Das Julianische Datum gibt die Zeit in Tagen an, die seit dem 1. Januar -4712 12:00 Uhr TDT vergangen ist. Dem 1. Januar 2000 12:00 Uhr TDT entspricht zum Beispiel das Julianische Datum 2451545,0.
Disambig.svg Das Julianische Datum darf nicht verwechselt werden mit einer Datumsangabe im Julianischen Kalender.
Als fortlaufende Tageszählung ist das Julianische Datum frei von Unregelmäßigkeiten wie Schalttagen, unterschiedlich langen Monaten usw., wie sie in den meisten Kalendern auftreten. Es wird daher vor allem in der Astronomie zur Beschreibung zeitabhängiger Größen verwendet, da mit ihm sehr leicht Zeitdifferenzen berechnet werden können.
Die wissenschaftliche Zeitmessung benutzt mehrere verschiedene Zeitskalen nebeneinander, welche jeweils für bestimmte Zwecke besonders geeignet sind, z.B. Universal Time UT, Internationale Atomzeit TAI, Terrestrische Dynamische Zeit TDT, Baryzentrische Dynamische Zeit TDB usw. Auf jeder dieser Zeitskalen kann in Form eines Julianischen Datums eine kontinuierliche Zeitzählung eingeführt werden, wobei ein „Tag“ in der Regel 86400 Sekunden der betreffenden Zeitskala entspricht. Da die einzelnen Zeitskalen sich voneinander unterscheiden, sind auch die betreffenden Julianischen Daten für ein und dasselbe Ereignis verschieden. Es muss daher im Zweifelsfall angegeben werden, auf welcher Zeitskala das verwendete Julianische Datum gezählt wird, z.B. JD(UT1), JD(TDT) usw. Die IAU empfiehlt die Verwendung von Terrestrischer Dynamischer Zeit als zugrundeliegender Zeitskala, mit einem aus 86400 SI-Sekunden bestehenden Tag. Die oft anzutreffende Abkürzung JDE bezeichnet ein nach Ephemeridenzeit gezähltes Julianisches Datum, wird aber auch häufig für dessen Nachfolger JD(TDT) benutzt.
Wird ein Julianisches Datum verwendet, das auf einer ungleichförmigen Zeitskala beruht (z.B. UTC), so ist bei der Berechnung von Zeitdifferenzen gegebenenfalls eine Korrektur nötig (im Beispiel UTC: Berücksichtigung von Schaltsekunden).
Das Julianische Datum ist eine reine fortlaufende Tageszählung und weist keinerlei kalendarische Strukturen auf, wie z.B. eine Einteilung in Jahre, Monate usw. Es hat trotz der Namensähnlichkeit nichts mit dem Julianischen Kalender zu tun. Auch das englische „Julian Date“ leidet unter derselben Verwechslungsgefahr, weshalb z.B. J. Meeus als Autor einschlägiger Werke stattdessen die Bezeichnung „Julian Day Number“ oder einfach „Julian Day“ benutzt. Im Sprachgebrauch der IAU ist jedoch unter „Julian Day Number“ lediglich der ganzzahlige Teil des Julianischen Datums zu verstehen und das volle Datum nach wie vor das „Julian Date“. Im Deutschen haben sich Bezeichnungen wie „Julianische Tageszahl“ oder „Julianische Tageszählung“ ebenfalls bisher nicht durchgesetzt.
wenn Monat>2 dann Y = Jahr, M = Monat
sonst Y = Jahr-1, M = Monat+12
D = Tag
H = Stunde/24 + Minute/1440 + Sekunde/86400
wenn Gregorianischer_Kalender dann A = Int(Y/100), B = 2 - A + Int(A/4) // Gregorianisch
sonst B = 0 // Julianisch
JD = Int(365,25*(Y+4716)) + Int(30,6001*(M+1)) + D + H + B - 1524,5
Die Variablen Tag, Monat, Jahr, Stunde, Minute und Sekunde enthalten die Bestandteile des zu bearbeitenden Datums, das Ergebnis wird in JD zurückgegeben. Die Funktion Int schneidet die Nachkommastellen einer Zahl ab.
Int(365,25·(Y-(-4712))) bzw. Int(365,25·(Y+4712)). In dieser Formel wird durch den Nachkommateil des Faktors 365,25 automatisch der alle vier Jahre zusätzlich fällige Schalttag berücksichtigt. Sie erzeugt also für Y = -4712, -4711, -4710, -4709, -4708, ... die korrekte Zahlenfolge 0, 365, 730, 1095, 1461, ....Int-Funktion für Januar und Februar des (ursprünglichen) Jahres -4712 allerdings negativ. Da die Int-Funktionen verschiedener Programmiersprachen auf negative Argumente unterschiedlich reagieren, wird die Formel umformuliert, um negative Argumente zu vermeiden: Int(365,25·(Y+4716)) - 1461.
M = 3, 4, 5, ... ist also die Zahlenfolge 0, 31, 61, ... zu erzeugen; sie entspricht den kumulierten Summen der zweiten oben angegebenen Folge der Monatslängen. Die 28 in jener Folge wird jedoch nie benötigt, da während des letzten Monats des umnummerierten Jahres der letzte Monat nie vollständig vergangen ist und im darauffolgenden Monat die hier zu berechnende Tagessumme wieder mit 0 beginnt (während Y um 1 erhöht wurde). Es genügt daher, die ebenfalls oben erwähnte streng periodische Folge zu erzeugen und einen passenden Ausschnitt daraus zu wählen. Dies geschieht durch die Formel Int(30,6001·(M+1))-122, welche für M = 3 .. 14 die gewünschte Zahlenfolge liefert. Anstelle des Faktors 30,6001 könnte in mathematischer Hinsicht der Zahlenwert 30,6 verwendet werden. Rundungsfehler bei der numerischen Rechnung mit begrenzter Stellenzahl würden im Zusammenhang mit der Int-Funktion jedoch in einigen Fällen zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Dies wird durch die geringe Modifikation des Zahlenwerts verhindert (andere Möglichkeiten wären 30,61, 30,601 etc.).
D das Datum des Tages, so ist die Anzahl der im betreffenden Monat bereits vollständig vergangenen Tage D-1. Dazu ist der aus der Uhrzeit berechnete bereits vergangene Bruchteil H des zu behandelnden Tages zu addieren. Ein halber Tag muss davon jedoch subtrahiert werden, da der Anfangszeitpunkt der Julianischen Tageszählung nicht wie beim heutigen Kalender auf Mitternacht liegt, sondern erst auf 12 Uhr mittags: D - 1 + H - 0,5 = D + H - 1,5.
B der Tage, um die sich Julianischer und Gregorianischer Kalender an jenem Datum unterscheiden. Der Unterschied begann am 15. Oktober 1582 mit B = -10 Tagen und wächst in allen nicht durch 400 teilbaren Hunderterjahren um -1 Tag, ist also insgesamt gegeben durch B = -10 -A + Int(A/4) + 12 bzw. B = 2 - A + Int(A/4), wobei A = Int(Y/100).31+29 = 60 Tage zu zählen. Der Februar -4712 war ein Schaltmonat.
Int(365,25·(Y+4716)) - 1461 + Int(30,6001·(M+1)) - 122 + D + H - 1,5 + B + 60 = Int(365,25·(Y+4716)) + Int(30,6001·(M+1)) + D + H + B - 1524,5.
| Kalenderdatum | Julianisches Datum |
|---|---|
| 27. Januar 333, 1200 UT (julianisch) | 1 842 713,0000 |
| 1. Januar 1990, 1200 UT (gregorianisch) | 2 447 893,0000 |
| 1. Januar 1990, 1800 UT (gregorianisch) | 2 447 893,2500 |
| 1. Januar 2000, 1200 UT (gregorianisch) | 2 451 545,0000 (Standardäquinoktium) |
| 14. Januar 2006, 1630 UT (gregorianisch) | 2 453 750,1875 |
Z = Int(JD + 0,5)
F = Frac(JD + 0,5)
wenn Z < 2299161 dann A = Z // Ergebnis Julianisch
sonst g = Int((Z - 1867216,25) / 36524,25) // Ergebnis Gregorianisch
A = Z + 1 + g - Int(g/4)
B = A + 1524
C = Int((B-122,1) / 365,25)
D = Int(365,25 * C)
E = Int((B-D) / 30,6001)
Tag = B - D - Int(30,6001*E) + F // Tag, inklusive Tagesbruchteil
wenn E<14 dann Monat = E - 1 // Monat
sonst Monat = E - 13
wenn Monat>2 dann Jahr = C - 4716 // Jahr
sonst Jahr = C - 4715
Die Variable JD enthält das zu bearbeitende Julianische Datum, die Variablen Tag, Monat, Jahr die Bestandteile des resultierenden Kalenderdatums (der Tag auch den Tagesbruchteil). Die Funktion Int schneidet die Nachkommastellen einer Zahl ab. Die Funktion Frac liefert die Nachkommastellen einer Zahl.
y = Jahr + (Monat - 2.85) / 12
A = Int(367 * y) - 1.75 * Int(y) + Tag
B = Int(A) - 0.75 * Int(y / 100)
JD = Int(B) + 1721115
Die Variablen Tag, Monat und Jahr enthalten die Bestandteile des zu bearbeitenden Datums, die Variablen y, A und B sind Hilfsgrößen der Berechnung und das Ergebnis wird in JD zurückgegeben. Int steht für das Abschneiden der Nachkommastellen.
| Gregorianischer Kalender | Julianisches Datum |
|---|---|
| 1. Januar 1990 | 2 447 893 |
| 1. Januar 2000 | 2 451 545 |
Die Zählung der Tage ist innerhalb eines Zeitraums von 7.980 Jahren, der so genannten Julianischen Periode, fortlaufend. Die Länge ergibt sich als kleinstes gemeinsames Vielfaches der Zyklen der Indiktion (15 Jahre), der Goldenen Zahl (19 Jahre) und dem Sonnenzyklus (28 Jahre, ergibt sich aus dem 4-jährigen Schaltjahrzyklus, multipliziert mit den 7 Wochentagen). Das letzte Zusammenfallen der drei Zyklen (also das letzte Mal, dass alle drei Zyklen zugleich die Jahresnummer "1" hatten) war im Jahr 4713 v. Chr.
Der britische Astronom John Herschel schlug 1849 in seinem Buch Outlines of Astronomy vor, das Scaliger'sche Schema zur Zeitmessung in der Astronomie zu verwenden. Dies beseitigte die Komplikationen, die bei der Verwendung verschiedener Kalender auftreten konnten. Er führte auch den gebrochenzahligen Anteil für die Uhrzeit ein. Der Tageswechsel erfolgt mittags, damit während der Nacht, in welcher die Astronomen beobachten, kein Datumswechsel stattfindet.
Kalender | Astronomischer Zeitbegriff
Dia julià | Juliánské datum | Julianske dato | Julian day | Fecha juliana | Juliaaninen päivä | Jour julien | Giorno giuliano | ユリウス通日 | Data Juliańska | Юлианский день | Juliánsky dátum | Julianskt datum | Ngày Julius | 儒略日
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