Kanalschwimmen ist eine besondere Art des Langstreckenschwimmens in einer als Kanal bezeichneten Wasserstraße entweder als Durchquerung (Ärmelkanal) oder längs dazu (Halle (Saale) und andere).
Der Ärmelkanal zählt mit etwa 500 Schiffen pro Tag zu den meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Dies ist für die SchwimmerInnen nicht unproblematisch, müssen sie doch bei einer Begegnung einen „Umweg“ schwimmen.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch im Sommer die Wassertemperatur selten über 16° C ansteigt und dadurch Unterkühlung droht.
Neben der Solostrecke Dover-Calais wird auch die Doppeldistanz Dover-Calais-Dover geschwommen. Ein weiteres Ziel in Frankreich ist der 34 Kilometer von Dover entfernte Küstenort Sangatte.
Jährlich versuchen rund 100 Menschen, den Ärmelkanal schwimmend zu durchqueren. Dies gelang jedoch nur etwa 80 Prozent, bisher knapp 600 verschiedenen Personen.
Tatsächlich jedoch war Webb nicht der erste Kanalschwimmer. Bereits 1815 entzog sich der italienische Soldat Napoleons, Jean Marie Saletti aus Malesco, seiner Gefangennahme durch die Engländer bei der Schlacht bei Waterloo durch einen beherzten Sprung über Bord, kurz bevor das Transportschiff Dover erreichte. Er schwamm die ganze Nacht hindurch in Richtung französische Küste, wo ihn in der Nähe von Boulogne ein Fischerboot aufnahm. Diese Kanaldurchquerung wurde jedoch nie anerkannt, da Saletti formal den Start- und Zielort nicht korrekt eingehalten hatte.
Noch vor Matthew Webb, im Mai 1875, durchschwamm der amerikanische Rettungsschwimmer Paul Boyton den Ärmelkanalanal. Allerdings trug er bei seiner 23stündigen Durchquerung einen Luft gefüllten Gummianzug und benutzte ein Paddel.
Im Jahr 1911 schwamm der Engländer Thomas Burgess in seinem 19. Versuch als erster die doppelte Distanz. Er benötigte für die Strecke Dover-Calais-Dover über 23 Stunden.
Die australische Profischwimmerin Annette Kellermann versuchte um 1915 mehrfach, den Ärmelkanal zu durchschwimmen, stets vergeblich. Trotzdem wurde sie in den Vereinigten Staaten durch Schauschwimmen zu einer Berühmtheit. Die damals noch junge Filmindustrie der USA entdeckte sie als Darstellerin.
Als erste Frau, die eine Kanalquerung schwimmend schaffte, wird die Sportschwimmerin und mehrfache Weltrekordlerin und Olympiasiegerin (Paris 1924) Gertrude Ederle, 1906 in New York geboren, in den Annalen geführt. Im Jahr 1926 benötigte sie nur 14 Stunden und 31 Minuten, das waren fast zwei Stunden weniger als die bisherige Bestzeit der Männer. Finanziert wurde das Unternehmen von Daily News und Chicago Tribune, die für einen triumphalen Empfang der Schwimmerin in den USA sorgten.
Zwischen den Jahren 1979 und 2004 durchschwamm der Brite Michael Read 30 mal den Ärmelkanal (15 mal Doppeldistanz) und steht mit dieser Anzahl an der Spitze. Mit 12 Stunden und 57 Minuten setzte er 1982 die Weltrekordmarke für die Doppelstrecke.
Cynthia Nicholas aus Ontario (Kanada) markierte 1982 den Frauen-Rekord in der Doppeldistanz bei 18 Stunden und 56 Minuten und hält auch den Weltrekord für Frauen auf der Solostrecke mit 8 Stunden und 21 Minuten (1981)
Als Schwimmerin mit den meisten Kanalquerungen wird Alison Streeter geführt. Sie schaffte in den Jahren 1992 bis 2000 20 gelungene Versuche.
Am 29. August 2004 erreichte der 70jähriger George Brunstad, Onkel des Schauspielers Matt Damon, nach 15 Stunden und 59 Minuten die französische Küste bei Sangatte. Er ist damit der bisher älteste Mensch, der die Kanalquerung geschafft hat.
1953 kam der Spielfilm Dangerous when wet in die amerikanischen Kinos. Esther Williams spielte darin die Tochter einer Farmerin, die den Ärmelkanal durchschwimmen möchte, um ihre Familie vor der Armut zu bewahren.
2004 erlangte Jörg Adolphs Film Kanalschwimmer große Beachtung beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in München. Im Herbst desselben Jahres strahlten ZDF und 3Sat den Film aus, in dem Adolph die Schwimmer José Mataafá aus Samoa, Bryan Finlay aus Kanada und Christof Wandratsch aus Deutschland bei ihren Versuchen, den Ärmelkanal zu durchqueren, mit der Kamera begleitet. Während Mataafá nach 10 Stunden aufgeben muss, gelingt es dem 60jährigen Finlay in über 21 und dem mehrfachen Langstrecken-Schwimmweltmeister Wandratsch in 7 Stunden und 20 Minuten.
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