| Kapstadt, Südafrika | |
|---|---|
| Cape Town and Robben Island seen from Table Mountain.jpg | |
| Flagge | |
| Lage in Südafrika | |
| Basisdaten | |
| Gründungsjahr: | 1652 |
| Provinz: | Westkap |
| Fläche: | 1.644 km² |
| Einwohner: | 2.375.910 (2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 1.158 Einwohner/km² |
| Höhe: | 0 m ü. NN |
| Vorwahl: | National: 021 International: +2721 |
| Geografische Lage: | |
| Offizielle Website: | www.capetown.gov.za |
| Politik | |
| Bürgermeister | Helen Zille |
Da Kapstadt die erste Stadt war, die in der Kolonialzeit im heutigen Südafrika gegründet wurde, wird sie von den Südafrikanern auch gern als die „Mutterstadt” (Mother City) bezeichnet.
Der Werbeslogan von der „einzigen Stadt auf der Welt, die an zwei Ozeanen liegt”, mit dem Kapstadt immer wieder beworben wird, ist jedoch nicht korrekt, da sich der Atlantische und Indische Ozean nicht schon an der Kaphalbinsel „treffen”, sondern erst am etwa 200 km östlich gelegenen Kap Agulhas, welches gleichzeitig den südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents darstellt.
Situationsplan_von_Kapstadt.jpg Während der 150-jährigen niederländischen Herrschaft wuchs die Siedlung zu einem wichtigen und lebendigen Hafen heran, der auch die Taverne des Meeres genannt wurde, da er Rast und Aufenthalt für die vielen Schiffe bot, die zwischen Europa und Asien verkehrten. Als die VOC am Ende des 18. Jahrhunderts nahezu bankrott war, wurde die Stadt eine leichte Beute für britische Imperialisten, die ihr Einflussgebiet in diese Region erweitern wollten. Nach der Niederlage der Holländer gegen die Briten im Jahr 1806 am Bloubergstrand, etwa 25 Kilometer nördlich von Kapstadt gelegen, wurde die Kolonie am 13. August 1814 zur Britischen Kronkolonie erklärt und die Sklaverei abgeschafft.
Die Entdeckung und der erstmalige Abbau von Diamanten und Gold auf dem Highveld im Inneren des Landes in den Jahren zwischen 1870 und 1890 veränderte Kapstadt sehr schnell. Die Stadt war nun nicht mehr die einzige und dominierende Großstadt der Kolonie, erlangte aber als größter Hafen des Landes Reichtum und Wohlstand, während sich immer mehr Industriebetriebe in der Stadt ansiedelten. Zu dieser Zeit erwirtschaftete der damals in Kapstadt lebende Premierminister der Kapkolonie Cecil John Rhodes Millionen mit seinem Konzern De Beers, noch heute der größte Diamantenförderer der Welt.
Die Beulenpest im Jahr 1901 diente der damaligen Regierung der Kolonie als Vorwand, um die Rassentrennung einzuführen. Die schwarze Bevölkerung wurde in zwei Gebiete abgeschoben, eines nahe den Docks am Hafen und das andere in Ndabeni an der Ostseite des Tafelbergs. Aus dieser Siedlung entwickelten sich später die Townships der sogenannten Cape Flats. Als die National Party im Jahr 1948 die Wahlen gewann und daraufhin das Apartheid-System installierte, führte dies zu einer Reihe von gewalttätigen Auseinandersetzungen und Gerichtsverhandlungen, durch die die Rechte der schwarzen und farbigen Bevölkerung Kapstadts systematisch beschnitten wurden. Das Ergebnis waren nach Hautfarbe getrennte Wohnviertel und Stadtteile.
800px-Blick_auf_Kapstadt.jpg Jahrzehntelang versuchte die weiße Regierung schwarze Elendssiedlungen zu entfernen, da diese als Ursprung für Widerstandbewegungen gegen das Apartheid-Regime angesehen wurden. Ein letzter Versuch wurde im Jahr 1986 unternommen, als etwa 70.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden sollten und dabei Hunderte starben. Da auch diese radikalen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führten, beugte sich die Regierung und begann die Lebensverhältnisse in den armen Vierteln zu verbessern.
Am 11. Februar 1990, nur Stunden nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis, hielt Nelson Mandela seine erste öffentliche Rede seit Jahrzehnten vom Balkon des Rathauses von Kapstadt, in der er den Beginn einer neuen Ära in Südafrika ankündigte. Kapstadt hat sich seit dem Ende der Apartheid grundlegend geändert. Die Grundstückspreise entwickelten sich rasant, das Stadtzentrum ist sicherer und viele Stadtviertel wurden mittels großzügiger Sanierungsprogramme entwickelt.
Trotzdem lebt die Mehrheit der Einwohner Kapstadts noch immer in denselben, nun nach Einkommen getrennten, Stadtvierteln der Cape Flats und leidet nach wie vor unter denselben wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Problemen. Abgesehen von einer sich bildenen kleinen farbigen und schwarzen finanziellen Oberschicht lassen die erhofften sozio-ökonomischen Verbesserungen auf sich warten. Auch Probleme von vor der südafrikanischen „Wende” – sind dieselben geblieben, wie AIDS und Drogenkriminalität, die in den Touristenschwärmen geeignete Beschaffungsquellen sieht.
Wegen der fortbestehenden Probleme und der zunehmenden Korruption wird die Kritik am regierenden African National Congress immer stärker. Vor allem die Farbigen fühlen sich häufig diskriminiert durch die Politik des ANC gegenüber der Sprache Afrikaans und treten für mehr Einfluss der schwarzen Bevölkerung ein. Bei den Stadtratswahlen am 1. März 2006 wurde deshalb die oppositionelle Democratic Alliance/Demokratiese Alliansie die größte Partei der Stadt. Zur Bürgermeisterin wurde am 15. März 2006 Helen Zille von der DA gewählt.
Mit dem Ende der Apartheid gibt es auch keine diskriminierenden Regelungen mehr. Dennoch ändert sich der Zustand nur langsam. Erst einem geringen Teil der ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen ist es bisher gelungen, in die teureren weißen Wohngebiete umzuziehen.
Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten gehören der Tafelberg, aber auch die Victoria and Alfred Waterfront, der victorianische Teil des Hafens, der mit Boutiquen, Restaurants und Museen Two Oceans Aquarium attraktiv gemacht wurde. Als Vorbild diente die Waterfront in San Francisco.
Die Innenstadt bietet eine Vielzahl von Museen und historischen Gebäuden, wie das Kastell (Castle of Good Hope), das älteste erhaltene Gebäude Südafrikas. Es entstand im Jahr 1666 nach dem Vorbild barocker Festungen, war jedoch nie in Kampfhandlungen verwickelt. Weitere interessante Orte sind die City Hall, 1905 erbaut, die St. Georges Cathedral, Sitz des anglikanischen Erzbischofs, die Nationalgalerie und das Nationalmuseum.
In der Innenstadt befindet sich mit der Long Street eine der belebtesten Straßen der Stadt. Hier findet man Kneipen, Restaurant und Nachtclubs, die die Straße zur Vergnügungsmeile machen.
Ein Touristenmagnet ist die ehemalige Gefängnisinsel Robben Island, auf der Nelson Mandela gefangen war. Seit 1999 ist die Insel von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden. Sie wurde von den Apartheid-Regierungen als Lager für politische Häftlinge verwendet.
Viel besucht werden in den Sommermonaten die touristischen Vororte Camps Bay und Clifton, die zu den beliebtesten und meistbesuchten Stränden gehören und fast ausschließlich vom Tourismus leben. Der Bloubergstrand im Norden der Stadt wird meist von Wassersportlern benutzt.
Zu nennen ist außerdem der Botanische Garten Kirstenbosch am südlichen Fuß des Tafelbergs, einer der schönsten Gärten des Landes, welcher der Stadt im Jahr 1902 von Cecil Rhodes geschenkt wurde. Das Gelände wurde 1914 zum Botanischen Garten gemacht, um die einmalige Flora unter Schutz zu stellen und war der erste geschützte Garten dieser Art.
Sehenswert ist auch das nur 15 Fahrminuten von der Innenstadt an dem Autobahnkreuz N1/N7 günstig gelegene Großprojekt Century City, das einen Themenpark (Ratanga Junction), ein Einkaufzentrum (Canal Walk), ein Spielcasino, ein Feuchtgebiet-Reservat (Intaka Wetlands), Wohnungen und Büros umfasst. Canal Walk bietet über 400 Geschäfte, ein Kinozentrum, zahlreiche Restaurants und 2 Hotels. Zur Zeit werden dort noch weitere Wohneinheiten gebaut.
Der Flughafen ist sehr gut über das örtliche Straßennetz erreichbar. Die N2 (Garden Route, Durban) führt direkt an der Landebahn vorbei und die N1 (Bloemfontein, Johannesburg) ist nur wenige Kilometer entfernt. Eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr fehlt dagegen.
Kapstadt verfügt über eine S-Bahn und ein Busnetz („Golden Arrow”), die jedoch mit europäischen Standards nicht vergleichbar sind. Der Großteil des öffentlichen Nahverkehrs wird von Mini-Taxen bewältigt, private Kleinbusse, die bestimmte Strecken abfahren und die auf Handzeichen halten. Sie sind aber meist überfüllt und werden v.a. von der ärmeren Bevölkerung genutzt.
Die Stadt ist straßentechnisch erschlossen, das Auto ist das Haupttransportmittel der reicheren Bevölkerung. Fahrradverkehr spielt keine Rolle. Durch die Konzeption als autofreundliche Stadt wurde es, gerade in den Randbezirken, der armen Bevölkerung schwer gemacht, sich als Fußgänger von Viertel zu Viertel zu bewegen (während der Apartheid war das auch nicht erwünscht). Deswegen sind häufig Fußgänger auf Autobahnen unterwegs, da es oft ihre einzige Chance ist, einen bestimmten Ort zu erreichen.
Als wichtige Bildungsinstitutionen, insbesondere für Kapstadt-Besucher, sind die Sprachschulen (Language Schools) zu erwähnen. Als Sprach-Schul-Standort hat sich Kapstadt zu einen Top-Spot entwickelt. Menschen aus aller Welt besuchen die Englisch-Sprachschulen am Kap. Die Entwicklung begann Mitte der 1990er in relativ kleinen Verhältnissen und entwickelte sich schnell zu einem prosperierenden Markt. Gründe für die positive Entwicklung sind die Qualitätsorientierung und natürlich der hohe Freizeitwert Kapstadts.
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