Künstliche neuronale Netze (kurz: KNN, engl. artificial neural networks – ANNs) sind ein Zweig der künstlichen Intelligenz und prinzipieller Forschungsgegenstand der Neuroinformatik. Man stellt KNNs den natürlichen neuronalen Netzen gegenüber, welche Nervenzellverschaltungen im Gehirn modellieren. In beiden Fällen geht es aber um eine Abstraktion von Informationsverarbeitung, nicht um physische Systeme.
Ein KNN ist die Kombination einer komplizierten nichtlinearen Funktion mit einem einfachen „Lern”-Algorithmus, der durch iterative oder rekursive Vorgehensweise aus vorhandenen Eingangs- und gewünschten Ausgangswerten alle Parameter der Funktion zu bestimmen versucht.
KNNs sind dabei eine Realisierung des konnektionistischen Paradigmas, da die Funktion aus vielen einfachen gleichartigen Teilen besteht, die auf die sogenannten künstlichen Neuronen zurückgeführt werden können. Erst in ihrer Summe wird die Funktion kompliziert.
KNNs haben im Vergleich zu anderen Gebieten der künstlichen Intelligenz, z.B. den Expertensystemen ihren Anwendungsschwerpunkt dort, wo ein Rechner durch einige wenige ausgewählte Eingabemuster lernen soll, ein beliebiges Eingabemuster in das gewünschte Ausgabemuster zu überführen. („Generalisierung”).
Seine besonderen Eigenschaften machen das KNN bei allen Anwendungen interessant, bei denen kein bzw. nur geringes explizites (systematisches) Wissen über das zu lösende Problem vorliegt.
Dies sind z.B. die Texterkennung, Bilderkennung und Gesichtserkennung, bei denen einige Hunderttausend bis Millionen Bildpunkte in eine im Vergleich dazu geringe Anzahl von erlaubten Ergebnissen überführt werden müssen.
Auch in der Regelungstechnik kommen KNN zum Einsatz, um herkömmliche Regler zu ersetzen oder ihnen Sollwerte vorzugeben, die das Netz aus einer selbst entwickelten Prognose über den Prozessverlauf ermittelt hat.
Die Anwendungsmöglichkeiten sind aber nicht auf techniknahe Gebiete begrenzt: Bei der Vorhersage von Veränderungen in komplexen Systemen werden KNNs unterstützend hinzugezogen, z.B. zur Früherkennung sich abzeichnender Tornados oder aber auch zur Abschätzung der weiteren Entwicklung wirtschaftlicher Prozesse.
Während das Gehirn zur massiven Parallelverarbeitung in der Lage ist, arbeiten die meisten heutigen Computersysteme nur sequentiell bzw. partiell parallel (sog. Von-Neumann-Architektur eines Rechners). Es gibt jedoch auch erste Prototypen neuronaler Rechnerarchitekturen, sozusagen den neuronalen Chip, für die das Forschungsgebiet der KNNs die theoretischen Grundlagen bereitstellt. Dabei werden die physiologischen Vorgänge im Gehirn jedoch nicht nachgebildet, sondern nur die Architektur der massiv parallelen Analog-Addierer in Silizium nachgebaut, was gegenüber eine Software-Emulation eine bessere Performance verspricht.
Die Hauptnachteile von KNN sind gegenwärtig
Die gängige Softwareimplementierung der künstlichen neuronalen Netze beschränkt die Anzahl der Neuronen auf einige hundert Neuronen, weil das Trainieren des KNN viel Zeit in Anspruch nimmt. Hardwarebasierte Lösungen besitzen derzeit eine Neuronenanzahl von 30.000. Schnecken zum Beispiel besitzen etwa 20.000 Neuronen. Ein menschliches Gehirn besteht aus etwa 10-100 Milliarden Neuronen.
Ein weiterer Ansatz liegt darin, echte neuronale Netze zu benutzen. Der amerikanische Biomediziner Thomas DeMarse experimentiert mit Neuronen, die aus dem Gehirn von Ratten entnommen, in einer Petrischale gezüchtet und per Elektroden mit einem Computer verbunden werden. Er verband 25.000 Neuronen über 60 Elektroden mit einer Computersimulation eines Flugzeugs. Nach anfänglich offenbar willkürlichen Impulsen soll das neuronale Netz Signale gegeben haben, mit denen die Fluglage in der Simulation stabil gehalten werden konnte.
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