Der Kalender ist die Festlegung der Jahrrechnung in Jahre, deren Unterteilung in Monate mit Bestimmung der Monatslängen in Tagen sowie die Wochenunterteilung. Die Rechenregeln hierzu erstellt die Kalenderrechnung.
Der Begriff „Kalender“ bezeichnet dabei:
Das Wort „Kalender“ kommt von Lateinisch Calendarium, ein Verzeichnis der Kalendae, der jeweils ersten, auszurufenden (calare „ausrufen“) Tage eines Monats, da dann die Schulden zu bezahlen waren.
Geschichte
Entstehung des Kalenderwesens
Ein Bewusstsein für unterschiedliche Zyklen seiner Umwelt dürfte der Mensch schon sehr früh gehabt haben. Nicht allein der Wechsel von
Tag und
Nacht sowie die
Mondphasen, sondern auch
jahreszeitlich bedingte
Klimaschwankungen, die in der
Landwirtschaft der meisten Weltregionen eine bedeutende Rolle spielen, und aufgrund von Tierwanderungen zum Teil auch für
Jägerkulturen wichtig gewesen sein dürften, und nicht zuletzt die Veränderungen des Nachthimmels durch die
Erdumlaufbahn sowie die Eigenbewegungen der
Planeten konnten vom Menschen spätestens in der
Altsteinzeit wahrgenommen werden.
Jungsteinzeitliche Bauten wie etwa Stonehenge zeugen von den Bemühungen der sesshaft gewordenen Bevölkerung, die natürliche Jahreslänge und ausgewählte zyklisch wiederkehrende Himmelsereignisse wie Sonnenwende und Tag-und-Nacht-Gleiche exakt bestimmen zu können. Gerade für die Landwirtschaft war wichtig, eine von den konkreten Wetterbedingungen unabhängige Bestimmung der Zeitpunkte für Aussaat und Ernte vornehmen zu können. Mit der systematischen Himmelsbeobachtung verbunden, von der Hoffnung auf eine günstige Wiederkehr der Fruchtbarkeitsbedingungen geprägt, waren religiöse Fruchtbarkeitskulte. So wurden bestimmte landwirtschaftliche Termine an Feste gebunden, die wiederum an Himmelsereignisse geknüpft waren.
Für diese frühe Zeit des Übergangs von Jägerkulturen zum Ackerbau im Neolithikum wird eine Veränderung kalendarischer Vorstellungen vom Mond- zum Sonnenkalender angenommen. Dieser Steinzeitkalender, auch Neolithischer Kalender, von Alexander Thom auch Megalithischer Kalender genannnt, beinhaltet wohl die ältesten Kalendervorstellungen der Menschheit und ist die Grundlage späterer Kalendervarianten. Analog zum Begriff der Neolithischen Revolution (Übergang zum Ackerbau) wurde hier auch von der Neolithischen Kalender-Revolution gesprochen.
Die ältesten heute noch bekannten Kalender stammen aus den frühen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens. Bereits hier zeigten sich zwei grundlegende Kalendertypen, die bis heute die meisten Kalendersysteme prägen: der an den Mondphasen orientierte Mondkalender und der Sonnenkalender, der den Lauf der Jahreszeiten widerspiegelt. Spätestens von den Babyloniern wurde auch der siebentägige Wochenzyklus entwickelt, der heute fast weltweit den Ablauf des Alltags regelt. Ähnliche Zyklen zwischen fünf und zehn Tagen gab es auch in anderen Kalendern.
Die Probleme, die entstehen, wenn man die unterschiedlich langen Zyklen von Tag, Woche, Monat und Jahr zu einem Gesamtsystem verbinden will, haben zur Herausbildung unzähliger Kalender und häufiger Kalenderreformen geführt. Bis heute werden immer wieder Forderungen laut, den derzeit weltweit am meisten verbreiteten Gregorianischen Kalender zu reformieren oder durch einen weiter entwickelten Kalender zu ersetzen.
Beobachtung
Frühe Kalendersysteme dürften ausschließlich durch Beobachtung geregelt worden sein (
astronomische Kalender). Mit dem Eintritt eines bestimmten definierten Himmelsereignisses (z. B. des
Neumonds oder der
Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling) begann ein neuer Zyklus. Diese Methode hatte einen entscheidenden Nachteil: In großen Herrschaftsräumen konnte ein Ereignis an unterschiedlichen Orten eventuell zu unterschiedlichen Zeiten wahrgenommen werden, so dass auch unterschiedliche Daten gezählt wurden (
Raumzeit). Wenn dagegen der Eintritt eines Ereignisses nur an einem bestimmten Ort (z. B. der Hauptstadt oder dem Haupttempel) maßgeblich war, dann konnten weit entfernt gelegene Gebiete oft erst nach Tagen davon unterrichtet werden. Solche Probleme gab es beispielsweise im früheren
Jüdischen Kalender, wo der
Hohepriester über die erste Sichtung der
Mondsichel bei Neumond entschied. Durch die langen Informationswege konnte es deshalb passieren, dass ein religiöses Fest in abgelegenen Gebieten am „falschen“ Tag gefeiert wurde. Auch war es kurz vor Monatsende nicht möglich, vorherzusagen, welches Datum z. B. in sieben Tagen sein würde.
Immer mehr Kulturen begannen deshalb, ihre Kalender zu berechnen. Der letzte ernsthafte Versuch, einen Beobachtungs-Kalender zu etablieren, wurde in der Französischen Revolution unternommen (Französischer Revolutionskalender).
Berechnung
Die Berechnung von Kalendern (
arithmetische Kalender) setzt umfangreiche
astronomische und
mathematische Kenntnisse voraus. Bei der Entwicklung des frühen
ägyptischen Sonnenkalenders waren diese Kenntnisse offenbar noch nicht ausgereift, da er das
Sonnenjahr stets mit 365 Tagen berechnete, während der exakte Wert tatsächlich bei ca. 365,242 Tagen liegt. Die Abweichung von ungefähr einem viertel Tag pro Jahr führte im Laufe der Jahrhunderte dazu, dass z. B. die ägyptischen Jahreszeit der
Nilflut nicht mehr zur Zeit der Nilflut stattfand, sondern im Jahreslauf verschoben war.
Sowohl Mond- als auch Sonnenkalender wurden deshalb meistens mit Schalttagen oder unterschiedlichen Monatslängen versehen, die nach einer festgelegten mathematischen Regel in den normalen Kalenderlauf eingefügt wurden. Ein Sonnenkalender benötigt normalerweise einen zusätzlichen Tag ca. alle vier Jahre (im Gregorianischen Kalender ist dies der 29. Februar), um die durchschnittliche Tageszahl der Länge des Sonnenjahrs anzupassen. Ein Mondkalender muss die Monatslängen zwischen 29 und 30 Tagen variieren, denn der so genannte synodische Monat, also die Zeit zwischen zwei gleichen Mondphasen, dauert durchschnittlich ca. 29,531 Tage.
Lineare Strukturen
Waren Kalender zunächst wohl auf rein zyklische Phänomene beschränkt, entwickelten sich mit der Zeit auch lineare Strukturen, etwa fortlaufende Jahreszählungen, z. B. für die Geschichtsschreibung oder die Statistiken von Tempeln und Palästen. Hierzu war es nötig, einen Anfangszeitpunkt der Zählung festzulegen. Dies konnten historische Ereignisse sein (z. B. der Beginn einer Königsherrschaft) oder aber fiktive Begebenheiten (z. B. die Erschaffung der Welt). Der Anfangszeitpunkt wird in der
Chronologie „
Epoche“ genannt.
Kalendersysteme
Lunarkalender
Lunar- oder Mondkalender orientieren sich an den
Mondphasen. Das deutsche Wort
Monat leitet sich
etymologisch von
Mond ab. Allerdings hat der Monat unseres
Kalenders außer dem Namen nichts mehr mit dem
Mondzyklus zu tun, da er mit einer
durchschnittlichen Länge von 30,437 Tagen um fast einen Tag länger dauert als der
synodische Monat. Der Nachteil eines reinen Lunarkalenders besteht darin, dass er nicht mit dem
Sonnenjahr korrespondieren kann, eine Eigenschaft, die in
subtropischen und
tropischen Breiten oft nicht die Bedeutung hat, die ihm in von den
Jahreszeiten abhängigen Kulturen zukommt. So dauert der bekannteste, heute noch gebräuchliche Lunare Kalender, der
Islamische Kalender, mit 12 Monaten durchschnittlich 354,372 Tage. Die islamischen Monate „wandern“ dadurch Jahr für Jahr ca. 11 Tage im Gregorianischen Kalender nach vorne. Auch das
Osterdatum folgt einem Lunaren Kalender (siehe:
Komputistik)
Solarkalender
Solar- oder Sonnenkalender: Nicht nur der heute weltweit verbreitete
Gregorianische Kalender ist ein Solarer Kalender. Die meisten Kulturen orientierten sich bei ihrer
Zeitmessung an den durch die
Sonne bestimmten
Jahreszeiten. Dem entsprechend hat der Grundtyp des Solarkalenders die meisten Varianten hervorgebracht. Das
Solarjahr orientiert sich am
tropischen Jahr, dem auf den
Frühlingspunkt bezogenen
Umlauf der
Erde um die
Sonne. Dieses ist die Ausgangsbasis für den allgemeinen
Jahresbegriff.
Lunisolarkalender
Der
Lunisolarkalender stellt den Versuch dar, einen reinen Lunarkalender an das
Sonnenjahr anzupassen. Da die Länge der Monate durch die Mondphasen festgelegt ist, können keine
Schalttage wie beim Sonnenkalender eingefügt werden. Die Lösung liegt in der Einfügung von
Schaltmonaten. Die Jahreslänge der Lunisolarkalender schwankt deshalb zwischen ca. 353 und ca. 384 Tagen. Der bekannteste Lunisolarkalender ist der
Jüdische Kalender.
Sonstige Systeme
Es sind nur wenige Kalendersysteme bekannt, die sich weder am Mond noch an der Sonne orientieren, sondern andere Zyklen voraussetzen. Bekanntestes Beispiel ist der Tzolkin-Zyklus des
Maya-Kalenders.
Siehe auch: Liste der Kalendersysteme
Siehe auch
Kalenderrechnung – Komputistik - Liturgischer Kalender - Heiligenkalender - Julianischer Kalender - Julianisches Datum - Neujahr - Fiskaljahr - Abreißkalender - iCalendar - Astronomischer Kalender - Arithmetischer Kalender - Kalenderdatum - Kalenderbauten - Datumsformat - ISO 8601 - Kalendarium -Jahresübersicht - Berechnung des Osterdatums - Berechnung des Wochentags - Metonischer Zyklus - Diskordischer Kalender - Hundertjähriger Kalender - Doomsday-Methode - Kalendergeschichte - Kosmischer Kalender - Ablaufkalender - Christlicher Kalender - Französischer Revolutionskalender
Literatur
- Michael Buhlmann: Zeitrechnung des Mittelalters. Einführung, Tabellen, CD-ROM InternetKalenderrechnung. Vortrag „Mittelalterliche Zeitrechnung anhand von St. Georgener Geschichtsquellen“ beim Verein für Heimatgeschichte St. Georgen. St. Georgen, 19. Mai 2005. (Vertex Alemanniae, Heft 18), St. Georgen 2005
- Friedrich Karl Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie. 3 Bände, 1906-1914. (bis heute das Standardwerk schlechthin)
- Hermann Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. 13. Auflage. Hannover 1991
- Ludwig Rohner: Kalendergeschichte und Kalender. Wiesbaden 1978
- Robert Schram: Kalendariographische und chronologische Tafeln. Leipzig 1908.
- Heinz Zemanek: Kalender und Chronologie. Bekanntes und Unbekanntes aus der Kalenderwissenschaft. 5. Auflage. München-Wien 1990
Weblinks
- Allgemein
- Unser gregorianischer Kalender
- Kalendersysteme
- Bernhard Peter: Kalendersysteme Asiens. In: Kultur in Asien. – umfangreiche Darstellung: Indien, China, Japan, Kambodscha, Thailand, Birma, Bali etc.
- Edward M. Reingold, Nachum Dershowitz: Calendrical Calculations: The Millennium Edition (Java-Applet, englisch)
- Nikolaus A. Bär: Kalenderrechner – für zahlreiche Systeme (JavaScript)
- Michael Buhlmann: InternetKalenderrechnung – europäische, jüdische, islamische Zeitrechnung des Mittelalters und der Neuzeit
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