Shandong_yunhe.jpg Der Kaiserkanal (auch Großer Kanal genannt; 京杭大运河, Jīng-Háng Dà Yùnhé) ist die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße der Welt. Mit einer Länge von mehr als 1.800 km und einer Breite von bis zu 40 m verband er den Norden Chinas (Peking) mit dem fruchtbaren Mündungsgebiet des Jangtsekiang (Hangzhou). Er überwand einen Höhenunterschied von 42 Metern, war 3-9 m tief und gilt als das Meisterwerk der Wasserbaukunst im alten China.
Zwischen 584 und 610 ließen die Sui-Kaiser (hauptsächlich Yangdi) ein Kanalnetz ausbauen, was die Hauptstädte am Hoang-ho und Wei-ho mit dem Unterlauf des Yangtze und mit Hang-chou im Süden sowie mit der Region beim heutigen Peking im Norden verband. Kaiser Yang-ti selbst fuhr 605 mit einer 65 Meilen langen Flotte von Lo-yang hinunter nach Chiang-tu (Yang-chou), so dass die Preise für Lebensmittel entlang seines Weges hochschnellten.
Konkret verband der Kuang-t’ung ch’ü die Hauptstadt Ch'ang-an 584 mit dem Wei-ho und Hoang-ho, der T’ung-chi ch’ü (auch: Pien ho) verband 605 die Gegend um Lo-yang mit dem Unterlauf des Huai-ho. Von dort verband der Shan-yang tu 606 das heutige Huai-an mit dem Yangtze bei Yang-chou, während der Chiang-nan ho dann 610 noch Hang-chou anband. Im Norden stellte der 608/09 gebaute Yung-chi ch’ü die Verbindung der Hauptstädte mit der Region um Peking dar. Zur Tang-Zeit kamen noch einige Erweiterungen hinzu, z.B. der Kuang-chi ch’ü bei Huai-an 742.
Parallel zu den Kanälen wurden Straßen gebaut und es wurden in regelmäßigen Abständen Relaisstationen errichtet, da Umladungen nie zu vermeiden waren. In der Nähe der damaligen Hauptstädte Lo-yang und Ch'ang-an nahmen riesige Speicher die Warenstöme auf. Ein großer Teil der in den Norden verschifften Güter war Seide, Getreide und später Reis.
Neben der Funktion als Versorgungs- und Handelsweg kam dem Kanal auch eine besondere strategische Bedeutung für Truppen- und Nachschubtransporte zu. Zur späten Tang-Zeit und danach war daher beispielsweise in Hsü-chou eine starke Garnison positioniert, welche die örtlichen Militärbefehlshaber von einer Einflussnahme zuungunsten der Dynastie abhalten sollte.
Mit der Erfindung der Schiffsschleuse durch Qiao Weiyue 984 wurden die Kanäle sukzessive damit ausgerüstet. Vorher wurden Höhengefälle (höchster Punkt des Kaiserkanals: 42 m über dem Meeresspiegel) durch Rutschbahnen oder Rampen überwunden, was die Schiffe wiederholt (z.T. absichtlich) beschädigte und zum Diebstahl der Ladung führte. Bei Trockenheit musste man den Betrieb der Rutschbahnen zudem sehr einschränken.
Als im 13. Jhdt. die Yuan-Dynastie ihre neue Hauptstadt Dadu im Gebiet des heutigen Peking gründete, wurde der Kaiserkanal bis dorthin verlängert und teilweise neu trassiert (sog. Hui-t'ung-Kanal, Februar 1289 eröffnet). Die alte Route war für die neuen Erfordernisse zu lang und längst nicht mehr ausreichend schiffbar gewesen. Parallel dazu benutzte man in den 1280ern den Seeweg, um die Reichtümer nach Norden zu transportieren.
Für mehr als 600 Jahre war der Kanal für Peking die wichtigste Versorgungsader mit Getreide (v.a. Reis), aber auch mit Seide und anderen Handelsgütern. Der größte Teil des für den Bau der Verbotenen Stadt benötigten Holzes wurde auf dem Kanal herbeigeschafft.
Nachdem im Jahre 1855 der Gelbe Fluss seinen Lauf nach Süden verlegt hatte, war der Kanal nicht mehr durchgehend schiffbar und verlor dadurch an Bedeutung. Die Abschaffung des Naturalsteuersystems im Jahre 1901 hatte einen deutlichen Rückgang des Transportvolumens und einen weiteren Bedeutungsverlust zur Folge. Zudem hatte die Kanalschiffahrt mit der Eisenbahn ernsthafte Konkurrenz bekommen.
Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 setzte man den Kaiserkanal teilweise wieder instand, so dass er heute als regionaler Schiffahrtsweg und auch als Bewässerungskanal genutzt werden kann. Aufgrund des saisonalen Wassermangels im Norden Chinas und der dadurch eingeschränkten Schiffbarkeit spielt er allerdings keine überregionale Rolle mehr.
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