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Struthof.jpg Das KZ Natzweiler-Struthof war ein Konzentrationslager (KZ) nahe dem Ort Natzwiller im Elsass, etwa 55 km westlich von Straßburg, 8 km vom Bahnhof Rothau entfernt, auf einem Gipfel der Vogesen in 800 m Höhe. Der Standort wurde von Hitlers Architekt Albert Speer wegen den dortigen Granitvorkommen selbst festgelegt.

Hinrichtungen


Die Gefangenen mussten, mit kargen Mahlzeiten bedient, in den umliegenden Steinbrüchen für Speers geplante Monumentalbauten arbeiten. Wurden sie körperlich zu schwach, wurden sie hingerichtet und in einem Krematorium verbrannt. Es gab hierbei mehrere Arten der Hinrichtung: Tod durch Genickschuss (praktiziert in eigens dafür gebauten Räumlichkeiten) und Tod durch Erhängen. Beim Erhängen gab es wieder zwei Varianten: bei geheimen Hinrichtungen wurden die Personen auf einen Schemel gestellt, der dann weggestoßen wurde. Das Genick brach und die Betroffenen starben sofort. Bei öffentlichen Hinrichtungen, speziell zur Abschreckung, mussten sich die Todeskandidaten auf eine Falltür stellen. Der Strick um den Hals wurde vorher bereits angezogen, so dass das Genick nicht durchbrach. Die sich langsam öffnende Falltür provozierte einen elenden Erstickungstod, der sich mehrere Minuten lang hinzog.

Lagergefängnis


Zur Bestrafung wurden ungehorsame Häftlinge im lagereigenen Gefängnis festgehalten. Es wurde dabei zwischen drei Inhaftierungsstufen unterschieden:
  • Erste Stufe: In einem hellen Raum mit Tageslicht bei Wasser und Brot, bis zu zehn Tage, mit bis zu 18 anderen Häftlingen zusammen im gleichen Raum (etwa 4m x 4m). Den Gefangenen wurde hier ein Eimer zum Stoffwechsel bereitgestellt (ein Eimer pro Zimmer, also für insgesamt 19 Personen).
  • Zweite Stufe: In einem dunklen Raum mit Tageslicht, bei Wasser und Brot als Nahrung, bis zu 42 Tage, nur alle vier Tage eine ordentliche Mahlzeit, ansonsten etwa ähnliche Bedingungen wie bei Stufe eins.
  • Stufe drei: Es ist kein Insasse des Lager Struthof bekannt, der diese Prozedur überlebte. Bis zu fünf Gefangene wurden in eine kleine Nische gesperrt (Höhe etwa 1,50m, Breite etwa 0,8m, Tiefe etwa 1m), in der sie bis zu ihrer Hinrichtung verharren mussten (es starben alle bereits vor ihrer Hinrichtung). Es gab keine Möglichkeit für Stoffwechsel. Man konnte nicht stehen oder liegen. Vermutlich gab es wenig bis gar kein Essen. Wie alle Räume des Lagers ist diese Nische im Sommer extrem heiß, im Winter erfriert man schnell. Diese kleinen Kammern waren Tag und Nacht stockdunkel. Ursprünglich waren sie für Heizungsanlagen vorgesehen, aber im KZ Natzweiler-Struthof war nie auch nur eine einzige Heizung in Betrieb (geschweige denn wurde sie überhaupt erst gebaut). Falls einer der fünf Insassen starb, mussten die anderen die Zeit mit der Leiche solange verbringen, bis einer der Wärter sie fand. Es konnte auch leicht vorkommen, dass in einer Kammer vier Leichen und ein Überlebender lagen (der dann auch bald starb).

Fluchtversuche


Ein Häftling grub, während der Arbeit im Steinbruch, ungesehen ein Loch in die Erde und bedeckte sich mit Gras, um nicht gesehen zu werden. Nachdem die anderen Häftlinge am Abend wieder ins Lager zurück mussten, blieb er - die ganze Nacht über - in seinem Versteck. Tatsächlich war er der Flucht sehr nahe, denn am nächsten Morgen war noch niemandem etwas aufgefallen. Beim Morgenappell jedoch, der immer mit größter Sorgfalt abgehalten wurde, fiel das Fehlen des Mannes auf und Suchhunde wurden benutzt, um alle möglichen Aufenthaltsorte abzusuchen. Der „Ausbrecher“ wurde durch die Hunde gestellt und verhaftet. Mit grausamen Bisswunden wurde er tagelang gefangengehalten, bis er dann ausnahmsweise wieder normal im Lager arbeiten "durfte" (normalerweise wurden Fluchtversuche mit dem Tod durch Erhängen bestraft). Bei einem späteren Transport in ein anderes KZ gelang ihm ein erneuter Fluchtversuch.

Einem Mann gelang es, sich die Uniform des Kommandanten anzueignen. Mit dessen Wagen konnte er unbemerkt aus dem Lager entschwinden. Die Wachposten salutierten dem perfekt gekleideten Kommandanten sogar noch. Da im Elsass die Résistance sehr präsent war, konnte der ehemalige Häftling innerhalb weniger Tage bis nach Algerien vordringen, ohne festgenommen zu werden. In Algerien hatte er dann nichts mehr zu befürchten. Dies war der einzige bekannte erfolgreiche Fluchtversuch im KZ Natzweiler-Struthof.

„Unternehmen Wüste“


In zehn „Außenstellen“ des KZ Natzweiler-Struthof sollte zwischen Reutlingen und Rottweil im Vorland der Alb im dortigen "Schwarzen Jura" Ölschiefer im Tagebau gebrochen, in Meiler geschichtet, verschwelt und zu Öl umgewandelt werden, als Nazi-Deutschland infolge der durch alliierte Bombenangriffe zerstörten Raffinerien und Depots sowie des Wegfalls des in Rumänien geförderten Erdöls in den letzten beiden Kriegsjahren gravierenden Mangel an Erdöl hatte.

Vier dieser "Werke" begannen mit der Produktion:

Der Wirkungsgrad des Verfahrens war lächerlich, im KZ Bisingen schüttete der Lagerkommandant ab und zu etwas Öl hinzu, wohl um seine Stelle aufrechtzuerhalten.

Die anderen sechs KZs wurden errichtet, Inhaftierte litten darin, aber die Produktion wurde nicht begonnen.

In allen Lagern kamen viele meist jüdische Inhaftierte auf unmenschliche Weise ums Leben. In Bisingen erinnert ein Massengrab mit Kreuzen und Gedenkstein sowie ein Museum und ein Lehrpfad daran. Massengräber gab und gibt es auch bei den anderen KZs, manche wurden unter der französischen Besatzung von ehemaligen Mitgliedern der NSDAP exhumiert.

Weitere Außenlager


KZ Echterdingen

Auf dem „Fliegerhorst“ Echterdingen wurde ab November 1944 das KZ Echterdingen eingerichtet. Ungefähr 600 jüdische Inhaftierte wurden in einem Areal rund um einen weißen Hangar, einer so genannten Eskimohalle, eingepfercht, der heute noch auf dem „South Airfield“ der US-Armee steht. Sie mussten unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen Beschädigungen auf dem Flughafen ausbessern, und in Steinbrüchen der Umgebung (z.B. im "Emerland" bei Bernhausen) Steine brechen. Die ausgemergelten Häftlinge konnten mitunter nicht mehr aus eigener Kraft zurück ins Lager: Zwei Mithäftlinge mussten sie mitschleifen oder sie wurden auf einem zweirädrigen Karren zurückgezogen. Bewacht wurden sie von Soldaten des „Fliegerhorstes“. Im Januar 1945 begann die SS mit der Auflösung des Lagers. Zurück blieben Massengräber, so zum Beispiel in der Nähe des Waldstückes "Ramsklinge" und auf dem Flughafen - und die weiße Halle.

Außenlager Geislingen/Steige

Ein weiteres Außenlager befand sich bei Geislingen/Steige. Die Häftlinge arbeiteten für die Württembergische Metallwarenfabrik. Eingerichtet wurde es im Februar 1944 als abgetrennter Teil des bereits bestehenden Fremdarbeitslagers in der Heidenheimerstraße mit einer Fläche von 10.000 m². Die 15 vorgesehenen Aufseherinnen wurden in Ravensbrück „ausgebildet“. Das Lager selbst bestand aus fünf Wohnbaracken, einer Revier- und einer Wirtschaftsbaracke. Die ersten Häftlinge für das Lager, etwa 700 jüdische Frauen, trafen am 28. Juli 1944 ein und mussten ab dem 16. August 1944 für WMF arbeiten. Die WMF zahlte pro Häftling pro Tag 4 RM an das KZ, erhielt im Gegenzug 0,80 RM für Essen und Bekleidung. Die Arbeit war in zwei Schichten eingeteilt; von 06:00 Uhr bis 18:00 Uhr und 18:00 Uhr bis 06:00 Uhr. Die überlebenden Häftlinge berichteten, dass sie von den Meistern und anderen Mitarbeitern des Unternehmens korrekt behandelt wurden und teilweise mit Lebensmitteln und Medikamenten unterstützt wurden. Die Versorgung der Häftlinge mit Lebensmitteln im Lager war sehr mangelhaft, zum Teil auch, da die wenigen für die Gefangenen bestimmten Lebensmittel durch die Wachmannschaften teilweise unterschlagen wurden. Daher sah sich WMF gezwungen die Lebensmittelrationen um eine Zulage Käse und in den Nachtschichten um 1,5l Suppe zu erweitern. Kranke oder schwangere Frauen wurden in das KZ Auschwitz transportiert, nach dessen Auflösung u.a. nach Bergen-Belsen. Leichter verletzte wurden im Krankenlager des Lagers versorgt. Im März 1945 bemühte sich der Aufsichtsrat und der Vorstand der WMF um Auflösung des Lagers bevor die US-Truppen die Gegend erreichen. Ab Ende März 1945 arbeiteten die Häftlinge nicht mehr für die WMF und im April wurde die Insassen Richtung Dachau „evakuiert“. Ihr Ziel erreichten sie allerdings nicht, da der Zug zuvor von alliierten Truppen gestoppt wurde.

Außenlager Neckarelz

Für die ausgelagerte Produktion von Flugzeugmotoren im badischen Obrigheim wurde die Außenstelle Neckarelz errichtet, in der gleichzeitig bis zu 7500 Häftlinge aus verschiedenen Lagern arbeiteten.

Siehe auch


Literatur


  • Anita Awosusi/Andreas Pflock: Sinti und Roma im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. Anregungen für einen Gedenkstättenbesuch. Geschichte - Rundgang - Biografien - Informationen, hrsg. vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg 2006.
  • Ulrich Haller, Zwangsarbeit und Rüstungsproduktion in Geislingen an der Steige 1939-1945, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte (ZWLG) 57, 1998, S. 305-368.
  • Hans-Joachim Lang: Die Namen der Nummern. Wie es gelang, die 86 Opfer eines NS-Verbrechens zu identifizieren. Hamburg 2004.
  • Manuel Werner: Macht und Ohnmacht jugendlicher Luftwaffenhelfer - Ein Beispiel vom Fliegerhorst und KZ Echterdingen/Filder, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg/Erzieherausschuss der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (Hrsg.): Durch Faszination zur Macht - die Faszination der Macht. Bausteine zum Verhältnis von Macht und Manipulation. Handreichungen für den Unterricht, Stuttgart 2003.
  • Bernhard Brunner: Auf dem Weg zu einer Geschichte des Konzentrationslagers Natzweiler. Forschungsstand - Quellen - Methode. Herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg/Referat Gedenkstättenarbeit, Stuttgart 2000.
  • Joanna Skibinska: Die letzten Zeugen. Gespräche mit Überlebenden des KZ-Außenlagers „Katzbach“ in den Adlerwerken Frankfurt am Main. Hanau 2005.

Weblinks


KZ-Stammlager | Elsass

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