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Die Junge Freiheit ist eine überregionale, deutsche Wochenzeitung für Politik und Kultur aus Berlin, die sich jahrelang als unabhängiges, rechtskonservatives Medium bezeichnete, neuerdings aber als unabhängiges, liberal-konservatives Medium versteht.http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID2401286,00.html Verschiedene Politologen bezeichnen das Blatt als Sprachrohr der Neuen Rechten, das eine Scharnierfunktion zwischen demokratischem Konservativismus und extremer Rechte einnehme.

Verlagsgeschichte


Chefredakteur Dieter Stein gründete die Junge Freiheit im Mai 1986 in Freiburg im Breisgau. Das Blatt erschien zunächst alle zwei Monate als Schüler- und Studentenzeitung mit einer Auflage von 400 Stück. Seit 1994 erscheint sie als Wochenzeitung in einem Umfang von 20 bis 28 Seiten mit einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. 2005 gibt die Zeitung eine Druckauflage von 35.000 Exemplaren an. Unabhängig erhobene Angaben (z.B. des IVW) über die verkaufte Auflage, Reichweite und Zusammensetzung der Leserschaft veröffentlicht die Zeitung nicht.

Außer durch den Verkaufspreis und Abonnements finanziert sich die Zeitung durch Anzeigen und private Spenden. Verlagsort war nach Freiburg im Breisgau zunächst Potsdam; seit 1995 erscheint die Junge Freiheit in Berlin.

In der ersten Ausgabe des Jahres 1992 wies der Chefredakteur der Jungen Freiheit, Dieter Stein, auf einen Trend zur Gründung von privaten Initiativen als „Aktivitäten im nationalkonservativen vorpolitischen Raum“ hin. In vielen deutschen Großstädten entstanden nach Aussage der JF innerhalb von zwei Jahren bis zu 50 JF-Leserkreise mit insgesamt rund tausend Teilnehmern. Der damalige Redakteur, Hans-Ulrich Kopp, beschrieb diese Kreise wie folgt (JF 27/1994, S. 4):

„Erfreulich ist auch, dass parteipolitische Differenzen hier keinerlei Bedeutung haben und die von totalitären Parteistrategen gewünschte scharfe Abgrenzung zwischen CDU-Mitgliedern und Angehörigen rechtsgerichteter Gruppierungen nur mit einem Lächeln quittiert wird.“

Rechtsextreme Tendenzen in diesen Leserkreisen machten verschiedene Verfassungsschutzbehörden auf die Zeitung aufmerksam. Die Redaktion distanzierte sich 1996 von solchen Tendenzen und erklärte offiziell ihre Arbeit mit diesen Kreisen für beendet.

Aufbau und Themenbereiche


Die Junge Freiheit deckt das für Wochenzeitungen übliche Themenspektrum an Politik, Kultur und Zeitgeschehen ab. Jede Woche erscheint auf der Seite „Im Gespräch“ ein exklusives Interview. Sportberichterstattung findet sich, ebenso wie in anderen Wochenzeitungen, nicht.

Zu speziellen Ereignissen druckt die Junge Freiheit teils umfangreiche Sonderbeilagen. Im Rahmen der Erinnerung an den 60. Jahrestag des Kriegsendes wurden auf 20 Seiten Zeitzeugenberichte abgedruckt, welche die verschiedene Wahrnehmung des Kriegsendes dokumentierten.

Autoren und Interviewpartner


Das politische Spektrum der Jungen Freiheit spiegelt sich ebenso wie das konservative Selbstverständnis der Zeitung in den Stamm- und Gastautoren wider, darunter (in alphabetischer Reihenfolge):

Hinzu kommen prominente Autoren, Wissenschaftler oder Politiker verschiedener Parteien, die die Redaktion als Interviewpartner in der Rubrik Im Gespräch eingeladen hat, darunter (in alphabetischer Reihenfolge):

Politische Einordnung


Extremismusforscher und Verfassungsschutzbehörden

Die Junge Freiheit verwendete zwischen 1992 und 1993 für ihre Abonnentenwerbung den Slogan „Eine Konservative Revolution.“. Dies wie auch die Auswahl der Themen und Stammautoren zeigt nach Einschätzung von Extremismusforschern – u. a. Wolfgang Gessenharter, Armin Pfahl-Traughber, Uwe Backes, Thomas Pfeiffer – die politische Ausrichtung des Blattes: Sie knüpfe geistig und strategisch an die antidemokratische, deutschnationale Strömung gleichen Namens in der Weimarer Republik an.

Kritiker sehen bei der Jungen Freiheit den Versuch, Themen, die sonst überwiegend von Rechtsextremisten benutzt werden, zu enttabuisieren und in einen breiten Diskurs zu überführen. Sie sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Extremismus der Mitte“, den auch demokratische Politiker mit Interviews in der Jungen Freiheit förderten.

Auch die Jahresberichte der Verfassungsschutzbehörden des Bundes, Nordrhein-Westfalens und Baden-Württembergs zwischen 1994 und 2004 schrieben der Jungen Freiheit eine Scharnierfunktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu. Sie sahen stetige rechtsextreme Argumentationsmuster bei der Redaktion und ihren Stammautoren. Sie sei ein wichtiges Sprachrohr für die Bemühungen von Neuen Rechten und Rechtsextremisten, im konservativen Lager und unter Intellektuellen Fuß zu fassen. Sie benutze Beiträge und Interviews von Personen aus dem demokratischen Spektrum, um ihr Image zu verbessern und damit Werbung für sich zu machen.

Aufgrund der erfolgreichen Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht wird die Junge Freiheit seit 2005 in keinem Verfassungsschutzbericht mehr erwähnt. Noch im Jahr 2004 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz über die Junge Freiheit geschrieben: „Bisweilen finden sich in Beiträgen von Redakteuren und Stammautoren gängige rechtsextremistische Argumentationsmuster oder positive Kommentare zu rechtsextremistischen Organisationen, Personen oder Publikationen. Besonderes Augenmerk scheint die JF auf die Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg zu legen.“ (S. 103).

Kritik an dieser Einordnung

Die Junge Freiheit selbst, aber auch Vertreter liberaler Medien und international renommierte Autoren, wehren sich gegen die vorgebrachte Kritik von Wissenschaft und Behörden.

Den Begriff „Extremismus der Mitte“ etwa sieht die Junge Freiheit als Versuch, das gesamte bürgerlich-konservative Spektrum zu diskreditieren und in die Nähe des Rechtsextremismus zu rücken. Damit solle der Bereich dessen, was öffentlich diskutierbar sei, durch die Errichtung von Tabus begrenzt werden. Sie wirft ihren Kritikern eine selektive Wahrnehmung ihrer journalistischen Aktivitäten vor: Sie würden extrem rechte Politiker Westeuropas willkürlich hervorheben, zugleich aber entsprechende Gesprächspartner oder Autoren aus dem früheren Ostblock nicht erwähnen, obwohl deren völkisch-separatistische Gesinnungen im Kern deckungsgleich seien und man zu ihren Vertretern eine gleichmäßige Distanz erkennen lasse.

Im Juni 2002 startete die Redaktion unter dem Titel „Appell für die Pressefreiheit eine Anzeigenkampagne, um gegen die Auswertung ihrer Artikel durch den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz zu protestieren. Zu den Erstunterzeichnern gehörten Martin Hohmann und Otto von Habsburg. Auch Vertreter anderer Medien, wie Focus-Chefredakteur Helmut Markwort oder prominente Autoren wie Ephraim Kishon sprechen der Zeitung jede rechtsextreme Tendenz ab.

Rechtsstreit


Größere politische Aufmerksamkeit entfaltete der Rechtsstreit der Jungen Freiheit gegen den Verfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen. Dieser hatte zwischen 1995 und 2004 in seinen jährlichen Verfassungsschutzberichten die Zeitung in die Kategorie Rechtsextremismus eingeordnet.

In einem jahrelangen Rechtsstreit klagte die Junge Freiheit daraufhin vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen das Land Nordrhein-Westfalen unter anderem auf Unterlassung der Verbreitung der Verfassungsschutzberichte, auf die Feststellung, dass das Land nicht befugt sei, die Zeitung in die Rubrik „Rechtsextremismus“ einzuordnen, sowie auf die Richtigstellung, dass die Einordnung nicht gerechtfertigt gewesen sei.

Rechtsanwalt der Zeitung in diesem Verfahren war der ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl. Nachdem die Junge Freiheit in den Instanzgerichten unterlegen war, legte er als ihr Bevollmächtigter erfolgreich eine Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil der letzten Instanz ein. Am 24. Mai 2005 hob das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die bisherigen Urteile auf, da die Behauptung des Rechtsextremismus nicht ausreichend auf ihre Vereinbarkeit mit Artikel 5 des Grundgesetzes (Pressefreiheit) geprüft worden sei. Die Sache wurde an das Verwaltungsgericht Düsseldorf zur erneuten Einzelentscheidung zurückverwiesen (s. Junge-Freiheit-Urteil).

Der Verfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen zog daraufhin die die Junge Freiheit betreffende Passage aus seinem letzten Jahresbericht zurück.

Der Rechtsstreit endete am 23. Juni 2006 durch Vergleich zwischen den Parteien.

Literatur


Forschungliteratur:

  • Gessenharter, Wolfgang: Neue radikale Rechte, intellektuelle Neue Rechte und Rechtsextremismus: Zur theoretischen und empirischen Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes, in: Gessenharter, Wolfgang/Fröchling, Helmut (Hrsg.): Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland. Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes? Opladen: Leske+Bundrich 1998.
  • Lenk, Kurt, Ideengeschichtliche Dispositionen rechtsextremen Denkens. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 48.1998, 9/10, S. 13-19.
  • Minkenberg, Michael, Die Neue Radikale Rechte im Vergleich: USA, Frankreich, Deutschland., Opladen: Westdt. Verl. 1998, 411 S., ISBN 3-531-13227-X
  • Pfeiffer, Thomas, Für Volk und Vaterland. Das Mediennetz der Rechten – Presse, Musik, Internet, Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2002, ISBN 3746670373

Kritische Literatur:

  • Helmut Kellershohn (Hrsg.): Das Plagiat. Der Völkische Nationalismus der Jungen Freiheit. Duisburg: DISS Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, 1994, ISBN 3927388440
  • Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie – Sein und Design der »Jungen Freiheit«. Duisburg: Edition DISS Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, Bd. 4, 2003, ISBN 3897717336
  • Alexander Ruoff: Verbiegen, verdrängen, beschweigen. Die Nationalgeschichte der „Jungen Freiheit“. Auschwitz im Diskurs des völkischen Nationalismus. Unrast Verlag, Münster, April 2001, ISBN 389771406X

Literatur von Autoren der Jungen Freiheit:

  • Alexander von Stahl: Kampf um die Pressefreiheit. Chronologie eines Skandals. Die Verfassungsbeschwerde der Wochenzeitung 'Junge Freiheit' wegen Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit durch Verfassungsschutzberichte des Landes NRW. Reihe Dokumentation, Edition JF, Berlin 2003/2004, Band 5-7: ISBN 3929886154, ISBN 3929886170, ISBN 3929886189
  • Dieter Stein: Phantom „Neue Rechte“ – Die Geschichte eines politischen Begriffs und sein Mißbrauch durch den Verfassungsschutz. Reihe Dokumentation, Band 10, Edition JF, Berlin 2005, ISBN 3929886227

Weblinks


Quellen


Zeitung (Berlin) | Deutsche Zeitung

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