article

Die Kampfgruppen (KG) waren eine paramilitärische Organisation in der DDR. Die offizielle Bezeichnung ab 1959 war Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Die Mitglieder dieser Miliz hießen Kämpfer. Die Kämpfer waren meist SED-Mitglieder (später auch Nicht-Mitglieder und wenige Frauen) in den Betrieben, staatlichen Einrichtungen, Landwirtschaftlichen Genossenschaften (LPGs) sowie Hoch- und Fachschulen, die in ihrer Freizeit etwa alle vier Wochen (meist an Freitagen/ Wochenenden) zu militärischen Übungen und Schulungen in Uniform ausrücken mussten. In ihrem Gelöbnis wurden die Kämpfer auf die SED eingeschworen, zur "Verteidigung der Errungenschaften der Arbeiterklasse mit der Waffe in der Hand". Kommandeursposten waren nur SED-Mitgliedern vorbehalten. Dies war eine Form des Reservistendienstes in der DDR.

Das Mindestalter der Kämpfer war 25 Jahre, Doppelmitgliedschaften bei GST, DRK der DDR, Zivilverteidigung u. a. waren zur Vermeidung von Doppelunterstellungen verboten. Dies überwachten die Wehrkommandos der NVA. In den Bildungseinrichtungen der Volksbildung wurden keine Kampfgruppen gebildet. Dafür wurde den Lehrern "empfohlen", innerhalb der GST als Ausbilder bei der vormilitärischen Ausbildung der Schüler, Lehrlinge oder Studenten mitzuarbeiten. Als Anerkennung für den ansonsten unbezahlten Dienst gab es ab einer zwanzigjährigen Zugehörigkeit einen beachtlichen Zuschlag zur Altersrente von monatlich 100 DDR-Mark. Die Bewaffnung der "Genossen Kämpfer" bestand aus Pistolen, Gewehren, sMG, Granatwerfern, Panzerabwehr- und Flakgeschützen bis hin zu leichten Schützenpanzern. Dabei handelte es sich meist um veraltetes Gerät aus anderen bewaffneten Organen.

Die ersten Einheiten wurden bereits im zweiten Halbjahr 1952 aufgestellt. Die Kampfgruppen wurden in Auswertung des "konterrevolutionären" Aufstandes vom 17. Juni 1953 im Laufe des Jahres 1954 als Betriebskampfgruppen weiterentwickelt. Ihre offizielle Aufgabe war anfangs der Kampf gegen Saboteure und andere "Feinde des Sozialismus" in der DDR, insbesondere als bewaffneter Betriebsschutz. Während des Aufstandes in Ungarn 1956 zeigten sie in der Öffentlichkeit Präsenz. Ihr historisch wichtigster Einsatz war die Beteiligung von 5.000 (nach anderen Angaben 8.000) Kämpfern zur Grenzsicherung beim Bau der Berliner Mauer 1961, obwohl die tatsächliche Einsatzbereitschaft damals eher mangelhaft war. Während der Wendedemonstrationen 1989 wurden vereinzelt Kampfgruppenangehörige auch in Zivil als "gesellschaftliche Kräfte" eingesetzt, u. a. in Leipzig, Plauen und Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).

Bekanntester propagandistischer Einsatz war ein "Leserbrief" am 6. Oktober 1989 in der "Leipziger Volkszeitung" (damals SED-Tageszeitung) unter dem Titel "Werktätige des Bezirkes fordern: Staatsfeindlichkeit nicht länger dulden" vom Kommandeur Günter Lutz im Auftrag der Kampfgruppenhundertschaft "Hans Geiffert". Darin forderte er, "diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam zu unterbinden. Wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand!" Inwieweit dieser gesteuerte Leserbrief authentisch war ist strittig.

Nach Unterlagen und Lehrinhalt der Militärakademie der NVA waren die Bezirkskampfkräfte für die Eingliederung in die NVA als reguläre Gefechtseinheiten vorgesehen. 1970 nahmen daher auch Kampfgruppen an Manövern der NVA teil. Die Kreiskampfkräfte waren gemeinsam mit den Kasernierten Einheiten des MdI (u. a. VP-Bereitschaften) vorgesehen für die Bekämpfung bewaffneter subversiver Kräfte innerhalb der DDR. Sie waren aufgrund wechselnder Aufgabenzuteilung vielfältigen Organisationsänderungen unterworfen. Ihre operativen Aufgaben erhielten sie von der Bezirkseinsatzleitung (Chef: 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, Stabschef: Leiter Wehrbezirkskommando NVA, weitere Mitglieder u. a. Chef der Bezirksbehörde der DVP). Formell blieben sie aber der Abteilung Sicherheit im ZK der SED direkt unterstellt.

KGA-ranks de.png Bei den Kampfgruppen wurde zwischen Kampf- und Sicherungskräften unterschieden. 1980 waren ca. 78.500 Kämpfer bei den motorisierten Kampfkräften und ca. 106.500 Kämpfer bei den Sicherungskräften, zzgl. der Reserve war eine Gesamtstärke von etwa 210.000 Kämpfern theoretisch verfügbar. Hinsichtlich der Anleitung waren die Bataillone und Hundertschaften den Abteilungen Kampfgruppen bei der Volkspolizei den BDVP bzw. VPKA zugeordnet. Ausbildung und Schulung erfolgte über die VP-Schulen bis hin zur Schulung von Bataillonskommandeuren an der VP-Schule in Biesenthal bei Berlin. Außerdem gab es seit 1957 die Zentrale Schule für Kampfgruppen (ZSKG) "Ernst Thälmann" in Schmerwitz südwestlich von Berlin und seit 1974 die Kampfgruppenschule "Ernst Schneller" in Gera.

Letzter Verantwortlicher war der Hauptabteilungsleiter Kampfgruppen im Ministerium des Inneren, Generalmajor Wolfgang Krapp von 1972 bis 1989. Bereits im Oktober 1989 hatten die KG ihre Tätigkeit eingestellt und am 6. Dezember 1989 wurde die Entwaffnung vom neuen Innenminister der DDR angeordnet. Bis Ende Mai 1990 waren alle KG-Einheiten demobilisiert.

Auszeichnungen


  • Medaille für treue Dienste, drei Stufen
  • Medaille für hervorragende Kampf- und Einsatzbereitschaft
  • Medaille für sehr gute Leistungen
  • Bestenabzeichen

Weblinks


NVA | Militär (DDR) | Combat Groups of the Working Class

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Kampfgruppen".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld