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Die Kandare kann wie z.B. eine Trense Bestandteil des Zaumzeugs für Pferde sein. Sie besteht im wesentlichen aus einer durch das Pferdemaul geführten Stange, an der seitlich und außerhalb des Pferdemauls liegend Querschenkel, die sogenannten "Bäume", angebracht sind. Der Oberbaum ist mit dem Backenstück des Kandarenhalfters verbunden, während die meist längeren Unterbäume über Ringen an ihren Enden mit den Zügeln verbunden sind. Zur eigentlichen Funktionsfähigkeit ergänzt wird die Kandare durch die Kinnkette, die unter der Kinngrube des Pferds durchgeführt wird und seitlich im Bereich der Stangenenden an Kinnkettenhaken eingehängt ist.

Nach der Form der Unterbäume unterscheidet man die preußische (gerade Bäume), die C- und die S-Kandare, wobei die beiden letztgenannten den Vorteil haben, dass das Pferd die Bäume nicht mit dem Maul greifen kann, da sie zu weit hinten sind.

Die Kandare wirkt auf dreifache Weise. Zum einen wird durch Zug am Zügel eine Hebelkraft auf das Maul in Richtung Brust ausgeübt, zum anderen der Unterkiefer zwischen der Stange und der Kinnkette gequetscht. Weiterhin entsteht durch den Hebel über das Zaumzeug ein Zug auf das Genick. Die Kandare ist entwickelt worden, um eine gegenüber der Trense vermehrte und verfeinerte Einwirkung auf das Pferd zu ermöglichen.

Die Kandare wird beim Reiten im Gegensatz zur Fahrkandare zumeist von einer Unterlegtrense ergänzt, einer etwas dünneren Trense, die ebenfalls im Maul liegt und mit zusätzlichen Trensenzügeln verbunden ist.

Dadurch hat der Reiter insgesamt vier Zügel zu führen. Diese Zügel können in unterschiedlicher Weise angefasst werden:

  • Drei zu Eins: Die zu bevorzugende Standardzügelführung. Beide Kandarenzügel und der linke Trensenzügel werden mit der linken Hand geführt, der rechte Trensenzügel mit der rechten Hand. Der li. Trensenzügel läuft meist zwischen kleinem und Ringfinger, der li. Kandarenzügel zwischen Ringfinger und Mittelfinger und der rechte Kandarenzügel zwischen Mittelfinger und Zeigefinger. In einer Variante können alle Zügel um einen Fingerzwischenraum zum kleinen Finger verschoben sein.
  • In einer Faust: Fortgeschrittene Variante der Kandarenführung, bei der auch der rechte Trensenzügel mit der linken Hand gehalten wird, und zwar zwischen Daumen und Zeigefinger; oder zwischen Zeigefinger und Mittelfinger. Diese Variante ermöglicht das führen einer Waffe in der rechten Hand, und war deswegen die vorherrschende Zügelführung beim Militär.

Die beiden vorgenannten Varianten tragen am besten der Tatsache Rechnung, dass mit der ungebrochenen Kandarenstange eine einseitige Zügeleinwirkung nur sehr eingeschränkt möglich ist.

  • Geteilte Zügel: Je ein Kandarenzügel und ein Trensenzügel in jeder Hand.

Kandarenreife: Aufgrund der verschärften Einwirkung mit der Kandare müssen sowohl Reiter als auch Pferd über einen fortgeschrittenen Ausbildungsstand verfügen. Für das Pferd sollte dies zumindest die Beherrschung des Schulterherein und des Außengalopp bei einem entsprechenden Versammlungsgrad und einer guten Durchlässigkeit sein.

Kandare blank: Beim Reiten auf Kandare blank hängen die Trensenzügel durch, das Pferd wird also ausschließlich mit den Kandarenzügeln geführt. Diese Führung erfordert eine sehr feine Abstimmung des Pferdes und einen hohen Ausbildungsstand.

Pferdesport

 

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