Küstrin (polnischKostrzyn nad Odrą*) ist eine geteilte Kleinstadt im Westen Polens und zu kleinem Teil im Osten Deutschlands - rund 80 km östlich von Berlin und etwa 150 km westlich von Posen an der Mündung der Warthe in die Oder gelegen. Küstrin, direkt geteilt durch die Oder-Neiße-Linie, wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs größtenteils Polen zugeschlagen, während der ehemalige Stadtteil Kietz westlich der Oder heute zur Gemeinde Küstriner Vorland gehört.
Geschichte
Das Gebiet des heutigen Küstrins war ursprünglich von Germanen und Slawen besiedelt. Bis 900 gehörte das Gebiet zu Pommern, danach bis 1200 zum Herrschaftsbereich der Polen. Es folgten Tempelritter, Johanniter und Kreuzritter, bis das Gebiet schließlich unter die Herrschaft der Brandenburger kam. Küstrin wurde 1232 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt um 1300 durch MarkgrafAlbrecht III. v. Brandenburg das Magdeburger Stadtrecht. Das Stadtwappen mit dem Fisch und dem halben brandenburgischen Adler ist seit dem Jahr 1364, zuerst auf einem Siegel, nachweisbar. 1535 wurde die Stadt vom KurfürstJoachim II. Hektor v. Brandenburg zur Residenz erhoben. Anschließend wurde das Schloss erbaut und die Stadt zur Festung ausgebaut. Seither hatte die Stadt bis 1945 eine ständige brandenburgische bzw. preußische bzw. deutsche Garnison, unterbrochen nur durch die französische Besetzung 1806 bis 1814.
Einen Aufschwung erlebte die Stadt 1848 durch den Anschluss an die Eisenbahn, die an dieser Stelle die Oder und die Warthe überquerte. Die Stadt dehnte sich östlich der Festung/Altstadt um die Neustadt aus. Die Pferdebahn wurde durch die elektrische Straßenbahn ersetzt. Die Stadt entwickelte sich wegen seiner Straßen-, Schienen- und Wasserwege zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Nach der Demontage militärischer Einrichtungen nach dem 1. Weltkrieg folgte nach 1933 wegen der Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches der Neubau zahlreicher Militärbauten. Außerdem wurde eine Zellstofffabrik und die Deutschlandsiedlung gebaut. 1939 zählte Küstrin 24.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde insbesondere die Altstadt von Küstrin während der Kämpfe zwischen Wehrmacht und Roter Armee zu 90% zerstört.
Küstrin-Oderbrücken.jpg
Zunächst waren die Gebiete östlich der Oder und somit auch Küstrin nach dem Krieg sowjetisch besetzt. Gemäß Potsdamer Abkommen wurde Küstrin der VolksrepublikPolen zugesprochen und in Kostrzyn nad Odra umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde Richtung Westen zwangsausgesiedelt und die Stadt wurde mit Polen besiedelt, die ihre Heimat im an die Sowjetunion gefallenen Ostpolen verlassen mussten. Während die stark zerstörte Altstadt nach dem Krieg völlig niedergerissen wurde, baute Polen die Neustadt wieder auf.
Festung Küstrin (Altstadt)
Festung_Küstrin.JPG geschaffenen sowjetischem Ehrenmal, von der Oderbrücke aus fotografiert]]
Zunächst gehörte Küstrin zum Kurfürstentum Brandenburg. Im Zuge der Landesteilung unter den Söhnen von Kurfürst Joachim I. Nestor v. Brandenburg fielen die Neumark mit Küstrin und andere Gebiete als MarkgrafschaftBrandenburg-Küstrin an dessen jüngeren Sohn Johann.
Ab 1536 wurde Küstrin wegen seiner damaligen strategischen Lage von MarkgrafJohann I. v. Brandenburg-Küstrin (auch Hans v. Küstrin genannt), dem Bruder von KurfürstJoachim II. Hektor v. Brandenburg, zur Residenz erhoben und zur Festung ausgebaut. Da die Festung im Zusammenfluss von Oder und Warthe angelegt wurde, bildeten die Flüsse an zwei Seiten einen natürlichen Schutz. Die morastigenWiesen der Landseite machten Küstrin zu einer schwer einnehmbaren Festung. Der Bau der aus Stein errichteten Festung dauerte bis 1557 und kostete Brandenburg die damals horrende Summe von ca. 160.000 Gulden. Nach dem Tod von Markgraf Johann I. v. Brandenburg-Küstrin im Jahr 1571 fiel die Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin wieder an das Kurfürstentum Brandenburg.
Zu den Befestigungen gehörten neben den Festungsmauern noch die Bastionen König, Königin, Kronprinz, Kronprinzessin, Philipp und Brandenburg sowie zahlreiche Vorbefestigungen (z.B. RavelinAlbrecht). Innerhalb der Festung lag die Stadt mit Marktplatz, Kirchen, Schloss sowie allen militärischen Einrichtungen (z.B. Lazarett, Magazinen und Geschützgießerei. Die Soldaten der Festungsbesatzung waren zunächst in Privathaushalten einquartiert.
Von 1627 bis 1633 hilet sich der brandenburgische Kurprinz und spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm in der Festung auf. In seiner Regierungszeit von 1640 bis 1688 ließ er die Küstrin zu einer der stärksten Festungen in Deutschland ausbauen. Die als uneinnehmbar geltende Festung Küstrin spielte im Dreißigjährigen Krieg keine militärische Rolle. Nach seinem Fluchtversuch aus Preußen wurde der preußische KronprinzFriedrich von seinem Vater KönigFriedrich Wilhelm I. v. Preußen von 1730 bis 1732 im Küstriner Schloss inhaftiert. Am 6. November 1730 ließ der König vor den Augen des Kronprinzen dessen Fluchthelfer und Freund Hans Hermann von Katte auf der Bastion Brandenburg enthaupten. Im Siebenjährigen Krieg wurde Küstrin am 15. August1758 von russischen Truppen belagert und in Brand geschossen, ohne dass die Festung erobert werden konnte. König Friedrich II. entsetzte die Festung und schlug die Russen am 14. Oktober 1758 östlich von Küstrin in der Schlacht bei Zorndorf. Nach der preußischen Niederlage von 1806 gegen Napoleon diente die Festung Küstrin dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. v. Preußen und seiner Frau Königin Luise kurze Zeit als Zuflucht. Nachdem das Königpaar nach Memel weiter geflüchtet war, übergab Oberst Ingersleben die Festung am 1. November 1806 kampflos an die Franzosen. Erst am 20. März1814 kapitulieren die Franzosen nach einjähriger Belagerung und Preußen übernahm wieder die Festung. 1819 war der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in der Festung inhaftiert. Im Jahr 1876 wurde die erste Infanteriekaserne erbaut. Wegen sinkender militärischer Bedeutung als Festung wurde 1901 und 1902 die Befestigung vor dem Küstriner Schloss abgetragen. Küstrin blieb jedoch eine bedeutende Garnisonsstadt. 1913 wurde ein dritter Truppenteil hier stationiert. Die Truppen waren in Kasernen in der Festung und auf der Oderinsel untergebracht.
Nach dem 1. Weltkrieg mussten laut den Bestimmungen des Versailler Vertrags Teile der Festung Küstrin durch das Deutsche Reich geschleift werden. Von 1921 bis 1931 wurden alle Befestigungen an der Nord- und Ostseite abgerissen. Küstrin verlor durch die personelle Beschränkung der Reichswehr auch seine Bedeutung als Garnison, nur noch wenige Einheiten verblieben in Küstrin. Erst mit der Wiederaufrüstung während der Nazizeit wurden wieder Truppenteile in Küstrin stationiert, so das mit Beginn des 2. Weltkrieges wieder die Truppenstärke der Kaiserzeit erreicht und überschritten wurde.
Während der Kämpfe zum Ende des 2. Weltkrieges wurde die Altstadt schwer zerstört und nach dem Krieg dem Erdboden gleichgemacht. Die Altstadt wurde nicht wieder aufgebaut und ist heute unbewohnt. Für Touristen werden jedes Jahr für die Sommermonate Straßenschilder in der Altstadt aufgebaut und man kann Spaziergänge zwischen den Ruinen der völlig zerstörten Stadt unternehmen. Straßenzüge sind noch erhalten. Von den Häusern sind fast ausschließlich nur noch die Eingänge und Fundamentreste sichtbar. Diverse Treppen führen ins Nichts. Teilweise sind die Schienen für die Straßenbahn, die von Stadttor zu Stadttor fuhr, noch erhalten. Erhalten sind auch Teile der ehemaligen Festungswerke (z.B. die Bastionen König, Königin, Brandenburg und Philipp sowie der Kattewall und das befestigte Berliner Tor und Kietzer Tor). Lohnenswert ist ein Spaziergang über die Promenade des Stadtwalls mit Blick über die Oder. Kirche und Schloss sind nur noch in ihren Grundrissen erhalten. Die Altstadt wird heute auch als Küstriner Pompeji bezeichnet.
Auf der Oderinsel vor der Altstadt/Festung befindet sich eine Kasernenanlage der deutschen Wehrmacht, die nach dem Krieg von den sowjetischenRoten Armee bis zum Abzug ihrer Truppen aus Deutschland genutzt wurde und die heute ungenutzt leersteht. Zur Festung gehörten auch 4 Außenforts (1 westlich (heute in der BRD), 3 östlich (heute in Polen))
Der nordöstlich der Warthe gelegene ehemalige Stadtteil Küstrin-Neustadt bildet heute das Zentrum der Stadt Kostrzyn nad Odra.
Küstrin-Kietz
Durch die Grenzziehung entlang der Oder (Oder-Neiße-Grenze) im Jahre 1945 als Ergebnis der deutschen Niederlage im zweiten Weltkrieg wurde der ehemalige Stadtteil Küstrin-Kietz sowie die zur Küstriner Altstadt gehörende Oderinsel von der restlichen Stadt abgetrennt. Bis 1954 hieß dieser deutsche Teil der Stadt Küstrin-Kietz und gehörte als selbständige Gemeinde zum 1945 gebildeten Land Brandenburg der Sowjetischen Besatzungszone, ab 1949 zur DDR. Mit der Auflösung der Länder in der DDR im Jahre 1952 gehörte Küstrin-Kietz bis 1990 zum Bezirk Frankfurt (Oder). Für wenige Monate wurde der Ort 1954 in Friedensfelde umbenannt, Ende des Jahres 1954 dann in Kietz. Am 03. Oktober 1991 erfolgte als Ergebnis einer Bürgerbefragung die Rückbenennung in Küstrin-Kietz. Heute gehört der Ort zusammen mit Manschnow und Gorgast zu der am 01.01.1998 neugebildeten Gemeinde Küstriner Vorland im BundeslandBrandenburg der Bundesrepublik Deutschland.
Literatur
Küstrin. Stadtgeschichte und Stadtverkehr, Verlag GVE Berlin, 2006, ISBN 3-89218-091-1
Deutscher Städteatlas; Band: IV; 8 Teilband. Acta Collegii Historiae Urbanae Societatis Historicorum Internationalis - Serie C. Im Auftrag des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e. V. und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, hrsg. von Heinz Stoob †, Wilfried Ehbrecht, Jürgen Lafrenz und Peter Johannek. Stadtmappe Küstrin, Autor: Heinz-K. Junk. ISBN: 3-89115-038-5; Dortmund-Altenbeken, 1989.
Karl Wendt (*1874), Ingenieur und Industrieller, 1925-28 Vorsitzender des VDI
Weblinks
http://www.vfdgkuestrins.de - Seite des Vereins für die Geschichte Küstrins
Bilder
Bild:Küstrin-Berliner_Straße-Fundament.jpg|Fundamentreste in der Berliner Straße
Bild:Küstrin-Resselplatz.jpg|Resselplatz
Bild:Küstrin-Schloß1.jpg|Schloss von Norden
Bild:Küstrin-Schloß2.jpg|Schloss: Schlosshof und Westflügel
Bild:Küstrin-Marienkirche.jpg|Pfarrkirche St. Marien
Bild:Küstrin-Kietzer_Straße.jpg|Kietzer Straße
Bild:Küstrin-Kietzer_Straße-Fundament.jpg|Fundamentreste in der Kietzer Straße
Bild:Küstrin-Webergasse.jpg|Webergasse mit Fischertor von der Kietzer Straße gesehen
Bild:Küstrin-Kietzer_Tor_außen.jpg|Kietzer Tor, Außenansicht
Bild:Küstrin-Bastion_Philipp.jpg|Bastion "Philipp", vom Kietzer Tor gesehen
Bild:Küstrin-Bastion_Philipp-Kasematte.jpg|Restaurierte Kasematte der Bastion "Philipp"
Bild:Küstrin-Schornsteinfegerstraße.jpg|Schornsteinfegerstraße