article

Der Königsforst ist ein 2.519 ha großes Naturschutzgebiet im Ballungsraum Köln.

Lage


Königsforst_Linie_9.jpg Das zwischen den Städten Köln, Bergisch Gladbach und Rösrath gelegene Waldgebiet wird im Norden begrenzt durch die Autobahn A 4 Köln - Olpe. Im Südwesten durchschneiden die A 3 Köln - Frankfurt und die Bahnlinie Köln - Gummersbach das Areal. Eine gleichnamige Autobahnausfahrt macht den Königsforst über die Autobahn A3 zugänglich. Die gleichnamige Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 9 liegt unmittelbar am Waldrand. Im Süden schließt sich dem Königsforst das Naturschutzgebiet Wahner Heide an.

Die höchste Erhebung des Königsforstes ist der Tütberg mit 212 m ü. NN. Der höchste Punkt des gesamten Kölner Stadtgebietes liegt ebenfalls im Königsforst und ist 118,04 m ü. NN hoch.

Geschichte


Kaiser Otto der Große vermacht im 10. Jahrhundert den Königsforst seinem Bruder Bruno, dem Erzbischof von Köln. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1003 n. Chr., in der der Erzbischof Heribert von Köln dem Deutzer Kloster ein Viertel des Königsforstes überlässt. Zwei weitere Viertel waren im Besitz des Kölner Klosters St. Pantaleon. Das letzte Viertel gehörte dem Erzbischof. Mit der Säkularisation gelangt der sich bis dahin im kirchlichen Besitz befindliche Königsforst in staatlichen Besitz des Großherzogtums Berg. Mit dem Wiener Kongress 1815 wird der "königliche Forst Königsforst" preußisch.

Naherholungsziel für die Stadtbevölkerung


Der Königsforst ist ein beliebtes Naherholungsziel. Er wird von der Stadtbevölkerung besonders an den Wochenenden gerne zum Wandern, Laufen, Reiten und Radfahren angesteuert. Ein gut ausgebautes Wegenetz bietet hierzu vielfältige Möglichkeiten.

Einst gab es an der Bahnlinie Köln - Gummersbach einen Bahnhof Porz-Königsforst. Hier stiegen die Erholung suchenden Ausflügler aus und ein. Anfang der 1980er Jahre wurde der Bahnhof aufgegeben. Das nahe gelegene Ausflugslokal Waldhaus Königsforst wird heutzutage, statt mit der Bahn, mit dem PKW angesteuert.

Waldlehrpfad


Wer den Wald mit der Straßenbahnlinie 9 über den Kölner Stadtteil Rath/Heumar ansteuert, hat Gelegenheit, einem Waldlehrpfad zu folgen, der am nahe gelegenen Forsthaus Rath beginnt und etwa 1 Stunde in Anspruch nimmt. Auf dem 4 km langen Rundweg erhält der interessierte Wanderer einen guten Einblick in die Vielfältigkeit des Waldes. 31 Schrifttafeln am Wegesrand erläutern den artenreichen Baumbestand. Königsforst_Waldlehrpfad_Rath.png
Baumart Nr lat. Bezeichnung
-
Kiefer 01 Pinus silvestris
-
Stieleiche 02 Quercus robur
-
Hainbuche 03 Carpinus betulus
-
Blitzeiche¹ 04
-
Fichte 05 Picea abies
-
Winterlinde 06 Tilia cordata
-
Vogelkirsche 07 Prunus avium
-
Salweide 08 Salix caprea
-
Roter Holunder 09 Sambucus racemosa
-
Dickung² 10
-
Sitkafichte 11 Picea sitchensis
-
Hemlockstanne 12 Tsuga heterophylla
-
Roteiche 13 Querous rubra
-
Esche 14 Fraxinus excelsior
-
Douglasie 15 Pseudotsuga taxifolia
-
Eibe 16 Taxus baccata
-
Hülse 17 Ilex aquifolium
-
Riesenlebensbaum 18 Thuja plicata
-
Bergahorn 19 Acer pseudoplatanus
-
Sandbirke 20 Betula verrucosa
-
Roterle 21 Alnus glutinosa
-
Feldulme 22 Ulmus carpinifolia
-
Japanische Lärche 23 Larix letolepis
-
Weymouths Kiefer 24 Pinus strobus
-
Traubenkirsche 25 Prunus padus
-
Robinie 26 Robinia pseudoacacia
-
Rosskastanie 27 Aesculus hippocastanum
-
Korsische Kiefer 28 Pinus nigra corsicana
-
Europäische Lärche 29 Larix decidua
-
Haselnuss 30 Corylus avellana
-
Wildes Geissblatt 31 Lonicera periclymenum
¹ Blitzeiche = Eine vom Blitz getroffene Eiche, die bis zur Wurzel gespalten wurde.
² Dickung = Die Zweige der jungen Bäume berühren sich und bilden einen dichten, geschlossenen Waldbestand.

Alte Bahntrasse


Die Bahnstrecke der ehemaligen Sülztalbahn führte von Köln-Mülheim über Bergisch Gladbach und Bensberg durch den Königsforst nach Rösrath und weiter über Hoffnungsthal nach Immekeppel und Lindlar. Die Teilstrecke durch den Königsforst zwischen Bensberg und Rösrath wurde 1961 stillgelegt und die Gleisanlagen bis 1964 demontiert. Heute dient die Trasse als Rad- und Wanderweg. Der mitten im Königsforst gelegene Bahnhof Forsbach aus dem Jahr 1890 wurde nach der Streckenstilllegung noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts als Wohngebäude genutzt und dann abgerissen. Heute erinnert nur noch eine Bronzeplakette an den ehemaligen Bahnhof im Königsforst.

Kaisereiche


Etwa 500 Meter westlich des ehemaligen Bahnhofs Forsbach steht an einer Wegkreuzung die Kaisereiche. Diese Kaisereiche ist in zweifacher Hinsicht eine Mogelpackung. Zum einen wurde sie erst 20 Jahre nach dem Tod des beim Volk beliebten Kaisers Wilhelm I. gepflanzt. Die Gründe hierfür liegen im Verhalten von Kaiser Wilhelm II., seinem Enkel, der die Beliebtheit seines Großvaters für sich zu nutzen wusste und Denkmäler für seinen Vorgänger anregte. Der Wunsch eines Monarchen ist für seine Untertanen wie ein Befehl. Und so wurde 1908 im Gedenken an Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) im Königsforst eine Kaisereiche gepflanzt. Diese ursprüngliche Kaisereiche diente französischen Besatzungssoldaten nach dem Ersten Weltkrieg als Ziel für Schießübungen. Das überlebte der Baum nicht. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges gab es jedoch einen weiteren Eichenbaum, der seitdem als Kaisereiche gilt.

Rennweg


Ein vor allem von Fahrradfahrern gerne genutzter asphaltierter Weg ist der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Rennweg. Der Weg beginnt in der Nähe des Autobahnanschlusses Bergisch Gladbach / Bensberg (Bundesautobahn 4). Er führt ca. 5 km nahezu gradlinig durch den Königsforst und setzt sich bis in die Wahner Heide fort. Für die Bezeichnung Rennweg gibt es zwei Erklärungsversuche:
  1. Zahlreiche Bergbaurelikte finden sich im Königsforst. Neben etlichen Gruben wurden auch Schlacken gefunden, die auf vorgeschichtliche Eisenerzförderung und Verhüttung schließen lassen. Das Erz wurde in sogenannten Rennöfen geschmolzen. Das Erz rinnt (rennt) beim Schmelzprozess. Der Name Rennweg wird deshalb vielfach mit den ausgegrabenen vorgeschichtlichen Rennöfen in Verbindung gebracht.
  2. Die Herzöge von Berg veranstalteten des Öfteren Hetzjagden im Königsforst. Hierzu wurde der Rennweg beiderseits abgesperrt, so dass das gehetzte Wild nicht zur Seite entweichen konnte. Verfolgt von der Jagdgesellschaft mit ihren Hunden rannten die so gehetzten Tiere sodann durch die gradlinige Waldschneise bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen.

Wassertretstelle


Koenigsforst_Wassertretstelle.jpg Mitten im Königsforst, exakt an der Stelle, an der die drei Stadtgebiete von Köln, Bergisch Gladbach und Rösrath zusammentreffen, befindet sich eine Wassertretstelle. Hier wird der Giesbach in einem Becken gestaut. Die heilende Wirkung des kalten Wassers erkannte bereits Antonius Musa, der Leibarzt des römischen Kaisers Augustus. Musa verordnete seinem prominenten Patienten kalte Bäder. Das verschaffte dem Gichtgeplagten Linderung. Sebastian Kneipp ließ seine Patienten im Storchenschritt durch ein Wassertretbecken schreiten. Man taucht abwechselnd einen Fuß ins Wasser, während der andere draußen bleibt. Nach dem Bad wird das Wasser nur abgeschüttelt, nicht abgetrocknet. Nachdem man Strümpfe und Schuhe wieder angezogen hat, wird durch Wandern oder Laufen für ausreichende Durchblutung und Erwärmung gesorgt.

Literatur


  • Georg Sturmberg: 1000 Jahre Königsforst - 1000 Jahre Forst ohne König. Vom Herrenrevier zum Naturschutzgebiet - ein Wald mit großer Tradition, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 2003, Heimatjahrbuch für das Bergische Land, S. 6-19, ISBN 3-87314-377-1
  • Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Wanderkarte NRW 1:25000, Nr. 3, Bergisch Gladbach, Odenthal, Königsforst. ISBN 3-89439-644-X.

Weblinks


Naturschutzgebiet in Nordrhein-Westfalen | Waldgebiet in Deutschland | Köln | Rheinisch-Bergischer Kreis

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Königsforst".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld