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Kanarienvogel
Yellow finch 1.jpg
: Vögel (Aves)
: Sperlingsvögel (Passeriformes)
: Singvögel (Passeri)
: Finken (Fringillidae)
: Stieglitzartige (Carduelinae)
: Girlitze (Serinus)
: Kanarengirlitz
: Kanarienvogel
Wissenschaftlicher Name Serinus canaria forma domestica (Linnaeus, 1758) Der Kanarienvogel (Serinus canaria forma domestica) ist ein Singvogel, der seinen Namen seinem Herkunftsort, den Kanarischen Inseln, verdankt. Heutzutage ist der Kanarengirlitz (Serinus canaria canaria, Linné, 1758), die wilde Stammform des Kanarienvogels, noch immer auf den Kanarischen Inseln, auf Madeira und den Azoren verbreitet. Er lebt vor allem von Samen und Blättern und hat einen kleinen, jedoch starken Schnabel.

Sein Gesang hat den Kanarienvogel berühmt gemacht. Er wird auch liebevoll „Sänger im gelben Federkleid“ genannt. Wie bei der Wildform des Kanarengirlitzes singt meist nur das Männchen. Auch wegen seiner anmutigen Gestalt ist er neben dem Wellensittich ein beliebtes Haustier.

Erscheinungsbild


Der Kanarienvogel ist etwas größer als der Kanarengirlitz. Gesangs- und Farbkanarienvögel sind etwa 13,5 cm bis 14,5 cm groß. Positurkanarienvögel gibt es von 11 cm bis 23 cm Länge. Der Kanarienvogel zeichnet sich durch einen rund geformten Kopf, einen kurzen Kegelschnabel sowie einen recht langen Schwanz aus. Beim Männchen setzt sich ein gelblicher Bürzel ab. Der Kanarienvogel ist mit einer zarten und dünnen Zunge ausgestattet. An seiner Kralle befinden sich drei Zehen vorn und eine hinten.

Der Kanarienvogel hat häufig das typisch gelbe Gefieder, kann aber creme, blau, rot usw. sein. Zudem ist es möglich, dass er eine Haube trägt oder einen besonders langen Schwanz hat.

Systematik


Der Kanarienvogel ist die einzige Unterart des Kanarengirlitzes. Den nächsten Verwandten stellt der Girlitz. Weitere nahe Verwandte sind beispielsweise Kapuzenzeisig, Birkenzeisig und Stieglitz.

Fortpflanzung


Die Brutzeit der Kanarienvogels beginnt im Februar oder März. Die Männchen verstärken den Gesang und tragen auch Verfolgungsflüge und Schnabelgefechte aus.

Balz und Paarung

Sobald ein Männchen ein Weibchen gefunden hat, singt es im Balzflug, um sein Weibchen zum Nestbau anzuregen. Das Weibchen lässt häufig seinen trillernden Lockruf hören, ist ständig in Bewegung und schlägt mit den Flügeln. Nach fortgeschrittener Zeit nimmt das Weibchen eine Feder in den Schnabel (Nestbauzeremoniell). Das Nest besteht hauptsächlich aus trockenem Moos sowie Grashalmen und Blättern, innen ist es mit Tierhaaren, Wolle und Federn ausgekleidet. Das Männchen singt ausdauernd und füttert das Weibchen. Manchmal führt es auch einen Tanz auf. Auf die Balz folgt die Paarung. Sie dauert ein bis zwei Sekunden. Nach der Paarung trennen sich die Vögel und putzen sich meist ausgiebig. Ein bis zwei Bruten in einem Sommer sind üblich.

Eiablage

Canary nesting.jpg | Canary chicks.jpg Sobald das Weibchen sein Nest fertiggestellt hat, legt es, fast immer am frühen Morgen, das erste Ei. Meist erhebt sich die Henne beim Auspressen des Eies und steht mit geöffnetem Schnabel im Nest. Danach setzt sie sich erschöpft hin und ruht sich aus. Bei anderen Kanarienvögeln merkt man dagegen kaum, dass sie brüten.

Das Gelege ist mit drei bis fünf Eiern vollständig. Die Eier sind blassmeergrün und zeigen rötlich-braune Flecken. Überzüchtete Vögel brüten mehr als zweimal im Jahr, was sie zu sehr belastet und ihre Gesundheit schwächt.

Die domestizierten Kanarienvögel beginnen fast immer nach der Ablage des ersten Eies mit dem Brüten. Das führt dazu, dass die Jungen nacheinander schlüpfen und Spätlinge wenig Überlebenschancen haben, da sie erdrückt werden können und im Kampf ums Futter unterlegen sind.

Brutzeit

Bei Kanarienvögeln ist es üblich, dass das Weibchen allein brütet und nicht vom Männchen abgelöst wird. Es verlässt das Nest kurz am Morgen und am Abend, um Kot abzusetzen und zu trinken. Die restliche Zeit versorgt das Männchen das Weibchen mit Nahrung aus seinem Kropf. Die Weibchen sitzen nicht sehr fest und ausdauernd auf den Eiern. Dagegen hilft nur größtmögliche Ruhe. Die Brutzeit dauert etwa 14 Tage.

Nicht alle Eier der Kanarienvögel sind befruchtet. Hielte man jedes Ei gegen das Licht einer Glühbirne oder Taschenlampe, würde man bei befruchteten Eiern den Embryo als dunklen Fleck und sieht rote Adern erkennen. Unbefruchtete Eier sind klar und durchsichtig.

Entwicklung der Jungen

Nach einer Brutzeit von zwei Wochen schlüpfen die Jungen. Nach dem Schlüpfen werden die Küken von dem Weibchen gewärmt und am nächsten Tag gefüttert. Am Schlupftag leben sie vom Dottersack. Die Futterbeschaffung übernimmt das Männchen, das die Jungen oft direkt füttert. In dieser Phase benötigen die Jungvögel zusätzlich tierisches Eiweiß. In den ersten Tagen füttert das Weibchen die Jungen meist alleine mit einem aus dem Kropf hervorgewürgten, doppelt vorverdauten Nahrungsbrei. Zudem hält es das Nest sauber, indem sie den Kot ihrer Kinder frisst. Bald beginnt auch das Männchen bei der Fütterung zu helfen. Nach etwa einer Woche suchen die Jungen den Nestrand, stemmen sich daran hoch und werfen ihren Kot ab. Nach dem 14. Lebenstag regt sich der Fluchttrieb, so dass die Jungen vor Schreck aus dem Nest springen und sich verletzen können. Am 16. Tag verlassen die Jungen verlassen das Nest, werden aber bis zum 30. Tag noch von ihren Eltern gefüttert. Oft versorgt das Männchen die Jungen allein und bringt ihnen bei, auf Nahrungsssuche zu gehen und selbstständig zu fressen. Währenddessen beginnt das Weibchen mit der zweiten Brut.

Nach drei bis vier Monaten sind Kanarienvögel nach der Jugendmauser geschlechtsreif. Die Lebenserwartung des Kanarienvogels beträgt zehn bis zwölf Jahre. Der Rekord liegt bei 34 Jahren.

Verhalten


Kanarienvögel sind tagaktive Tiere. Sie verlassen ihre Schlafast mit Tagesbeginn, mit Sonnenuntergang suchen sie ihn wieder auf. Im Winter beginnt die Aktivitätsphase deutlich später und endet früher. Die Aktivitätsphase wird häufig durch Ruhe- und Putzphasen unterbrochen. Kanarienvögel sind gesellige Vögel, die sich in der Voliere zu Paaren und Gruppen zusammen finden. Sie kommunizieren über Rufe und auch Gesang. Sehen sie Fressfeinde oder werden sie durch Lärm, Menschen (Hände) oder erschreckt, fliegen sie panisch im Käfig herum bzw. klammern sich an den Käfigrand. Wenn es dunkel wird, schlafen Paare und Gruppen in der Voliere zusammen sitzend auf einem Ast.

Der Flug des Kanarienvogels ist auffallend wellenförmig und entspricht damit dem Flugbild der Finken.

Körpersprache

Der Kanarienvogel hat eine ausgeprägte Körpersprache entwickelt, die teilweise mit der Körperpflege verwechselt werden kann. So kann das Abspreizen der Flügel zum Einen der Drohung seinen Artgenossen gegenüber dienen, um Nahrung, das Revier oder ein Weibchen für sich zu beanspruchen, aber zum Anderen auch nur ein Strecken sein, um sich abzukühlen. Ein aufgesperrter Schabel dient entweder genauso der Drohung oder ist ein Mittel zur Abkühlung (Hecheln). Auch das Wetzen des Schnabel an einem Ast, kann einerseits der Beschwichtigung aggressiver Artgenossen dienen, andernseits aber auch lediglich der Reinigung desselben dienen. Hält er seinen Kopf schief, fordert er seinen Partner zum Kraulen auf oder beobachtet seine Umgebung mit einem Auge.

Der Kanarienvogel zeigt sein Wohlbefinden, indem er sich aufplustert. Dieses Verhalten zeigt er allerdings auch, wenn er sich zum Schlafen begibt oder krank ist. Diesselbe Mehrdeutigkeit ist gegeben, wenn er seinen Kopf ins Gefieder steckt. Auch das Sitzen auf einem Bein ist ein Zeichen dafür, dass ein Kanarienvogel entspannt ist. Schüttelt er sein Gefieder, ordnet er seine Federn nach dem Putzen oder Baden, oder er befreit sich nach einem Schmerz oder Schreck von einer Anspannung.

Wenn sich Kanarienvögel große Zuneigung bekunden wollen, schnäbeln sie miteinander. Putzen sie sich auch noch gegenseitig, bekunden sie damit ihre Sympathie füreinander. Will ein Männchen einem Weibchen imponieren, führt es einen Tanz auf. Kanarengirlitze bieten ihrem Partner zur Pflege häufig Körperpartien an, die sie beim Putzen mit dem Schnabel nicht erreichen. Als Aufforderung zum Putzen steckt einer dem anderen also Nacken, Kopf oder Kehle entgegen. Der Partner zieht nun an der dargebotenen Stelle eine Feder nach der anderen durch den Schnabel. Berührt er aber einmal andere Körperstellen, wird der Geputzte sogleich unruhig, pickt nach ihm oder fliegt fort.

Kanarengirlitze sind sehr friedliche und verträgliche Vögel. Dennoch kommt es auch unter ihnen hin und wieder zu Streitigkeiten, vor allem um begehrtes Futter, Sitzplätze oder Nistmaterial. Oft beschränkt sich der Streit auf gegenseitiges Drohen, wonach der Unterlegene aufgibt. Reicht das Abspreizen der Flügel nicht aus, hacken sie aggressiv mit dem Schnäbeln und jagen sich manchmal. Ergibt sich einer der Rivalen, streckt er seinen Körper und legt sein Gefieder eng an. Auch wenn ein Kanarienvogel stark erschrocken wird, zeigt er dieses Demutsverhalten. Vor allem zur Paarungszeit kommt es aber auch zu Schnabelgefechten und Verfolgungsjagden.

In der Voliere kann es vorkommen, dass ein bestimmter Kanarienvogel oft gejagt wird und nicht ans Futter darf. Er kommt nicht zur Ruhe und kann unter Herzversagen eingehen. Man sollte ihn in diesem Falle unbedingt in einen anderen Käfig setzen.

Gesangsverhalten

Der männliche Kanarienvogel singt bereits am frühen Morgen laut und schön von einer Singwarte aus. Er lässt seinen Gesang am häufigsten in der Balzzeit hören, um sein Revier gegen Artgenossen zu verteidigen und um ein Weibchen zu werben. Manchmal dient der Gesang auch der Begleitung beim Nestbau.

Der Kanarienvogel singt auch während des Fliegens, das heißt er trägt einen Fluggesang vor. Der Singflug unterscheidet sich vom normalen Fortbewegungsflug. Die Flügelschläge sind langsamer und ausholend. Die abschlagenden Flügel scheinen deutlich durchgebogen zu sein. Der Singflug kann ganz verschiedene Flugbahnen beschreiben. Das Männchen kann beispielsweise laut singend mit ausgestreckten Füßen und angelegten Flügeln aus hohem Himmel herabstürzen, um auf einer Warte zu landen. Singflüge führen normalerweise in weiten horizontalen Bögen von einer Warte zur anderen.

Stimme


Der Kanarienvogel hat neben seinem berühmten Gesang auch ein charakteristisches Rufen mit summenden, hüpfenden und klarem Klang.

Das Hörvermögen der Kanarienvögel ist sehr ausgeprägt. Die optimale Empfindlichkeit reicht von 3200 Hertz (Hz) bis 4000 Hz. Die untere Hörgrenze liegt bei 1100 Hz und seine obere bei 10000 Hz. Der Kanarienvogel kann zudem sehr schnelle Tonfolgen unterscheiden, im Gedächtnis speichern und wiedergeben. Deshalb kann er lernen, besonders schön zu singen, andere Vögel nachzuahmen, aber auch fremde Geräusche in seinen Gesang aufzunehmen.

Gesang

Sobald der Kanarienvogel im Frühjahr geschlüpft ist, gibt er seine ersten Töne von sich. Nach 30 bis 40 Tagen beginnt dann das Gesangsstudium der Männchen. Diese erste Phase des Lernens (Subsong) dauert bis kurz vor die Jugendmauser. Vor Beginn der Jugendmauser ist der Vogel etwa zwei Wochen lang still. Erst zwischen dem 70. und 90. Tag beginnt in die zweite Lernphase (plastischer Gesang), die etwa bis zum 150. Lebenstag andauert. Nach der Jugendmauser beginnt die dritte Phase der Gesangsausbildung (juveniler Herbstgesang), der etwa bis zum 250. Lebenstag andauert. In dieser Zeit lässt sich das Talent schon erahnen, so dass der Gesangskanarienvogel in die so genannte Singschule gehen kann.

Zur Fortpflanzungszeit des folgenden Jahres, um den 300. Lebenstag herum, hat der Kanarienvogel seine Lehre beendet und den Vollgesang erreicht, den er während der ganzen Brutsaison beibehält. Das Lautrepertoire ist stabil und umfasst in der Regel 30 bis 40 verschiedene Einzelelemente (Silben, also Noten pro Sekunde). Das Männchen singt recht lange, aus vielen Touren (Tour: zusammenhängende Abfolge von Silben, also Strophe) oder Phrasen (Phrase: selbständiger Abschluss eines Musikstücks) aufgebaute Melodien. Bei der Dauer der Pausen wird wenig variiert: Sie reicht zwar von 0,02 s bis 0,7 s, ist aber in der Regel im Bereich von 0,08 s bis 0,16 s. Die Tourendauer erwachsener Männchen liegt meist bei 0,8 s bis 1,1 s , kann aber auch 2 s betragen.

Ein Lied beginnt mit einem variablen, leisen Eingang von ein paar Silben und gipfelt in einer sehr lauten Tour aus harten absteigenden Elementen. Das Männchen singt recht lange, aus vielen Touren oder Phrasen aufgebaute Strophen. Die Strophe beginnt mit einem variablen, leisen Eingang von ein paar Elementen und gipfelt in einer sehr lauten Tour aus harten absteigenden Elementen. Den Wildvögeln fehlen allerdings im Gegensatz zum Harzer Roller die tiefen Phrasen, die auf züchterische Selektion zurückzuführen sind. Dafür kann der Kanarengirlitz bis zu 400 Elemente beherrschen und singt damit vielfältiger als die Zuchtformen. Dennoch muss in beiden Fällen die Vielfalt der Klangeinheiten erlernt werden, die ein Leben lang erweitert werden kann.

Ein Teil des Gesangs ist beim Kanarienvogel angeboren, daneben gibt es aber auch individuelles Lernen. Das Gesangsschema und die Strophe mit bestimmten Tönen und Rhythmus sind genetisch festgelegt. Die Feinstruckturen (Silben) sind aber für Lernprozesse offen und durch Hören arteigenen Gesangs werden Erfahrungen gesammelt. Sehr wichtig ist dabei das Vorbild des Vaters, aber die Jungen lernen auch von anderen Männchen und gleichaltrigen Jungvögeln. Dieses Lernfähigkeit wird in der Singschule besonders gefördert. Manche Silben werden auch ohne erkennbare Vorbilder gebildet, der Kanarienvogel kann also improvisieren.

Die Weibchen singen selten in ihrem ersten Lebensjahr. Die Qualität ihres Gesanges entspricht am ehesten dem Subsong der Männchen, manchmal dem plastischen Gesang. Während der Brutzeit singen die Weibchen nur ausnahmsweise. Nach Beendigung ihrer letzten Brut, etwa ab Juli, singen sie spontan den Sommergesang. Vom Herbst bis zu Beginn der nächsten Brutsaison singen sie den Herbstgesang. Am meisten singen die Weibchen im Oktober.

Nachdem die erste Fortpflanzungszeit vorüber ist, singen für die Männchen immer weniger und stellen ihren Gesang schließlich ganz ein (Refraktärzeit). Nach dem jährlichen Wechsel des Gefieders, der Mauser, singt er den Herbstgesang. Dieser ist weit plastischer als der Vollgesang, das heißt ohne feste zeitliche Struktur, aber auch die einzelnen Elemente sind viel variabler. Die Pausen sind unterschiedlich lang und das Verhältnis von Touren zu Silben ist stark zugunsten letzter verschoben. Im Winter und Frühjahr beginnt der Gesang sich dann wieder zu stabilisieren bis er in der nächsten Fortpflanzungsperiode wieder Vollgesangsniveau erreicht. Interessanterweise hat sich der Gesang nun gegenüber dem Vorjahr etwas verändert. Einige Silben sind gleich geblieben, andere wurden vergessen. Dafür hat er neue Melodien kreiert.

Geschichte der Domestikation


Rune i bokhyllan 6.JPG Der Kanarienvogel ist unter anderem auch deshalb so beliebt, weil die Kanarienvogelzucht nicht stillstand.

Ob die Ureinwohner der Kanaren den Kanarengirlitz als Käfigvogel hielten, ist wegen seines schönen Gesangs wahrscheinlich, aber umstritten. Seit der Eroberung der Kanarischen Inseln im Jahre 1496 brachten die Spanier den Kanarengirlitz nach Europa. Da sie gern Süßes mochten, wurden sie auch "Zuckervögelchen" genannt. Wegen ihres Gesangs und ihrer Munterkeit erlangten sie schnell große Beliebtheit und wurden zum Symbol für Luxus und Weltgewandtheit. Auf Grund der steigenden Nachfrage mussten sie in großen Mengen verschifft werden. Da die Klöster große Einnahmen durch den Handel mit Kanarengirlitzen erwarteten, begannen die Mönche mit der Zucht von Kanarienvögeln. Hier wies vor allem das Kloster Cádiz große Erfolge auf. Um ihr Monopol zu wahren, verkauften die Spanier nur die Männchen, die wegen ihres schönen Gesangs besonders bei den Damen des Adels und der reichen Bürger äußerst beliebt waren. Spanien verkaufte die Kanarienvögel an Portugal, England, Frankreich und Italien. Schon vor 1600 traten bei der Zucht erste Mutationen auf.

Um 1550 gelangten die Italiener jedoch in den Besitz von Kanarienvogelweibchen und begannen eine eigene Zucht. Das Monopol der Spanier brach zusammen. Um 1600 wurde auch im Königreich von England damit begonnen. Königin Elisabeth I. war von den Kanarienvögeln begeistert und stellte Bedienstete für die Pflege und Zucht dieses kleinen Vogels ein. Die Briten legten schon damals auf das äußere Erscheinungsbild großen Wert. Als sich Handwerker und Arbeiter Kanarienvögel leisten konnten, nahm die Zucht professionelle Züge an. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde auch in Frankreich die Kanarienvogelzucht betrieben. Die Franzosen achteten dabei vor allem auf die Färbung. Um 1650 wurde in England der erste Hauben-Kanarienvogel, um 1700 der erste Frisé- und Positur-Kanarienvogel gezüchtet. Seit ca. 1910 gelang es den Franzosen, Kanarienvögel mit Kapuzenzeisigen einzukreuzen, um rötliche Pigmente auf das Gefieder zu übertragen (Rotfaktor), so dass es die Kanarienvögel seitdem in vielen Rotvarianten gibt.

Schon um 1600 züchteten die Tiroler die Kanarienvögel nach und gründeten nach einigen Jahren eine Zucht- und Handelszentrale. Bald hatten sie gelbe und weiße Kanarienvögel gezüchtet. Zudem kamen sie auf die Idee, Nachtigallen als Vorsänger für die jungen Hähne einzusetzen. In Imst am Inn wurde eine Gesellschaft für den Versand in alle Welt gegründet. Die Tiroler Vogelhändler zogen mit Rückengestellen, auf denen Kanarienvögel in kleinen Holzkäfigen getragen wurden durch ganz Europa. Um 1700 gelangten die Kanarienvögel über Tirol nach Deutschland und in die Niederlande. Innsbruck, Nürnberg und Augsburg werden als Handelszentren genannt. Bis Ende des 16. Jahrhunderts wurden nur Gesangskanarien gezüchtet. Danach wurde auch auf die Farbe und zuletzt auf die Positur Wert gelegt. Die Blütezeit der Kanarienvogelzucht war das 18. Jahrhundert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann im Harz die Zucht, da viele Tiroler auf Grund höherer Löhne dorthin ausgewandert waren. Hier konzentrierte man sich auf den Gesang und verbesserte die Gesangsqualitäten. So wurde der Harzer Roller innerhalb relativ kurzer Zeit weltberühmt. Ab 1842 wurden Kanarienvögel vom Harz in die USA exportiert. Der Absatz stieg 1860 bereits auf 15.000 pro Jahr. 1882 wurden 120.000 Kanarienvögel nach New York transportiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Harzer Zucht ihren Höhepunkt: Über eine Million Harzer Roller wurden exportiert.

Der Kanarienvogel wurde nicht nur wegen seines Gesanges als Haustier gehalten. Er diente auch als "Alarmanlage" beziehungsweise als Schützer der Tiroler und im 19. Jahrhundert auch der Harzer Bergarbeiter. In dem schwachen Licht einer Öllampe wurden die Gesangskanarienvögel, insbesondere der Harzer Roller, "unter Tage" gebracht und dort in kleinen Käfigen an der Grubendecke befestigt. Während der schweren Arbeit im Bergwerk machte der Kanarienvogel auf die Menge des Sauerstoffgehalts aufmerksam. Wenn der Sauerstoff zurückging und das bedrohliche Methangas sich ausbreitete, plusterte er sich erst auf und fiel dann in Ohnmacht. Das war für die Bergarbeiter das Zeichen die Arbeit sofort einzustellen, um einem sicheren Erstickungstod zu entgehen. Durch seine Widerstandsfähigkeit, Dankbarkeit und Unkompliziertheit konnte der Kanarienvogel auf diese Weise viele Leben retten.

Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts begannen Züchter, gezielt neue Rassen zu schaffen und bekannte zu standardisieren. Beispielsweise begann man in den 1980er Jahren Zwergenformen von einigen Rassen zu züchten. Bei der Kanarienvogelzucht werden große Fortschritte erzielt, so dass einige Rassen so in ihrem Genmaterial gefestigt sind, dass sie international anerkannt werden. Auch werden fast jährlich neue Rassen aus fernen Ländern entdeckt.

Haltung


Kanarienvögel sollten nicht allein gehalten werden, denn auf den Kanarischen Inseln leben sie außer während der Brutzeit im Schwarm. Darum gehen oft wegen ihres Gesangs einzeln gehaltene Männchen seelisch und körperlich ein. Man sollte sich also für mindestens zwei Vögel entscheiden. Hält man zwei Männchen, sollte jedes einen eigenen Käfig erhalten, um heftige Revierkämpfe zu verhindern. Folgende Hinweise sollten außerdem beim Kauf und bei der Haltung beachtet werden:

Käfig

Der Käfig sollte so groß wie möglich, dabei aber länger als hoch sein, um einige Flügelschläge zu ermöglichen. Runde Käfige bieten den Vögeln weder genügend Platz zum Hüpfen noch zum Fliegen. Man muss ihn wöchentlich mit Wasser und Seife oder Geschirrspülmittel reinigen und gründlich trocknen, ehe man den Vogel wieder hineinlässt.

Der Käfig sollte nicht mehr als zwei bis drei Stangen enthalten, damit genügend Platz für Bewegungen bleibt. Der ideale Stangenabstand beträgt 30-40 cm. Ungeeignet sind viereckige und Plastikstangen. Am Besten geeignet sind Weiden- und Ostbaumzweige mit Rinde, die unterschiedliche Durchmesser haben, damit der Vogel seine Gelenke ständig trainieren kann. Diese müssen mindestens einmal monatlich ausgewechselt werden, da sich an ihnen Milben ansiedeln.

Für eine schnelle und gründliche Reinigung am Besten geeignet ist Haushalts- und Zeitungspapier. Es eignet sich gut, um Kot und Harn zu kontrollieren, da kaum Sand aufgewirbelt wird, durch den sich der Vogel Parasiten einfangen könnte. Man sollte Sand und Grit in Näpfen statt als Bodenstreu anbieten, um diese Gefahr zu verringern. Allerdings ist eine 3 cm dicke Sandschicht, die regelmäßig gewechselt wird, für den Kanarienvogel angenehmer. Nicht geeignet sind Gitter über dem Käfigboden und vorgefertigtes Sandpapier.

Grit benötigt der Magen des Kanarienvogels, um die Körner zu zerkleinern. Es kann in einem kleinen Hängenapf oder zusammen mit dem Futter angeboten werden. Zur Mauser und zur Brutsaison muss Kalzium in Form von Kalkstein, Sepiaschale oder Kalkgrit bereitgestellt werden.

Futter und Wasser werden in Näpfen angeboten, die nicht direkt unter der Sitzstange liegen dürfen, um eine Verunreinigung mit Kot zu vermeiden. Sie werden täglich gereinigt und getrocknet sowie kontrolliert. Das gilt auch für Futter- und Wasserautomaten, um Infektionen zu verhindern.

Kanarienvögel sind "Wasserratten". Deshalb muss täglich die Möglichkeit zum Baden bestehen. Entweder stellt man ein Badegefäß an beziehungsweise in den Käfig oder man duscht sie mit einer gründlich gereinigten Blumensprühflasche ab, in der man weder Dünger noch Pflanzengifte hatte.

Der Käfig sollte in Augenhöhe des Menschen aufgestellt werden und mit einer Seite zur Wand stehen. Er darf nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein und nur selten seinen Standort ändern. Auch sollte er an einem erschütterungsfreien Standort stehen. Die Küche ist wegen der Essensdämpfe, der Gefahrenquellen beim Freiflug und der Vergiftungsmöglichkeiten ungeeignet. Ebenso schlecht ist es den Käfig in weniger als 3 Meter Entfernung zum Fernseher, Klavier oder Lautsprecher zu stellen, da die Töne im Ultraschallbereich als sehr schrill von den Kanaris empfunden werden. Helle Ecken bieten Kanarienvögeln ein Gefühl von Sicherheit. Den Käfig nachts abzudecken ist sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig.

Die Temperaturen im Käfigzimmer sollten unterschiedlich sein, so dass ein Tag- und Nachtrhythmus möglich ist. Zu hoch sind die Temperaturen über 40°C, zu niedrig unter 7°C. Kanarienvögel sind tagaktive Tiere. Zum Tageslicht im Käfigraum sollte er im Sommer draußen in den Schatten unter Beobachtung (Katzen!) gestellt werden, um das Sonnenlicht zu genießen und gesund zu bleiben. Wegen ihrer hohen Stoffwechselaktivität haben Kanarienvögel einen großen Sauerstoffbedarf. Schlechte und staubige Luft, Zugluft, Zigarettenqualm sind tabu. Eine Luftfeuchtigkeit von 60-70 % im Käfigzimmer ist optimal.

Fütterung

Orange finch 1.jpg Fütterungsfehler verursachen oft Krankheiten. Ein Kanarienvogel kann sterben, wenn er einen Tag kein Futter vorfindet. Auch kann er sich nicht eine vorgegebene Futtermenge in Rationen für mehrere Tage einteilen. Ist der Halter im Urlaub, sollte er jemanden beauftragen, der regelmäßig nach dem Vogel sieht.

Vogelfutter muss ständig kühl und trocken gelagert werden. Riecht es muffig, ist es von Futtermilben befallen und sollte weggeworfen werden. Das Futterangebot sollte mit den Jahreszeiten schwanken, um Stoffwechselstörungen zu vermeiden. Man sollte zusätzlich zum handelsüblichen Futtermischungen, das im wesentlichen aus Kohlenhydraten (Pflanzensamen) besteht, tierisches Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe reichen.

Täglich nimmt der Kanarienvogel in Abhängigkeit von Umgebungstemperatur und Futterbeschaffenheit 10-20 % des Körpergewichtes an Wasser auf. Mit dem Trinkwasser nimmt der Vogel auch Iod und Mineralstoffe auf. Abgekochtes und gefiltertes Wasser sind ungeeignet. Man sollte Mineralwasser ohne Kohlensäure oder normales Leitungswasser verabreichen und ab und an handelsübliche Trinkzusätze hinein geben.

Einmal wöchentlich sollte man tierisches Eiweiß in Form von Ei (mindestens zehn Minuten kochen lassen: Vitamin A!), Quark, Frischkäse oder Jogurt anbieten. Während der Mauser oder Eibildung ist ein erhöhter Bedarf vorhanden. Zum Knabbern eignen sich Obstbaumzweige mit frischen Knospen, die viel Eiweiß, Gerbsäuren und Ballaststoffe enthalten. Man kann, außer bei warmem Wetter (Fäule, Schimmelpilze!), auch die Körnerfuttermischung vorkeimen lassen, um deren Eiweiß- und Vitamingehalt zu erhöhen.

Vitamine sind für den Kanarienvogel lebensnotwendig. Außer den Vitaminen C und D müssen alle anderen Vitamine (A, B, D, E) mit der Nahrung aufgenommen werden. Man sollte Obst wie Apfel, Banane, Orange und Gemüse wie Paprika, Karotten, Mais, Salat, Petersilie und Grünzeug wie Vogelmiere und Löwenzahn reichen. Dabei muss das Vitaminfutter gründlich gewaschen (besonders beim Kopfsalat) und frei von Abgasrückständen (Pflanzen an Straßenrändern) sein. Kohl und Schotengemüse sollten nur in kleinen Mengen gegeben werden (Blähungen!). Außerdem sollte man fetthaltige Getreidekörner wie Leinsamen, Raps, Rüben, Hanf und Negersaat verfüttern, um Vitamin E zuzuführen. Und man sollte Hefe, Eier, frisches Gemüse und Pflanzenkeimlinge regelmäßig geben, um Vitamin B-Mangel zu vermeiden. Zusätzlich zu den oben genannten Sachen, sollte einmal wöchentlich ein handelsübliches Vitaminpräparat über das Trinkwasser gereicht werden. Vorsicht vor Überdosierungen von den Vitaminen A, D und E!

Ein erhöhter Bedarf an Mineralstoffen besteht zu Zeiten des Wachstums, der Mauser und der Legetätigkeit. Man sollte regelmäßig zerkleinerte Schalen von hart gekochten Eiern oder Muschelkalk zum Futter reichen.

Freiflug

Um gesund zu bleiben und ihre Muskeln zu stärken, müssen Kanarienvögel regelmäßig Gelegenheit haben, einige Flugrunden im Zimmer zu drehen. Man sollte allerdings vorher alle Fenster und Türen schließen und während des Freifluges kein Futter außerhalb des Käfigs anbieten. Vor dem Freiflug müssen einige Gefahrenquellen beseitigt werden:

Bücherregale stellen für den Kanarienvogel eine Gefahr da, wenn er schlüpft oder hinter die Bücher fällt. Er kommt dann nicht mehr allein heraus. Der Kanarienvogel kann auch gegen Fensterscheiben oder Glaswände fliegen und bekommt als Folge davon eine Gehirnerschütterung oder erleidet einen Schädelbruch. Er kann durch offene Fenster entfliegen oder er klemmt sich ein, wenn eine offene Tür geschlossen wird.

Der Kanarienvogel rutscht vielleicht in Gefäße mit Wasser (Gläser, Krüge, Vasen, Putzeimer) hinein und ertrinkt dann. Gegebenenfalls rutscht er in einen Papierkorb oder ein Ziergefäß hinein, verhungert oder bekommt einen Herzschlag vor Angst, da er nicht allein hinaus kann. Der Kanarienvogel kann unbemerkt in offene Schränke oder Schubladen eingeschlossen werden und dann ersticken oder verhungern. Er kann auch in Spalten zwischen Wand und Möbelstücken abrutschen und sich einklemmen. Der Kanarienvogel verbrennt sich gegebenenfalls beim Landen auf der heißen Herdplatte oder ertrinkt im offenen Topf. Oder er verbrennt sich beim Fliegen durch die Flamme einer Kerze.

Der Kanarienvogel knabbert vielleicht an giftigen Pflanzen und vergiftet sich daran. Oder er vergiftet sich tödlich durch Alkohol, Chemikalien und Putzmittel.

Zähmung des Vogels

Kanarienvögel haben aufgrund ihrer Lebensweise kein allzu großes Bedürfnis, sich einem Menschen anzuschließen wie beispielsweise Papageien und Sittiche, die in großen Schwärmen mit einem festem Partner leben. Sie haben dagegen nur während der Brutzeit einen Partner, sind aber sonst innerhalb ihres Schwarms ungebunden. Dennoch ist es möglich, den kleinen Einzelgänger so an sich zu gewöhnen, dass er die natürliche Scheu vor der Hand des Menschen verliert, also handzahm wird. Dazu sind allerdings viel Geduld und Ruhe unerlässlich. Dem Kanarienvogel sollte man sich erst nähern, wenn er sich eingewöhnt hat. Er muss ruhig bleiben, wenn man am Käfig hantiert und sollte nicht mehr nervös flattern oder ängstlich sein. Ist es soweit, kann man einmal die Hand langsam durch die geöffnete Käfigtür ins Innere strecken und ein Stück Obst oder ein Salatblatt hineinhalten. Nimmt er diese Handlung ruhig im respektvollem Abstand zur Kenntnis, ist schon viel erreicht. Wird er aber nervös, sollte man langsam die Hand zurückziehen und es am nächsten Tag zur gleichen Zeit wieder versuchen. Irgendwann wird der Kanarienvogel den Mut aufbringen, mit langem Hals an dem angebotenem Leckerbissen zu knabbern. Manche Kanaries sind schon nach zwei Tagen soweit, andere erst nach einer Woche. Man sollte Geduld haben und sein Angebot unverändert wiederholen. Dabei sollte man mit dem Vogel reden, damit er sich an den Tonfall der Stimme seines Zähmers gewöhnt. Hat der Kanarienvogel die Hand als Spenderin von Leckerbissen akzeptiert, traut er sich schon einmal auf den Handrücken oder ausgestreckten Finger zu hüpfen. Wenn man Glück hat, lässt er sich auch auf der Hand tragen, um aus dem Käfig zu dürfen oder in ihn zurückgebracht zu werden. Allerdings sind Kanarienvögel viel zu unruhig und quirlig, um sich stundenlang herumtragen zu lassen beziehungsweise lange am selben Platz zu bleiben. Man sollte immer nur den Handrücken als Sitzfläche anbieten, weil manche Kanarienvögel vor der Handfläche Angst haben. Der Vogel sollte außerdem nach der Zähmung nie gegriffen werden, da das das bereits erworbene Vertrauen in die Hand erschüttert. Muss man ihn doch einmal greifen, um Medikamente zu verabreichen, sollte man eine Brille aufsetzen, einen Hut tragen und ähnliche Veränderungen an sich vornehmen, damit der Kanarienvogel einen nicht erkennt. Vor allem aber sollte man schweigen, da Kanarienvögel sehr gut darin sind, Stimmen wiederzuerkennen.

Verstummter Vogel

Orange Finch 2.jpg Singt der Kanarienvogel nicht mehr während der Mauser ist das ganz natürlich, da er für den Gefiederwechsel so viel Energie braucht, dass er zum Singen keine Kraft mehr hat. Es kommt jedoch auch hin und wieder vor, dass er auch nach der Mauser nicht mehr singt. Manchmal verstummt der Vogel sogar ganz und singt nie mehr. Auch wenn ein Kanarienvogel rundum gesund und munter ist, kann es vorkommen, dass er von einem Tag auf den anderen nur noch piepst, aber nicht mehr singt. Einige Kanarienvögel nehmen nach einer Weile ihre Gesänge wieder auf, während andere für immer stumm bleiben. Man sollte bei verstummten Kanarienvögeln bedenken, dass Wildvögel hauptsächlich während der Fortpflanzungsperiode singen und nicht unbedingt das ganze Jahr laut und ausdauernd ihre Lieder trällern. Kanarienvögel sind wie alle Vögel Persönlichkeiten und keine Gesangsmaschinen. Jeder hat seinen eigenen Charakter, der ihn von den anderen unterscheidet. Manche hüpfen täglich öfters ins Bad, andere singen lieber. Wenn ein Kanari verstummt, sollte man dafür Verständnis zeigen. Man kann den Kanarienvogel aber wieder zum Singen anregen, indem man ihm Kanariengesänge vorspielt. Auch kann man Musik (Empfehlung:Klassische Musik) laufen lassen, da diese gerne von Kanarienvögeln übertönt wird. Eine Alternative dazu ist es, Staubsaugergeräusche zu erzeugen, da diese animierend wirken. Oder man kann ein Weibchen besorgen, da dieses zum Singen motiviert beziehungsweise Männchen in verschiedenen Käfigen ohne Blickkontakt halten. Auch könnten dem Vogel bestimmte Nährstoffe fehlen.

Mauser

Vogelfedern sind sehr empfindlich und nutzen sich schnell ab. Nach einem Jahr in Gebrauch kann man ihnen schon deutliche Gebrauchsspuren ansehen. Da Kanarienvögel ein intaktes Gefieder zum Überleben brauchen, wechseln sie in bestimmten Zeitabständen ihr Federkleid. Diesen Vorgang nennt man Mauser (lat. mutari - sich wandeln). Während der Mauser ist der Kanarienvogel besonders anfällig und gesundheitlich labil. Es ist natürlich, wenn Kanarienvögel in dieser Zeit nicht singen, da die Erneuerung des Gefieders eine anstrengende Sache ist. Wegen der großen körperlichen Belastung ist die Mauser mit den Anforderungen abgestimmt, denen der Vogelorganismus im Jahresverlauf ausgesetzt ist. Nicht in der Brutzeit, sondern in den Monaten August und September findet die Mauser statt, die innerhalb von sechs bis acht Wochen das Federkleid erneuert. Selten kann man eine Winter- oder Frühjahrsmauser beobachten, bei der nur das Kleingefieder gewechselt wird.

Mangelerscheinungen und Hormonstörungen können die Ursache sein, wenn ein Kanarienvogel während der Mauser zwar Federn verliert, aber keine neuen nachwachsen. Die Stockmauser kann sich auch dadurch zeigen, dass der Kanarienvogel ungewöhnlich lange für seinen Federwechsel braucht.

Man kann dem Kanarienvogel die Mauser erleichtern, indem man behutsam mit ihm umgeht, da er nervöser als sonst ist. Außerdem sollte man ihn besonders vollwertig und reichhaltig ernähren (Vitaminpräparate geben). Zusätzlich sollte man Gurkenschale oder klein zerschnittene Gurkenstücke reichen, da diese günstig auf die Federbildung wirken. Wichtig ist es auch, dem Kanarienvogel täglich eine Bademöglichkeit zu bieten oder ihn mit Wasser zu besprühen. Außerdem geht die Mauser oft schneller vorbei, wenn man täglich eine Infrarotbestrahlung durchführt.

Erkrankungen

Ist der Kanarienvogel nicht mehr froh und munter und piepst und hüpft er nicht mehr quicklebendig im Käfig herum, ist er nicht zahm oder schüchtern, sondern krank. So lange es ihnen möglich ist, verbergen sie ihre Krankheiten, aber ein Halter, der sie oft beobachtet, fällt darauf nicht hinein.

Da das Immunsystem der Kanarienvögel nicht besonders lange standhält, sollte man alsbald zum Tierarzt gehen, um sie untersuchen zu lassen.

Kanarienvögeln können selbst die scheinbar harmlosesten Krankheiten gefährlich werden. Sie sind kleine Organismen, deren Energiereserven schnell aufgebraucht sind. Ist ein Kanarienvogel erst einmal durch eine Krankheit geschwächt, kann sich sein Allgemeinzustand sehr schnell verschlechtern. Darum sollte man Gesundheitsstörungen so früh wie möglich erkennen:

Am häufigsten erkranken Kanarienvögel an Parasiten.

Die schlimmste Kanarienvogelkrankheit ist der Kanarienpocken-Virus. Die Ansteckung erfolgt durch infizierte Vögel oder den Menschen als Überträger. Die Inkubationszeit beträgt drei bis sechzehn Tage. Kennzeichnend für diese Krankheit sind Knötchen an den Hornteilen und an den Schnabelwinkeln, schwere Atemstörungen und Erstickungstod oder Überleben als Virusträger.

Kanarienvögel können sich aber auch an der Geflügelpest (Newcastle disease) anstecken. Diese Krankheit ist ansteckungsgefährlich für den Menschen, der dann eine Bindehautentzündung bekommt. Sie wird durch rohe Hühnereierschalen oder Wildvögel übertragen.

Schwer zu diagnostizieren und meldepflichtig ist die Ornithose (Psittakose, Papageienkrankheit), die keine eindeutigen Symptome zeigt. Kennzeichen über einen längeren Zeitraum sind Beschwerden wie Atemnot, Durchfall, Schnupfen oder schleimige Absonderungen.

Durch stressbedingte Abwehrschwächen vermehren sich die im Darm vorhandenen Bakterien (Salmonellen, Escherichia coli) so, dass es zu einer bakteriell bedingten Darmentzündung kommt. Der erkrankte Kanarienvogel hat Durchfall und stirbt innerhalb weniger Tage durch Austrocknung.

Weitere Erkrankungen sind Flügel-, Bein- und Zehenbrüche.

Doch auch ein Grauer Star kann auftreten.

Allein gehaltene Kanarienvögel leiden häufig an psychischen Krankheiten. In einem solchen Fall sollte man dem Vogel mehr Zeit widmen und einen Artgenossen (und einen größeren Käfig) hinzukaufen.

Rechtliches


Mietrecht

Sind im Mietvertrag keine Bestimmungen über die Tierhaltung enthalten, so ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die üblichen Heimtiere in der Wohnung gehalten werden dürfen, solange durch die Tierhaltung keine Belästigungen eintreten. Dies gilt grundsätzlich für die Haltung von Ziervögeln, zu denen insbesondere der Kanarienvogel zählt. Weder geht von ihnen eine Geruchsbelästigung aus, noch geben sie Geräusche von sich, die zu einer Lärmbelästigung anderer Mieter führen könnten. Ferner sind Kanarienvögel nicht dazu fähig, größere Beschädigungen an der Wohnung zu verursachen. Der Mieter braucht daher zu deren Haltung keine ausdrückliche Genehmigung.

Wenn aus ein oder zwei Kanarienvögeln allerdings eine Zuchtgruppe wird, muss man im Einzelfall prüfen, inwieweit der Hausfrieden gestört sein könnte.

Eigentumswohnung

Ein generelles Verbot der Haltung von Kanarienvögeln in der Eigentumswohnung kann wirksam nur vertraglich durch einen einstimmigen Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft beschlossen werden. Zulässig ist auch ein Beschluss der Wohnungseigentümer, der die Tierhaltung in der Eigentumswohnung auf eine vertretbare Anzahl begrenzt.

Zucht

Wer Kanarienvögel züchten will, bedarf keiner behördlichen Erlaubnis.

Kaufvertragsrecht

Jeder, der einen Kanarienvogel käuflich erwirbt, schließt mit dem Käufer einen Kaufvertrag ab. Dieser Vertrag muss nicht schriftlich abgefasst werden, denn auch ein mündlicher Kaufvertrag ist rechtsgültig.

Stellt sich nach der Übergabe des Kanarienvogels an den Käufer heraus, dass das Tier mit einem Fehler (also einer Krankheit) behaftet war, kann der Käufer seine gesetzlichen Gewährleistungsrechte (innerhalb der Frist von sechs Monaten von der Übergabe an gerechnet) geltend machen und beispielsweise vom Kaufvertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern. Voraussetzung hierfür ist aber immer, dass das Tier bereits bei der Übergabe (und nur dann) krank war. Gerade bei Infektionskrankheiten können meistens nur sachverständige Tierärzte diese Frage klären.

Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr dürfen ohne Einwilligung ihrer Eltern keinen Kanarienvogel kaufen. Genehmigen die Eltern den Kauf des Kanarienvogels nicht, muss der Verkäufer das Tier wieder zurücknehmen und den Kaufpreis zurückerstatten.

Fundtier

Zugeflogene Kanarienvögel sind als Fundsache zu behandeln, das heißt sie sind grundsätzlich bei der Polizei oder dem städtischen Fundbüro abzuliefern. Diese vermitteln dann die Tiere in ein öffentliches Tierheim. Meldet sich nach sechs Monaten nicht der Eigentümer des Kanarienvogels, darf man den zugeflogenen Kanarienvogel behalten.

Zucht


Kanarienvögel werden entweder nach Gesang oder nach Farbe und Positur gezüchtet.

Während die deutsche Kanarienvogelzucht ihren Schwerpunkt auf die Verfeinerung der Gesangsqualitäten legte, konzentrierten sich die englischen Züchter schon im 18. Jahrhundert auf die Erzüchtung von Kanarienvögeln mit anderer Gestalt. Auf dem europäischen Festland beschäftigte man sich neben der Gesangskanarienvogelzucht mit der Zucht von farblich abweichenden Vögeln. So entstanden die drei großen Zuchtrichtungen Gesang, Farbe und Positur.

Gesangskanarien

Canary.jpg In der Gesangskanarienzucht wurde über Generationen hinweg, durch ständige Auslese, das Lied des wilden Kanarengirlitzes in das heute bekannte Kanarienlied entwickelt, welches viele wohlklingende Töne enthält. Nachdem die unterschiedlichen Liedteile (Touren) gegliedert waren, wurde 1922 in Kassel die "Deutsche Einheitsskala" fixiert, in der Werteinteilungen und Punktzuordnungen festgeschrieben sind. Im Jahre 1959 wurde das Kanarienlied in zwei Tourengruppen, die Werttouren und die Fehltouren unterteilt. Die neun Werttouren - Hohlrolle, Knorre, Wassertour, Hohlklingel, Schockel, Pfeife, Glucke, Klingel und Klingelrolle – werden je nach der vorgetragenen Variation, der Klangfarbe, dem Tonumfang, dem Wohlklang und der Reinheit in drei Stufen bewertet. Das Erkennen und richtige Einstufen der Touren setzt jahrelange Erfahrung und Fachkenntnis in der Gesangskanarienzucht voraus. Das Kanarienlied, wie übrigens auch die Lieder aller Finkenvögel, ist nicht konstant, sondern unterliegt ständiger Veränderungen. Einflüsse auf das Kanarienlied nehmen neben der Begabung des Vogels auch die Umwelt, wie Jahreszeit, Alter, Stimmung und Käfigstandort. Sind die einfachen Laute, wie Locktöne, Warn- und Drohlaute den Vögeln angeboren, so müssen ihm die komplizierten, klangreichen Lieder antrainiert werden, wenn hier auch genetische Anlagen ihren Einfluss haben. In den letzten Jahren gewann neben der Zucht des Harzer Roller in Spanien die Zucht des Spanischen Timbrado und in Belgien die Zucht des Belgischen Wasserschlägers an Bedeutung. Ebenso versuchte man in den USA, die Eigenschaften von Gesangs-, Farb-, und Positurkanarien im American Singer zu vereinen.
Singschule
Gesangskanarien werden speziell zum Singen ausgebildet. Dafür müssen sie etwa im Alter von sechs Monaten in die so genannte "Singschule". Damit sie beim Lernen nicht abgelenkt werden und um Revierkämpfe in der beginnenden Geschlechtsreife zu verhindern, setzt der Züchter sie für einige Wochen allein in einen kleinen Käfig, den so genannten "Gesangsbauer". Während dieser Zeit sehen sie ihre Artgenossen nicht, so dass sie sie nur hören können. Die Schüler lernen voneinander oder bekommen einen guten Vorsänger. In Belgien nennt man ihn "Professor". Die jungen Kanarienvögel versuchen, ihn nachzuahmen, so gut sie können. Sie singen fleißig und studieren mehrere Strophen ein. Was die Schüler einmal gelernt haben, vergessen sie nie mehr. Kanarienvögel sind in der Lage, ihr ganzes Leben lang neue Strophen zu erlernen. Der Harzer Roller, auch Edelroller genannt, ist der berühmteste Kanarienvogel. Er entstand im 19. Jahrhundert im Harz. Heutzutage wird er jedoch überall gezüchtet. Er trägt ein gelbes, grünes, oder ein gelb-grün geschecktes Federkleid, aber der "rollende" Gesang – eine bestimmte Melodie - hat ihn so bekannt gemacht. In geduldiger Zucht wurde diese Rasse dazu gebracht, sehr angenehm melodisch, abwechslungsreich und scheinbar mit geschlossenem Schnabel zu singen. Das Lied eines Harzer Rollers besteht in der Hauptsache aus vier Strophen (Touren): Hohlrolle, Knorre, Pfeife und Hohlklingel. Die Hohlrolle ist das wichtigste Element. Dabei singt der Vogel ein "r" rollend in Verbindung mit den Vokalen "ü", "o" oder "u", was dann zum Beispiel wie "rururu" klingt. Zur Knorre geht der Sänger in den Bass. Besonders geschätzt wird hier ein tiefes "krruruurru". Die Hohlklingel entsteht durch ein "l" in Verbindung mit den Vokalen. Der Vogel singt "lülülü" oder "lololo" bis zum tiefen "lululu" in leicht abgesetzter Form. Bei der Pfeife gibt es deutlich abgesetzte weiche Einzeltöne, in Verbindung mit dem "d", was sich anhört wie "du" oder "dou", oft am Ende eines Konzertes. Benutzt der Vogel bei seinem Lied ein "li", so nennt man das eine Klingel oder als "ri" eine Klingelrolle. Es gibt auch sogenannte Nebentouren: Glucke, Schockel und Wassertour. Der Belgische Wasserschläger ist etwas größer als der Harzer Roller und hellgelb. Der Gesang dieser Rasse ist mehr "schlagend" im Gegensatz zum rollenden, weichen Gesang des deutschen Vogels. Der Spanische Timbrado ähnelt im Aussehen dem wilden Kanariengirlitz. Sein Gesang erinnert an ein helles Glockenklingeln. Der Amerikan Singer wurde in den USA in dem Versuch gezüchtet, die Vorzüge aller Rassen zu vereinen. Der Amerikaner singt schön, hat bunte Farben und weiche Federn sowie eine gute Positur.

Farbkanarien

Canario canary pájaro bird.jpg In Spanien und Italien traten schon kurze Zeit nach der regelmäßigen Zucht Farbabweichungen zu der Wildform auf. Zuerst waren es gelbe Flecken im Gefieder, aber schon vor 1600 waren reingelbe Kanarienvögel bekannt. Auch die Tiroler Gesangskanarien waren überwiegend gelb. Auch der Ausfall sämtlicher Farbstoffe im Gefieder ließ nicht mehr lange auf sich warten. Im Jahr 1667 wurde in Deutschland von reinweißen Kanarienvögeln berichtet. Zuvor waren Zeichnungen von weißgescheckten Kanarienvögeln zu sehen. Auch graue, graugescheckte und braune Kanarienvögel wurden in Büchern des 17. und 18. Jahrhunderts erwähnt. In diese Zeit fallen auch die Achatvögel, die in Holland erstmals erwähnt wurden. Die Mutationen der weißen, grauen und Achatvögel verschwanden wieder, da zu dieser Zeit die Vererbungslehre noch nicht bekannt war. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde die Farbkanarienzucht populär. Die seinerzeit ausgestorbenen Mutationen traten wieder auf und es kamen noch weitere hinzu. Mit dem Wissen der Mendelschen Vererbungsregeln war es nun nicht mehr schwer, die aufgetretenen Mutationen zu festigen und stabile Zuchtstämme aufzubauen. Das wohl größte Ereignis in der Farbkanarienzucht war die Realisierung des roten Kanarienvogels, durch die Einkreuzung des Kapuzenzeisigs. Es war jedoch ein langer und mühsamer Weg, das Rot zu stabilisieren, da nur ein geringer Prozentsatz der männlichen Mischlinge aus Kanarienvogel und Kapuzenzeisig fruchtbar war. In der Zeit zwischen 1915 und 1925 gelang es einigen deutschen Züchtern - vor allem dem in Ostpreußen lebenden Bruno Matern - die roten Kanarienvögel zu festigen. Auch wenn die Farbkanarienzucht in Deutschland die wohl wichtigsten Impulse bekam, so wurde doch diese Zucht in den Niederlanden und Belgien viel fleißiger betrieben. Zur Zeit sind in den Zuchtorganisationen über 300 Farbschläge anerkannt. Alle dunklen Farbkomponenten, wie Schwarz, Braun usw. rühren allein von den Melaninen, den Eumelaninen und Phäomelaninen, her. Die zweite Farbgruppe sind die Fettfarben (Lipochrome oder Carotinoide). Sie werden als Provitamine A oder als fertige Carotinoide mit der Nahrung aufgenommen. Je nach der genetischen Voraussetzung des Kanarienvogels werden die Carotinoide oder Provitamine A zu körpereigenen Carotinoiden (den Lipochromen) umgewandelt oder direkt zur Federfärbung verwendet. Im Federkeratin lagern sich die Lipochrome ab und sind damit fest in der Feder verankert. Die Lipochromfärbung der Kanarien reicht von Gelb bis Feuerrot. Die dritte Farbgruppe ist die Farbstruktur. Hier unterscheidet man zwischen intensiv und schimmel. Intensive Vögel haben eher kürzere und schmalere Federn, so dass diese Vögel schlanker und kleiner wirken können als nicht intensive (schimmel) Vögel. Bei intensiven Vögeln dringen die Carotinoide bis in die Federspitze vor, so dass diese die Fettfarben wesentlich kräftiger zeigen als die Schimmelvögel. Die nicht intensiven Vögel wirken blasser und größer, da ihre Federn einen schmalen farblosen (und damit weiß erscheinenden) Federrand aufweisen. Vögel, die genetisch nicht in der Lage sind die in der Nahrung angebotenen Carotinoide aufzubauen und umzusetzen bleiben Fettfarblos, also Weiß. Hier gibt es solche, die grundsätzlich keine Carotinoide umsetzen und somit vollkommen weiß (rezzesiv-weiß) sind und Vögel, die eine zu langsame Lipochromausbildung haben und die genetisch zwar noch existierenden Faktoren für rot oder gelb nicht mehr zur Wirkung kommen, abgesehen von geringfügigen Farbablagerungen im Großgefieder (dominant-weiß). Die Farbbezeichnungen der verschiedenen Farbkanarienrassen gliedern sich in
  • Lipochromkanarien (volle Fettfarbe und Mosaik): gelbe, rote und weiße Grundfarbe (Fettfarbe) in intensiv und schimmel, "leuchtend" oder ivoor
  • Melaninkanarien (klassische Farben): Melanine sind Dunkelfarbstoffe (Zeichnungsmelanine und Flächenmelanine) in schwarz, achat, braun, isabell
  • Nichtklassische Melaninkanarien: pastell, opal, satinet, phaeo, eumo, topas, onyx
Durch Kombination der oben angeführten Farbbezeichnungen ergibt sich die große Zahl der weit über 200 standardisierten Farbenkanarien.

Positurkanarien

Diese Zuchtform hält bis in die heutige Zeit an und wird nicht nur in England, sondern mittlerweile in der ganzen Welt betrieben. An den Rassenamen, die nicht nur bei den englischen Positurvögeln von den Regionen, in denen sie erzüchtet wurden, abgeleitet sind, erkennt man die Herkunft. Stammvater vieler, speziell der englischen, Positurvögeln ist der "Große Vogel von Gent", der bereits um 1600 in den flämischen Küstengebieten des Königreichs der Vereinigten Niederlande erzüchtet wurde. Ausgangspunkt aller gebogenen Rassen dürfte der Bossu Belge mit typisch belgischem Gepräge sein, der wiederum seinen Ursprung im "Große Gent’se Vogel" hat und etwa ab 1800 als eigenständige Rasse gilt. Der Ursprung der frisierten hat in der Rokokozeit (1720-1780) gelegen. Der Trend der verspielten Formen der damaligen Zeit hat sich auch bei der Vogelzucht ausgewirkt. Im Jahr 1758 wird ein Kanarienvogel mit "Flaumfedern" erwähnt. Hiermit wurde offensichtlich die Gefiederstruktur gemeint, die heute als Locken oder Frisurenfedern bezeichnet werden. Die Anfänge des Pariser Trompeter, der als Ursprung aller frisierten Rassen gilt, sind nicht, wie der Name vermuten lässt, in Paris erzüchtet worden, sondern in den holländisch-belgischen Provinzen. Da in dieser Gegend, zu dieser Zeit der "Große Gent’se Vogel" weit verbreitet war, ist anzunehmen, dass dieser auch bei der Erzüchtung der frisierten Rassen beteiligt war. Die gebogenen, frisierten Rassen wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts erzüchtet. Ihre Stammväter dürften wohl die friesierten (Pariser Trompeter) und die gebogenen (Bossu Belge) Vögel gewesen sein. Die Erzüchtung neuer Kanarienrassen geht bis in die heutige Zeit – und hoffentlich auch noch darüber hinaus – weiter, wie die relativ jungen Rassen Fiorino, Makige, Rheinländer, Mehringer usw. zeigen. Derzeit sind 26 Positurrassen, die wiederum in unterschiedliche Farbschläge aufgeteilt sind, anerkannt. Bei den Positurkanarien kommt es in erster Linie auf die Form (Positur) an. Die Farbe der Vögel ist im Gegensatz zu den Farbenkanarien bei den meisten Positurkanarien nur nebensächlich. So gibt es hier auch die von vielen Kanarienliebhabern so beliebten Schecken. Die Positurkanarien gliedern sich in:
  • große glatte Positurvögel
  • kleine glatte Positurvögel
  • Frisé-Kanarien
  • Haltungskanarien
  • Deutsche Haube
  • Lizard
Canary perched inside cage.jpg Bekannte Positurkanarien sind z.B.
  • Raza Espagnola
  • Yorkshire
  • Münchener
  • Pariser Trompeter
  • Crested-Kanarienvogel
  • Gloster Fancy Corona
  • Bossu Belge
  • Scotch Fancy
  • Nordländer Frisé
  • Südländer Frisé
  • Mailänder Frisé

Ausstellungen


Der Züchter muss Kenntnisse über die Vererbung von Merkmalen bei Kanarienvögeln haben. Zum Vergleich der Nachzuchten untereinander und mit vorgegebenen Standards für die einzelnen Kanarienvogelrassen gibt es Vogelausstellungen. Dort können Züchter ihre selbstgezüchteten Vögel des aktuellen Zuchtjahres ausstellen und bewerten lassen. Die Bewertung erfolgt durch dafür ausgebildeten Preisrichter. Die Vögel werden in genormten Ausstellungskäfigen einzeln oder als so genannte Kollektion, das heißt vier Kanarienvögel in einem Käfig, ausgestellt. An den Ausstellungskäfig, in dem die Vögel nur während der Ausstellungstage hinein müssen, werden die Kanarienvögel behutsam gewöhnt. Das geschieht zumeist mit leckerem Futter, so dass viele Ausstellungsvögel bereitwillig in den Ausstellungskäfig ziehen, da sie damit etwas Angenehmes verbinden. Ausgestellt werden die Kanarienvögel entweder als Gesangskanarien, Farbenkanarien oder als Positurkanarien. Farb- und Positurkanarien werden jeden Herbst in Ausstellungen bewertet. Im Allgemeinen beginnen sie im Oktober und November, nachdem die Zuchtsaison endet. Vögel können nur von der Person gezeigt werden, die sie aufgezogen hat. Alle tragen Fußringe mit eindeutiger Kennzeichnung durch eine Bandnummer an ihren Beinen, die ihr Geburtsjahr und den Zuchtverein beinhaltet. Gesangskanarienvögel werden im Januar bewertet. Es gibt viele Kanarienvögelausstellungen auf der ganzen Welt. Die Weltausstellung (C.O.M.) wird jedes Jahr in Europa gehalten und zieht tausende Züchter an. Mehr als 20.000 Vögel, darunter auch Kanarienvögel, werden zum Wettbewerb gebracht.

Bewertung von Farb- und Positurkanarien

Bei den Farbkanarien kommt es in erster Linie auf die Farbe an (die Form und Größe ist aber auch Bewertungskriterium). Bei den Positurvögeln - es gibt mittlerweile 28 anerkannte Rassen - wird vornehmlich die Körperform und -haltung bewertet. In jedem Fall können maximal 100 Punkte vergeben werden. Auf manchen Ausstellungen können Preise gewonnen werden. Folgende Bewertungskriterien gelten für Farbkanarien:
Melanin : Bei Dunkelvögeln wird hier die Farbe und Form der dunklen Federn bewertet.
Lipochrom : Hier wird die sogenannte Fettfarbe (rot, gelb, weiß) bewertet.
Kategorie : Hierunter wird die Intensität oder der Mosaikfaktor bewertet. Neben den Mosaikvögeln gibt es intensive und schimmel Vögel. Bei den Intensiven reicht die Fettfarbe bis in die Federspitzen, bei den Schimmelvögeln ist der Federrand weiß gesäumt.
Gefieder : Hier wird die Qualität des Gefieders bewertet.
Form und Größe : Auch bei den Farbkanarien ist die Form und Größe (13,5 - 14,5 cm) mit 15 Punkten maximal Bewertungskriterium.
Haltung : Die Haltung im Schaukäfig verrät ein gutes Schautraining.
Gesamteindruck : Hier werden die einzelnen Positionen nochmals berücksichtigt. Zusätzlich wird die Sauberkeit des Käfigs bewertet.
Für die Bewertung der einzelnen Positurrassen kommen andere Bewertungskriterien zum Tragen. Als Beispiel gelten die Bewertungspositionen eines Pariser Trompeters:
Stützfeder, Mantel, Brustfrisur : Die Hauptfrisuren des Vogels (Flanke, Rücken und Brust) werden hier bewertet.
Gefieder : Hier wird die Gefiederqualität gewertet.
Größe : Die Größe eines Pariser Trompeters soll mindestens 19cm betragen.
Haltung : Die Haltung im Ausstellungskäfig wird hier bewertet. Der Vogel soll aufrecht sitzen und nicht hin und her flattern.
Kopf : Hier werden die Kopffrisuren bewertet.
Hahnenfedern : Einige Positurrassen müssen längere Federn, die am Schwanzansatz rechts und links herausragen, zeigen.
Flügel : Sie sollen lang, geschlossen und anliegend sein.
Schwanz : Er soll lang und breit, aber geschlossen sein.
Beine : Zum Vogel passend. Korkenzieherkrallen, wie früher üblich, dürfen die Vögel zeigen, müssen sie aber nicht haben.
Hals : Hier werden die Halsfrisuren bewertet.
Gesamteindruck : Hier werden die einzelnen Positionen nochmals berücksichtigt. Zusätzlich wird die Sauberkeit des Käfigs bewertet.

Verwendung in der Musik, Kunst und Literatur


Georg Philipp Telemanns Kanarienvogel-Kantate von 1737 ist eine Trauermusik für einen verstorbenen Singvogel. Carl Zellers Operette Der Vogelhändler erzählt aus der Zeit der Tiroler Kanarienvogelzucht im 18. Jahrhundert. Der belgische Maler Luc Tuymans hat in einem seiner Werke als Motiv einen Kanarienvogel und einen Blumentopf zusammengebracht. Leif Trenkler hat in seinem meterlangen skurrilen Bild Hyde Park mit rotem Kanarienvogel die Vielschichtigkeit elektronischer Popmusik festgehalten Die New Yorker Dadaistin Elsa von Freytag-Loringhoven benutzte ihren Körper als Leinwand und schockierte die Öffentlichkeit, wenn sie etwa einen Büstenhalter aus Tomatensuppendosen trug, an dem ein Vogelkäfig mit einem Kanarienvogel baumelte, und sich auf den Po eine leuchtende Glühbirne montierte. In Michael Endes Buch Momo und der gleichnamigen Verfilmung bringt die Titelheldin einen verstummten (gelben) Kanarienvogel durch geduldiges Zuhören zum Singen. Zudem schrieb S. Aden (unter dem Pseudonym S. von Adelung) Piepser, der Kanarienvogel, Schnurr, das Kätzchen, und Klein Mariechen, ein buntes Bilderbuch mit lustigen Reimen.

Literatur


  • Lutz Bartuschek: Kanarienvögel. Gräfe und Unzer Verlag, ISBN 3774255849
  • Horst Bielefeld: Der Kanarienvogel. Ulmer Verlag, ISBN 3800168669
  • Hugo Busch: Von Tafelmachern und Vogelhändlern. Grünenplan und Alfeld 1993.
  • Hans Claßen, Kanarien. Ulmer Verlag, ISBN 3800131846
  • Otto von Frisch: Kanarienvögel. TierRatgeber. Gräfe und Unzer Verlag, München, ISBN 3-7742-2066-2
  • Harald Fuchs: Zum Singen geboren. Der Gesang der Vögel am Beispiel des Kanarienvogels. Rainar Nitzsche Verlag, ISBN 3-930304-24-4
  • Markus Hübl: Kanarien. Ulmer Verlag, ISBN 3800135531
  • Stefan Luft: Ihr Hobby, Kanarienvögel. Bede Verlag, ISBN 3933646146
  • Michael Monthofer: Muntere Kanarienvögel. Kosmos Verlag, ISBN 3440089711
  • Sigrun Rittrich-Dorenkamp: Der Kanarienvogel. Mein Heimtier. Gräfe und Unzer Verlag, München, ISBN 3-7742-2637-7

Weblinks


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