Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Jungdeutsche Orden im März 1920 in Kassel vom späteren Vorsitzenden (Hochmeister) Artur Mahraun gemeinsam mit weiteren Kriegsheimkehrern und Zeitfreiwilligen gegründet. Hervorgegangen war er aus der bereits im Januar 1919 ebenfalls von Mahraun geführten "Offiziers-Kompanie-Cassel"(OKC), die sich aber durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages als Zeitfreiwilligenverband auflösen musste. Die Mitgliederzahl, der nach dem Vorbild des Deutschen Ordens strukturierten Organisation stieg rasch an, er war schließlich in mehreren tausend Bruder- und Schwesternschaften gegliedert. Die Mitgliedszahl betrug bereits im Sommer 1921 rund 70.000, wuchs bis auf rund 400.000 an, fiel aber dann von 1930 bis 1933 wieder auf ca. 40.000 ab.
Hintergrund war das gemeinsame Fronterlebnis und das Ziel eines Wiederaufbau des Reiches, aber nicht der Monarchie oder irgendeiner Diktatur. Die Mitglieder hatten ein eher elitäres Bewusstsein, der Bund war "klar antibolschewistisch und antisemitisch, aber nicht unbedingt durchweg verfassungsfeindlich." Michael Wildt: Generation des Unbedingten: Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition, Hamburg 2003. ISBN 3-930908-87-5
Während des Kapp-Putsches 1920 erklärte sich die Jungdo-Führung um Oberleutnant Mahraun mit der rechtmäßigen Reichsregierung (Reichskanzler Gustav Bauer/SPD) solidarisch, und schlug mit anderen Freikorps und nationalen Wehrverbänden die gegen Kapp streikenden Arbeiter nieder.
Der Jungdo verfolgte das Ziel eines "wahren demokratischen Staatsaufbaus" aus den "überschaubaren Räumen der Nachbarschaften bzw. Wohnquartieren". Mahraun sah den Einfluss von Kapitalgebern, die nur bestimmte politische Parteien unterstützten, kritisch. Vor allem kritisierte er Alfred Hugenbergs publizistischen Einfluss, den er und der von ihm geleitete Jungdeutsche Orden als den ständigen Versuch zur Verfälschung des wahren Volkswillens sahen. Artur Mahraun: Das Jungdeutsche Manifest: Volk gegen Kaste und Geld, Sicherung des Friedens durch Neubau der Staaten Jungdeutscher Verlag, Berlin 1927
ders: Politische Reformation: Vom Werden einer neuen deutschen Ordnung. Nachbarschafts-Verlag, Gütersloh 1949.
Der Jungdeutsche Orden setzte sich 1925 für eine Versöhnung mit Frankreich ein und grenzte sich damit gegen reaktionäre und nationalistische Gruppierungen ab. Für diese Bestrebungen wurde Artur Mahraun aus nationalistischen Kreisen des Hochverrats angeklagt. Diesen Prozess gewann Artur Mahraun. Politiker wie z.B. Gustav Stresemann sahen in Artur Mahraun und seinen Jungdeutschen Orden einen achtenswerten politischen Partner.
Reinhard Höhn, ein promovierter Staatswissenschaftler und wichtiger Mitarbeiter von Mahraun, schloss sich 1932 der SS an und machte Karriere im SD-Hauptamt. Heinz Jost, Kommandeur der Einsatzgruppe A, Walter Haensch, der das Sonderkommando 4b befehligte, Josias von Waldeck-Pyrmont (SS-Obergruppenführer) und Dr. Hermann Lehmann (SD- und RSHA-Führungsangehöriger) waren in ihrer Jugend Mitglieder des Jungdo.
Reinhard Höhn zog sich 1936/37 mehr und mehr aus seiner aktiven SD-Arbeit zurück. Unbehelligt hat er nach dem Krieg in Harzburg eine "Akademie für Führungskräfte" gegründet und langjährig geleitet.
1930 schloss sich der Jungdeutsche Orden mit seiner Nebenorganisation "Volksnationale Reichsvereinigung" mit der liberalen Deutschen Demokratischen Partei zur Deutschen Staatspartei zusammen. Diese Fusion hatte zur Folge, dass fast der gesamte linke Flügel aus der DDP austrat und die nur wenige Jahre existierende, in diesen letzten Jahren der Republik eher marginalisierte Radikaldemokratische Partei gründete.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Jungdeutsche Orden verboten und löste sich im Juni 1933 selbst auf, um der Enteignung zuvorzukommen. Mahraun wurde von der Gestapo verhaftet und misshandelt. Er kam nach 9 Wochen wieder frei und musste sich bis Ende des Krieges vor einer Wiederergreifung versteckt halten.
Artur Mahraun widmete sich dann noch bis zu seinem Tode, am 27. März 1950, dem Aufbau von Nachbarschaften in den Kommunen sowie der Sammlung seiner alten aufgeschlossenen JO-Mitstreitern und neuen Freunden.
Auf dem Sterbebett in Gütersloh sagte er seinem Duzfreund (Spitzname: Tins) und langjährigen JO-Mitsteiter Karl Hüske: "Tins, die Arbeit muss weitergehen!"
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