Die Junge Freiheit ist eine überregionale, deutsche Wochenzeitung für Politik und Kultur aus Berlin, die sich jahrelang als unabhängiges, rechtskonservatives Medium bezeichnete, neuerdings aber als unabhängiges, liberal-konservatives Medium versteht.http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID2401286,00.html Verschiedene Politologen bezeichnen das Blatt als Sprachrohr der Neuen Rechten, das eine Scharnierfunktion zwischen demokratischem Konservativismus und extremer Rechte einnehme.
Außer durch den Verkaufspreis und Abonnements finanziert sich die Zeitung durch Anzeigen und private Spenden. Verlagsort war nach Freiburg im Breisgau zunächst Potsdam; seit 1995 erscheint die Junge Freiheit in Berlin.
In der ersten Ausgabe des Jahres 1992 wies der Chefredakteur der Jungen Freiheit, Dieter Stein, auf einen Trend zur Gründung von privaten Initiativen als „Aktivitäten im nationalkonservativen vorpolitischen Raum“ hin. In vielen deutschen Großstädten entstanden nach Aussage der JF innerhalb von zwei Jahren bis zu 50 JF-Leserkreise mit insgesamt rund tausend Teilnehmern. Der damalige Redakteur, Hans-Ulrich Kopp, beschrieb diese Kreise wie folgt (JF 27/1994, S. 4):
Rechtsextreme Tendenzen in diesen Leserkreisen machten verschiedene Verfassungsschutzbehörden auf die Zeitung aufmerksam. Die Redaktion distanzierte sich 1996 von solchen Tendenzen und erklärte offiziell ihre Arbeit mit diesen Kreisen für beendet.
Zu speziellen Ereignissen druckt die Junge Freiheit teils umfangreiche Sonderbeilagen. Im Rahmen der Erinnerung an den 60. Jahrestag des Kriegsendes wurden auf 20 Seiten Zeitzeugenberichte abgedruckt, welche die verschiedene Wahrnehmung des Kriegsendes dokumentierten.
Hinzu kommen prominente Autoren, Wissenschaftler oder Politiker verschiedener Parteien, die die Redaktion als Interviewpartner in der Rubrik Im Gespräch eingeladen hat, darunter (in alphabetischer Reihenfolge):
Kritiker sehen bei der Jungen Freiheit den Versuch, Themen, die sonst überwiegend von Rechtsextremisten benutzt werden, zu enttabuisieren und in einen breiten Diskurs zu überführen. Sie sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Extremismus der Mitte“, den auch demokratische Politiker mit Interviews in der Jungen Freiheit förderten.
Auch die Jahresberichte der Verfassungsschutzbehörden des Bundes, Nordrhein-Westfalens und Baden-Württembergs zwischen 1994 und 2004 schrieben der Jungen Freiheit eine Scharnierfunktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu. Sie sahen stetige rechtsextreme Argumentationsmuster bei der Redaktion und ihren Stammautoren. Sie sei ein wichtiges Sprachrohr für die Bemühungen von Neuen Rechten und Rechtsextremisten, im konservativen Lager und unter Intellektuellen Fuß zu fassen. Sie benutze Beiträge und Interviews von Personen aus dem demokratischen Spektrum, um ihr Image zu verbessern und damit Werbung für sich zu machen.
Aufgrund der erfolgreichen Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht wird die Junge Freiheit seit 2005 in keinem Verfassungsschutzbericht mehr erwähnt. Noch im Jahr 2004 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz über die Junge Freiheit geschrieben: „Bisweilen finden sich in Beiträgen von Redakteuren und Stammautoren gängige rechtsextremistische Argumentationsmuster oder positive Kommentare zu rechtsextremistischen Organisationen, Personen oder Publikationen. Besonderes Augenmerk scheint die JF auf die Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg zu legen.“ (S. 103).
Den Begriff „Extremismus der Mitte“ etwa sieht die Junge Freiheit als Versuch, das gesamte bürgerlich-konservative Spektrum zu diskreditieren und in die Nähe des Rechtsextremismus zu rücken. Damit solle der Bereich dessen, was öffentlich diskutierbar sei, durch die Errichtung von Tabus begrenzt werden. Sie wirft ihren Kritikern eine selektive Wahrnehmung ihrer journalistischen Aktivitäten vor: Sie würden extrem rechte Politiker Westeuropas willkürlich hervorheben, zugleich aber entsprechende Gesprächspartner oder Autoren aus dem früheren Ostblock nicht erwähnen, obwohl deren völkisch-separatistische Gesinnungen im Kern deckungsgleich seien und man zu ihren Vertretern eine gleichmäßige Distanz erkennen lasse.
Im Juni 2002 startete die Redaktion unter dem Titel „Appell für die Pressefreiheit“ eine Anzeigenkampagne, um gegen die Auswertung ihrer Artikel durch den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz zu protestieren. Zu den Erstunterzeichnern gehörten Martin Hohmann und Otto von Habsburg. Auch Vertreter anderer Medien, wie Focus-Chefredakteur Helmut Markwort oder prominente Autoren wie Ephraim Kishon sprechen der Zeitung jede rechtsextreme Tendenz ab.
In einem jahrelangen Rechtsstreit klagte die Junge Freiheit daraufhin vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen das Land Nordrhein-Westfalen unter anderem auf Unterlassung der Verbreitung der Verfassungsschutzberichte, auf die Feststellung, dass das Land nicht befugt sei, die Zeitung in die Rubrik „Rechtsextremismus“ einzuordnen, sowie auf die Richtigstellung, dass die Einordnung nicht gerechtfertigt gewesen sei.
Rechtsanwalt der Zeitung in diesem Verfahren war der ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl. Nachdem die Junge Freiheit in den Instanzgerichten unterlegen war, legte er als ihr Bevollmächtigter erfolgreich eine Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil der letzten Instanz ein. Am 24. Mai 2005 hob das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die bisherigen Urteile auf, da die Behauptung des Rechtsextremismus nicht ausreichend auf ihre Vereinbarkeit mit Artikel 5 des Grundgesetzes (Pressefreiheit) geprüft worden sei. Die Sache wurde an das Verwaltungsgericht Düsseldorf zur erneuten Einzelentscheidung zurückverwiesen (s. Junge-Freiheit-Urteil).
Der Verfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen zog daraufhin die die Junge Freiheit betreffende Passage aus seinem letzten Jahresbericht zurück.
Der Rechtsstreit endete am 23. Juni 2006 durch Vergleich zwischen den Parteien.
Forschungliteratur:
Kritische Literatur:
Literatur von Autoren der Jungen Freiheit:
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