article

Emperor Wilhelm's Memorial Church (Berlin, Germany).jpg | Berlin Eiermann Memorial Church.JPG

Die evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, umgangssprachlich kurz Gedächtniskirche, steht auf dem heutigen Breitscheidplatz am Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg. Sie besteht aus mehreren Baukörpern, das Ensemble ist denkmalgeschützt.

Kaiser Wilhelm II. stiftete den Bau als religiöse Gedenkstätte zu Ehren seines Großvaters Wilhelm I., weiterhin wurde (Angabe Verwaltung der Gedächtniskirche) für diese Kirche im Zuge der Deutschen Einigung als Symbol der Deutschen Einheit unter den Bürgern gespendet. Die Kirche wurde 1891-1895 nach Plänen von Franz Schwechten, königlicher Oberbaurat und unter anderem Architekt des Anhalter Bahnhofs, im Stil der Neoromanik errichtet. Er hatte sich an verschiedenen romanischen Kirchen des Rheinlandes orientiert, vor allem an der spätromanischen Bonner Münsterkirche. Das ursprüngliche Gebäude mit seinen fünf Türmen wirkte beeindruckend monumental. Der Hauptturm war mit 113 Metern der höchste der Stadt. Kostbare Mosaiken im Inneren erinnerten an das Leben und Wirken Kaiser Wilhelms I., für die Denkmalhalle schuf der Bildhauer Adolf Brütt einen 1906 vollendeten Bildzyklus, der das Geschehen der Befreiungskriege dem Krieg von 1870/71 gegenüberstellte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1943 bei alliierten Bombenangriffen auf Berlin weitgehend zerstört. Zunächst war daran gedacht worden, im Inneren der Ruine, eine gläserne Kirche entstehen zu lassen, einen späteren Wettbewerb gewann der Architekt Egon Eiermann, der den vollständigen Abriss der Ruine und einen modernen Neubau vorschlug. Die Pläne verursachten eine ungewohnt leidenschaftliche öffentliche Architekturdebatte. Sie endete mit einem Kompromiss, der sowohl vom Architekten als auch von den Bürgern widerstrebend akzeptiert wurde. Die 68 Meter hohe Ruine des alten Turms blieb, bautechnisch gesichert, als Mahnmal gegen den Krieg erhalten, umgeben von einem vierteiligen Bauensemble nach den Entwürfen Eiermanns, das zwischen 1951 und 1961 entstand.

Charakteristisch sind die gerasterten Wände des neuen Kirchenraums mit über 20.000 farbigen Glas-Elementen, die den Innenraum in blaues Licht tauchen. Überdies hält die doppelwandige Konstruktion den nahen Straßenlärm fern. Ein Nagelkreuz besteht aus drei Nägeln der Kathedrale von Coventry, die bei deutschen Luftangriffen zerstört und ebenfalls bewusst als Ruine erhalten wurde. Es soll ein Zeichen der Versöhnung sein, ebenso wie die Stalingrad-Madonna, eine Zeichnung, die Kurt Reuber 1942 in Stalingrad (heute Wolgograd) anfertigte; Kopien hängen u. a. in Coventry und in der russisch-orthodoxen Kathedrale von Wolgograd.

Inzwischen gilt die Gedächtniskirche als wichtiges Denkmal der Nachkriegsmoderne und als eines der Wahrzeichen Berlins. Sie wird vielfach von Touristen aufgesucht und von den Berlinern mit familiären Bezeichnungen bedacht: die Turmruine als „Hohler Zahn“, Glockenturm und Andachtsraum ihrer Formen und Proportionen wegen als „Lippenstift und Puderdose“ oder „Gebetsgasometer“.

In Wernigerode, Ortsteil Benzigerode/Harz, steht eine Nachbildung der Kirche im Maßstab 1:10, die mit Zustimmung des Architekten kurz nach der Fertigstellung des Originals errichtet wurde.

Siehe auch


Literatur


  • Cornelius Steckner: Der Bildhauer Adolf Brütt. Schleswig-Holstein. Berlin. Weimar. Autobiographie und Werkverzeichnis. Heide 1989 (Schriften der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Hrsg. Dieter Lohmeier. Band 9), S. 172–176, ISBN 3-8042-0479-1

Weblinks


Denkmal in Berlin | Mahnmal | Baudenkmal | Kirchengebäude in Berlin | Wahrzeichen | 1890er

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche | Kaiser Wilhelm Memorial Church | Iglesia Memorial Kaiser-Wilhelm | Keisari Vilhelmin muistokirkko | Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche | カイザー・ヴィルヘルム教会 | Keeser-Wilhelm-Gediechtneskierch | Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche | Кајзер Вилхелм Меморијал црква | Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld