| Jungfer im Grünen | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Hahnenfußartige (Ranunculales) |
| : | Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) |
| : | Ranunculoideae |
| : | Delphinieae |
| : | Schwarzkümmel (Nigella) |
| : | Jungfer im Grünen |
Die Gattungsbezeichnung Nigella (Lat. nigellus = schwarz) verweist auf die schwarz gefärbten Samen. Die Artbezeichnung damascena bedeutet übersetzt „aus Damaskus stammend“ und wird von dem Botaniker Heinz-Dieter Krausch als Beleg dafür gesehen, dass sie über die Handelsbeziehungen Venedigs mit dem Vorderen Orient in Mitteleuropa eingeführt wurde.
Die Jungfer im Grünen, die früher eine häufig vorkommende Bauerngartenpflanze war, trägt eine Reihe von deutschen Namen. Dazu zählen unter anderem Gretl in der Stauden, Gretchen im Busch, Venushaarige, Braut in Haaren, Damaszener Schwarzkümmel, Damaszener Kümmel und Garten-Schwarzkümmel. Sie ist allerdings nicht mit dem Kümmel oder Kreuzkümmel verwandt, sondern mit dem zur selben Gattung zählenden Schwarzkümmel (Nigella sativa).
Der Name Gretl in der Stauden spielt auf eine österreichische Sage an, nach der die reiche Bauerntochter Gretl ihrer Liebe zu dem Keuschlersohn Hans auf Wunsch des Vaters entsagen musste. Nachdem sie sich in Sehnsucht nach einander verzehrten, wurden sie in Blumen verwandelt. Während Gretl zur Jungfer im Grünen wurde, wurde je nach Region aus Hans der Vogelknöterich oder die Gemeine Wegwarte, die beide im Volksmund auch den Namen Hansl am Weg tragen.
Die Blüten, die sich zahlreich an den verzweigten Stängeln bilden, sind von einem Kranz haarförmig zerschlitzter Hochblätter umgeben. Blütezeit ist Juni bis August.
Die zwittrige Blüte ist fünfzählig. Das Perigon besteht aus großen, meist blau, gelegentlich aber auch rosa oder weiß gefärbten Tepalen. Nach innen folgen fünf kleine, zweilippige Honigblätter. Es folgen die zahlreichen Staubblätter. Die fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen und walzenförmigen Fruchtknoten verwachsen, der dadurch fünffächrig ist. Lediglich die Griffel sind frei.
Das Fehlen der Aufteilung in Kelch- und Kronblätter ist charakteristisch für viele Vertreter der Familie der Hahnenfußgewächse. Es gibt auch Ziersorten mit gefüllten Blüten, bei denen Honigblätter und/oder Staubblätter zu Perigonblättern umgewandelt sind.
Die Jungfer im Grünen zählt zu den vormännlichen Pflanzen, bei der zuerst die Staubblätter reifen. Mit dieser sogenannten Proterandrie verhindert die Pflanze die Selbstbestäubung. Reife Staubbeutel sind dabei nach unten gebeugt und haben geöffnete Beutel. Ein Insekt, dass an den Nektarien Nektar aufnimmt, wird an seinem Rücken durch die nach unten geöffneten Staubbeutel mit Pollen eingestäubt. Die Griffel des Fruchtknoten stehen bei Blüten im männlichen Stadium dagegen noch aufrecht. Sie krümmen sich erst während der Blütezeit durch eine Wachstumsbewegung der Pflanze nach unten. Im weiblichen Stadium der Blüte, wenn alle Staubbeutel entleert sind, sind die Griffel so weit nach unten gebeugt, dass besuchende Insekten die auf ihrem Rücken mitgebrachten Pollen an die herabhängenden Narben der Griffel abstreichen. Als bestäubende Insekten kommen vor allem Hummeln und Bienen in Frage, die aufgrund ihrer langen Saugröhren an den Nektar gelangen. Schwebfliegen sind gelegentlich gleichfalls an den Blüten zu beobachten. Sie lecken jedoch lediglich den Pollen ab und spielen bei der Bestäubung keine Rolle.
Zur Ausbreitung der Samen nutzt die Pflanze die Bewegung durch Wind oder vorbeistreifende Tiere; sie wird deshalb als auch Wind- und Tierstreuer bezeichnet, diese Ausbreitungsmechanismen werden zusammenfassend als Semachorie bezeichnet. Verschiedene Gestaltmerkmale unterstützen diese Ausbreitungsmechanismen. So sind die Blütenstängel zum Zeitpunkt der Kapselreife etwas länger als während der Blütezeit und sehr elastisch. Die blasig aufgetriebene und leichte Kapsel dient als Windfang, so dass die gesamte Pflanze auch schon von schwachem Wind hin und her bewegt wird. Die Kapsel selber hat an ihrer Spitze abgeknickte, verlängerte und hakige Griffel, die sich leicht im Fell eines vorbeistreifenden Tieres so verhaken, dass die Pflanze mitgezogen und beim Lösen zurückschnellt. Durch die Bewegung sowohl durch Wind wie durch Tiere werden die Samen aus den schmalen Spalten herausgeschleudert.
Aus den Samen der Jungfer im Grünen können bis zu 10 % ätherisches Öl gewonnen werden. In diesem Öl sind mit einem Anteil von einem Zehntel Alkaloide enthalten, insbesondere Damascenin ((3-Methoxy-2-methylaminobenzoesäure-methylester) Summenformel: C10H13NO, Molmasse: 195,2 g/mol) Schmelzpunkt 24 –26°C, Siedepunkt 147 –148°C, Siedepunkt 270°C (Zersetzung). Damascenin wirkt als Radikal
Der Pharmazeut und Mediziner Ernst Mutschler habilitierte 1964 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit dem Thema Chemie und Pharmakologie der Alkaloide Damascenin und Arecolin.
Durch Handel und Aussaat gelangte sie bereits in der frühen Neuzeit als Zierpflanze in die Bauerngärten Mitteleuropas. Von diesen Gärten aus ist sie an einigen wenigen mitteleuropäischen Standorten als sogenannter Gartenflüchtling verwildert und tritt dann in Schutt-Unkrautgesellschaften auf. Verwilderte Bestände gibt es in Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande, Polen und der Tschechischen Republik. In Deutschland sind solche neophytischen Bestände dagegen unbekannt.
Als einjährige Beet- und Balkonpflanze wird sie heute weltweit kultiviert.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Pflanze, die sehr genügsam ist, in deutschen Gärten weit verbreitet. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts gab es eine Form mit gefüllten Blüten, die Sorten mit weißen oder rosa Blüten entwickelten sich in den Jahrzehnten danach. Die blaublütige Form blieb jedoch die am weitesten verbreitete, von der Johann Christian Gottlob Baumgarten in seiner Flora Lipsiensis schrieb, dass sie überall in den Küchengärten wachse. Besonders häufig würde sie jedoch in den Gärten der Vorstädter und der Landbevölkerung gezogen.
Mit der Einführung farbenprächtigerer und auffälligerer Sommerblumen kam die Jungfer im Grünen allerdings zunehmend aus der Mode. Im Jahre 1900 bezeichnete Carl Bolle diese Blume als altmodisch. Beliebtheit hat die Pflanze heute wieder als typische Bauerngartenblume gefunden. Sie lässt sich wegen der langen Haltbarkeit gut für Blumensträuße verwenden. Die Samenkapseln eignen sich für Trockensträuße.
Das Öl aus den Samen der Jungfer im Grünen wird zur Herstellung von Parfüms und Lippenstiften verwendet. Fein gemahlene Samen haben einen sehr intensiven Waldmeistergeschmack. Sie können in der Küche zur Verfeinerung von Süßspeisen verwendet werden. Wegen des enthaltenen Alkaloids Damascenin, das bei Überdosierung giftig wirkt, ist eine Verwendung in der Küche jedoch ungebräuchlich geworden.
In der Literatur nimmt die Jungfer im Grünen keine große Rolle an. Der Dichter Johannes Trojan (1837 bis 1915) hat ihr jedoch ein Gedicht mit dem Titel Braut in Haaren gewidmet, in dem sich auch widerspiegelt, dass diese Pflanze um die Jahrhundertwende vom 19. in das 20. Jahrhundert als unmodern empfunden wurde. Die letzten drei Strophen dieses Gedichts lauten:
Nigella damascena Jomfruen i det grønne | cheveux de Vénus | Juffertje-in-het-groen | Czarnuszka damascenska | Damigella scapigliata | türgi mustköömen
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