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Das Königreich Westfalen (damalige Schreibweise Westphalen) wurde nach dem Frieden von Tilsit (1807) von Napoléon Bonaparte für seinen Bruder Jérôme (Hieronymus) aus dem Kurfürstentum Hessen, dem Herzogtum Braunschweig und hannoverschen und preußischen Gebietsteilen geschaffen. Seine Hauptstadt war die alte hessische Hauptstadt Kassel. Es war gedacht als napoleonischer "Modellstaat", der sich durch eine moderne Verwaltung und Justiz auszeichnen sollte.

Tatsächlich wurden die Patrimonialgerichte und die Leibeigenschaft abgeschafft, die Gewerbefreiheit, die Gewaltenteilung und der Code Civil eingeführt. Auch erhielt das Land, erstmals in einem deutschen Flächenstaat, eine schriftliche Verfassung.

Dennoch waren die Reformen nur begrenzt erfolgreich, da der ständige Geld- und Menschenbedarf für die napoleonischen Kriege (das Königreich hatte dem Rheinbund ein Kontingent von 25.000 Mann zu stellen) das Land wirtschaftlich ausbluten ließ. Bespitzelung und polizeistaatliche Unterdrückung sollten die Bürger, die die neuen Herrscher zum Teil erbittert ablehnten, zur Raison bringen. In Kurhessen kam es bereits seit 1806/07 wiederholt zu Aufständen der Bevölkerung und Widerstandshandlungen in den verschiedensten Orten. Diese Aufstände richteten sich vordringlich gegen die Konskripiton, das heißt gegen die (zuvor weitgehend unbekannte) allgemeine Wehrpflicht. Der Aufstand von 1809 unter der Führung von Wilhelm Freiherr von Dörnberg war der umfangreichste dieser Erhebungen.

Das Königreich war nach französischem Vorbild in Départements, Bezirke (Arrondissements) und Kantone eingeteilt. Im Jahre 1807 bestand das Königreich aus 8 Départements (Liste der Departements im Königreich Westfalen), im Jahre 1810 kamen noch die Départements Aller (Hauptstadt Hannover), Nord (Hauptstadt Stade) sowie Niederelbe (Hauptstadt Lüneburg) hinzu.

Im Januar 1810 wurde das Kurfürstentum Hannover (mit Ausnahme von Lauenburg) integraler Teil von Westfalen. Im Januar 1811 wurden dem französischen Kaiserreich die Niederlande und weite Gebiete Nordwestdeutschlands (etwa einer Linie von der Lippemündung bis Lübeck folgend) einverleibt. Am 1. Januar 1811 wurden die Départements Nord und Niederelbe als Folge der Annexion wieder aufgelöst (Die südlichen Teile dieser Départements wurden dem Aller-Département beigelegt). Diese Maßnahme sollte die Folgen der von Großbritannien verhängten Kontinentalsperre lindern. Dadurch verlor das Königreich Westfalen einen Großteil des Weser-Départements (einschließlich der Hauptstadt Osnabrück) an Frankreich. (Der südliche Teil dieses Départements wurde dem Fulda-Département beigelegt.)

Das Ende Westfalens


Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) löste sich das Königreich Westfalen auf; die ursprünglichen Territorien wurden wieder hergestellt. Am 28. September 1813 standen Kosakentruppen vor Kassel, die am 1.Oktober unter Czernitscheff die Stadt eroberten und das Königreich für aufgelöst erklärten. Nachdem die Stadt nach nur vier Tagen von den Kosaken verlassen wurde, rückten Mitte des Monats erneut französische Truppen vor und Jérôme kehrte für drei Tage nach Kassel zurück. Nicht nur der kurhessische Kurprinz kehrte bald heim, ein russisches Korps rückte wieder ein. Erst am 21. November zog Kurfürst Wilhelm I. in das jubelnde Kassel ein und die alte Ordnung wurde wieder hergestellt.

s. auch Westfalen

Literatur


  • Helmut Berding, Napoleonische Herrschafts- und Gesellschaftspolitik im Königreich Westfalen 1807 - 1813, Göttingen 1973.
  • Artur Kleinschmidt, Geschichte des Königreichs Westfalen, Gotha 1893.

Weblinks


Konsulat und Empire | Hessische Geschichte | Geschichte Nordrhein-Westfalens | Historisches Territorium | Westfalen | Niedersächsische Geschichte

Kingdom of Westphalia | ヴェストファーレン王国 | Koninkrijk Westfalen

 

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