Mapa_de_Canarias.pngDie Kanarischen Inseln sind eine geographisch zu Afrika, politisch aber zu Spanien gehörende Inselgruppe im Atlantik - etwa 100 bis 500 Kilometer westlich des südlichen Marokko gelegen.
Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Vor etwa 36 Millionen Jahren begann mit ersten unterseeischen Ausbrüchen die Anhäufung eruptiven Materials. Grund ist hier die Kontinentaldrift der beiden tektonischen Platten des Atlantiks und Afrikas in östlicher Richtung. Letztere bewegt sich mit 1,9 cm pro Jahr langsamer als die des Atlantiks. Beide tektonischen Platten schwimmen auf heißem Magma, der so genannte Hotspot-Vulkanismus, und reiben dabei aneinander. So ist die Erdkruste westlich des nordafrikanischen Kontinents relativ dünn und der Meeresgrund brüchig und instabil. Durch enormen Druck können Stauchungen und damit Risse in der Erdkruste entstehen. Hier kann Magma an die Oberfläche treten und sich anhäufen. Stauchungen der beiden Platten führen zur Anhebung von unterseeischen Gebirgen, deren Spitzen als Inseln an die Meeresoberfläche treten. Die Entstehung der Kanaren scheint also mit der Öffnung des Atlantiks in Verbindung zu stehen. Es wird angenommen, dass nur etwa 5 Prozent des kanarischen Gebirges aus dem Wasser ragen. Die vulkanischen Aktivitäten halten mit großen Ausbrüchen im 18. Jahrhundert auf Lanzarote und dem letzten Ausbruch auf La Palma 1971 bis in die heutige Zeit an.
Allgemein geht man von einer dreiphasigen Entstehungsgeschichte aus, welche mit Hilfe der Kalium-Argon-Datierung der Laven der Kanaren eindeutig belegt ist:
Wie die Ureinwohner jeweils auf die Inseln gelangt sind, kann heute nicht nachvollzogen werden. Diodor berichtet von Westafrikanern die von einem Sturm auf eine westliche Insel getrieben worden seien, wo sie sich Alizuth nannten, was soviel wie Glück und Freude bedeutete. Der leider dünne sprachliche Befund des Guanche scheint Diodor zu bestätigen: man glaubt in der Sprache der Guanchen einen berberischen Dialekt wiederzuerkennen.
Herodot berichtet in seinen Historien, dass die Phönizier um etwa 600 v. Chr. im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho II. um Afrika segelten. Archäologische Funde bestätigen die Anwesenheit von Puniern (und Römern) auf den Kanaren.
Auch die Griechen sollen dem Archipel einen Namen gegeben haben: Elysius Parayso (Land der Illusionen und der Freude). Kurz darauf wurde die Inselgruppe als Campos Elyseos (Paradies) bekannt. Es wurde gesagt, dass diese Inseln ein Ort seien, wo die Menschen ein ruhiges, süßes Leben führten. Bald war der Name Campos Elyseos für Poeten und Schriftsteller ein Synonym für die Glücklichen Inseln.
Die ersten sicheren Berichte stammen von Plinius dem Älteren. In seiner Naturalis historia gibt es erstmals eine glaubwürdige Beschreibung des Archipels. Durchstreifende wilde Hunde (lat.: canes) veranlassten den römischen Gelehrten, den Inseln den Namen Canaria zu geben. Danach versanken die Inseln in einen Jahrhunderte anhaltenden Dornröschenschlaf, da sie abseits vom Lauf der Weltgeschichte in Vergessenheit gerieten. So blieb eine letzte steinzeitliche Kultur, nämlich die der Guanchen, bis Anfang des 15. Jahrhunderts erhalten.
Das änderte sich ab dem 14. Jahrhundert, als der Genuese Lancelotto Malocello um 1312 die Insel Lanzarote besuchte, und dort bis 1330 blieb. Er erreichte, dass die von ihm entdeckte und in Besitz genommene Insel in der Weltkarte des Angelino Dulcert als Insula de Lanzarotus Marocelus eingezeichnet wurde. Seither trägt Lanzarote seinen Namen. Über diese zwei Jahrzehnte des Lancelotto Malocello auf Lanzarote ist wenig bekannt, die Gesellschaftsstrukturen müssen zumindest in Takt geblieben sein, was sich später unter Jean de Béthencourt änderte. Schon 1393 wurden die Inseln von einer sevillanischen Flotte besucht, welche mit vielen Inselprodukten in Spanien Gelüste nach dem Besitz des Archipels weckte. Die endgültige Eroberung des Archipels, die damals südlichste Christianisierung, begann 1402 durch den Normannen Jean de Béthencourt und seinen Gefährten Gadifer de la Salle auf den Inseln Lanzarote, Fuerteventura, La Gomera und El Hierro. Mit der Eroberung der Inseln La Palma, Gran Canaria und Teneriffa durch Alonso Fernández de Lugo wurde die Conquista bis 1496 beendet. De Lugo wurde von den katholischen Königen Ferdinand II. und Isabella I. gesandt. So wurde im 15. Jahrhundert die Kultur der Ureinwohner, der Guanchen, radikal unterdrückt, so dass heute nur noch wenig überliefert ist. Zu ihren Überbleibseln gehören in Stein gemeißelte, schriftähnliche Zeichen, Tänze, Speisen und wenige Reste ihrer alten Sprache, dem Guanche. Viele Guanchen wurden in Schlachten getötet, die meisten jedoch den neuen Siedlern unterworfen. Aber sie vermischten sich auch teilweise durch Heirat mit ihnen. Mit der Zeit erhielten einige eigene Rechte, manchen wurden gar Ländereien gegeben, sodass auch heute noch einige Einheimische ihre entfernten Vorfahren bei den Guanchen finden. Seit diesen Eroberungszügen gehören die Inseln zu Spanien. Als eigentlicher Begründer der Christianisierung der Inselgruppe und sogenannter Missionar der Guanchen gilt der spanische Franziskanermönch Didakus, spanisch San Diego de Alcala, der bereits 1441 auf die Inseln gereist war und das Kloster Fortaventure auf Fuerteventura gegründet hatte.
Christoph Kolumbus machte auf der Insel La Gomera seine letzte Zwischenstation, bevor er 1492 zu seiner Reise über den Atlantik aufbrach .
Wiederholt scheiterte die Seemacht England an der Eroberung der strategisch relevanten Inseln, Francis Drake musste vor Teneriffa die einzige Niederlage in einer Seeschlacht überhaupt hinnehmen.
Im 18. Jahrhundert wanderte ein kleiner Teil der spanischsprachigen Bevölkerung nach Louisiana aus. In Amerika wurden sie Isleños genannt.
Eine weitere Auswanderungswelle konnte man zwischen 1935 und 1940, in der Zeit vor und während des spanischen Bürgerkriegs und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, beobachten. Damals wanderten viele Kanarier nach Südamerika, insbesondere Venezuela, aus. Viele dieser Auswanderer sind mittlerweile zurückgekehrt, und Elemente der südamerikanischen Kultur und des Sprachgebrauches haben sich auf den Inseln mit den spanischen vermischt. Venezuela wird auf den Kanaren deshalb häufig als "Die achte Insel" bezeichnet.
Die Inseln werden in den letzten Jahren auch vermehrt von Flüchtlingen aus Afrika unter sehr schwierigen Bedingungen mit kleinen Booten angesteuert. 2005 waren es nach Angaben des spanischen Innenministeriums 4.751 Flüchtlinge und von Januar bis Mai 2006 bereits über 6.100 Migranten. Über 1.000 Menschen sollen bei dem Versuch die Kanaren zu erreichen, im Atlantik umgekommen sein.
Das Gobierno Civil von Las Palmas ist die übergeordnete Instanz, der dortige Zivilgouverneur ist gleichzeitig Regierungsdelegierter von Madrid. Lokale Verwaltungsbehörden sind die eigenen Cabildos Insulares jeder der sieben Inseln, deren Zusammenschluss heißt Mancomunidad de Cabildos. Die Cabildos Insulares sind wiederum in Gemeinden mit je einem Rathaus (Ayuntamiento) unterteilt. Auf den Inseln gilt das Recht der Europäischen Gemeinschaft, wobei in einigen Bereichen vorteilhaftere Sondervorschriften gelten, die der großen Entfernung zum übrigen Territorium der EU Rechnung tragen und die Nachteile der Insellage ausgleichen sollen.
Als spanisches Gebiet gehören die Kanaren vollständig zur Europäischen Union. Als Währung löste der Euro am 1. Januar 2002 die Peseta ab. Ebenso gehört die Inselgruppe zum europäischen Zollgebiet, wobei sie in einigen Bereichen von Sonderbedingungen profitieren und eine Reihe von Hilfsprogrammen und Subventionen erhalten. So gibt es die spanische Mehrwertsteuer auf den Inseln nicht. Dafür wird die IGIC (Impuesto General Indirecto Canario), eine deutlich niedrigere Inselsteuer erhoben. Hierbei handelt es sich um eine den Endverbraucher belastende indirekte Steuer, die der Mehrwertsteuer gleich kommt, mit einem reduzierten Steuersatz von derzeit 5 Prozent. Diese seit Januar 2000 existierende Sonderzone (Zona Especial Canaria - ZEC) ist zunächst bis 31. Dezember 2008 von der Europäischen Union genehmigt, um die die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Archipels zu fördern und zu erweitern. Die Laufzeit kann verlängert werden.
Bei Immobilieneigentum erwirbt man automatisch die residencia, welche Ermäßigungen von 20%, beispielsweise bei innerspanischen Flügen und Fähren, sowie viele weitere Vergünstigungen mit sich bringt.
Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichen die Kanarischen Inseln 2003 einen Index von 91.0 (EU-25:100).Eurostat News Release 63/2006: Regional GDP per inhabitant in the EU 25*
Des Weiteren besitzen die Inseln Teneriffa und Gran Canaria jeweils einen der größten Seehäfen der Welt, gemessen an Ausdehnung, Schiffsaufkommen und Handelstätigkeit. Auch untereinander sind die Inseln wiederum mit zahlreichen Fähren verbunden.
Die Kanaren verfügen über die eigene Fernsehanstalt Televisión Canaria mit Sitz in Las Palmas de Gran Canaria, C/ Poeta Agustin Millares Sall, 3. Es werden unter anderem Nachrichten, Magazine, Naturaufnahmen, Serien und Kinderprogramme in spanischer Sprache ausgestrahlt. Gegründet wurde der Sender in den Achziger Jahren, nachdem die Kanaren eine autonome Region Spaniens wurden. Der Name Televisión Canaria wird seit 2001 verwendet. Der Satellit Astra strahlt ihn auf 19,2 Grad Ost aus.
Auf den Inseln gibt es rund 1000 Zweigstellen der wichtigsten spanischen und vieler ausländischer Banken.
Des weiteren verfügen die Kanaren über zwei Universitäten, auf Gran Canaria in Las Palmas und auf Teneriffa in San Cristóbal de La Laguna.
Auch sind alle wichtigen Länder der Welt mit Konsulaten vertreten, von denen einige darüberhinaus ein Wirtschafts- und Handelsbüro unterhalten.
Klimatabelle (Beispiel Gomera)
Als anderes Beispiel mag La Gomera dienen. Gomera erhebt sich deutlich bis in die Zone der Passatwinde. An den Hängen Gomeras hat sich aufgrund seiner Höhe der so genannte Nebelwald ausgebildet. Die anflutenden Passatwinde steigen hier auf und kondensieren als Nebel oder auch Regen aus (Steigungsregen). 70 Prozent des Wassers auf Gomera stammt so aus dem Nebelwald bzw. der Nebelwaldregion. Die Flechten- und Moosvegetation der Nebelwälder (siehe Bild) ist ein redsames Beispiel für Niederschlag über den Nebel.
An vielen Plätzen und Straßen kann man historische und künstlerische Monumente bewundern, deren Architektur, Bildhauerei und Malerei die kanarische Identität zum Ausdruck bringen. Hier sind insbesondere die Werke des Künstlers und Naturschützers César Manrique von der Insel Lanzarote zu erwähnen. Das kulturelle Leben wird durch Ausstellungen, Theater- und Musikveranstaltungen von internationalem Rang bereichert. Traditionen drücken sich in Festen mit typischen Trachten und kanarischer Folklore in den einzelnen Dörfern aus, wobei das typische Saiteninstrument der Kanaren, die Timple, eine unverzichtbare Rolle spielt. Religion und heidnische Riten der Ureinwohner vermischen sich. Erwähnenswert ist der lateinamerikanisch angehauchte Karneval mit Samba-Rhythmen und vielen Farben, sowie die Tradition von Hahnenkämpfen und dem heute sehr populären Lucha Canaria, dem Kanarischen Ringkampf.
siehe auch: Liste der Bischöfe der Kanarischen Inseln
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