sympathie für Land und Leute ein koloniales Verständnis für die Afrikaner vorgeworfen: Herrenmenschentum! Sie habe die afrikanischen Menschen rassistisch in eine Reihe und auf eine Stufe mit Antilopen und wilden Tieren gestellt (tatsächlich heißt das erste Kapitel in "Jenseits von Afrika" wie die Antilope "Lulu").
Deutsche Ausgaben
Posthum erschienen
Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Dänisch) | Literatur (Englisch) | Phantastische Literatur | Reiseliteratur
Frau | Däne | Geboren 1885 | Gestorben 1962
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