Kadampa (tibetisch transliteriert: bKa' gdams pa) war eine Schule des tibetischen Buddhismus. Sie ging im 14. Jahrhundert in die vier Linien des Tibetischen Buddhismus, insbesondere in die Gelug-Schule auf. Die Kadampa Linien werden innerhalb diesen vier Schulen gehalten.
Atiśa hielt vor allem drei Linien und führte diese in Tibet ein. Diese drei Linien sind:
Bei Atishas Darlegungen spielten Zuflucht und Bodhichitta eine zentrale Rolle. Sein Beharren auf der Zuflucht als dem Fundament jeder buddhistischen Praxis, brachte ihm den Beinamen Zufluchtslama ein. Zudem besaß Atisha eine Linie zur Entwicklung eines besonders starken Bodhichittas (Erleuchtungsgeist), die auf seinen wichtigsten Lehrer: Serlingpa von Sumatra (auch als Dharmakirti oder Suvarnadvipa bekannt), sowie auf Dharmarakshita und Yogi Maitreya zurück geht. Diese später als Lojong bekannt gewordene Linie wurde zuerst geheim gehalten und erst Generationen nach Atishas Tod öffentlich in Tibet gelehrt und in alle tibetisch-buddhistischen Schulen integriert.
Atiśa wurde von Dschangtschub Jesche Öd (tib.: Byang-chub Ye-shes 'Od) gebeten, die buddhistischen Lehren im Westen Tibets wieder herzustellen, nachdem König Langdharma (gest. 838) sie weitgehend zerstört hatte. Atiśa kam 1042 nach Tibet und verfasste aufgrund der Bitten von Dschangtschub Jesche Öd seine berühmte Schrift: Lampe auf dem Pfad, die der Ursprungstext aller Lamrim Texte ist. In Tibet traf Atiśa auch noch den 85 Jahre alten Gelehrten Rintschen Sangpo (Rin-chen Bzang-po), dessen Gelehrsamkeit ihn sehr beeindruckte. Als bekannter Pandita legte Atisha großen Wert auf die Einhaltung der Vinaya - Regeln in Tibet. Er sorgte bis zu seinem Lebensende für die Restaurierung der buddhistischen Lehre in Tibet und reinigte sie von allen nichtbuddhistischen Praktiken.
Zuerst wurde Atisha's Vermächtnis an Dromtönpa bekannt als Tradition der Vier Gottheiten und Drei Dharmas, die einen widerspruchsfreien Anwendungsweg der Vereinigung von Sutra und Tantra aufzeigte. Später unter dem Namen: Atisha's Kadam Tradition, das großartige Vermächtnis von Sieben göttlichen Dharmas. Atisha ist als indischer Meister also der Ursprung einer Tradition, die später allmählich als Kadampa Tradition bekannt wurde.
Die Sechs Kanonischen Texte der Kadampas sind:
Die Kernunterweisungslinie wurzelt in den geheimen Lehrern Atishas und ist hauptsächlich in der sogenannten Schrift Das Kostbare Buch der Kadampa Meister niedergelegt: Ein Juwelenkranz tiefgründiger Unterweisungen auf dem Bodhisattvaweg. Dieser Text wird als der Haupttext der Kadampas gesehen. Die Kernunterweisungen wurden anfänglich nur einem einzelnen Schüler in jeder Generation übermittelt bis die Geheimhaltung zu Zeit Narthang Shönu Lodrö aufgehoben wurde. Später wurden diese Lehren durch Pal Tsuglak Trengwa in die Karma Kamtsang Kagyu Linie und durch den 1. Dalai Lama (Gyalwa Gedun Drup) in die Gelug Tradition übermittelt.
Atishas Lehren sind mehr an den Sutras orientiert und gründen vor allem auf dem zweiten Lehrzyklus von Buddha Shakyamuni (2. Drehen des Rades der Lehre). Atisha war aber auch ein großer Vajrayana Meister und wichtiger Meister in der Übertragung des Kalachakra-Tantra nach Tibet. Vajrayana-Übungen hielt er allerdings sehr geheim.
Sein sicherlich berühmtestes Werk verfasste er gleich nach seiner Ankunft in Tibet: Die Lampe auf dem Weg zur Erleuchtung - dem Stufenweg zur Erleuchtung, genannt Lamrim, der ebenso wie die Lojong-Lehren heute in allen vier tibetisch-buddhistischen Traditionen verbreitet ist.
Es heißt, dass die Halter der Kadampa Linie ihren Körper mit den Vier Gottheiten (Shakyamuni, Avalokiteshvara, Tara and Achala), ihre Sprache mit den Drei Pitakas (Vinaya, Sutra, Abidharma) und ihren Geist mit der Praxis der Drei Schulungen (ethische Selbstdisziplin, Meditation und Weisheit) schmückten. Die Praxis der Kadampas bestand demnach vor allem aus der Praxis der Sieben göttlichen Dharmas: Die Vier Gottheiten und die Drei Schulungen der Drei Körbe ( Tripitaka).
Der Ursprung der Sakya-, Kagyü- und Gelug-Schule sind mit diesen Lehren der Kadampa Tradition verbunden. Der erste Sakya Pandita Kunga Gyaltsen war ein Schüler von Geshe Pyibolas, der ein Schüler Geshe Nehuzurpas war, der wiederum bei dem Atisha-Schüler Gonpaba lernte. Dementsprechend wurde die Linie des Stufenweges der Kadampa an die Sakya-Linie übermittelt. In Bezug auf die Kagyü-Schulen traf Marpa der Übersetzer bei seiner dritten Indienreise Atisha. Gampopa, ein Schüler von Marpas Schüler Milarepa, lernte bevor er auf Milarepa traf, sechs Jahre bei einem weiteren Schüler von Gonpaba und integrierte die Lojong- und Lamrim Lehren später in die Praxis der Sechs Yogas von Naropa und den Mahamudra Lehren, die er von Milarepa erhielt.
Tsongkhapa (1357-1419), ein großer Reformator, aus dessen Lehrdarlegungen später die Gelug-Schule hervorging, war zum einen Schüler des Kagyü-Lamas Gyalwa Kor Khangchen Chökyi Wangpo, von dem er die Kadampa-Linie der Text-Darlegung erhielt und auch Schüler des Nyingma-Lamas Lhodrag Namkhagyal, von dem er sowohl die Linie des Stufenweges, als auch die Linie der mündlichen Unterweisung erhielt. Da die drei Kadampa-Linien vollständig an die Gelug-Schule übertragen wurden, bezeichnete man die Gelug-Schule auch als Neuere Kadampa-Schule.