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Kant-Laplacesche Theorie werden zwei verwandte aber unabhängig voneinander entwickelte kosmologische Hypothesen über die Entwicklung des Universums und die Entstehung des Planetensystem genannt. Immanuel Kant entwickelte seine Theorie in der „vorkritischen“ Schrift Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels (1755). Die andere Hypothese wurde von dem französischen Mathematiker und Astronomen Pierre-Simon Laplace erarbeitet. Schon Arthur Schopenhauer fasste beide Hypothesen unter dem Namen "Kant-Laplacesche Theorie" zusammen. Die zentrale These der Kant-Laplacesche Theorie lautet, dass unser heutiges Planetensystem im Laufe eines Prozess der "Anziehung und Abstoßung" entstanden ist. Kant erklärte:

„Ich habe, nachdem ich die Welt in das einfachste Chaos versetzt, keine andere Kräfte als Anziehungs- und Zurückstoßungskraft zur Entwicklung der großen Ordnung der Natur angewandt, zwei Kräfte, welche beide gleich gewiss, gleich einfach und gleich ursprünglich und allgemein sind.“
Kant geht in seiner Theorie von einem Grundzustand aus, in dem die Materie im Universum verstreut war und sich dann durch Anziehung und Abstoßung in das heutige Gleichgewichtsverhältnis bewegte. Laplace ging von der Ausdehnung einer bereits vorhandenen erhitzten Sonne aus, von der sich schließlich Gasnebel abgelöst und wiederum zu Planeten verdichtet hätten.

Der Kant-Laplacesche Theorie wird eine hohe philosophie- und wissenschaftshistorische Bedeutung zugesprochen, da in ihr die Entstehung des Planetensystems ohne Zuhilfenahme einer übernatürlichen Ordnungskraft versucht wurde zu erklären. Noch Isaac Newton hatte eine solche Erklärung für unmöglich gehalten und somit Gott als unverzichtbaren Teil jeder Kosmogonie angenommen. Kant und Laplace können daher als wichtige Vordenker heutiger Theorien zur Kosmogonie gelten, zumal sie evolutionstheoretische Aspekte in die Debatte brachten.

Literatur


  • Immanuel Kant: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Deutsch, Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-8171-3415-0
  • Pierre S. Laplace: Celestial mechanics. Chelsea Publications, Bronx, N.Y. 1976, ISBN 0-8284-0214-0 (5 Bde.)
  • Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Schwabe Verlag, Basel 1998, ISBN 3-7965-0115-X (12 Bde.)

Naturphilosophie | Kantianismus | Kosmologie | Überholte Theorie

 

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