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Julius Streicher (* 12. Februar 1885 in Fleinhausen bei Augsburg; † 16. Oktober 1946 in Nürnberg, hingerichtet) war ein nationalsozialistischer Politiker und Herausgeber der antisemitischen Wochenzeitung „Der Stürmer“.

Leben


Streicher war der außereheliche Sohn eines Volksschullehrers und selbst ab 1905 als Lehrer angestellt. So war er bis Mitte 1909 Volksschullehrer in Mindelheim, wo er bereits durch Aggressivität und Willkür auch im Kollegium auffiel. Einer seiner Schüler, der spätere SPD-Reichstagssabgeordnete Josef Felder berichtet davon. Im Jahre 1909 ließ Streicher sich nach Nürnberg versetzen.

Im Ersten Weltkrieg wurde der spätere Leutnant der Reserve mehrfach dekoriert. Streicher war 1919 Mitbegründer der Nürnberger Ortsgruppe der antisemitischen Deutschsozialistischen Partei, die er 1922 nach seinem Übertritt in die NSDAP mit dieser verschmolz. Er hatte Hitler im Münchener Bürgerbräukeller kennengelernt. 1923 wurde er wegen seiner Beteiligung am Hitler-Ludendorff-Putsch vom Schuldienst suspendiert. Von 1925 bis 1940 war er Gauleiter der NSDAP für Mittelfranken, später von Franken. Gern zeigte er sich in seinem neuen Amt mit Reitpeitsche in der Hand. Zwischen 1924 und 1932 war er Landtagsabgeordneter in München, danach Mitglied des Reichstags. Er hatte außerdem den Rang eines Obergruppenführers der SA. Im Gau Mittelfranken ging er besonders scharf gegen Juden und bürgerliche Gegner vor.

Streicher war einer der radikalsten Antisemiten der NSDAP, Organisator von Pogromen und Boykotten gegen Juden und Herausgeber des nationalsozialistischen Hetzblatts „Der Stürmer“. Das 1923 zum ersten Mal erschienene Hetzblatt erreichte 1938 mit einer halben Million Exemplaren seine höchste Auflage. Berüchtigt war „Der Stürmer“ für seine gehässigen Judenkarikaturen und seine Verquickung von Antisemitismus mit pornographischen Obsessionen. Ab 1927 wurde auf der Titelseite des „Stürmers“ ständig der Spruch „Die Juden sind unser Unglück“ des Historikers Heinrich von Treitschke aufgedruckt.

Wöchentlich veröffentlichte das Blatt triumphierend Listen verhafteter Juden, die angeblich gegen die neuen „Rassengesetze“ verstoßen hätten. „Der Stürmer“ erhielt täglich bis zu 700 Leserbriefe, viele mit denunziatorischem Inhalt; selbst die Gestapo hatte Probleme, alle Hinweise abzuarbeiten.

In Städten und Dörfern im gesamten Deutschen Reich hingen sogenannte „Stürmer-Kästen“, in denen die aktuelle Ausgabe kostenlos zu lesen war. Während der Olympiade 1936 wurden an den Wettkampforten die „Stürmer-Kästen“ abmontiert bzw. leer gelassen, um bei den ausländischen Besuchern einen besseren Eindruck zu machen.

Ab 1936 gab der Stürmer-Verlag antisemitische Kinderbücher heraus, angeblich in einer Auflage von über 100.000 Stück: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“(1936, Elvira Bauer), „Der Giftpilz“ (1938, Ernst Hiemer und Fips (Pseudonym von Philipp Rupprecht)) sowie „Der Pudelmopsdackelpinscher“(1940, Ernst Hiemer). Streicher forderte die Todesstrafe für jüdische „Rasseschänder“, bezichtigte indirekt sogar Hitler der Nachgiebigkeit in der „Judenfrage“. „Nur die Lösung der Judenfrage kann uns erlösen.“ Selbst manche Parteigenossen hielten Streicher für „nicht ganz zurechnungsfähig“, doch der Hetzer genoss die persönliche Protektion Hitlers.

Ab Kriegsbeginn 1939 wurde die offene Propagierung des Antisemitismus in der Presse ein wenig zurückgefahren. 1940 entschied ein NS-Parteigericht, dass Streicher zur „Menschenführung nicht fähig“ sei, er wurde aller Ämter enthoben. Grundlage waren neben seiner exzessiven Aggressivität auch Gauleiterkollegen gegenüber die Verquickung privater und politischer Ambitionen, das öffentlich ausgelebte Bedrängen von Frauen, an denen er interessiert war, sowie persönliche Raffgier und Selbstbedienungsmentalität. Der „Stürmer“ und der zugehörige Verlag aber wurden ihm auf unmittelbaren Befehl Adolf Hitlers belassen; das Blatt erschien weiter in einer Auflage von 300.000 Exemplaren. Streicher erhielt ein Verbot, Nürnberg zu betreten und wohnte außerhalb der Stadt.

Durch Zufall wurde Streicher am 23. Mai 1945 in einem Bergdorf in den Alpen festgenommen. Ein jüdischer US-Major stoppte auf dem Weg nach Berchtesgarden vor einem Bauernhaus, auf dessen Terrasse ein weißbärtiger Mann an einem Bild malte. Er sprach ihn auf Jiddisch an und sagte zum Scherz: „Sie sehen aus wie Julius Streicher“, worauf der Mann zusammenzuckte und sagte: „Woher kennen Sie mich?“

Streicher-Fans schickten ihm in der Kriegszeit diverse Fotos von Hinrichtungen und Greueltaten an jüdischen Menschen. Nach dem Krieg behauptete Streicher, von den Vernichtungsprogrammen nichts gewusst zu haben, er sei lediglich ein „Naturfreund“ gewesen und wollte die „Fremdlinge“ lediglich aus dem Land haben.

Über seine Zeit in der Nürnberger Haft hat Streicher zahllose Misshandlungen durch seine Bewacher zu Protokoll gegeben, die meist aus den schriftlichen Gerichtsprotokollen gestrichen wurden, sich aber noch auf den Tonbandaufzeichnungen des Nürnberger Prozesses finden.

Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess von 1946 wurde Streicher im Anklagepunkt 4 (Verbrechen gegen die Menschheit) für schuldig befunden, zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet.

Er verabschiedete sich mit den Worten: „Heil Hitler! Dies ist mein Purimfest 1946. Ich gehe zu Gott. Die Bolschewisten werden eines Tages euch auch hängen.“

Weblinks


Mann | Deutscher | NSDAP-Mitglied | Reichstagsabgeordneter | Kriegsverbrecher | Politiker (3. Reich) | Geboren 1885 | Gestorben 1946

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