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Kanon
 

Der Begriff Kanon (m., Plural Kanones, v. lat.: canon = Norm, Regel; aus griech.: kanon „Richtschnur, Regel, Messstab“) bezeichnet etwas Mustergültiges, Maßgebendes oder einen Leitfaden.

Der Begriff leitet sich ab von einem Rohrstab, der in der Antike als Längenmaß diente.

Begriffsklärung


Das Wort hat ein breites Bedeutungsspektrum:
  • Religion:
  • Musik:
    • Ein mehrstimmiges Lied mit gleichen, jedoch zeitlich versetzten Stimmen, siehe Kanon (Musik).
    • Ein Musikstück mit einem Thema, das nacheinander in allen Stimmen kontrapunktisch durchgeführt wird.
  • Bildungswesen:
    • Eine musterhafte Liste oder Zusammenstellung von Inhalten, die allgemein als für ein bestimmtes Fachgebiet wesentlich empfunden werden, siehe Bildung und Schulwesen. Im Schul- und Hochschulwesen auch Fächerkanon, siehe Curriculum sowie Lehrplan.
    • Den Kanon des Allgemeinwissens nennt man Bildungskanon.
    • In speziellen Bereichen der Bildung existieren auch spezielle, subjektive Kanones:
  • Mathematik: die allgemeine Lösung einer Aufgabe, auf der dann spezielle Problemlösungen beruhen.
  • Philosophie: Schriften von Demokrit und Epikur mit dem Namen Kanon.
  • Bildenden Kunst: Die Regeln für die Proportionierung, insbesondere des menschlichen Körpers, siehe Kanon (Kunst).
  • Typografie: Die Kanon (f.) bezeichnet ein Schriftsatzmaß von 36 Punkt, auch Dreicicero (1 Cicero = 12 Punkt) genannt.

Kanonisch


Der Begriff kanonisch bezeichnet:
  • Informatik: Eine allgemeingültige und eindeutige Bezeichnung eines Datensatzes.
  • Mathematik:
    • Eine Vorgehensweise (Kalkül) bzw. eine Lösung, die sich selbstverständlich aus der Problemstellung ergibt.
    • Die kanonische Form, die Normalform.
  • Physik: Die kanonische Transformation im Hamilton-Formalismus.
  • Telekommunikation: Das kanonische Format, die internationale Vorwahlenschreibweise (z. B. + 49 30 für Berlin in Deutschland), siehe Verkehrsausscheidungsziffer.
  • Religion: Die Übereinstimmung mit der für die jeweilige Religionsgemeinschaft als verbindlich geltenden Lehre.

Redewendungen


Das Sprichwort "etwas ist unter aller Kanone" bezieht sich ebenfalls auf den Begriff Kanon. Es besagt, dass etwas so gering ist, dass es mit dem geltenden Maßstab nicht mehr gemessen werden kann.

Siehe auch


Literatur


  • Herbert Oppel: . Zur Bedeutungsgeschichte des Wortes und seiner lateinischen Entsprechung (Regula-Norma). Philologus Suppl. 30, 4 (1937).

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