Junichiro Koizumi, Brasilia, September 2004.jpg Koizumi Junichiro (jap. 小泉 純一郎 Koizumi Jun'ichirō) (* 8. Januar 1942 in Yokosuka, Japan) ist ein japanischer Politiker. Er ist Vorsitzender der Regierungspartei LDP und seit 2001 Premierminister Japans.
Koizumi wurde am 8. Januar 1942 in der Stadt Yokusuka in der Präfektur Kanagawa geboren. Sein Vater Koizumi Junya war Generaldirektor der Verteidigungsagentur und Abgeordneter des japanischen Parlaments in zweiter Generation. Koizumis Großvater Koizumi Matajiro war japanischer Postminister. Junichiro besuchte die Yokosuka High School und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Keio-Universität. Für kurze Zeit studierte er am University College London, bis er im Dezember 1969 aufgrund des Todes seines Vaters nach Japan zurückkehrte.
Koizumi heiratete 1978, wurde aber 1982 geschieden, nachdem seine Frau ihn wegen Körperverletzung verlassen hatte, und er schwor, "nie wieder zu heiraten". Er ist Vater dreier Söhne, von denen zwei (Koizumi Shinjiro und Koizumi Kotaro) bei ihm leben und ihre Mutter seit der Scheidung nicht mehr gesehen haben. Der jüngste Sohn Miyamoto Yoshinaga, ist Student an der Keio-Universität und hat seinen Vater nie getroffen, sein Versuch anlässlich der Beerdigung seiner Großmutter wurde zurückgewiesen.
Nach einem ersten, fehlgeschlagenen Versuch errang Koizumi im Dezember 1972 einen Sitz im japanischen Unterhaus. Er war Mitglied der LDP und schloss sich innerhalb dieser der Fukuda-Faktion an. Seinen Parlamentssitz verteidigte er in zehn weiteren Wahlen.
Koizumis erster wichtiger Posten war der des Parlamentarischen Staatssekretärs für Finanzen 1979. 1998 wurde er, genau wie sein Großvater, Minister für Post und Telekommunikation im Kabinett von Miyazawa Kiichi. Dreimal, unter den Ministerpräsidenten Takeshita Noboru, Uno Sosuke und Hashimoto Ryutaro, war Koizumi japanischer Gesundheitsminister. Im Jahre 1994, als sich die Liberaldemokraten kurzzeitig in der Opposition befanden, schloss er sich einer neuen Faktion innerhalb der LDP, der Shinseiki an, die aus jungen, ehrgeizigen Abgeordneten bestand.
In den Jahren 1995 und 1999 kandidierte er für den Vorsitz der LDP, aber er unterlag jeweils deutlich gegen Hashimoto Ryutaro und Obuchi Keizō. Im April 2000 wurde Obuchi aufgrund einer schweren Erkrankung durch Mori Yoshiro ersetzt. Koizumi wurde schließlich im dritten Anlauf am 24. April 2001 zum Parteivorsitzenden gewählt. Er besiegte Hashimoto Ryutaro mit 298 gegen 155 Stimmen. Am 26. April 2001 wurde Koizumi Ministerpräsident. Bei den Oberhauswahlen im folgenden Juli gewann seine Koalition 78 von 121 Sitzen.
Bei den Wahlen am 10. September 2005 konnte er seine Mehrheit im Parlament nochmals vergrößern. Mit dem zweitbesten Wahlergebnis in ihrer Geschichte erreichte seine Partei mit 298 Sitzen die absolute Mehrheit. Zusammen mit seinem Koalitionspartner New Komeito, welche 30 Sitze gewann, besitzt er sogar die Zweidrittelmehrheit in der Kammer.
Am 17.Oktober 2005 fand überraschend ein weiterer Besuch am Yasukuni-Schrein statt. Es war sein fünfter Besuch dort seit Amtsantritt. Im Gegensatz zu den bisherigen Besuchen trat Koizumi diesmal als Privatmann auf, was ihn aber nicht davon abhielt, sich im Gästebuch mit seinem offiziellen Staatstitel als Ministerpräsident einzutragen. Da an diesem Schrein auch japanische Kriegsverbrecher geehrt werden, stieß die neuerliche Visite bei den Nachbarn, insbesondere der Volksrepublik China, Nord- und Südkorea und den Philippinen auf scharfe Kritik, bei denen die Erinnerung an die Verbrechen unter japanischer Kolonialherrschaft noch lebendig ist. Für die Regierungen dieser Länder war dieser Besuch ein noch bedeutenderer Affront als die vorangehenden, da zur gleichen Zeit ein Einsatz japanischer Truppen im Irak im Raume stand.
Andererseits hat Koizumi wie auch einige Ministerpräsidenten vor ihm als Regierungschef auf dem Jakarta-Gipfel eine Entschuldigung bei den Nachbarn wegen der Kolonialpolitik seines Landes im 2. Weltkrieg und der Aggression in vielen Ländern ausgesprochen. "Diese Tatsache der Geschichte in Demut akzeptierend drücken wir erneut unsere tiefe Reue und herzliche Entschuldigung aus und sprechen den Opfern des Krieges zu Hause und im Ausland unser Beileid aus." Kulturell setzt diese japanische Redeweise voraus, "dass die ehemaligen Opfer die japanischen Kriegsverbrechen nicht nur verzeihen, sondern auch vergessen werden, wenn sie sich entschuldigen. Außerdem entspringt die Entschuldigung vermutlich nur taktischen Überlegungen: gleichzeitig zu Koizumis Erklärung haben 80 Parlamentsabgeordnete den Yasukuni-Schrein besucht, darunter ein Mitglied von Koizumis Kabinett. Vor diesem Hintergrund klingen die Worte des Premiers hohl." (Eiichi Kido, junge Welt Nr.95, 25.4.2005)
Während seiner Amtszeit erreichten früher undenkbare Kriegsvorbereitungsmaßnahmen Japans einen neuen Höhepunkt. Die japanische Regierung unter Koizumi unterstützte sofort nach dem 11.September 2001 die Politik der USA und ihre Militäraktionen. 22 Tage nach Beginn des Afghanistan-Kriegs, für den Japan 40% des Flugbenzins zur Verfügung stellte, wurde ein Sondergesetz mit Antiterror-Maßnahmen vom japanischen Parlament erlassen, aufgrund dessen im Dezember 2002 ein Aegis-Zerstörer der sogenannten Selbstverteidigungsstreitkräfte (Self Defense Forces, SDF) in den Indischen Ozean entsandt wurde.
Schon drei Tage vor Beginn des Irak-Krieges erklärte Koizumi, Japan werde Amerika auch ohne UN-Mandat bei Gewaltanwendungen in Irak unterstützen. Am 26. Juli 2003 wurde ein Sondergesetz zur Unterstützung des "Wiederaufbaus" des Iraks verabschiedet, wodurch es möglich wurde, zum ersten Mal japanische Soldaten in ein Krisengebiet unter Verwaltung einer Besatzungsmacht zu entsenden. Am 9.Dezember 2003 beschloss das Kabinett unter Koizumi trotz Kritik von 55% der Bevölkerung, japanische Soldaten in den Irak zu entsenden. Koizumi erklärte im November 2004, das Gebiet, in dem die SDF-Truppen tätig sind, sei Nichtkampfgebiet, obwohl bereits Granaten im Lager der SDF in Samawa eingeschlagen waren. Am 9. Dezember beschloss das Kabinett unter ihm, dass die SDF-Truppen vorerst bis zum 14.Dezember 2005 im Irak stationiert bleiben sollten, ohne dass Koizumi Bedingungen für einen Rückzug nannte. Die Mehrheit der Bevölkerung bleibt gegenüber der Verlängerung dieses Einsatzes skeptisch, 76% der von der Asahi Shinbun befragten Personen meinten, Koizumi sei in dieser Frage nicht seiner "Erklärungspflicht" nachgekommen.
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