Als Kärntner Slowenen (slowenisch: Koroški Slovenci) bezeichnet man die autochthone slowenischsprachige Volksgruppe im österreichischen Bundesland Kärnten. Sie entsenden Vertreter in den österreichischen Volksgruppenbeirat. Prinzipiell ist der Status der Volksgruppe verfassungs- und völkerrechtlich abgesichert.
Karantanien wurde unter Karl dem Großen Teil des Franken- und in der Folge des Heiligen Römischen Reiches. In der Folge setzten sich nach und nach deutsche Adelsgeschlechter durch, während die Bevölkerung slowenisch blieb. Schließlich setzte eine Siedlungsbewegung von Baiern nach Kärnten ein. Diese besiedelten bis dahin schwach besiedelte Gebiete, etwa Waldgebiete und Hochtäler. Zur unmittelbaren Verdrängung von Slawen (als Slowenen bildeten sie sich erst im Laufe der Zeit heraus) kam es nur vereinzelt. Es begann jedoch eine Assimilierung der Slowenen durch die Deutschen. Im 19. Jahrhundert waren so etwa zwei Drittel der Kärntner deutsch geworden. Dennoch war Klagenfurt, zu diesem Zeitpunkt eine deutsche Stadt mit slowenischem Umland, die vorherrschende slowenische Bücherstadt.
Abstimmungsgebietekaernten.jpg Mit Ende des ersten Weltkrieges versuchte der SHS-Staat die slowenisch gebliebenen Gebiete zu besetzen (vergleiche Kärntner Abwehrkampf). Diese Frage spaltete auch die slowenische Bevölkerung. In der Abstimmungszone, in der der slowenischsprachige Bevölkerungsanteil bei ca. 70% lag, stimmten 59% der Abstimmungsteilnehmer für einen Verbleib bei Österreich. Im Vorfeld der Volksabstimmung wurden von der Landesregierung Signale ausgesandt, dass sie den Erhalt der slowenischen Kultur unterstützen und fördern werde. Diese konzilianten Versprechungen führten neben wirtschaftlichen und anderen Gründen dazu, dass ca. 40% der in der Abstimmungszone lebenden Slowenen sich für den Erhalt der Landeseinheit aussprachen. Das Abstimmungsverhalten war jedoch regional unterschiedlich; in zahlreichen Gemeinden gab es Mehrheiten, die sich für einen Anschluss an den SHS-Staat aussprachen.
Wie überall in Europa nahm in der Zwischenkriegszeit der Nationalismus zu. Gemachte Versprechen wurden gebrochen, die Assimilation forciert, indem man die Slowenen durch ihre Teilung in Slowenen und Windische spaltete, ihnen sogar absprach, dass ihre Sprache überhaupt slowenisch wäre (vgl. "Windischentheorie"). Dies gipfelte in gezielter Verfolgung im dritten Reich, allerdings mit der Hintertüre, sich durch ein Bekenntnis zum Windischen und dem damit verbundenen Versprechen zur Assimilation mit dem Regime gut zu stellen und in Ruhe gelassen zu werden. Gleichzeitig beteiligten sich viele Slowenen am Widerstand der Titopartisanen, die nach dem Krieg neuerlich versuchten, Teile Kärntens zu besetzen, sich aber auf Drängen der englischen Besatzer zurückzogen. Angesichts dieser extremen Entwicklung auf beiden Seiten war nach dem Krieg die Stimmung zwischen den Volksgruppen äußerst gespannt. Der stetige Rückzug des Slowenischen setzte sich fort.
Am 15. Mai 1955 wurde der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Ein Vertrag, der Österreich neben Rechten, es wurde frei, auch Pflichten auferlegt hat. Eine vielschichtige Verpflichtung ist im Artikel sieben normiert, in dem die "Rechte der slowenischen und kroatischen Minderheiten" in Österreich reguliert sind. Im Jahr 1975 verfehlte die Wahlgruppierung der slowenischen Volksgruppe (Enotna Lista) nur knapp den Einzug in den Kärntner Landtag. Vor den nächsten Wahlen 1979 wurde der ursprünglich einheitliche Wahlkreis Kärnten in vier Wahlkreise untergliedert. Das Siedlungsgebiet der Kärntner Slowenen wurde aufgeteilt und diese Teile wiederum mit rein deutschsprachigen Landesteilen zusammengefasst. In den neuen Wahlkreisen reduzierte sich der slowenischsprachige Bevölkerungsanteil derart, dass ein Einzug von Volksgruppenvertretern in den Landtag faktisch nicht mehr möglich wurde. Das österreichische Volksgruppenbüro und Vertreter der Kärntner Slowenen sahen in dieser Vorgangsweise den erfolgreichen Versuch den politischen Einfluss der slowenischsprachigen Volksgruppe zu reduzieren.
In den 1970er Jahren eskalierte die Lage neuerlich im sogenannten Ortstafelstreit, danach entspannte sie sich wieder. Bis heute werden jedoch einzelne Aussagen slowenischer Politiker von Teilen der deutschsprachigen Bevölkerung Kärntens als slowenische Gebietsansprüche interpretiert. Sie sehen deshalb die territoriale Einheit Kärntens nach wie vor als nicht garantiert an. Diese Interpretation wird sowohl von der slowenischen Regierung als auch von den Interessensvertretungen der Kärntner Slowenen zurückgewiesen. Die territoriale Integrität Kärntens und sein Verbleib bei Österreich werde keinesfalls in Frage gestellt.
Da das Deutsche vor allem von Westen und Norden vordrang, liegt das heutige Siedlungsgebiet im Süden und Osten des Landes, im Jaun- Keutschacher und Rosental, im untersten Lavanttal sowie im unteren Gailtal (bis etwa Tröpolach). Die nördlichsten Punkte bilden etwa Köstenberg und Diex. Die Gemeinden mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Kärntner Slowenen sind Zell (89%), Globasnitz (42%) und Eisenkappel-Vellach (38%) (laut Volkszählung 2001).
Die tatsächliche Anzahl der Kärntner Slowenen ist umstritten, da sowohl Vertreter slowenischer Organisationen als auch Vertreter Kärntner Traditionsverbände die Ergebnisse der Volkszählung als nicht akkurat bezeichnen.
Erstere verweisen auf die teilweise stark schwankenden Volkszählungsergebnissen in einzelnen Gemeinden, die ihrer Meinung nach stark mit politischen Spannungen in Volksgruppenfragen korrelieren. Somit würden die Ergebnisse die tatsächliche Anzahl der Kärntner Slowenen unterschätzen. Man verweist beispielsweise auf die Südkärntner Gemeinde Gallizien, die laut der Volkszählung von 1951 einen slowenischsprachigen Bevölkerungsanteil von 80 % aufwies, 1961 jedoch - bei gleichzeitigem Ausbleiben größerer Migrationsbewegungen und bei ungefähr gleicher Bevölkerungszahl - nur noch einen Anteil von 11 %.
| Jahr | Volksgruppenangehörige |
|---|---|
| 1880 | 85.051 |
| 1890 | 84.667 |
| 1900 | 75.136 |
| 1910 | 66.463 |
| 1923 | 34.650 |
| 1934 | 24.875 |
| 1939 | 43.179 |
| 1951 | 42.095 |
| 1961 | 24.911 |
| 1971 | 20.972 |
| 1981 | 16.552 |
| 1991 | 14.850 |
| 2001 | 13.109 |
Als ein weiteres Beispiel werden die Ergebnisse der ehemaligen Gemeinde Mieger (heute zur Gemeinde Ebental) angeführt, die 1910 und 1923 einen slowenischsprachigen Bevölkerungsanteil von 96 % bzw. von 51 % aufwies, 1934 jedoch nur noch von 3 %. Nach dem Zweiten Weltkrieg und einer Entspannung im Verhältnis der beiden Volksgruppen wies die Gemeinde 1951 erneut 91,5 % auf. 1971 schließlich (im Vorfeld des sogenannten Kärntner Ortstafelsturms) reduzierte sich die Anzahl der Slowenen wiederum auf 24 %. Vertreter der Kärntner Slowenen sehen die Ergebnisse der Volkszählung als absolute Untergrenze an. Sie verweisen auf eine 1991 durchgeführte Erhebung in zweisprachigen Pfarren, bei denen nach der Umgangssprache der Pfarrangehörigen gefragt wurde. Das Resultat der Erhebung (50.000 Volksgruppenangehörige) unterschied sich signifikant von den Ergebnissen der im gleichen Jahr stattgefundenen Volkszählung (ca. 14.000).
Kärntner Traditionsverbände schätzen die tatsächliche Anzahl bekennender Slowenen auf 2.000 bis 5.000 Personen.
Es lässt sich gliedern in
Als Untergruppe des Jauntalerischen kann man die Obirmundart sehen, die unter Einfluss des Oberkrainerischen steht. Die Kärntnerischen Mundarten sind besonders ursprünglich.
In den heute deutschsprachigen Gebieten lässt sich bis hinauf ins obere Mölltal der slawische Unterboden an Orts- und Flurnamen festmachen. Überdies haben sich Deutsch und Slowenisch durch die Jahrhunderte in Klang und Wortschatz gegenseitig beeinflusst.
siehe auch: Slowenische Mundarten, Liste slowenischer Flurnamen in Kärnten, Minderheitensprachen in Österreich
siehe auch: Windischentheorie
Die Kärntner slowenische Literatur machen aber nicht nur Janus und Lipus aus, sondern eine Reihe anderer Autoren. Zur Tradition gehören Mirko Kumer, Kristo Srienc und Valentin Polansek. Zu einer kleinen innovativeren, aber noch der Tradition verpflichteten Gruppe zählt neben Lipus Janko Messner. Lipus selbst hat sich zu einem herausragenden Belletristen entwickelt.
Zu den jüngeren Prosaautoren zählen Joze Blajs, der international bekannte Janko Ferk, Martin Kuchling und Kristijan Mocilnik.
Beachtlich ist die Zahl der Lyriker. Herausragend ist Milka Hartman. Ihrer Generation gehört Anton Kuchling an. Die nächste Generation bilden Gustav Janus und Andrej Kokot sowie die Lyriker, die heute schweigen, nämlich Erik Prunc und Karel Smolle. Diesen Lyrikern folgt eine Gruppe, die sich vor allem um die Literaturzeitschrift "mladje" formiert hat. Janko Ferk, Maja Haderlap, Franc Merkac und Jani Oswald sowie Vincenc Gotthardt, Fabjan Hafner und Cvetka Lipus sind die dazugehörigen Namen.
Zur jüngsten Generation gehören Rezka Kanzian und Tim O. Wüster, die noch keine eigenständigen Buchpublikationen vorweisen können.
Die slowenische Literatur in Kärnten hat nach dem Zweiten Weltkrieg ihren klaren Lebenswillen gezeigt. Heute ist sie eine emanzipierte Literatur ohne jedweden Provinzialismus.
Aus literatursoziologischer, -theoretischer und -historischer Sicht hat sich besonders Johann Strutz (Janez Strutz) um die Literatur der Kärntner Slowenen verdient gemacht. Seine Profile der neueren slowenischen Literatur in Kärnten, erschienen 1998 im Hermagoras Verlag, Klagenfurt/Celovec, sind ein vielbeachtetes Standardwerk.
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