Das afrikanische Königreich Ndongo, auch als Ngola-Königreich bezeichnet, war ein im Westen des heutigen Angola gelegenes Bantu-Königreich. Sein Zentrum befand sich um den Hafen Luanda zwischen den Flüssen Cuanza und Lukala. Es zählte zu einer Reihe von Vasallenstaaten des Kongo-Reiches, von denen es als das mächtigste geschildert wurde. Der Name Ngola (auch Ngola a Kiluanji), mit dem die Könige des Reiches bezeichnet wurden, taucht heute wieder im Namen des Staates Angola auf.
Geschichte im 16. Jahrhundert
Das Reich wurde erstmals im
15. Jahrhundert schriftlich erwähnt, als
portugiesische Seefahrer versuchten, Handelskontakte mit Ndongo zu knüpfen. Im Jahre
1571 gab die portugiesische Krone
Paulo Dias de Novais finanzielle Mittel und einen Auftrag zur
Kolonisierung Angolas. Dieser schloss mit Ndongo zunächst ein Bündnis, doch bereits im Jahre
1579 kam es zum Krieg zwischen
Portugal und dem afrikanischen Reich, welcher für
Dias de Novais mit einer Niederlage endete. Dennoch konnte er eine kleine portugiesische Kolonie um
Luanda und im
Cuanza-Flusstal etablieren. Ab
1615 gingen die
Gouverneure der Kolonie nützliche Bündnisse mit den
Imbangala ein und konnten das von ihnen kontrollierte Gebiet vor allem auf Kosten Ndongos vergrößern. Diese Expansion stieß unter Königin
Nzinga von Ndongo und Matamba auf heftigen und erfolgreichen Widerstand.
Krieg und Widerstand gegen Portugal
Nzinga ergriff die Macht in Ndongo um das Jahr
1624, als der König
Ngoli Bondi (mbande a ngola) unter mysteriösen Umständen starb. Das Land befand sich damals in einer schweren Krise, die
1618 durch einen erfolgreichen Vorstoß des
portugiesischen Heerführers
Louis Mendes de Vasconcellos ausgelöst wurde. Dabei wurde auch die königliche Residenz erobert und zahlreiche Führer hingerichtet. Eine nachfolgende
Dürre und Hungersnot schwächte das Reich weiter.
Nzinga nutzte Unregelmäßigkeiten am königlichen Hofe, um sich gegen die Tradition des Reiches als Frau die Herrschaft zu ergreifen.
Da Ndongo durch die Kriege mit den Imbangala geschwächt war, suchte Nzinga - zumindest vorübergehend - den Ausgleich mit den Portugiesen. Sie nahm in diesem Zuge von ihnen den katholischen Glauben an und schloss mit ihnen Verträge, die den Missionaren und Sklavenhändlern Zugang zum Reich Ndongo gewährten. Mit der Ankunft eines neuen portugiesischen Gouverneurs verschlechterten sich die Beziehungen. Nachdem Ndongo entlaufene Sklaven aus portugiesischen Plantagen aufgenommen hatte, gelang es den Portugiesen, Nzinga im Jahre 1629 abzusetzen und durch einen für sie günstigeren Herrscher zu ersetzen.
Versklavung und Niedergang
Die Lage in Ndongo verschlechterte sich mit dem nunmehr steigenden Einfluss
Portugals. Die Bevölkerung verkleinerte sich immer weiter in Folge des
Sklavenhandels. Man schätzt, dass in der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts aus dem Gebiet von Ndongo jährlich ca. 10.000 Sklaven nach
Amerika verschleppt wurden. Eine Nebenrolle spielte dabei auch das Nachbarreich
Matamba, welches
Portugal im
Sklavenhandel unterstützte und von der geflohenen Königin
Nzinga, welche immer noch den Thron von Ndongo beanspruchte, beherrscht wurde.
Im Jahre 1671 schließlich wurde Ndongo nach dem jahrelangen Widerstand durch einen Feldzug der Portugiesen endgültig der Angola-Kolonie einverleibt.
Siehe auch
Weblinks
Historischer Staat (Afrika) | Geschichte (Angola)
Ndongo