Julian Haynes Steward (* 31. Januar 1902 in Washington, D.C., † 6. Februar 1972) war ein US-amerikanischer Anthropologe, der durch seine Beteiligung an der Entwicklung einer wissenschaftlichen Theorie der kulturellen Evolution in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt wurde.
Berkeley war in den 20er Jahren das Zentrum der anthropologischen Forschung. Die Disziplin gründete auf der Arbeit von Franz Boas an der Columbia University und zwei seiner Studenten, Alfred Kroeber und Robert Lowie errichteten die Abteilung in Berkeley. Zusammen mit Edward Gifford machten sie Berkeley zum Brückenkopf der Anthropologie an der Westküste. Steward erwies sich als herausragender Student und erlangte schnell Ansehen als Gelehrter mit großem Potential. Er graduierte mit der Bibliotheksarbeit unter dem Titel The Ceremonial Buffoon of the American Indian, a Study of Ritualized Clowning and Role Reversals und ging als Dozent zur University of Michigan, wo er eine anthropologische Abteilung aufbaute, die später unter der Leitung des Evolutionisten Leslie White berühmt werden sollte. 1930 zog Steward an die University of Utah, die näher an der Sierra Nevada lag und führte umfangreiche Feldforschung in Kalifornien, Nevada, Idaho und Oregon durch.
1935 begann Steward eine lange Zusammenarbeit mit dem Bureau of Indian Affairs. Er spielte die entscheidende Rolle bei der Reform der Organisation, die als New Deal for the American Indian bekannt wurde, eine Neustrukturierung, die Steward in diverse politische und finanzielle Angelegenheiten verwickelte. Für die nächsten elf Jahre wurde er zu einem Verwalter mit beachtlicher Macht und gab das Handbook of South American Indians heraus. Er nahm auch eine Stelle am Smithsonian Institute an, wo er 1943 das Institute for Social Anthropology gründete. Er arbeitete außerdem in einem Komitee zur Neuorganisation der American Anthropological Association und war an der Schaffung der National Science Foundation beteiligt. Er war bei archäologischen Tätigkeiten aktiv, wobei er den Kongress zur Einrichtung des Committee for the Recovery of Archaeological Remains (der Beginn dessen, was man heute „bergende Archäologie“ nennt) veranlasste. Zusammen mit Wendell Bennett errichtete er das Viru Valley Project, ein ambitioniertes Forschungsprogramm in Peru.
Stewards Karriere erreichte ihren Höhepunkt, als er 1946 den Vorsitz der anthropologischen Abteilung an der Columbia University übernahm, dem Zentrum der Anthropologie in den USA. Zu dieser Zeit gab es in Columbia einen Zustrom von Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg, die dank des G. I. Bill of Rights hier studierten. Steward bildete schnell eine geschlossene Gesellschaft von Studenten, die einen enormen Einfluss in der Geschichte der Anthropologie haben sollten. Dazu gehörten Sidney Mintz, Eric Wolf, Stanley Diamond, Robert Manners, Morton Fried und Robert F. Murphy sowie andere beeinflusste Gelehrte wie Marvin Harris. Viele dieser Studenten nahmen an einer groß angelegten Forschungsstudie über die Modernisierung in Puerto Rico teil.
Steward ging schließlich von Columbia zur University of Illinois in Urbana-Champaign, wo er bis zu seiner Emeritierung 1968 lehrte. Dort führte er eine weitere Studie - eine vergleichende Analyse der Modernisierung in elf Gesellschaften der Dritten Welt - durch. Die Ergebnisse dieser Forschung veröffentlichte er in dem dreibändigen Werk Contemporary Change in Traditional Societies.
Geboren 1902 | Gestorben 1972 | Mann | US-Amerikaner | Anthropologe (20. Jh.)
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