Der Kanton Neuenburg ist ein Kanton im Westen der Schweiz.
Deutsch: Neuenburg; Französisch, Italienisch, Rätoromanisch: Neuchâtel. Der Kanton heisst offiziell République et Canton de Neuchâtel (deutsch: Republik und Kanton Neuenburg).
Geographie
Der Kanton liegt in der geographischen Region des Schweizer
Juras in der
französischsprachigen Westschweiz und kann in vier Grossregionen unterteilt werden. Entlang des
Neuenburgersees zieht sich ein flacher Uferstreifen, "le Littoral" genannt. Die gleichnamige Hauptstadt
Neuenburg lieg am Seeufer. Nördlich davon, begrenzt durch den
Chaumont, liegt das Val de Ruz.
Westlich von Neuenburg, noch in der Seeuferebene, befindet sich der Schwemmlandkegel an der Mündung der Areuse. Das Tal verengt sich weiter westlich zu einer schmalen Schlucht und öffnet sich dann zum Hochtal Val de Travers. Zwischen dem Val de Travers und dem Neuenburgersee befindet sich die Kette des Chasseron, die aber zum grössten Teil auf dem Gebiet des Kantons Waadt liegt. Der markante Felskessel des Creux du Van bildet das östliche Ende dieser Bergkette.
Nördlich des Val de Travers und des Val de Ruz zieht sich über die gesamte Länge des Kantons eine Bergkette, die ganz im Osten mit dem Chasseral ihren höchsten Punkt erreicht. Der wichtigste Passübergang ist die Vue des Alpes. Dahinter befinden sich das Vallée des Ponts und das Hochtal von La Chaux-de-Fonds. Die Schlucht des Doubs mit dem Lac des Brenets bildet einen Teil der Grenze zu Frankreich.
Karte Lage Kanton Neuenburg.png
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Archäologische Funde legen Zeugnis davon ab, dass das Gebiet entlang des Neuenburgersees und des Jurasüdfusses bereits Jahrhunderte vor den Römern von
Megalithkulturen und
keltischen Stämmen besiedelt war. Nach dem spektakulären Fund des "
Gold der Helvetier" im Neuenburger Vorort
La Tène wurde sogar eine Epoche der keltischen Kultur nach dem Fundort benannt (
La-Tène-Zeit).
Auf Höhe des A5-Tunnels in Hauterive, östlich von Neuenburg (Neuchatel), liegt der Park "Laténium", der an die Stelle des "Musée cantonal d´archéologie" getreten ist und latenezeitliche Funde zeigt.
Der Pré de Riva, ein weiterer Archäologischer Park liegt auf der südlichen Seite des Sees, nur etwa 26 km entfernt im Kanton Freiburg. Es ist die rekonstruierte Pfahlbausiedlung von Gletterens, bei Vallon.
Mittelalter
Im Mittelalter entstehen viele Städtchen und Siedlungen in den beiden Hochtälern
Val de Ruz und
Val de Travers, aber auch entlang des Sees, mit den für diese Zeit charakteristischen Kirchen und Burgen, von denen die meisten aus dem
12. und
13. Jahrhundert stammen.
Reformation
FarelNeuenburg.jpg
Unter dem Schutz Berns, das eine Art schiedsrichterlicher Gewalt über Neuenburg ausübte, bekennen sich unter dem Einfluss des Reformators Guillaume Farel 1530 die meisten Gemeinden der Grafschaften Neuchâtel und Valangin zur Reformation. Lediglich Cressier und Le Landeron bleiben katholisch. Während der Wirren der Reformation werden die dünn besiedelten Neuenburger Bergregionen zur Zuflucht vieler aus Frankreich geflohener protestantischer Familien (Hugenotten).
Preussische Herrschaft
1707 stirbt
Marie de Nemours und
Friedrich I. von
Preussen wird in
Personalunion Fürst von Neuchâtel. Die preußischen Könige regieren das Fürstentum fortan durch
Gouverneure, die ihren Sitz entweder im Schloss von Neuchâtel oder in
Berlin haben. Wie in ganz Europa herrscht auch in Neuenburg grosse Not und Hunderte von Familien verlassen die Region, um sich im von der
Pest entvölkerten Preussen niederzulassen. Ende
1763 kommt
Jean-Jacques Rousseau auf der Flucht vor der Verfolgung durch die
katholische Kirche in
Frankreich und durch die protestantischen Herren in
Genf und im
Kanton Bern nach Neuchâtel, wo ihm der Gouverneur
George Keith in Abstimmung mit dem preußischen König
Friedrich II. in
Môtiers Asyl gewährt.
1765 wird Rousseau jedoch auf Druck der Neuchâteller Pastorengesellschaft, der
Vénérable Classe ou Compagnie des Pasteurs gezwungen, das Land zu verlassen.
1774 präsentieren die
Brüder Jacquet-Droz die drei von ihnen gebauten
Automaten dem staunenden Publikum.
Französische Revolution
Die Nachwellen der
Französischen Revolution schwappen auch nach Neuenburg über und im Jahr
1792 proklamiert Neuenburg, "hauptsächlich schweizerisch" zu sein. Es begibt sich als Kanton unter den vermeintlich schützenden Mantel der Eidgenossenschaft.
1794 wird La Chaux-de-Fonds durch ein Feuer fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der Stadt wird auf dem Reissbrett geplant mit dem Ziel, zukünftige Feuersbrünste zu vermeiden. Im Gefolge der
Französischen Revolution findet die Familie des deutschen Schriftstellers und Demokraten
Georg Forster Zuflucht in Neuchâtel. Seine Frau
Therese Forster geb. Heyne lebt in
Bôle und heiratete nach Forsters Tod
Ludwig Ferdinand Huber. Sie gehört zum Kreis um die Schriftstellerin und
Salonière Isabelle de Charrière in
Colombier.
Napoleonische Zeit
1798 werden Neuenburg und die Schweiz von den revolutionären französischen Truppen eingenommen und
1805 überlässt
Friedrich Wilhelm III. von Preussen das Fürstentum Neuenburg an
Napoléon. Dieser setzt seinen Feldmarschall
Louis Alexandre Berthier als Fürsten von Neuenburg ein. Bereits
1813 wird Neuenburg wiederum von fremden Truppen besetzt und Friedrich Wilhelm III. von Preussen meldet seinen Anspruch auf das Territorium an. Vom
Wiener Kongress 1815 wird Neuenburg als "Schweizer Kanton und preussisches Fürstentum" anerkannt.
Wirtschaft und Industrialisierung
Mit den
Hugenotten kommem die frühe
Uhrenindustrie und
Automationstechnik in das Land. Diese bringen auch die
Spitzenklöpplerei nach Neuchâtel. Im 18. Jahrhundert stellen
Kattundruck und die Herstellung bedruckter Stofftapeten die wichtigsten Exportartikel der neu entstandenen neuchâteller
Industrie dar.
1826 lässt der
Chocolatier Philippe Suchard seine erste Schokoladenfabrik im Neuenburger Vorort Serrières bauen und begründet damit die bekannte Marke
Suchard.
1833 wird die Stadt
Le Locle durch eine Feuersbrunst praktisch vollständig zerstört und nach dem Vorbild von La Chaux-de-Fonds wieder aufgebaut. Ein Jahr später wird in der Stadt Neuenburg die erste Akademie eröffnet und
1839 wird der Wildbach
Seyon, der die Stadt Neuenburg immer wieder überschwemmte, in Rohre verlegt und um die Stadt herumgeleitet.
1843 wird in La Chaux-de-Fonds die erste
Synagoge des Kantons eröffnet.
Republikanische Verfassung
Bereits im Jahre
1831 unternahmen Neuchâteller
Demokraten einen Versuch, das nach dem
Wiener Kongress restaurierte
Ancien Régime zu stürzen. Der Aufstand wurde jedoch mit Hilfe eidgenössicher Truppen niedergeschlagen und dem
Gouverneur Ernst von Pfuel gelang es zunächst, die alte Ordnung aufrecht zu erhalten. Am
1. März 1848 rebelliert die Neuenburger Bevölkerung unter der Führung von
Republikanern aus
Le Locle und
La Chaux-de-Fonds gegen die preussischen Monarchen. Die Bergbewohner marschieren von La Chaux-de-Fonds über die
Vue des Alpes nach
Valangin und nehmen die dortige Burg ein. Mit den eroberten Kanonen bedrohen sie die
Stadt Neuenburg. Am
30. April gibt sich die Bevölkerung eine republikanische
Verfassung, und Neuenburg nennt sich fortan "République et Canton de Neuchâtel".
Royalistischer Putsch
Nachdem
1856 ein
royalistischer Putsch niedergeschlagen wird und Schweizer Bundestruppen in Neuenburg einmarschieren, droht ein militärischer Schlagabtausch zwischen
Preussen und der Schweiz. Unter Vermittlung von
Napoleon III. und
Henri Dufour wird der Streit friedlich beigelegt und der preussische König verzichtet im
Vertrag von Paris endgültig auf seinen Anspruch, darf aber den Titel "Fürst von Neuenburg" weiterhin führen. Im Gegenzug gewähren die Schweizer Bundesorgane den Rebellen eine
Amnestie. Im selben Jahr wird die erste
Eisenbahnstrecke des Kantons zwischen
Le Locle und
La Chaux-de-Fonds eingeweiht.
Absinthverbot und Universitätsgründung
1907 wird der
Absinth in der Schweiz verboten. Das
Val de Travers verliert damit einen seiner wichtigsten Industriezweige. Die Familie
Pernod verlässt die Schweiz und baut ihre Fabriken im französischen
Pontarlier neu auf.
1910 wird die Académie zur
Université de Neuchâtel.
Städte und Orte
Hauptstadt des Kantons ist Neuenburg. Grösse Stadt ist jedoch
La Chaux-de-Fonds, die bekannte Uhrenstadt inmitten des Neuenburger Juras, die 37'287 Einwohner (2004) zählt. Mit 31'872 Einwohnern folgt Neuenburg erst an zweiter Stelle. Drittgrösste Stadt des Kantons ist mit 10'351 Einwohnern
Le Locle.
Weitere grössere Gemeinden sind:
Für die vollständige Liste der 62 Neuenburger Gemeinden siehe: Gemeinden des Kantons Neuenburg
Bezirke
Karte_Kanton_Neuenburg_Bezirke.png
Der Kanton ist in sechs
Amtsbezirke und vier geographische Regionen gegliedert:
Siehe auch: Bezirke des Kantons Neuenburg
Weblinks
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