2003-11 KZ Majdanek.png | KrematoriumMajdanek.JPG Das KZ Majdanek - eigentlich KZ Lublin - war das erste Konzentrationslager der IKL im Generalgouvernement. Es lag im Osten Polens in Majdanek, einem Vorort Lublins. Neben Auschwitz-Birkenau war Majdanek das einzige KZ der IKL (bzw. ab 1942 des WVHA), das auch als Vernichtungslager genutzt wurde.
Am 20. Juli 1941 besuchte Himmler Lublin und befahl Globocnik die Errichtung eines KL von 25-50.000 Häftlingen zum Einsatz für Werkstätten und Bauten der SS und Polizei. Tatsächlich wurde das KZ aber, wie im Reich üblich, vom Hauptamt Haushalt und Bauten unter SS-Oberführer Dr.-Ing. Hans Kammler errichtet. Kammler erteilte am 22. September 1941 den Baubefehl für den ersten Bauabschnitt des KZs für die Unterbringung von 5.000 Häftlingen. Durch die riesenhaften Zahlen sowjetischer Kriegsgefangener nach der Zerschlagung des Kessels um Kiew wurden die Planungen wenige Tage später zunächst geändert. Kammlers revidierter doppelter Baubefehl für Lublin und Auschwitz-Birkenau vom 27. September 1941 lautete jetzt:
Am 3./4. November 1943 wurden unter dem Decknamen "Erntefest" die Juden des Distrikts Lublin von SS-Einheiten ermordet. Das Massaker fand in den drei Konzentrationslagern Majdanek, Poniatowa und Trawniki statt. Insgesamt wurden 40.000 bis 43.000 Menschen umgebracht. Insgesamt - so im Jahre 2006 die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza - wurden in Majdanek 79000 Menschen ermordet.
Bereits seit Ende Oktober 1943 hoben die Insassen des KZ Majdanek hundert Meter lange, sechs Meter breite und bis zu drei Meter tiefe Gräben in unmittelbarer Nähe des Lagers aus. Am Morgen des 3. Novembers wurden die jüdischen Häftlinge separiert, weitere Juden wurden aus den Außenlagern (insbesondere Lipowa und das sog. "Flughafen-Lager") und der Stadt Lublin nach Majdanek geschafft. Sie mussten sich nackt ausziehen und "dachziegelförmig" – d.h. hintereinander jeweils mit dem Kopf auf dem Rücken des Vorgängers in Längsrichtung – in die ausgehobenen Gräben legen. Ein Kommando aus etwa 100 SS-Männern und Polizisten ging die Gräben ab und tötete die Opfer mittels Genick- oder Kopfschuss. Nachdem der Boden eines Grabens mit Leichen bedeckt war, mussten sich die nächsten Opfer in gleicher Form auf die Toten legen. Jeder Graben wurde bis zur Oberkante gefüllt und anschließend notdürftig mit Erde bedeckt. Die Exekutionen dauerten bis in die Abenddämmerung. Zur Übertönung der Schüsse wurden extra zwei Lautsprecherwagen bereitgestellt, die Marsch- und Unterhaltungsmusik spielten. Der Aktion fielen in Majdanek 17.000 bis 18.000 Menschen zum Opfer, darunter fast alle jüdischen Häftlinge. Lediglich je 300 weibliche und männliche Gefangene überlebten das Massaker, sie mussten anschließend die Kleidung der Opfer verwerten und später die Leichen exhumieren und verbrennen.
Insgesamt taten während der Existenz des Lagers schätzungsweise 1200 SS-Leute dort Dienst. 1975 wurden 17 von ihnen im Düsseldorfer Majdanek-Prozess vor Gericht gestellt.
Eine Außenstelle des KZ Majdanek befand sich in Radom (siehe Weblink).
Ende Juli 1944 wurde das Lager Majdanek geräumt, weil die Rote Armee auf dem Vormarsch war. Vor dem Abtransport der Gefangenen wurden alle Dokumente vernichtet und die Gebäude samt dem großen Krematorium in Brand gesetzt. In der Eile des Rückzugs versäumten die Deutschen jedoch die Zerstörung der Gaskammern und eines Großteils der Gefangenenbaracken.
Bereits im August 1944 gelangten westliche Journalisten zu einer Besichtigung nach Majdanek. Daraufhin wurden Darstellungen des Massenmords auf die Titelseiten US-amerikanischer Zeitungen und in US-Zeitschriften gesetzt. Das Life-Magazin berichtete am 28.8.44 erstmals in einem ganzseitigen Artikel über M. - Überschrift: Begräbnis in Lublin. Russen ehren Juden, die von Nazis massenweise vergast und verbrannt wurden. Der Artikel enthielt sechs Fotos, darunter eines von einem Gottesdienst für die niedergemetzelten Juden. Am 30.8.44 brachte die New York Times diese Überschrift auf die erste Seite: Nazi-Massenmord im Lager offengelegt. Opfer der riesigen Todesfabrik von Gaskammern und Krematorien auf 1 500 000 geschätzt. Geschrieben hatte den Artikel der erfahrende Journalist William H. Lawrence, der bereits bei zahlreichen Untersuchungen von Verbrechen (der Deutschen) in der Sowjetunion dabei gewesen war. Sein Artikel beginnt: Ich habe soeben den schrecklichsten Ort auf Erden gesehen - das deutsche Konzentrationslager in Maidanek (Schreibweise), eine wahre Produktionsstätte des Todes, in der nach Schätzungen von sowjetischen und polnischen Behörden bis zu 1 500 000 Personen aus fast jedem Land Europas in den letzten drei Jahren ermordet wurden. Er schreibt weiter: Niemals wurde ich mit so vollständigen Beweisen konfrontiert, die jede Anschuldigung der Ermittler deutscher Verbrechen klar belegen.Insgesamt nahmen an dieser Reise 30 westliche Journalisten teil. Sie sprachen u.a. mit deutschen Offizieren, die recht freimütig zugaben, daß dies ein Ort hochgradig systematischer Vernichtung war. In Majdanek fand der bis dahin oft ungläubige Westen die fehlenden Beweise für die Massenvernichtung. Lawrence: Nach der Besichtigung von M. bin ich nun bereit, jeder Geschichte über deutsche Greueltaten Glauben zu schenken, seien sie auch noch so brutal, grausam und verderbt. Eigenartigerweise verzichteten sowohl Lawrence als auch sein Herausgeber im Begleittext darauf, die Opfer als Juden zu bezeichnen. Lawrence erfuhr von deutschen Wachen, dass am Spitzentag der Todesproduktion (3.11.43, Aktion Erntefest)... von den Deutschen insgesamt zwischen 18 000 und 20 000 Gefangene auf unterschiedliche Weise, einschließlich Erschießen, Erhängen und Vergasen umgebracht wurden.
Heute befindet sich auf dem Areal eine Gedenkstätte, die im Oktober 1944 errichtet wurde. Da Teile des Lagers erhalten blieben, gibt es dort eine Ausstellung mit einem Archiv.
Die noch bestehenden Teile des Lagers werden von einer Gesellschaft gepflegt. Es wurden auch Forschungsarbeiten über die Geschichte des Lagers im Rahmen des Museums publiziert.
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