Der Kahlenberg ist ein Berg (484 m) im 19. Wiener Gemeindebezirk (Döbling).
Allgemeines
Der Kahlenberg gehört zum
Wienerwald und ist eine Sehenswürdigkeit Wiens sowie beliebtes Sonntagsausflugsziel der Wiener, da man vom Kahlenberg eine bekannte Aussicht auf ganz Wien hat. Von der
Stefaniewarte, die sich an der Spitze des Berges befindet, hat man auch Aussicht auf Teile Niederösterreichs. Neben der Stefaniewarte, die von 1953 bis 1956 Rundfunksendeantennen trug, befindet sich ein 165 Meter hoher abgespannter Stahlrohrmast des
ORF, der zur Verbreitung von TV- und UKW-Programmen, sowie für Richtfunkzwecke dient. Dieser Sendemast, der über hochgelegene Betriebsräume verfügt, was für derartigen Konstruktionen untypisch ist, hat das Erscheinungsbild des Kahlenbergs in den letzten Jahrzehnten charakteristisch geprägt.
Er ersetze 1974 einen 1956 errichteten 129 Meter hohen abgespannten Stahlfachwerkmast.
Auf dem Berg befinden sich eine Aussichtsterasse, eine kleine Kirche namens St. Josef sowie ein Restaurant, das in den 1930er Jahren von Architekt Erich Boltenstern errichtet wurde. Teile dieses ehemaligen Restaurants sowie die daran angrenzende, seit vielen Jahren leerstehende Hotelruine (die den meisten Wienern übrigens schon lange ein Dorn im Auge war) sind abgerissen worden. Stattdessen wird derzeit im Bereich des abgerissenen Hotels und im Bereich der ehemaligen Aussichtsterrasse ein Appartementhaus (geplante Fertigstellung Oktober 2006) gebaut. Zwischen diesem Appartementhaus und dem bestehenden Restaurant wird eine neue Ausssichtsterrasse und ein moderner Seminar- und Ballsaal errichtet. Der bestehende Restaurantbetrieb wird während des Sommers 2006 modernisiert und grundlegend umgebaut. Während dieser Zeit sind der übrige Restaurantbereich und die Cafeterrasse geöffnet. Nach Fertigstellung des neuen Restaurants ist die Errichtung einer Eliteuniversität für Tourismus der geplant. Im Vorfeld gab es auch Widerstände des Bundesdenkmalamtes sowie einiger Architekten, die die Substanz des Restaurantgebäudes als schützenswert erachteten. Am Kahlenberg, etwas unterhalb an der Höhenstrasse von Grinzing kommend gelegen, befindet sich auch eine geistliche Erholungsstätte, zugleich Veranstaltungszentrum der Schönstattbewegung Österreich.
Panorama-vom-Kahlenberg.jpg
Geographie
Der Kahlenberg liegt in einem nordöstlichen Ausläufer der
Ostalpen und ist geologisch der
Flyschzone zugehörig, die aus
Quarz,
Kalksandgestein,
Mergel und anderen
Konglomeraten zusammen gesetzt ist. Östlich des Kahlenbergs liegt der
Leopoldsberg, westlich der
Reisenberg,
Latisberg und
Hermannskogel.
Geschichte
Namensgebung
Bis ins 17. Jahrhundert war der heutige Kahlenberg unbewohnt. Ursprünglich hieß der Kahlenberg
Sauberg oder
Schweinsberg. Sein Name resultierte aus den zahlreichen Wildschweinen, die in den ehemaligen Eichenwäldern lebten.
Ferdinand II. erwarb
1628 den Berg vom
Stift Klosterneuburg und nannte in
Josephsberg. Erst nachdem
Leopold I. den ursprünglichen Kahlenberg in
Leopoldsberg umbenannt hatte, erhielt der Sauberg den Namen Kahlenberg.
Der Kahlenberg in der Neuzeit
Ferdinand II. gab nach dem Erwerb des Berges die Erlaubnis zur Errichtung einer
Eremitage für die
Kamaldulenser. Um ihre Kapelle zum Heiligen Joseph wurden einige Häuser erbaut, woraufhin der Ort
Josefsdorf entstand. In der
Schlacht am Kahlenberg begann der polnische König
Jan III Sobieski vom Kahlenberg aus den Kampf gegen die Wien belagernden
Türken (siehe
Zweite Türkenbelagerung).
Nach Schließung der Eremie (des Klosters) am Kahlenberg durch Josef II. wurde das Gebiet Josefsdorf versteigert.
Kahlenberg-1905.jpg
Nach zahlreichen Eigentümern - welche teilweise einzelne Häuschen der ehemaligen Eremie verkauften - erwarb 1870 die Union Baugesellschaft das Gebiet und errichtete die Zahnradbahn sowie im Bereich des bestehenden Restauratgebäudes das Hotelrestaurant Kahlenberg. Dieses Gebäude wurde 1934 von Erich Boltenstern zu dem jetzigen Restaurantgebäude umgebaut. Nach Konkurs der Zahnradbahn wurde das Gebäude von der Kahlenberg AG (Tochtergesellschaft der Stadt Wien) erworben. Nach zahlreichen Betreibern sollte es 1980 abgerissen werden. 1981 kaufte der ehemalige Großfleischhauer Albert Buschek das Gelände von der Stadt Wien und hauchte dem Kahlenberg "neues Leben" ein. Nach seinem Konkurs wurde die Liegenschaft von Augustin Foit erworben. Der ehemalige Schlossermeister versuchte auf dem Areal des ehemaligen Hotels eine Privatklinik unter dem Titel "Vienna Medical Center" zu errichten. Im Jahre 1998 musste das Projekt dann Konkurs anmelden. Aus der Konkursmasse des Augustin Foit wurde die Liegenschaft 2004 an Leopold Weninger verkauft, dieser ist auch der Errichter des Appartementhauses.
Besitzer der Gastronomischen Betriebe am Kahlenberg (Restaurant, Heurigenlokal, Veranstaltungszentrum und Dachterrasse) ist seit 1989 Martin Graninger, der auch bis 1993 das Hotel für Augustin Foit betrieben hat.
Verkehr
Der Kahlenberg ist heute mit dem Auto bzw. dem Bus (Linie 38A) über die malerische
Höhenstraße (teilweise
Pflastersteine) zu erreichen. Früher führte auch die erste österreichische
Zahnradbahn auf den Berg. Sie wurde
1872/
73 nach Plänen von
Carl Maader anlässlich der Wiener
Weltausstellung 1873 erbaut und
1874 eröffnet. Die Bahn überwand auf einer Länge von 5,5 Kilometer eine Höhe von 316 Metern. Die Linie startete am Ausgangsbahnhof in
Nußdorf (der heutigen Endstelle der Straßenbahnlinie D) und führte über die Stationen
Grinzing und Krapfenwaldl zum 1872 eröffneten Kahlenberghotel. Im Schnitt nutzten zunächst 180.000 Passagiere jährlich diese Bahn. Nach dem
Ersten Weltkrieg plante die Gemeinde Wien zunächst die
Elektrifizierung der Bahn, in ihrer Not hatten die umliegenden Bewohner große Teile der Anlagen aber bereits demontiert. Am
21. September 1920 musste die Linie schließlich endgültig eingestellt werden.
Weblinks
Berg in den Alpen | Berg in Wien | Döbling
Kahlenberg | Kahlenberg