Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche pulslose Herzrhythmusstörung, bei welcher Flimmerwellen mit einer Frequenz von etwa 300-800/Min. zu verzeichnen sind. Kammerflimmern1.JPG Sie kann z. B. als Komplikation eines Herzinfarktes auftreten (siehe auch plötzlicher Herztod).
In der Regel arbeitet die Gesamtheit der unzähligen Muskelzellen des Herzmuskels durch eine gezielte Steuerung über das Erregungsleitungssystem optimal zusammen. Dies führt dazu, dass sich das Herz gezielt zusammenzieht und das in ihm befindliche Blut in die Hauptschlagader (Aorta) presst. Durch eine Störung im Erregungsleitungssystem des Herzens kommt es zu unkoordinierten Kontraktionen der einzelnen Herzmuskelzellen. Das Herz führt keine ordnungsgemäßen Schläge mehr durch, die Pumpleistung (Herzminutenvolumen) sinkt auf Null - der Patient erleidet einen Kreislaufstillstand.
Die Therapie des Kammerflimmerns ist die sofortige Defibrillation. Dabei werden durch einen gezielten Defibrillationsversuch mit anfänglichen 150-200 J (biphasisch) die Herzmuskelzellen depolarisiert, so dass der Myocard die Möglichkeit hat, wieder auf Signale des Erregungsleitungssystems zu reagieren. Ohne Therapie tritt innerhalb weniger Minuten der Tod ein. Jede Minute ohne Defibrillation verringert die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges (= Wiederbelebung) um 10 %. Folglich hat man nach 10-minütiger unterlassener Herz-Lungenwiederbelebung kaum noch Chancen, den Bewusstlosen zu retten.
Die Zeit bis zur Verfügbarkeit eines Defibrillators (Rettungsdienst, PAD) muss durch Erste-Hilfe-Maßnahmen (Herzdruckmassage und Atemspende) überbrückt werden, um die Sauerstoffversorgung vor allem des Gehirns, der Nieren und des Herzmuskels aufrechtzuerhalten.
Durch die zunehmende Verbreitung von halbautomatischen Defibrillatoren, die an öffentlichen Plätzen bereit gehalten werden (Public Access Defibrillator) und für die Anwendung durch Laien konzipiert sind, kann die Zeitspanne bis zur Defibrillation häufig deutlich verringert werden.
Durch diese Geräte erhöht sich die Überlebenschance um ein Vielfaches. Bei einer frühen Erste-Hilfe-Maßnahme und Defibrillation durch den Rettungsdienst hat der Patient eine Überlebenschance von ca. 8 bis 10 %. Diese erhöht sich durch den frühen Einsatz eines AED durch Laienhelfer auf bis zu 50 %.
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