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Jugoslawen (wörtlich: Südslawen) ist

  • in staatsbürgerlicher Hinsicht die Bezeichnung der Staatsangehörigen von Jugoslawien ungeachtet ihrer spezifischen ethnischen Herkunft

In ethnischer Hinsicht zum einen ein Sammelbegriff der südslawischen Stämme (Kroaten, Serben, Slowenen etc.)

Andererseits hatte der Begriff Jugoslawe traditionell auch eine spezifischere ethnische Bedeutung. Als im 18./19. Jahrhundert in allen Europäischen Ländern moderne Nationalbewegungen entstanden (Französische Revolution, Deutsche Märzrevolution etc.), hat es ebenso zahlreiche Versuche gegeben eine einheitliche Jugoslawische Nation zu gründen. Bereits die alte Illyrische Nationalbewegung unter ihren Hauptvertretern Ljudevit Gaj und Franjo Rački vertrat die Ansicht das alle slawisch-sprachigen Bewohner des Balkans, d.h. mit Ausnahme der (Griechen, Albaner, Rumänen und Walachen) ein Volk bilden und Nachfahren der alten Illyrer sind.

Ziel war es alle Nachfahren der Illyrer in einem Nationalstaat von Südkärnten bis zum Schwarzen Meer zu vereinen, die Illyrische Bewegung war gemäßigt nationalistisch, anti-osmanisch, wandte sich gegen die Herrschaft Österreich-Ungarns und die Germanisierung der Slowenen, wie auch der Magyarisierung der Serbokroaten.

Zu dieser Zeit wurde der Grundstein der modernen Serbokroatischen Sprache gelegt, die offiziell Illyrisch heißen sollte.

Für die Bewohner dieser Gegend war die Bewegung ein großer Hoffnungsträger und vor allem auf dem Gebiet des heutigen Kroatiens hatte die Bewegung einen sehr großen Rückhalt.

Als Zweifel aufkamen ob die Südslawischen Bewohner von den Illyrern abstammten oder nur Slawen sind die sich teilweise mit den Illyrern vermischten ging die Illyrische Nationalbewegung in die Jugoslawische Nationalbewegung über, deren Hauptvertreter der Osijeker Bischof Josip Juraj Strossmayer war. Die Bewegung vertrat ebenfalls die Ansicht der ethnischen Gemeinsamkeit der Südslawen, wenngleich die Illyrerthese eine geringere Rolle spielte. Strossmayer gründete die Jugoslawische Akademie der Wissenschaften und Künste und arbeitete an der Vereinigung der katholischen und serbisch-orthodoxen Kirche zu einer gemeinsamen Christlichen Nationalkirche Jugoslawiens. Dieses Projekt scheiterte am erbitterten Widerstand des Vatikans und der russisch-orthodoxen Kirche.

1918 war der große Traum der Jugoslawischen Nationalbewegung dann erfüllt. Die Parlamente Serbiens, Kroatiens und Sloweniens beschlossen feierlich die Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, das wenig später nur noch Königreich Jugoslawien hieß.

Im Königreich Jugoslawien war die klare offizielle Linie das Serben, Kroaten und Slowenen ein einziges dreinamiges jugoslawisches Volk bilden. Bei Volkszählungen in Österreich-Ungarn wurden Serben und Kroaten als ein Volk gesehen, nämlich von der gleichen Sprache, Volkskultur und Sitte, so wurden alle Einwohner Österreich-Ungarns mit Serbokroatischer Muttersprache als Serbokroaten klassifiziert. Im zweiten Sozialistischen Jugoslawien wurden Serben, Kroaten und Slowenen als getrennte Völker gezählt.

Jedoch wollte auch Josip Broz Tito in Wirklichkeit die Vollendung der Jugoslawischen Nation. Das mit den bosnischen Muslimen und Montenegrinern 2 neue künstliche Ethnien geschaffen wurden, war dann also auch nicht als Antijugoslawisch zu werten, sondern als Schwächung der serbischen wie auch kroatischen Regionalität, mit dem Ziel der Vollendung der Jugoslawischen Einheit. Bei der Volkszählung 1981 bekannten sich 8.2% oder 379.000 Menschen in Kroatien zur jugoslawischen Nationalität.

Ebenfalls stark vertreten waren die Jugoslawen in Bosnien-Herzegowina (7.9%), während sie in Mazedonien und Slowenien, also den historischen Gebieten ohne serbokroatischer Muttersprache mit weniger als 2% kaum wahrnehmbar war.

Im Kosovo gab es überhaupt keine Jugoslawen was aufgrund der zahlenmäßig starken Albanischen Ethnie jedoch nicht verwunderlich ist.

Mit dem Zerfall Jugoslawiens nach 1990, dessen Ursachen vielseitig sind, war die nationale Einigung des Jugoslawischen Volkes voerst gescheitert, die ethnische Bezeichnung Jugoslawe wird jedoch von einer nicht geringen Zahl südslawisch-stämmiger ehemaliger jugoslawischer Staatsbürger und deren Nachfahren weitergeführt. Bekanntestes Beispiel ist die berühmte Sängerin Lepa Brena die sich nach dem Zerfall Jugoslawiens weiterhin als ethnische Jugoslawin bezeichnet. Eine zahlenmäßig erkennbare Position nehmen die Jugoslawen aber zur Zeit nur noch in der Diaspora ein. Allerdings gibt es bei vielen Volkszählungen nach dem Krieg massive Einschüchterungen, so das viele Jugoslawen aus persönlichen Gründen, wie Angst um ihren Arbeitsplatz sich nicht zur Jugoslawischen Nationalität bekennen, oder es besteht überhaupt nicht die Möglichkeit sich als nationaler Jugoslawe zu deklarieren da die Kategorie Jugoslawe z.T. einfach abgeschafft wurde.

Siehe auch: Geschichte Jugoslawiens

Europäische Ethnie

 

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