Kai-Uwe von Hassel (* 21. April 1913 in Gare, Deutsch-Ostafrika (heute: Tansania); † 8. Mai 1997 in Aachen) war ein deutscher Politiker (CDU).
Er war von 1954 bis 1963 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, von 1963 bis 1966 Bundesminister der Verteidigung, von 1966 bis 1969 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte und von 1969 bis 1972 Präsident des Deutschen Bundestages.
Danach war er bis 1947 als Angestellter des Landkreises Flensburg beschäftigt.
Kai-Uwe von Hassel war zweimal verheiratet. Er hatte aus erster Ehe einen Sohn und eine Tochter. 1970 kam sein Sohn, Oberleutnant zur See Joachim von Hassel, beim Absturz seines Starfighters ums Leben. Nach dem Tod seiner ersten Frau Elfie heiratete er 1972 ein zweites Mal. Aus dieser Ehe mit Dr. Monika von Hassel hatte Kai-Uwe von Hassel einen Sohn Jan von Hassel (*1974).
Am 8. Mai 1997 erlag Kai-Uwe von Hassel während der Karlspreisverleihung in Aachen an den damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog (CDU) einem Herzinfarkt.
1968 initiierte Hassel die Gründung der CDU-nahen Hermann-Ehlers-Stiftung, deren Vorsitzender er lange Jahre war.
Von 1950 bis 1965 war er Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein. Er vertrat dort nacheinander die Wahlkreise Flensburg-Land-West, Schleswig und Flensburg-West.
1953 wurde von Hassel als Direktkandidat des Wahlkreises Schleswig-Eckernförde in den Deutschen Bundestag gewählt, aus dem er allerdings schon am 4. November 1954 wieder ausschied, nachdem er Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein geworden war. 1965 wurde er dann erneut in den Bundestag gewählt, dem er nun bis 1980 angehörte, nun vertrat er den Wahlkreis Steinburg-Dithmarschen-Süd.
Am 5. Februar 1969 wurde er zum Nachfolger von Eugen Gerstenmaier, der Ende Januar von seinem Amt zurückgetreten war, zum Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Nach der Bundestagswahl 1969 erfolgte am 20. Oktober 1969 trotz des Regierungswechsels seine Wiederwahl, weil CDU und CSU weiterhin die stärkste Fraktion stellten. Da nach der Bundestagswahl 1972 die SPD erstmals die stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag stellte und damit das Vorschlagsrecht für das Amt des Bundestagspräsidenten hatte, wurde er nun Vizepräsident des Deutschen Bundestages.
Als Präsident und Vizepräsident des Bundestages leitete er auch verschiedene Unterkommissionen und Ausschüsse des Ältestenrates und war Vorsitzender des Bundestagsausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gemäß Artikel 45 des Grundgesetzes, er leitete am 30. Oktober 1972 die einzige Sitzung, die dieser Ausschuß je durchführte.
1977 wurde von Hassel für ein Jahr Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, von 1977 bis 1980 war er Präsident der Versammlung der WEU. Vom 17. Juli 1979 bis zum 23. Juli 1984 war er Mitglied des ersten direkt gewählten Europaparlamentes.
Hassel wurde vom Schleswig-Holsteinischen Landtag in die dritte (1. Juli 1959 und vierte (1. Juli 1964) Bundesversammlung, die jeweils Heinrich Lübke zum Bundespräsidenten wählte, sowie in die achte (23. Mai 1984) Bundesversammlung, die Richard von Weizsäcker wählte, entsandt.
Vom 7. August 1951 bis zum 6. August 1954 war Hassel Parlamentarischer Vertreter des Schleswig-Holsteinischen Innenministers. Am 11. Oktober 1954 wurde er als Nachfolger von Friedrich-Wilhelm Lübke zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt. In dieser Funktion war er vom 7. September 1955 bis zum 6. September 1956 auch Bundesratspräsident. Hassel war somit bislang der einzige Politiker, der sowohl Bundesrats- als auch Bundestagspräsident war. Vom 11. August bis zum 25. November 1955 war er auch geschäftsführender Innenminister und vom 21. Oktober 1962 bis zum 7. Januar 1963 auch geschäftsführender Justizminister Schleswig-Holsteins.
Als nach der Spiegel-Affäre 1962 der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zurücktreten musste, wurde Hassel am 9. Januar 1963 als Bundesminister der Verteidigung in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Dieses Amt behielt er auch unter Bundeskanzler Ludwig Erhard.
Während der Großen Koalition gehörte Hassel als Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte der von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geleiteten Bundesregierung an. Am 5. Februar 1969 schied er aus der Bundesregierung aus, da er zum Bundestagspräsidenten gewählt worden war.
Acht Tage nach seinem Tod wurde er vom Deutschen Bundestag mit einem Staatsakt im Plenarsaal geehrt.
Mann | Deutscher | Nachrichtendienstliche Person | Bundestagspräsident (Deutschland) | Vertriebenenminister (Deutschland) | Verteidigungsminister (Deutschland) | Ministerpräsident (Schleswig-Holstein) | Landesminister (Schleswig-Holstein) | MdEP für Deutschland | CDU-Mitglied | Geboren 1913 | Gestorben 1997
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