Kaiseraugst ist eine politische Gemeinde im Bezirk Rheinfelden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im äussersten Westen der Region Fricktal und im äussersten Nordwesten des Kantons. Die Gemeinde gehört zu den am stärksten wachsenden Wohn- und Industrieorten der Agglomeration der Stadt Basel, liegt am Hochrhein und grenzt an Deutschland sowie an den Kanton Basel-Landschaft. Bekannt ist der Ort für die ehemalige römische Stadt Augusta Raurica.
Das alte Zentrum liegt unmittelbar am Ufer des Rheins, ein weiterer historischer Dorfteil an der Ergolzbrücke. Der grösste Teil der Bevölkerung lebt jedoch in der Siedlung Liebrüti, die während der 1970er zwischen der Bahnlinie und dem Violenbach erbaut wurde. Östlich davon erstrecken sich weitläufig Industrieanlagen. Ganz im Südosten erheben sich bewaldete Ausläufer des Tafeljuras.
Die Fläche der Gemeinde beträgt 491 Hektaren, davon sind 166 Hektaren bewaldet und 163 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 382 Metern im "Zankholz", die tiefste Stelle liegt auf 261 Metern an der Mündung der Ergolz in den Rhein; dies ist gleichzeitig die tiefste Stelle des gesamten Kantons.
Nachbargemeinden sind Augst im Westen, Giebenach im Süden, Olsberg im Osten und Rheinfelden im Nordosten. Im Norden grenzt Kaiseraugst an die deutsche Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden (Baden).
Nachdem die Oberstadt um 273/74 durch die Alemannen zerstört worden war, wurde in der Unterstadt ein Kastell errichtet, das "Castrum Rauracense", welches als Hauptquartier der Legio I Martia diente. Nach dem Abzug der römischen Truppen zu Beginn des 5. Jahrhunderts blieb das Kastell weiterhin bewohnt. Um 346 wurde es als Sitz eines Bischofs genannt. Als das Bistum im 7. Jahrhundert seinen Sitz nach Basel verlegte, verlor die Siedlung an Bedeutung. Zum Bau der mächtigen vier Meter dicken und mindestens acht bis zehn Meter hohen "Heidenmauer" rund um das Kastell war Abbruchmaterial aus der zerfallenen Oberstadt verwendet worden. Mit der Zeit wurde die Heidenmauer durchlöchert und als Steinbruch benutzt.
Während des Mittelalters hatte sich beidseits der Ergolzbrücke, wo sich der Zoll und eine Mühle befanden, ein neuer Siedlungsschwerpunkt entwickelt. 1442 wurden die Ergolz und der Violenbach zur Grenze: Der westliche Teil der Siedlung gelangte zunächst zur Herrschaft Farnsburg und 1461 schliesslich in den Besitz der Stadt Basel. Der östliche Teil der Siedlung gelangte in den Besitz der Habsburger, wurde zunächst "Augst im Dorf" und wenig später Kaiseraugst genannt. Die Habsburger verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Kaiseraugst 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.
Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Kaiseraugst zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Möhlinbach, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden. Während des 17. Jahrhunderts gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzer Erbfolgekriegs (1688-1697) zogen fremde Truppen durch die Region.
Kaiseraugst Zentrum.jpg 1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskriegs verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Kaiseraugst eine Gemeinde im Distrikt Rheinfelden des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.
Bereits um 1500 hatten sich die Fischer zwischen Hüningen und Säckingen zur Rheingenossenschaft zusammengeschlossen, der sich bald auch die Schiffer und Flösser anschlossen. Meist besetzten Kaiseraugster die höchsten Posten dieser Vereinigung. Die Fischerei entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert zum Hauptgewerbe. Bis zur flächendeckenden Einführung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert hatte auch die Flösserei eine hohe Bedeutung, wobei Kaiseraugst ein wichtiger Umschlagplatz war.
Das Industriezeitalter in Kaiseraugst begann 1841 mit einer ersten Probebohrung nach Salz; die Saline wurde 1843 eröffnet. Am 2. August 1875 erfolgte die Eröffnung der Bözbergeisenbahn zwischen Basel und Brugg. 1888 nahm die erste Zellulosefabrik der Schweiz ihren Betrieb auf. Kurz nach Baubeginn des Wasserkraftwerks Augst-Wyhlen wurde die Saline im Jahr 1909 geschlossen, das Kraftwerk begann 1913 mit der Stromproduktion.
Ab Mitte der 1960er erlebte Kaiseraugst einen bisher ungeahnten Aufschwung. Nach dem Bau der Autobahnen siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an, darunter eine grosse Produktionsanlage des Chemiekonzerns Hoffmann-La Roche. Südlich der Eisenbahnlinie entstand der neue moderne Dorfteil Liebrüti. Seither stieg die Einwohnerzahl um fast das Fünffache.
Lange Zeit stand die Gemeinde als Standort eines Kernkraftwerks zur Diskussion. Das Projekt scheiterte am erbitterten Widerstand der Bevölkerung und von Umweltschutzkreisen. Die spektakulärste Aktion war 1975 eine elf Wochen andauernde Besetzung des Baugeländes. 1988 wurde das Projekt endgültig fallengelassen. In den ersten fünf Jahren des 21. Jahrhunderts wurden östlich der Liebrüti neue Siedlungsflächen geschaffen, welche Kaiseraugst einen erneuten Wachstumschub ermöglichten.
An der Nordseite, am Rheinufer, wurde 1974/75 eine öffentliche Badeanlage freigelegt; besonders das Hypokaustum ist erwähnenswert. 1962 entdeckte man bei Bauarbeiten bei der südlichen Kastellmauer einen spätrömischen Silberschatz, bestehend aus reich verzierten Platten, Trinkgefässen, Besteck, 186 Silbermünzen und Medaillons. Diese Gegenstände sind im Römermuseum in Augst ausgestellt.
Am Violenbach, nahe der Landstrasse, sind gut erhaltene Reste eines römisches Handels- und Gewerbehaus mitsamt Ziegelbrennofen zu besichtigen. Zwei weitere Ziegelbrennöfen befinden sich am Rande der Liebrüti-Siedlung. In einem Waldstück südlich der Autobahn ist ein tunnelartiger Teil einer römischen Wasserleitung erhalten geblieben.
Im Dorfzentrum befindet sich die christkatholische Kirche St. Gallus. Sie steht auf den Fundamenten einer Kirche, die als eines der ältesten christlichen Gotteshäuser der Schweiz überhaupt gilt. Unterhalb der Kirche ist in das Rheinufer ein Baptisterium aus dem 4. oder 5. Jahrhundert eingebaut. Der Kirchturm stammt aus dem 14. Jahrhundert, der barocke Innenraum wurde zwischen 1736 und 1750 völlig neu gestaltet. Während des Kulturkampfes wechselte die Mehrheit der Bevölkerung zur christkatholischen Konfession, weshalb die Römisch-Katholiken 1900/01 eine eigene Kirche errichteten.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1758 | 215 |
| 1800 | 280 |
| 1850 | 405 |
| 1900 | 595 |
| 1930 | 719 |
| 1950 | 852 |
| 1960 | 995 |
| 1970 | 1311 |
| 1980 | 3044 |
| 1990 | 3568 |
| 2000 | 3917 |
Die fünf Gemeinderäte der Amtsperiode 2006-2009 sind:
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Kaiseraugst gehört zum Friedensrichterkreis Rheinfelden.
Der Bahnhof von Kaiseraugst liegt an der Bözberglinie zwischen Basel und Zürich; hier hält die Linie S1 der Regio S-Bahn Basel, die von Mulhouse über Basel nach Frick bzw. Laufenburg verkehrt. Das Dorf wird von zwei Linien der AAGL erschlossen, die von Pratteln nach Liestal bzw. von Muttenz nach Rheinfelden führen. Auf dem Rhein verkehren Ausflugsschiffe der Basler Personenschifffahrt nach Basel und Rheinfelden.
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