Leonhard Kern Menschenfresserin.jpg: Menschenfresserin, Elfenbeinskulptur, um 1650]] Als Kannibalismus wird das Verzehren von Artgenossen oder Teilen derselben bezeichnet. Insbesondere versteht man darunter den Verzehr von Menschenfleisch durch Menschen (Anthropophagie). Kannibalismus unter Menschen ist die gröbste Form des Fleischessens, das von den meisten Religionen durch Regulierungen, Gebote und Verbote möglichst einzudämmen versucht wird. Angewendet wird der Begriff in der Völkerkunde, der Zoologie und der Psychiatrie, die den Kannibalismus als Paraphilie bzw. Fetischismus einordnet. Auch in die Astronomie hat der Begriff Einzug gehalten, hier bezeichnet er das Verschlucken kleiner Galaxien durch größere Nachbarn. Ebenfalls übertragen wurde der Begriff auf die Fertigungssteuerung: Hier bezeichnet er (allerdings nicht normgerecht) den Ausbau von Teilen aus bereits montierten Baugruppen oder Produkten, um die so "kannibalisierten" Teile in andere Baugruppen einzubauen, die schneller fertig werden müssen. In der Wirtschaft gibt es den Begriff der Kannibalisierung.
Was Kolumbus als Caniba oder Canima vernahm, war die Eigenbezeichnug dieses Indianervolks, die ursprünglich soviel wie "tapfer" bedeutete (vgl. Tupi caryba, "Held"); da in ihrer Sprache die Laute l, n und r als Allophone variieren, ist es durchaus möglich, dass Kolumbus das Gehörte recht lautgetreu wiedergab. Während sich die Bedeutung der Variante caribe bzw caribal im spanischen Sprachgebrauch zur Bezeichnung der Bewohner der Küsten der Karibik verengte, erlangte canibal die Bedeutung "Menschenfresser" und verbreitete sich so in viele europäische Sprachen; im Deutschen ist es 1508 erstmals bezeugt.
Da man in der vorwissenschaftlichen Ethnologie der Antike und des Mittelalters fest davon überzeugt war, dass am Rand der bekannten Welt anthropophagische und halbmenschliche Völker lebten, konnte die Literatur des 16. Jahrhunderts in den karibischen Canibales eine besonders aktuelle und real scheinende Verkörperung dieser alten Idee entdecken. Der Name wurde zum Begriff; als solcher verbreitete er sich sehr schnell und wurde zum Synonym für den zuvor üblichen griechischen Begriff Anthropophage. Im heutigen Deutschen wird die Bezeichnung Menschenfresser vor allem für Märchen- und Sagenfiguren oder -völker gebraucht, Kannibalismus dagegen für bezeugte oder zumindest für möglich gehaltene Vorkommnisse.
Beim Kannibalismus in der Zoologie wird unterschieden zwischen aktivem und passivem Kannibalismus. Ein aktiver Kannibale jagt und tötet Artgenossen, bevor er sie frisst, während ein passiver Kannibale nur bereits tote Artgenossen verspeist. Letztere sind häufig Aasfresser wie die Tüpfelhyänen der afrikanischen Steppe oder verschiedene Arten von Krabben im Meer.
In Bilzingsleben in Thüringen wurde ein Pflaster-Halbrund gefunden, das als Ritualplatz diente. Dort wurden offenbar vor etwa 300.000 Jahren die Schädel von Frühmenschen zertrümmert, um an deren Gehirn zu gelangen. In dieselbe Zeit fällt die Tötung einer Frau in Steinheim an der Murr (Baden-Württemberg). Diesem so genannten "Steinheim-Menschen" ist der Schädel eingeschlagen und vom Hals abgetrennt worden. Kannibalismus ist ein Phänomen, das wohl weltweit verbreitet war. So wird auch für den Neandertaler vermutet, dass er rituellen Kannibalismus praktizierte. Darauf deuten Bearbeitungsspuren an menschlichen Knochen. Auch diese wurden wohl aufgebrochen, um an das Mark zu gelangen. Die meisten Eingriffe wurden in Kroatien und Frankreich entdeckt. In der Halbhöhle von Krapina nördlich von Zagreb (Kroatien) barg man von 1899 bis 1905 zerschlagene und teilweise angebrannte Knochenreste von mindestens 24 Menschen. In Hortus (Südfrankreich) wurden Reste von maximal 36 Menschen gefunden, deren Knochen allesamt zerbrochen waren und die inmitten von Mahlzeit- und Tierresten lagen.
Einblick in die Opferpraktiken der ersten Bauern erbrachten die Ausgrabungen bei Eilsleben (Kreis Wanzleben) in Sachsen-Anhalt. Der 7.000 Jahre alte Fundort der Linienbandkeramiker erbrachte Reste von geopferten Tieren und Menschen. Aus derselben Kultur stammen die Funde aus der Jungfernhöhle von Tiefenellern bei Bamberg in Bayern (mit Kannibalismusspuren), der Höhle Hanseles Hohl im Alb-Donau-Kreis (Baden-Württemberg), Ober-Hörgern im Wetteraukreis (Hessen) und Zauschwitz (Kreis Borna) in Sachsen. An diesen Orten haben Angehörige der Bandkeramischen Kultur ihre Opfer dargebracht. Die ersten Bauern kamen jedoch in etwa zeitgleich auch über Südfrankreich nach Europa. Die Höhle von Fontbrégoua ist einer der wenigen westeuropäischen Plätze an denen J. Courtin Kannibalismus der Cardial- oder Impressokultur, anhand der Schnittspuren auf dem Skelettmaterial und der Mark- bzw. Gehirnentnahme nachweisen kann. In den 2000 Jahre jüngeren Dolmen dieser Gegend finden sich dagegen (anders als im Nordkreis) keine Spuren mehr von einer Destruktion der Skelette. Menschenopfer aus der Urzeit wurden in der Höhle von Bad Frankenhausen, im Kyffhäusergebirge (Thüringen) entdeckt. Dort barg man die Skelettreste von mehr als 100 Menschen, die in der Bronzezeit geopfert worden sind.
Herodot (III,38) berichtete von einem (dunkelhäutigen) indischen Volksstamm der Kallatier, bei denen die Leichen der Eltern aufgegessen wurden. Auch bei den Azteken war der Kannibalismus neben den Menschenopfern wahrscheinlich ein häufiges Ritual. Des Weiteren war der Kannibalismus bei den Niam-Niam am Tschadsee und den Batak auf Sumatra verbreitet. Auch bei den nordamerikanischen Anasazi-Indianern scheint Kannibalismus vorgekommen zu sein; in einem Fall konnten sogar Spuren von menschlichem Fleisch in einem vertrockneten Kotballen nachgewiesen werden.
Im Jahre 1150 n. Chr. wurden nach Ansicht von R. Marlar in Colorado Menschen getötet und verzehrt. Das Fleisch der Bewohner „dreier Erdhäuser“ wurde in Töpfen gegart, deren Scherben man in einer Erdgrube fand. Mit über 1.000 Schnittspuren versehene Knochen von mindestens sieben Menschen beiderlei Geschlechts blieben auf dem Hüttenboden zurück. Bevor einer der Täter den Platz verließ, verrichtete er in der Feuerstelle seine Notdurft. Die Menschenfleischspuren konnte R. Marlar mit biochemischen Methoden an den Scherben und in den Exkrementen nachweisen. Es fand sich auch Myoglobin, ein Eiweißstoff, der für die Sauerstoffspeicherung in den Muskeln zuständig ist. Diesen Stoff entdeckte er im getrockneten Kot, den er in Größe und Form als mit menschlicher Provenienz übereinstimmend befand. „Myoglobin kommt im Skelett und Herzmuskelgewebe, nicht aber im Verdauungstrakt vor. Wenn es in Exkrementen gefunden wird, kann es nur von Menschenfleisch stammen, das gegessen wurde.“
Hinweise auf Kannibalismus sind jeweils kritisch zu beurteilen, da der Vorwurf bis in die Neuzeit als Vorwand für die Diskriminierung von Volksgruppen oder Kriege gegen sogenannte „Wilde“ benutzt wurde. Auch können Hinweise auf Kannibalismus durch die Archäologie meist nicht eindeutig bestätigt werden. Es wurden schon mehrmals Missinterpretationen aufgedeckt, indem beispielsweise nachgewiesen wurde, dass Kratzspuren, die zuerst als Anzeichen für Kannibalismus gedeutet wurden, von Tieren stammten. Das Fehlen von Organen kann auch von Begräbnisritualen herrühren, wenn z.B. wie im alten Ägypten während der Mumifizierung die inneren Organe entnommen wurden.
Einer der bekanntesten Kannibalen der deutschen Rechtsgeschichte ist der aus Hannover stammende Fritz Haarmann. Es ist allerdings nie geklärt worden, ob der Fleischer seine Opfer selbst aß oder "nur" als Dosenfleisch verkaufte. Beides ist jedoch nicht erwiesen. Der Fall wurde unter dem Titel "Der Totmacher" mit Götz George verfilmt.
Im Jahr 2003 erregte ein Fall von Kannibalismus in Deutschland Aufsehen. Der Berliner Bernd Jürgen Armando Brandes antwortete auf eine Internetanzeige und stellte sich als Opfer für ein kannibalisches Essen zur Verfügung, das der Rotenburger Armin Meiwes vornahm. Mit Einverständnis des Berliners hat Meiwes ihn vor laufender Kamera getötet und Teile seines Körpers gegessen. Im Mai 2006 wurde Meiwes zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes und Störung der Totenruhe verurteilt.
Die Europäer begegneten dem Kannibalismus in den vergangenen Jahrhunderten, als sie die überseeische Welt erkundeten. Der rituelle Verzehr von Menschenfleisch, teilweise als Menschenopfer, wurde von verschiedenen Kulturen ausgeübt. Dabei waren es vor allem die Körper oder Teile besiegter Feinde, welche die Kannibalen und Kopfjäger verzehrten, um ihre Kräfte zu erlangen. Einige Völker aßen jedoch vornehmlich die Gehirne von Verwandten und Freunden. Alle diese Verhaltensweisen dienten nicht dem normalen Nahrungserwerb. Sie hatten eher psychologische Hintergründe, die Verzehrenden wollten Eigenschaften der Toten wie Stärke oder Intelligenz mit der Mahlzeit aufnehmen. Deshalb wurden auch Körperteile bevorzugt, bei denen der Sitz der Zauberkraft der Seele vermutet wurde, wie beispielsweise Gehirne und Herzen. Im Umgang mit verstorbenen Angehörigen dient die Aufnahme in den Körper der Lebenden dem Erhalt der Seele des Verstorbenen. Daher fassen manche das religiöse Ritual des christlichen Abendmahls als sublimen Kannibalismus auf, da hierbei Brot und Wein substantiell oder zumindest symbolisch in Leib und Blut Christi verwandelt und einverleibt werden.
Konkrete Beispiele:
Eine besondere Brisanz erhält der Kannibalismus seit der Entdeckung der Prionen. Diese für die Rinderkrankheit BSE und die Scrapie der Schafe verantwortlichen "Erreger" werden durch den Verzehr befallener Organe übertragen. Dies ist auch der Fall bei der Krankheit Kuru, die bei dem Stamm der Fore in Papua-Neuguinea auftaucht und auf einen rituellen Kannibalismus zurückgeführt wird.
Primär ist festzustellen, dass profane Anthropophagie bis heute nicht einwandfrei bewiesen werden konnte. Oft waren kultische Momente oder ausweglose Notsituationen (Flugzeugabsturz in den Anden) der Auslöser. Fälle von Kannibalismus zum Nahrungserwerb sind aus Notlagen wie der sogenannten Donner Party bekannt. Floss_der_medusa.jpg (Théodore Géricault, 1819)]]
Besonders bei Schiffbruch wurde Kannibalismus praktiziert, um das eigene Leben zu erhalten, wenn auch nur wenige Fälle dokumentiert sind, da es meist keine Überlebenden gab. In solchen Fällen wurde allerdings von einem Prozess wegen Totschlags gegen die geborgenen Kannibalen abgesehen. Das Bild Das Floß der Medusa (1819) von Théodore Géricault behandelt dieses Thema.
Bekannte Fälle, bei denen der Verzehr von Leichen in Notsituationen vorkam, sind die Belagerung von Sankt Petersburg (damals Leningrad) 1941 - 1944 und der Flugzeugabsturz in den chilenischen Anden 1972, der sogar verfilmt wurde.
Im Oktober 1999 entdeckten Forscher im französischen Rhône-Tal die Reste eines Festmahls von Neandertalern. Neben den Knochen von Wild und anderen Tieren wurden auch Knochen von Menschen entdeckt, welche, den Spuren auf den Knochen nach zu urteilen, auf brutale Art und Weise ums Leben gekommen sein mussten. Danach wurde ihr Fleisch - wie jenes der Wildtiere - von den Knochen entfernt und wahrscheinlich gegessen. Viele Paläontologen sind seitdem der Ansicht, dass es zur Zeit der Neandertaler Gruppen gab, welche systematisch Artgenossen töteten und aßen.
Auch wenn die Neandertaler nicht direkt mit dem modernen Homo sapiens verwandt sind, gibt es doch auch Hinweise, dass bereits Frühmenschen vor rund 800.000 Jahren zum Kannibalismus geneigt haben könnten, wie beispielsweise Knochenfunde mit Schnittkerben aus dem Jahr 1997 in der Nähe von Burgos in Nordspanien belegen. Untersuchungen an Knochenfunden der Anasazi-Indianer mit dem Raster-Elektronenmikroskop an der Arizona State University brachten kürzlich ebenfalls Hinweise zutage, dass Kannibalismus unter Menschen historisch gesehen möglicherweise öfter vorkam als zunächst angenommen.
Die Verbindung zwischen Kannibalismus und Sexualität taucht bereits in den Mythen und Fabeln vieler Völker auf.
In der griechischen Mythologie kommen Kannibalismus, Sexualität und Inzest zusammen, als Tereus Philomele, die Schwester seiner Frau Prokne vergewaltigte, wofür seine Frau ihren gemeinsamen Sohn kochte und ihn dem unwissenden Tereus zum Essen vorsetzte. Eine Geschichte, die später auch von Geoffrey Chaucer in The Legend of Good Women (um 1387) wiedererzählt wird.
Die Schöpfungsgeschichte der Yanomami handelt davon, wie sich die "ersten Wesen" in einem Wechselspiel aus Mord, Vergewaltigung und Kannibalismus gegenseitig ausrotten, so dass aus einem Überlebenden Geist die ersten Yanomami werden. Unter anderem töten zwei junge Männer einen älteren Mann, der ein Kind aufaß, woraufhin sie eine andere Frau vergewaltigen und ihre Vagina in einen Mund mit Zähnen verwandeln, damit dieser den nächsten Penis esse. Im weiteren Verlauf der Geschichte verwandelt sich die Frau in eine große Schlange, die noch heute darauf lauert, Yanomami-Männer zu essen. Die zahlreichen Bemerkungen von "Hunger aufeinander" in der Gründungsgeschichte sind doppeldeutig, da kopulieren und essen in der Sprache der Yanonamami durch dasselbe Verb gekennzeichnet werden. Peggy Reeves Sanday: Female Power and Male Dominance: On the Origins of Sexual InequalityCambrdige; Cambridge University Press 1981 S. 48f.
Das Wendigo-Fabelwesen der Algonkin heiratet in einer Geschichte im Sommer die Tochter einer Familie, der er mit Nahrungsmitteln über ihre Hungersnot geholfen hat, um sie im Winter zu verspeisen. Peggy Reeves Sanday: Divine Hunger: Cannibalism as a Cultural System Cambridge, Cambridge University Press 1986 S. 108.
Bei den Azteken gehörte ritueller Kannibalismus zu den Fruchtbarkeitsriten. Auf besonderes Interesse der europäischen Kolonisatoren stießen dabei junge männliche Priester, die mit der abgezogenen Haut einer Frau bekleidet waren. Merry E Wiesner-Hanks: Christianity and Sexuality in the Early Modern World: Regulating Desire, Reforming Practice New York Routledge 2000 S. 146
Die Faszination des Themas zeigt sich aber auch in Beschreibungen von Europäern, die immer wieder auf das Thema zurückkommen - meist, ohne dass es tatsächlich Kannibalismus gab. Amerigo Vespucci schildert, wie bei seiner Ankunft die Frauen eines Eingeborenendorfes einen besonders schönen und jungen Mann erschlagen und essen, in einem späteren Brief beschrieb er den üblichen Brauch, dass Frauen die Penisse ihrer Geschlechtspartner abbeißen. Jennifer L Morgan: Laboring Women: Reproduction and Gender in New World Slavery Philadelphia, University of Pennsylvania Press 2004 S.19. Der Anthropologe Lew Priday schildert in den 1850ern in dem Aufsatz Cannibal Island im Pacific Island Monthly, wie gleich die ganze Kultur der Kanaken Neukaledoniens um Kannibalismus kreist, nicht ohne zu erwähnen, dass besondere Spezialitäten wie die Brüste junger Frauen nur den Häuptlingen zuständen.Arturo J Aldama (Hrsg): Violence and the Body: Race, Gender, and the State Bloomington, Indiana University Press S. 164 Andere, wie William Blake schreiben das Thema nicht den Eingeborenen zu, sondern externalisieren es in vermenschlichten Affen. In seinem Werk The Marriage of Heaven and Hell beschreibt er ebenfalls detailliert, wie stärkere Affen schwächere fangen und Geschlechtsverkehr mit ihnen haben, um sie danach körperlich auseinander zu nehmen. Debbie Lee: Slavery and the Romantic Imagination Philadelphia, University of Pennsylvania Press, 2004 S. 78ff.
Die Theorie der an Freud angelehnten Psychoanalyse interpretiert das Nuckeln des Säuglings an der Mutterbrust als sowohl sexuelle wie kannibalistische Identifikation des Kindes mit der Mutter. John McLeish: Theory of Social Change: Social Theory and Methodology London, Routledge 2003 S.38
Eine komplexe Aufarbeitung des Topos versucht die US-amerikanische Trägerin des Pulitzer-Preises Willa Cather in ihrem Roman Sapphira and the Slave Girl (1940), der in der Zeit der Sklaverei in den US-Südstaaten spielt. Die weiße Sklavenhalterin versucht die Sexualität der jungen Sklavin Nancy zu kontrollieren, wozu sie unter anderem auch eine Vergewaltigung Nancys arrangiert, während die Sklavin Jezebel ihre kannibalischen Instinkte wiederentdeckt, wenn sie an Nancy denkt. Offensichtlich arbeiten Sapphira und Jezebel zusammen und handeln in geistig-emotionaler Übereinstimmung. Im Buch selber gibt es mehrere Andeutungen, dass Sapphira immer mehr an Gewicht zulegt, während gleichzeitig die Sklavinnen mysteriös verschwinden.Robin Hackett: Sapphic Primitivism: Productions of Race, Class, and Sexuality in Key Works of Modern Fiction Piscataway, NJ Rutgers University Press 2004 S. 138ff. Die kroatische Autorin Slavenka Drakulic nähert sich dem Zusammenhang zwischen Sexualität, Liebe und Kannibalismus wesentlich direkter und detailreicher in ihrem Buch Das Liebesopfer, als eine heftige körperliche Beziehung darin endet, dass die Polin Tereza ihren Partner Jose mit Fleischermesser und Knochensäge seziert und verspeist.Buchrezension
Die Begriffe Gynophagie (griech. gynä = Frau, phágein = essen), besser bekannt unter dem englischen Wort Gynophagia, und analog dazu Androphagie bezeichnen Paraphilien, bei denen kannibalistische Handlungen Gegenstand sexueller Fantasien oder Taten sind. Bei einer Androphagie sind Männer Gegenstand der entsprechenden Fantasien oder Bestrebungen und Taten. Beide Begriffe sind geschlechtsspezifische Unterformen der Anthropophagie.
Autokannibalismus spielt auch in Mythen eine Rolle. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Schlange Ouroboros, die sich in ihren Schwanz beißt.
In alten Mythen ist von Menschenopfern und kannibalistischen Themen die Rede:
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