Als Kameraperspektive bezeichnet man im Sinne eines Betrachtungswinkel den Standort der Kamera auf ein Objekt. Dies ist nicht mit den Einstellungsgrößen zu verwechseln, die sich ausschließlich nach dem Bildgrößenausschnitt definieren. Allerdings korellieren manche Kameraperspektiven häufig mit einem gewissen Mindest-/Maximalabstand zu einem Objekt.
Die Kameraperspektive legt sowohl den Standpunkt den Zuschauers als auch die Fläche des Filmsets fest, die auf dem Film festgehalten wird. Der Wahl einer Kameraperspektive können daher sowohl dramaturgische als auch technische Überlegungen zugrunde liegen. Eine Kameraperspektive kann vom Drehbuchautor bereits im Drehbuch festgehalten werden um eine gewünschte Wirkung auf das Publikum zu erzielen. In der Vorproduktion können anhand dieser Angaben Storyboards angefertigt werden, die der Umsetzung dieser Perspektiven während der Dreharbeiten dienen.
Oft verlangen Filmstudios aber auch sogenannte master scripts, die solche Anweisungen nicht enthalten und daher einen eher theatralischen Charakter haben. In diesem Fall werden die Kameraperspektiven später von Regisseur und Kameramann erarbeitet.
Man unterscheidet grob zwischen drei Perspektiven:
Eine Untersicht kann eingesetzt werden um
Um eine Beziehung zwischen zwei Akteuren herzustellen, werden Untersichten aus o.g. Gründen auch eingesetzt, um mittels einer Point-of-View-Einstellung eine Dominanz eines Akteurs darzustellen.
Untersichten werden auch oft in Nachdrehs verwendet, da es die teilweise oder vollständige Ausblendung eines Hintergrundes erlaubt und so z.Bsp. Szenen im Freien nachgedreht werden können ohne daß das Filmset wieder aufgebaut werden müsste.
Wird eine Untersicht mit einem Weitwinkelobjektiv gefilmt kann leicht der Eindruck einer Karikatur entstehen.
Äquvalent zum unten aufgeführten Top-Shot findet man punktuell immer wieder Einstellungen in Filmen, die sich als Sonderform der Untersicht bezeichnen lassen. Das Objekt wird im 90°-Bereich von unten eingefangen, die Kamera befindet sich also theoretisch im und unterhalb des Bodens. Ein Mensch von dieser Perspektive aus betrachtet, müsste also z.B. auf einer Glasscheibe stehen, so dass die Kamera genau auf die Schuhsohlen blicken kann. Dieser Effekt ist allerdings selten und wird im allgemeinen nicht viel mehr als eine Spielerei angesehen, da die dramaturgische Aussagekraft eher beschränkt ist.
Damit geht aber auch einher, dass sich eine normale Sicht dennoch als Untersicht bzw. Aufsicht niederschlagen kann. Dies gilt etwa für hohe Objekte: ein Betrachtungswinkel, der den Pariser Eiffelturm in gerader Linie mittig betrachtet, ist nicht als Normalsicht zu bezeichnen, sofern man eine natürliche Wahrnehmung suggerieren will. Spiegelbildlich gilt das für die normale Aufsicht: blickt eine Reflektorfigur von einem erhöhten Standpunkt aus hinab, wird hier die Aufsicht eingesetzt. Dies geschieht auch aufgrund der Natürlichkeit dieser Perspektive in dieser Situation - und nicht zwangsläufig aufgrund der dramaturgischen Wirkung einer Aufsicht.
Eine Aufsicht kann eingesetzt werden um
Eine Aufsicht ist dabei weniger geeignet, um schnelle Aktionen (wie z.Bsp. in einem Rennen) auf Dauer abzubilden, da mit der Entfernung auch das Gefühl für Geschwindigkeit verloren geht.
Schrägsichten steigern oft ihre Effektivität wenn sie einer Normalsicht folgen und zum Beispiel eine chaotische oder gewaltätige Szene zeigen, die plötzlich über eine ruhige Situation hereinbricht.
In der Werbebranche werden Schrägsichten oft verwandt um schnell geschnittenen Einzelbildern eine stärkere Dynamik zu geben und somit gewöhnliche Abläufe kraftvoller darzustellen.
Eine Schrägsicht wird gewöhnlicherweise mit einer Untersicht gefilmt. In Kombination mit anderen Perspektiven, Kamerabewegungen und -fahrten kann ein surrealer Eindruck entstehen.
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