| Stadtwappen | Lage der Stadt |
|---|---|
| Kalkar-Wappen.png | Lage der Stadt Kalkar in Deutschland.png |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen |
| Regierungsbezirk: | Düsseldorf |
| Landkreis: | Kleve |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 14 m ü. NN |
| Fläche: | 88,2 km² |
| Einwohner: | 14.295 (30. Juni 2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 160 Einwohner je km² |
| Postleitzahl: | 47546 |
| Vorwahl: | 0 28 24 |
| Kfz-Kennzeichen: | KLE |
| Amtlicher Gemeindeschlüssel: | 05 1 54 024 |
| Gliederung des Stadtgebiets: | 13 Stadtteile/Stadtbezirke |
| Hausanschrift der Stadtverwaltung: | Markt 20 47546 Kalkar |
| Offizielle Website: | www.kalkar.de |
| E-Mail-Adresse: | info@kalkar.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Gerhard Fonck (CDU) |
Kalkar, das 1230 gegründet wurde und 1242 Stadtrechte erhielt, zeichnet sich insbesondere durch sein mittelalterlich geprägtes Stadtbild aus.
In der vorletzten Eiszeit (Saale-Eiszeit) drangen Gletscher bis an den Niederrhein vor. Hier schoben sie Ablagerungen des Rheins zu Stauchmoränen auf. Zu ihnen gehört der Höhenzug im Westen des Kalkarer Stadtgebiets. Der Rhein wurde von der Eisfront nach Südwesten abgedrängt.
Während der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) hat das Eis das Niederrheingebiet hingegen nicht mehr erreicht. Es herrschte ein Klima wie in einer Tundra.
Nach dem Rückzug der Gletscher verlagerte sich der Rhein allmählich nach Nordosten. Östlich der Stauchmoränenkette bildete er aufgrund des geringen Gefälles in der heutigen Rheinniederung ein stark verästeltes, seichtes Gewässernetz mit zahlreichen flachen Inseln. Aus aufgewehtem Sand entstanden im Holozän, das vor etwa 11.500 Jahren begann, die Dünen im Gebiet des heutigen Ortsteils Wissel.
Der Lauf des Rheins änderte sich bis in die Neuzeit fortwährend. Die Bildung von Flussschlingen lässt sich besonders deutlich rund um den Kalkarer Ortsteil Grieth verfolgen. So floss der Rhein noch im Mittelalter zeitweilig in weitem Bogen östlich um Grieth herum. Zwischen Grieth und der heute rechtsrheinischen Ortschaft Grietherort bestand eine Landbrücke. Altrheinarme zeugen auch im Kalkarer Stadtgebiet von früheren Rheinschlingen, zum Beispiel das Boetzelaerer Meer in Appeldorn und die Kalflack im Bereich von Bylerward und Emmericher Eyland.
Über die Landschaftsentwicklung im Niederrheingebiet informiert das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve.
Bei Niedermörmter liegen Teile des Naturschutzgebiets Reeser Schanz im Stadtgebiet.
Die Ortskerne von Altkalkar und das mittelalterlich geprägte Kalkar, deren Bebauungsflächen ineinander übergehen, sind dem Monreberg in der Rheinniederung nördlich vorgelagert. Von den insgesamt 14.295 Einwohnern der Stadt Kalkar lebte Mitte 2005 knapp die Hälfte in Altkalkar (4.342 E.) und Kalkar (2.108 E.) sowie dem wenig östlich liegenden Hanselaer (125 E.).
Abgesehen von Kehrum (536 E.) und Appeldorn (1.671 E.) im Süden und Südosten des Stadtgebietes liegen die übrigen Ortsteile am Rhein, der das Stadtgebiet nach Nordosten begrenzt.
Stromabwärts gehören zu Kalkar:
In Emmericher Eyland mündet die Kalflack in den Rhein. Ihr Verlauf bildet nördlich von Kalkar weitgehend die westliche Grenze des Kalkarer Stadtgebietes. Noch im 19. Jahrhundert wurde die Kalflack bei ausreichend hohem Wasserstand als Schiffsfahrtsweg zum rund 10 Kilometer südlich gelegenen Kalkar genutzt („Kalkarsche Fahrt“).
Die von sumpfigem Gelände umgebene ovale Sandbank - rund 1 Kilometer lang und in der Mitte rund 400 Meter breit - ließ sich leicht mit Wassergräben umziehen und so gut verteidigen. Das war wohl ausschlaggebend, an dieser Stelle eine neue Stadt zu gründen. Die bereits vorhandene Siedlung im nur wenige hundert Meter westlich liegenden heutigen Altkalkar bot nicht so günstige Verteidigungsmöglichkeiten.
Zunächst wurde nur die westliche, etwas höher gelegene und so weniger durch Hochwasser gefährdete Hälfte der Kalkarward besiedelt (auf dem Vogelschauplan ist sie oben gezeichnet.)
Man konnte – wie heute noch – nur an vier Stellen in die Stadt gelangen. Von den Toren im Norden und Süden wurden zwei lange Hauptstraßen mitten durch die westliche Hälfte der Kalkarward zum zentral gelegenen großen Marktplatz geführt – die Kessel- und die Monrestraße. Sie wurden durch jeweils zwei schmale Stegen mit den rings um die Stadt führenden Wallstraßen verbunden. Von Westen mündete die kürzere Altkalkarer Straße in den Markt.
So entstanden fast rechteckige Stadtviertel. Entlang der Haupt- und Wallstraßen erhielten die Siedler etwa gleich breite Grundstücke, zumeist mit genügend Platz für einen Garten an der Rückseite der Häuser.
Die östliche Siedlungsgrenze bildete zunächst der Bach Monne. Er verlief in der Mitte der Kalkarward in einem Graben, der heutigen Grabenstraße, vom Monretor im Süden an der Rückseite des Rathauses vorbei zum Kesseltor im Norden.
Schon 1242 bekam Kalkar Stadtrechte. Das zog neue Siedler an. Sie wussten die Rechte als Bürger einer Stadt zu schätzen und konnten sich Privilegien sichern („Stadtluft macht frei“). Die Bevölkerung wuchs rasch. Ab etwa 1380 wurde begonnen, auch die östliche Hälfte der Kalkarward zu besiedeln. Vom Marktplatz aus wurde in Richtung Hanselaer die Hanselaerstraße vorgetrieben und über die Hohestraße mit dem Monretor im Süden verbunden.
Das mittelalterliche Kalkar war ringsum mit Wassergräben umzogen. Sie sind noch heute vorhanden – im Westen der Stadtgraben, im Osten der Leybach. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Stadt zusätzlich mit Mauern und Türmen befestigt. Sie erhielt vier Tore, darunter zwei stattliche Doppeltoranlagen am Monretor und am Hanselaertor, ähnlich dem Klever Tor in Xanten. Von ihnen ist nichts erhalten.
Steine des Hanselaertores wurden 1772 für den Bau der benachbarten Windmühle genutzt, in der als Lohmühle zunächst Eichenrinde für das Gerben von Leder gemahlen wurde. Sie ist die größte Windmühle (8 Böden) am Niederrhein. Seit 1998/99 ist sie vollständig restauriert und arbeitet mit zwei Mahlwerken als Getreidemühle.
Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit dem Taubenturm gibt es nur noch im Norden der Stadt am Kesseltor. An anderen Stellen wurde sie rekonstruiert.
Maria von Burgund, die als Witwe des Herzogs von Kleve auf Schloss Monterberg wohnte, gründete 1455 ein Dominikanerkloster. Es gab zwei Beginenhäuser. Armen- und Siechenhäuser wurden gebaut. Eine Lateinschule war vorhanden, aus der bekannte Gelehrte hervorgingen. Der Humanist Konrad Heresbach, Berater der Herzöge von Kleve, Jurist, Erzieher und Landwirt, ein universeller Geist, lebte zeitweilig in Kalkar. Kersten ´sGrooten, der als Geograph für den spanischen König Philipp II. arbeitete, war Kalkarer Bürger.
Welches Bild der Kalkarer Marktplatz in der Blütezeit der Stadt um 1500 geboten hat, kann eine Zeichnung von Jan de Beijer vermitteln. Sie entstand zwar erst rund 250 Jahre später im Jahre 1744, zeigt mit den gotischen Treppengiebelhäusern und dem Rathaus aber ein unverändert mittelalterlich geprägtes Bild.
Um 1580 erreichte Kalkar seine höchste Bevölkerungszahl - rund 5.000 Einwohner, mehr als manche heutige Großstadt damals hatte.
Langjährige Kriege und Besatzungszeiten verheerten die Stadt. Ende 1598 - während des Freiheitskampfes der Niederlande gegen Spanien – wurde sie durch spanische Truppen teilweise zerstört.
Als Kalkar nach dem Tod des letzten Herzogs von Kleve 1609 mit Kleve an Brandenburg fiel, hielt dies den Niedergang nicht auf. Für die Kurfürsten im weit entfernten Berlin war Kalkar allenfalls als eine kleine Außenbastion zu gebrauchen. Die brandenburgische Herrschaft verhinderte auch nicht, dass Kalkar im Dreißigjährigen Krieg unter rasch wechselnden Besatzern zu leiden hatte. Hessische Truppen igelten sich von 1640 bis 1645 in Kalkar festungsmäßig ein. Um nach Westen freies Schussfeld zu schaffen, wurde Altkalkar dem Erdboden gleichgemacht.
In einer Feuersbrunst im Jahre 1647 brannten zudem noch 55 Häuser ab, hauptsächlich in der Kesselstraße.
1656 beauftragte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg seinen Statthalter in Kleve, Johann Moritz von Nassau-Siegen in Kalkar eine mit Bastionen, Wällen und Gräben befestigte Zitadelle zu errichten. Die mittelalterliche Stadtmauer schien ihm für eine wirksame Verteidigung nicht mehr ausreichend. Mehrfache Proteste der Stadt, sie sei durch Einquartierungen und Zwangsabgaben ohnehin in „desolation und armuth“ gestürzt, 209 Häuser seien unbewohnt, blieben erfolglos.
Juelich-Zitadelle-Urentwurfsmodell-1545.jpg Die Kalkarer Zitadelle (italienisch: „kleine Stadt“), deren vielzackiger Grundriss mit vier vorspringenden Ecken dem der Zitadelle in Jülich glich, wurde im Süden der Stadt, nach Plänen des niederländischen Festungsingenieurs Henrick Ruse errichtet. Ihr Mittelpunkt lag etwa dort, wo sich heute die Grundschule an der Straße „Am Bollwerk“ befindet. Für die Festung wurden rund 80 Häuser und Teile der Stadtmauer abgerissen. Das Monretor wurde zum südlichen Zugang zur Zitadelle umgebaut. Um die Wälle ließ Ruse einen doppelten Ring breiter Wassergräben legen. Allein die Zitadelle hatte bereits eine Seitenlänge von rund 300 Metern, einschließlich der Gräben, waren es rund 500 Metern. Die Wassergräben endeten im Norden erst rund 100 Meter südlich des Hanselaertores und reichten im Süden und Westen fast bis zur heutigen B 57.
Ihrem Zweck hat diese riesige Anlage, die nach gut 10 Jahren fast fertig gestellt war, allerdings nie gedient. Schon 1674 begann man, die Festung zu schleifen. Die Gräben der Festung haben den südlichen Teil Kalkars aber noch lange geprägt. Sie wurden zum Teil erst nach dem zweiten Weltkrieg mit Hausmüll und Bauschutt aufgefüllt. Heute erinnert abgesehen von einigen Geländestufen nur noch wenig an die Zitadelle. In den Wiesen am Hanselaerertor zeichnen die Biegung des Leybachs und eine Baumreihe den eckigen Verlauf der Wassergräben nach und im Westen ist nahe der Bahnhofstraße von den Gräben ein Weiher verblieben.
Zu den in Kalkar im 18. Jahrhundert durchziehenden preußischen Soldaten gehörte auch ein Rittmeister von Seydlitz, der die Aufgabe hatte, Soldaten anzuwerben. 1721 gebar ihm seine Frau in Kalkar einen Sohn, Friedrich Wilhelm von Seydlitz. Die Familie hat sich aber nicht lange in Kalkar aufgehalten. Friedrich Wilhelm wuchs in Brandenburg auf. Er machte als Kavallerieoffizier rasch Karriere, wurde 1757 von König Friedrich dem Großen zum Befehlshaber der preußischen Kavallerie ernannt. Am 5. November 1757 entschied er die Schlacht bei Roßbach für die Preußen gegen die französischen und die Reichstruppen.
friedrich_wilhelm_von_seydlitz.jpg
Gut 100 Jahre später wurde 1860 in der Mitte des Kalkarer Marktplatzes neben der Gerichtslinde eine Statue des Generals errichtet. „Sich selbst zu ehren, ehrt die Stadt des Helden erste Spur“ hieß es auf einer Seite des Sockels des Denkmals. Nach dem letzten Krieg war die Begeisterung für alles Militärische allerdings auch in Kalkar stark gesunken. Da der Reitergeneral außerdem „kriegsbeschädigt“ war – alliierte Truppen hatten ihm den Kopf abgeschossen - beschloss der Stadtrat 1949, das Denkmal zu entfernen. Der Sandstein des Denkmals wurde für die Restaurierung der Fenstersockel des Rathauses genutzt. Zu Ehren kam von Seydlitz in Kalkar wieder, als die Kaserne auf dem Beginenberg nach ihm benannt wurde.
Von den im 17. Jahrhundert erlittenen Schlägen erholte sich Kalkar nicht mehr. 1730 hatte es nur noch 2.000 Einwohner – nur 150 Jahren zuvor waren es noch rd. 5.000 gewesen. Die Stadt musste sich hoch verschulden. 1775 stand sie vor einem Schuldenberg von 31.414 Reichstalern. Allein 25.000 Reichstaler hatte sie sich bei Klöstern und Stiftungen geliehen.
Die 20 Jahre währende französische Besatzung von 1794 bis 1814 überstand die Mairie (Bürgermeisterei) Kalkar leidlich. Für die Finanzlage ergaben sich sogar Vorteile: die Schulden an die von Napoleon enteigneten und aufgelösten Klöster und Stiftungen mussten nicht zurückgezahlt werden.
Auch die mittelalterlichen Kunstschätze der Nicolaikirche waren Kalkar trotz der Wirren des 17. und 18. Jahrhunderts weitgehend erhalten geblieben. Um einen beträchtlichen Teil ihres künstlerischen Erbes brachten sich die Kalkarer selber. 1818 wurden von der Pfarrei sieben Altäre verkauft, weil Geld für die Reparatur der Kirche benötigt wurde. Rotthauwe meint dazu in seinem im Auftrag der Stadt Kalkar 1980 erschienen Buch „Kostbarkeit Kalkar“: „Geldnot ist eine Entschuldigung, reicht aber als Erklärung für den damaligen Ausverkauf an Kunst in Kalkar nicht aus. Die Gründe lagen tiefer, lagen im Nichtwissen, in der Teilnahmslosigkeit gegenüber einer nicht verstandenen Kunst…“.
Als im 19. Jahrhundert in Deutschland der Aufschwung der Textilindustrie begann, war die Tuchherstellung in Kalkar längst vergessen. Ein frühzeitiger Anschluss an das rasch wachsende deutsche Eisenbahnnetz wurde verpasst. Erst 1904 wurde die Strecke Moers-Xanten-Kleve mit dem Bahnhof im Ortsteil Altkalkar eröffnet (1989 stillgelegt). Der Wirtschaftsboom der Gründerzeit kam schließlich aber auch in Kalkar an. Er hinterließ etliche repräsentative Bürgerhäuser, insbesondere in der Altkalkarerstraße und in der Monrestraße. In den umliegenden Dörfern wurden Bauernhöfe errichtet, die beeinflusst vom Stil des Historismus manchmal schon burgartigen Charakter hatten.
Zeichen des gewachsenen Wohlstandes sind auch die Kirchturmbauten. 1898 baute die kleine evangelische Gemeinde für ihre rund 200 Jahre zuvor errichtete bisher turmlose Kirche einen markanten Turm mit zwiebelförmiger Ausbuchtung. 1905 wurde der niedrige Turmhelm der Sankt Nicolaikirche, der nach mehrfacher Zerstörung durch Sturm und Blitzschlag nur noch ein Drittel seiner ursprünglichen Höhe hatte, durch einen doppelt so hohen ersetzt.
Von den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts zeugen in Kalkar und Grieth die großen Ehrenmale für die Opfer der Weltkriege – und der Gedenkstein, den die Stadt Kalkar 1983 den ehemaligen jüdischen Mitbürgern und Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft errichtet hat.
Nach der so genannten „Machtergreifung“ verschlechterte sich die Lage der Kalkarer Juden kontinuierlich. In der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden auch in Kalkar jüdische Geschäfte verwüstet. Die Synagoge in der Hanselaerstraße wurde in Brand gesteckt. Zuvor hatten die Nationalsozialisten das jüdische Bethaus geschändet. Löscharbeiten wurden der Feuerwehr untersagt. Die Reste der Synagoge wurden abgebrochen.
Zu Beginn der NS-Diktatur im Jahre 1933 lebten noch 60 Juden in Kalkar. Die Mehrzahl von ihnen verließ die Stadt bis zum Kriegsausbruch. Diejenigen, die geblieben waren, starben entweder noch in Kalkar oder wurden deportiert und kamen später durch Verhungern, Erschießung oder Vergasung in den Konzentrations- und Vernichtungslagern um. Alle 15 jüdischen Familien, die 1933 in Kalkar gelebt hatten, hatten in den Jahren des Holocaust Opfer zu beklagen. Nach dem Kriege kehrte nur ein Mitglied der Kalkarer jüdischen Gemeinde nach Deutschland zurück.
Am Kriegsende 1945 war Kalkar zwar bei weitem nicht so stark getroffen wie Kleve, Goch, Emmerich, Rees oder Wesel. Aber die linke Hälfte des Rathauses und der Häuserblock an der Südseite des Marktes neben dem Rathaus waren völlig zerstört. In Sankt Nicolai hatten Bombenangriffe der Alliierten insbesondere ein Seitenschiff beschädigt. In Grieth, Niedermörmter und Appeldorn wurden die Kirchen von fanatisierten eigenen Truppen zerstört. Abziehende deutsche Soldaten sprengten die Kirchen oder beschossen sie noch von der rechten Rheinseite aus, um dem Feind die Türme nicht als Beobachtungspunkte zu überlassen.
Eine weitere wesentliche Voraussetzung für die Ansiedlung von Unternehmen wurde 1967 mit dem Bau der Rheinbrücke Rees-Kalkar geschaffen. Der Brückenschlag verbesserte den Anschluss an die rechtsrheinische Autobahn beträchtlich.
Ein wichtiger kommunalpolitischer Markstein war die am 1. Juli 1969 in Nordrhein-Westfalen beim 1. kommunalen Neugliederungsprogramm durchgeführte Gebietsreform. Die Gemeinden Altkalkar, Appeldorn, Bylerward, Grieth, Hanselaer, Hönnepel, Kalkar, Neulouisendorf, Niedermörmter, Wissel und Wisselward des Amtes Kalkar sowie die Gemeinde Emmericher Eyland des Amtes Griethausen wurden zur neuen Stadt Kalkar zusammengeschlossen, die danach insgesamt 13 Ortsteile mit rund 10.000 Einwohnern umfasste.
Die Bevölkerung wuchs weiter. Preisgünstiges Bauland und die verbesserte Verkehrsanbindung förderte die Zuwanderung aus den Ballungsgebieten. 1975 konnte das Schulzentrum mit einem Gymnasium fertig gestellt werden.
Große Erfolge bei den Bemühungen um eine Neuansiedlung von Unternehmen gab es ab der Mitte der 70er Jahre mit dem Bau der Zuckerfabrik in Appeldorn (Pfeifer & Langen) und des Versandschlachthofes im Gewerbegebiet Kehrum (der im Herbst 2005 geschlossen wurde).
Einen kräftigen Schub für die Kalkarer Wirtschaft brachte der „Schnelle Brüter“. Am Bau dieses Kernkraftwerks am Rheinufer in Hönnepel wurden auch Kalkarer Unternehmen beteiligt. Es kostete rund 3,5 Milliarden Euro. Der 1973 begonnene und nach langen Verzögerungen 1986 endlich fertig gestellte Brüter wurde nie in Betrieb genommen. Am 21. März 1991 verkündet Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber das endgültige Aus für den Brüter. Kalkar erhielt als Ausgleich von Bund und Land im Rahmen des Programms „Kalkar 2000“ rund 60 Millionen Euro. Sie wurden insbesondere für die Stadtsanierung und den Ausbau der Infrastruktur verwendet (Gewerbepark Kehrum, Straßenbau, Freizeitpark Wisseler See, Kläranlage Hönnepel).
Zudem konnte das Kraftwerk 1995 für 2,5 Millionen Euro an den niederländischen Unternehmer Hennie van der Most verkauft werden, der das Gelände in einen Freizeitpark mit Hotels, Restaurants und Sportanlagen umbaute. Das „Wunderland Kalkar“, das mittlerweile auch Tagungen und Fachmessen veranstaltet, konnte 2004 rund 280.000 Besucher und rund 170.000 Übernachtungen verzeichnen. Mit 230 ganzjährig Beschäftigen und rund 300 Saisonkräften ist es einer der größten Arbeitgeber in Kalkar.
Die Kalkarer Wirtschaft hat insgesamt ein spätes Wirtschaftswunder erlebt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 1994 bis 2004 kräftig um rund 20 % von 2.500 auf 3.000. Während die Städte in den Ballungsgebieten über deutlich sinkende Einwohnerzahlen klagen, verzeichnete Kalkar von 1994 bis 2004 einen Bevölkerungsanstieg um 16,4 %.
In den übrigen Ortsteilen sind besonders sehenswerte Baudenkmale:
Bildende Künstler
Schriftsteller
Politiker
Soldaten