Kaiserinwitwe Cíxǐ (Pinyin: Cíxǐ tàihòu, traditionell: 慈禧太后, oder auch nur 慈禧, Wade-Giles: Tze Hsi, * 29. November 1835; † 15. November 1908) war eine der Nebenfrauen des Kaisers Xianfeng (reg. 1851–61) der Qing-Dynastie und wurde zur einflussreichsten Persönlichkeit der zu Ende gehenden Kaiserzeit.
Cixi war die Tochter eines mandschurischen Mandarins aus Peking und kam im Alter von 17 Jahren als Konkubine in die Verbotene Stadt. Als Cixi 1855 den männlichen Thronfolger Zai Chun gebar, wurde sie zur Nebenfrau zweiten Grades erhoben. Mit dem Tod ihres Gemahls, Kaiser Xianfeng 1861 stieg sie zur zweiten Witwe neben der Kaiserinwitwe Cian (1836-1881) auf.
Obwohl nicht der Kaiserfamilie angehörig, führte sie zwischen 1861 und 1908 mehrfach die Regentschaft, nämlich
Cixi hielt sich im alltäglichen Leben an strenge Regeln. So stand sie schon früh am Morgen – um fünf Uhr – auf. Kammerzofen zogen ihr die seidenen Pyjamas aus, Eunuchen brachten eine Wanne mit hautwarmen Wasser. Eine Zofe wusch ihr Gesicht und Hände. Allein wäre die Kaiserin dazu kaum in der Lage gewesen, denn ihre Fingernägel waren circa sieben Zentimeter lang und steckten in goldenen und seidenen Futteralen.
Nach der Morgentoilette und dem reichhaltigen Frühstück – viele Speisen auf dem Tisch dienten nur als Dekoration – wurde sie in einer Sänfte in den Regierungspalast getragen. Über die Art der Regierung: siehe entsprechende Kapitel.
Insgesamt verlief ihr Alltag – wie bei anderen Kaisern auch – im Rahmen der Hofetikette, bei der alles festgelegt war.
Spätere Geschichtsschreiber sagten Cixi Grausamkeit und Herrschsucht nach. So kannte beispielsweise zu damaliger Zeit jeder die Geschichte eines Eunuchen, der beim Schachspiel ausrief: „Der Sklave schlägt das Pferd des erhabenen Stammvaters!“ (Cixi ließ sich gern als Mann anreden.) Sie ließ ihn augenblicklich hinausschleifen und zu Tode peitschen.
Es wird auch berichtet, dass die Diener jedesmal zitterten, bevor sie Kammerdienst hatten. Denn zum Beispiel beim Haarekämmen durfte kein einziges Haar am Kamm hängen bleiben, sonst wurde der Betreffende bestraft.
Neuere Forschungen belegen allerdings, dass Cixi von Rivalen verleumdet worden sei und dass die vielen Morde nur angedichtet worden seien. Cixi soll „so unspektakulär wie Trinkwasser“ gewesen sein (Quelle: www.blubie.de/Mein wunderbares China).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ es sich nicht mehr übersehen, dass sich China dem Westen gegenüber auf wirtschaftlichem, technologischem und militärischem Gebiet erheblich im Rückstand befand. Vielfach wurden daher von der Bevölkerung, insbesondere aber von den intellektuellen Eliten entsprechende Reformen gefordert.
Während ihrer ersten Regentschaft betonte Cixi zwar die Überlegenheit Chinas in weltanschaulichen und moralischen Dingen und das Erfordernis einer Rückbesinnung auf seine konfuzianischen Traditionen (nach dem amtierenden Kaiser sog. Tongzhi-Restauration). Gleichwohl erkannte sie den Nachholbedarf ihres Landes auf praktischem Gebiet und damit die Notwendigkeit entsprechender Reformen an.
So förderte die Staatsspitze gezielt das Studium ausländischer Kulturen, Sprachen und Technologien, insbesondere durch Gründung entsprechender Fachschulen (Tongwenguan) in Peking, Shanghai und Kanton, aber auch dadurch, dass man junge Chinesen zum Studium ins Ausland schickte. Ferner wurden vor allem in den Provinzen Jiangsu und Fuzhou in großer Zahl Schiffswerften, Arsenale und Waffenfabriken errichtet. 1868 lief in Mawei das erste chinesische Dampfschiff vom Stapel, 1872 wurde die erste chinesische Dampfschiffgesellschaft gegründet.
Ab der zweiten Regentschaft wich Cixis Reformbereitschaft indes einem geradezu reaktionären, starrköpfigen Konservatismus: Die 1898 ausgerufenen sog. Hundert-Tage-Reform, mit der der volljährigen Kaiser Guangxu eine grundsätzliche Revision der tradierten, konfuzianisch geprägten Strukturen seines Landes erwirken wollte, erstickte sie, indem sie ihren Neffen kurzerhand unter einem Vorwand verhaften ließ und selbst zum dritten Mal die Regentschaft übernahm.
Erst nach der Niederschlagung des Boxer-Aufstandes durch die Fremdmächte fand Cixi indes erneut zu ihrer ursprünglichen Haltung zurück: Ab 1903 begann sie zaghaft mit Reformen auf wirtschaftlichem Gebiet (Gründung eines Handelsministeriums, Reform der Zollverwaltung), des Rechtswesen (Abschaffung der Folter und der Hinrichtung durch Zerstückelung) und des Bildungswesens (Einführung von Prüfungen in Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften; Abschaffung der Beamtenprüfungen alten Stils). Für 1917 kündigte sie sogar die Einführung einer konstitutionellen Monarchie nach europäischem Vorbild an. Den Verfall der Qing-Dynastie vermochte dies freilich nicht mehr aufzuhalten.
Cixis gesamte Wirkungsperiode war von erheblichen innenpolitischen Unruhen geprägt: Der Taiping-Aufstand wurde mit der Eroberung Nankings durch Regierungstruppen im Jahre 1864 endgültig niedergeschlagen. 1866 errichtete der moslemische Gouverneur Jakub Beg in Chinesisch-Turkestan ein sezessionistisches Regime, das er langfristig dem Sultan des Osmanischen Reiches in Istanbul als Vasall unterstellen wollte. Es konnte erst 1877 beseitigt werden; fünf Jahre später erhielt das Gebiet unter dem Namen „Sinkiang“ (Xinjiang) den – heute noch bestehenden – Status einer autonomen Region. Dazu kamen Volksaufstände in mehreren Provinzen, etwa 1865 in Gansu.
Während Cixis dritter Regentschaft kam es aus Protest gegen ihre zunehmende reaktionäre Starrsinnigkeit landesweit zu subversiven Tätigkeiten mehrerer Geheimgesellschaften (z.B. „Faustkämpfer für Recht und Einigkeit“), die im Westen traditionell vereinfachend als „Boxer“ zusammengefasst werden. Cixi gelang es, diese eigentlich ihrer Dynastie geltende Aggression auf die Fremdmächte umzulenken, was 1900 zum Boxer-Aufstand führen sollte.
Am 11. Januar 1900 erlaubte sie die Boxerbewegung, die bereits die Hauptstadt erfasst hatte: Wenn friedliche und gesetzestreue Menschen ihre Fertigkeiten in mechanischen Künsten üben, um sich und ihre Familien zu erhalten, steht das im Einklang mit dem Prinzip: „Auf der Hut sein und sich gegenseitig helfen.“ (Die Boxer zerschlugen aufgrund weit verbreiteter Erwerbslosigkeit durch Importwaren fremde Maschinen und technische Einrichtungen.)
Auf eine gefälschte Depesche hin (19. Juni) setzte sie einen Kopfpreis auf jeden getöteten Fremden, gleichgültig ob Mann, Frau oder Kind, aus. Ihre Truppen beteiligten sich an der Belagerung des Gesandtschaftsviertels – wobei Jung Lu (Rong Lu) ihr Vorgehen missbilligte und sich weigerte, die Artillerie herauszugeben, was die Eingeschlossenen vor einem Massaker rettete.
Als die europäischen Entsatztruppen am 14. August 1900 die Stadt erreichten, floh Cixi mit ihrer Garde und dem gefangenen Kaiser Guangxu (dessen „Perl“-Konkubine sie wegen „Respektlosigkeit“ gleich noch in einen Brunnen springen und ertrinken ließ) aus der Stadt und begab sich auf „Inspektionsreise“. Am 7. Januar 1902 kehrte sie auf den Thron zurück. Nun wechselte sie die Seite und distanzierte sich von den „Banditen“, d.h. den Boxern, und ordnete eine Bestrafung der Führer an.
In Cixis Wirkungszeit fällt die durch den Vertrag von Tianjin von 1858 erzwungene Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen Chinas mit ausländischen Staaten. Nachdem bereits 1860 die Fremdmächte Vertretungen in Peking eröffnet hatten, sah Englands Hauptstadt am 21. Januar 1877 die Gründung der ersten chinesischen Botschaft in Europa. Noch im selben Jahr folgten das Deutsche Reich und Japan, 1878 Russland und die USA, 1895 Frankreich, 1902 schließlich Italien, Österreich, Belgien und die Niederlande.
Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ausländischen Mächte ihre Annexionsbestrebungen in China verstärkten. Zunächst einmal gingen Zug um Zug sämtliche Vasallenstaaten verloren: 1885 musste Annam an Frankreich abgetreten werden, ein Jahr später Birma an England. Nach dem ersten chinesisch-japanischen Krieg 1894-95 fiel schließlich Korea, das seit 1886 den Status eines „Gemeinsamen Interessengebiets“ hatte, gemeinsam mit Formosa und den Pescadores-Inseln an Japan. Dem Inselreich musste überdies eine „Kriegsentschädigung“ von 200 Mio. Silberdollar gezahlt, vier weitere Häfen geöffnet und die Aufnahme industrieller Tätigkeit in China gestattet werden.
Ab 1897 zwangen mehrere europäische Staaten China zur „Verpachtung“ von Gebieten, die daraufhin halbkolonialen Status mit umfangreichen Bergbau- und Eisenbahnrechten für die Fremdmächte erhielten: Qingdao (Deutsches Reich), Port Arthur (Russland), Weihaiwei (England), Guangzhouwan (Frankreich). Darüberhinaus wurde das Yangzi-Tal von England als „Interessensphäre“ beansprucht, Teile Südchinas von Frankreich, die Mandschurei von Russland. Einen Höhepunkt fand die ausländische Fremdherrschaft in der brutalen Niederschlagung des Boxer-Aufstands.
Am 15. November 1908 starb Cixi an der Ruhr. Auf ihrem Totenbett erklärte sie den Knaben Pu Yi, Sohn des Prinzen Tschün II. zu ihrem Nachfolger. Es wird vermutet, dass der einen Tag vor seiner Tante angeblich an Pocken gestorbene Kaiser Guangxu von ihr vergiftet worden sein soll.
Cixi war dafür bekannt, dass sie hart, herrschsüchtig und grausam war. Ohne Zweifel verfügte sie über hohes Geschick sich an der Macht zu halten und war nicht zimperlich bei der Durchsetzung ihrer Interessen. Beim chinesischen Volk war die „Kaiserinwitwe“, wie sie genannt wurde, dennoch sehr populär.
Das Bild von der grausamen, machthungrigen und von starken sexuellen Trieben geleiteten Frau wurde auch von der britischen Propaganda gefördert. Besonders der britische Peking-Korrespondent der Londoner Times, George Morrison, schilderte Cixi in seinen Berichten und Büchern als Monster und Meuchelmörderin. Heute ist bekannt, dass Morrison auf vermeintlich authentische Berichte von „intimen Kennern des chinesischen Hofes“ hereinfiel und seine Berichte mehr den Phantasien puritanisch orientierter Briten entsprach.
Heute wird daher auch die Ansicht vertreten, dass Cixi, die Zeit ihres Lebens die Verbotene Stadt kaum verließ, von ihr nahestehenden Beratern, die die Nachrichten, die sie erreichten manipulierten und beeinflussten, zu ihren mitunter tragischen Entscheidungen gedrängt wurde.
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