Das kaltgemäßigte Klima (auch als boreales Nadelwaldklima bekannt) ist das kälteste der Klimatypen der gemäßigten Zone. Es kommt nur auf der Nordhalbkugel und dort vor allem in Nordasien und Nordamerika vor.
Irkutsk /
Russland 468m
- Temperaturmittel im wärmsten Monat über 10°C
- Jahres-Temperaturmittel unter 0°C
- humides Klima ohne ausgeprägte Trockenzeiten, aber mit einem Sommermaximum der Niederschläge
- Vegetationsperiode ca. 4 Monate (T>5°C)
- δT à 39°C; δN à95mm
- kurzer Sommer
- Kontinentalklima
Effektive Klassifikation
nach
Beschreibung des Klimas
Das kaltgemäßigte, boreale Klima ist abseits der Küstenlagen eher niederschlagsarm, innerkontinental mit einem
Sommermaximum des Niederschlages. Aufgrund der niedrigen Temperaturen im niederschlagsarmen Winter ist das Klima dennoch als
humid zu bezeichnen. Es zeichnet sich weiterhin durch extreme Temperaturschwankungen aus (bis zu 100°C/a ; kontinentales Klima). Im Winter sind sehr niedrige Temperaturen zu beobachten (bis –40°C im Januarmittel), die kurzen Sommer hingegen sind ausgesprochen warm und sind mit ihren Temperaturen den Verhältnissen der kühl - gemäßigten Mittelbreiten ähnlich. Die
Tagestemperaturschwankungen sind jedoch sehr gering.
Genetische Erklärung des Klimas
Das Klima der kaltgemäßigten, borealen Zone ist kontinental beeinflusst. Durch die riesigen Landmassen
Asiens und
Nordamerikas liegt diese Zone unter dem Einfluss eines kontinentalen Kältehochs. Sie ist nach Norden von der
subpolaren Tiefdruckrinne begrenzt. Durch die kontinentale Beeinflussung des kaltgemäßigten, borealen Klimas sind auch die extremen Temperaturschwankungen zu erklären.
Verbreitungsgebiete des Klimas auf der Erde
Das kaltgemäßigte, boreale Klima zieht sich in einem Gürtel um die gesamte Erde. Dieser ist zwischen 1000 und 3500 km breit. An den warmen Westseiten (warme
Meeresströmungen, z.B.
Golfstrom) der
Kontinente reicht er weniger weit nach Süden als an den kühleren Ostseiten.
Im Süden wird die boreale Zone von den
maritimhumiden Klimaten der küstennahen Gebiete in
Ostasien,
Ostamerika und
Westeuropa begrenzt. Während das boreale Klima innerkontinental teilweise bis über die Grenzen der
USA vordringen kann wird es Richtung
Pazifikküste immer weiter nach Norden bis nach
Alaska „verdrängt“. Auf dem
europäischen Festland reicht es fast bis ans
Schwarze Meer und wird nach Osten hin vom 20. Längengrad begrenzt, mit Ausnahme
Skandinaviens, wo das boreale Klima bis an die Westküste vordringen kann. Auf dem asiatischen Kontinent verläuft die südliche Grenze der
Klimazone in etwa entlang des 50. Breitengrades, wobei es sich an der Ostküste etwas in Richtung Süden ausweitet.
Nach Norden wird die boreale Zone durch die
Eisklimate begrenzt, in Asien und Europa reicht sie fast bis ans
Nordpolarmeer, in Nordamerika sind die
Hudson Bay und das
Kanadische Archipel vom kaltgemäßigten, borealen Klima ausgenommen, Richtung Westküste verlagert es sich jedoch wieder nach Norden bis an die
Beaufortsee.
Typische Böden der Klimazone
Die vorherrschenden Bodenarten in der kaltgemäßigten, borealen Zone sind im Norden
Gleye und im Süden
Podsole (Hauptbodentyp). Sie treten bandartig (zonal entsprechend der
Zonalen Vegetation) in Ost-West-Richtung auf.
- Gley: Vom Bodenwasser entscheidend beeinflusster Boden, welcher einen hohen Grundwasserstand hat, der bis zum Ah – Horizont reichen kann. Humoser, kalkarmer A-Horizont, der ca. 20-30 cm mächtig ist. Wegen chemischer Verwitterung ist der Unterboden sehr lehmreich (G-Horizont). Wegen des durch den hohen Wasserstand entstehenden Sauerstoffmangels werden die Eisen- und Manganverbindungen reduziert, und am schwankenden Grundwasserspiegel wieder ausgeschieden. Dies führt zu einem fleckigen Go-Horizont. Der darunter liegende Gr-Horizont (Reduktionshorizont) ist von grün-blau-grauen Schlieren durchzogen. Gleyböden sind prinzipiell schlecht zu bearbeiten, da durch den hohen Wasserstand die Nährstoffe sehr mobil sind. Ackerbaulich sind sie kaum nutzbar.
- Podsole: Günstige Voraussetzungen zur Bildung von Podsolen sind hohe Niederschläge, Rohhumus bildende Vegetation und durchlässiges, saures Gestein. Wegen des kaum vorhandenen Bodenlebens bildet sich eine mächtige Rohhumusschicht, welche den Ah-Horizont bildet. Bei der Zersetzung der Humusschicht entstehen Huminsäuren, welche die Silikatverwitterung vorantreiben. Durch das Sickerwasser werden fast alle vorhandenen Tonminerale, Al-, Fe-, und Mn-Verbindungen sowie die Nährstoffe ausgewaschen und in den Unterboden durchgeschwemmt. Deswegen nennt man diesen Teil des Bodens auch Bleichhorizont (Ae-Horizont). Im Bs-Horizont lagern sich die oberhalb ausgewaschenen Stoffe ein und bilden aus den Fe-,Si- und Mn-Verbindungen einen Ortstein, eine fast wasserundurchlässige Gesteinsschicht, welche für Wurzeln praktisch nicht durchdringbar ist und so den Boden für landwirtschaftliche Nutzung unattraktiv macht. Erst durch intensive Pflege und eventuelles Aufbrechen des Ortsteins, sofern dieser nicht zu tief liegt, machen diesen Boden halbwegs ertragreich.
Die potentielle natürliche Vegetation ist ein
borealer Nadelwald, welcher nach Norden in eine
Tundra mit subpolaren Gehölzen übergeht. In den wenigen
Gebirgszonen des kaltgemäßigten, borealen Klimas wächst potentiell ein
Gebirgsnadelwald(z.B.
Ural, nördl.
Rocky Mountains).
Der boreale Nadelwald besteht hauptsächlich aus hochstämmigen, schmalkronigen und dichtstehenden
Tannen und
Fichten. Am Boden sind
Moose und Beerensträucher zu finden. Um sich mit dem unwirtlichen Klima zu arrangieren, wachsen die Bäume nur sehr langsam, ca. 15 – 20 Mal langsamer als der
tropische Regenwald. Auch ist der Wald gegen Fremdeingriffe wie
Rodung,
Waldbrände oder Temperaturschwankungen sehr viel anfälliger als andere Wälder.
8.Menschliche
Inwertsetzung
Da im borealen Raum aufgrund der schlechten
Bodenqualität und der niedrigen Temperaturen kaum
Landwirtschaft möglich ist, hat sich der Mensch in diesen Räumen auf andere Verdienstquellen eingelassen. So ist der gesamte boreale Raum reich an
Bodenschätzen. Beispielsweise finden sich in
Sibirien die größten
Erdgasvorkommen der Erde (100 Billionen m³), welche eines der wichtigsten Exportgüter
Russlands darstellen. Auch
Eisenerz und
Steinkohle sind hier zu finden. Noch besser sieht es in
Kanada aus: Hier besitzt man die weltweit größten
Uran-,
Pottaschevorkommen. Aber auch bei der
Nickel-,
Zink-,
Kupfer-,
Gold- und
Diamantenproduktion gehört Kanada zur Weltspitze. Probleme ergeben sich bei der Ausbeutung dieser Bodenschätze durch den hohen Einsatz von
Schwermetallen wie
Arsen,
Blei und
Quecksilber, welche die umliegenden Böden massiv belasten.
Als weiterer Wirtschaftszweig ist die
Holzindustrie zu nennen, welche in den riesigen Wäldern natürlich zu einer der wichtigsten Industrien zählt. Problematisch ist dies, weil der boreale Nadelwald aufgrund der widrigen Bedingungen sehr viel empfindlicher auf Rodungen reagiert als andere Wälder und sich nur schlecht regenerieren kann.
Außerdem werden in den borealen Wäldern
Pelztiere gejagt und gezüchtet, da durch die niedrigen Temperaturen die Felle besonders dicht und buschig werden und sehr begehrt sind. Diese Wirtschaft wird jedoch unwichtiger, da sich durch den schlechten Ruf der
Pelzindustrie der Absatz von Pelzen schwierig gestaltet.
Klimazonen und Vegetation