Die Jugendfeuerwehr (Abkürzung JF) (in Österreich Feuerwehrjugend) ist die Jugendabteilung in einer Freiwilligen Feuerwehr. Sie versucht, Kinder und Jugendliche für den Einsatz in der Feuerwehr zu begeistern, so dass sie bei entsprechendem Alter und Qualifikation im freiwilligen Feuerwehrdienst mit eingesetzt werden können. Sie dürfen jedoch nicht in den Gefahrenbereich von Feuerwehreinsätzen eingesetzt werden.
Ein meist speziell geschulter Jugendfeuerwehrwart führt die Jugendfeuerwehr und fungiert als Trainer bzw. Übungsleiter.
Geschichte
1882 wurde die erste Jugendfeuerwehr Deutschlands in
Oevenum auf der Insel
Föhr gegründet. Damit ist die Oevenumer Jugendfeuerwehr vermutlich auch die älteste in Europa.
Jugendfeuerwehr in Deutschland
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In
Deutschland ist zur Aufnahme in eine Jugendfeuerwehr, je nach Bundesland, ein Mindestalter von durchschnittlich 10 Jahren erforderlich. Mit 18 Jahren (NRW), in anderen Bundesländern schon früher, kann ein Jugendfeuerwehrmitglied in den aktiven Dienst der Feuerwehr übernommen werden. Es folgt eine so genannte „
Truppmannausbildung“ (auch Grundlehrgang oder Grundausbildung genannt), in der grundlegende Tätigkeiten der Feuerwehr theoretisch und praktisch erlernt werden müssen (beispielsweise
Brandlehre,
Feuerwehrfahrzeuge,
Brandbekämpfung). Entsprechende Regelungen sind in den Landesgesetzen verankert.
Alle deutschen Jugendfeuerwehren sind in der Deutschen Jugendfeuerwehr (
DJF), einer Gruppe des
Deutschen Feuerwehrverbandes (
DFV), organisiert.
Mittlerweile (Stand: Januar 2005) gibt die Deutsche Jugendfeuerwehr als Dachverband die Gesamt-Mitgliederzahl mit über 260.000 an, darunter seien mehr als 57.000 Mädchen. Die Gesamtanzahl der Jugendfeuerwehren in Deutschland belaufe sich auf „heute fast 18.000“.
"Junge Brandschutzhelfer" in der DDR
Durch das „
Jugendgesetz der DDR“ vom
4. Mai 1964 wurden in der
DDR die
Arbeitsgemeinschaften
„Junge Brandschutzhelfer“ gegründet. Sie sollten den Kindern außerhalb der Schule, Grundlagen des
Brandschutzes und organisierende Tätigkeiten des Brandschutzes beibringen. Diese AG wurde im allgemeinen durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr geleitet. Ab der 5. Klasse wurde im
Schulunterricht u. a.
Vorbeugender Brandschutz,
Brandbekämpfung und
Erste Hilfe gelehrt. Nach der
Deutschen Wiedervereinigung gingen die Arbeitsgemeinschaften in „Jugendfeuerwehren“ über.
Minifeuerwehren
In so genannten
Minifeuerwehren wird Kindern ab vier Jahre neben Spiel und Spaß das richtige Verhalten in Gefahrensituationen vermittelt.
1992 wurde im
frankfurter Stadtteil
Praunheim die erste Minifeuerwehr gegründet. Dieses Konzept haben mittlerweile zahlreiche weitere Feuerwehren in Deutschland übernommen.
Feuerwehrjugend in Österreich
In Österreich ist die Feuerwehrjugend ebenfalls ein Teil der Freiwilligen Feuerwehr. Bis vor einigen Jahren konnten in Österreich nur Jungen mit einem Alter ab 12 Jahren in die Feuerwehrjugend eintreten. Heute ist das Mindestalter bei 10 Jahren und auch ein Eintritt für Mädchen in die Feuerwehrjugendgruppe möglich.
Die Ausbildung bei der Feuerwehrjugend ersetzt einige notwendige Ausbildungsschritte, wenn sie mit dem 15. Lebensjahr (in manchen Bundesländern ab dem 16. Lebensjahr) zu den Aktiven überstellt werden können. Als Träger des Wissenstest in Gold erhält man bei der Überstellung in den Aktivstand sofort den Dienstgrad Feuerwehrmann.
Per 1. Januar 2004 waren in Österreich 25.607 Mitglieder (davon 2.902 Mädchen) bei der Feuerwehrjugend.
Siehe auch: Feuerwehr in Österreich
Ziel Nachwuchsförderung
Das Hauptziel einer Jugendfeuerwehr besteht in dem Heranführen von Jugendlichen an die Aufgaben der Feuerwehr. Auf Grund der geänderten
demographischen Entwicklung der westlichen
Gesellschaft (weniger Kinder) ist diese Förderung sehr wichtig, da gerade kleinere freiwillige Wehren schon jetzt Personalsorgen haben. Leider ist die Zahl der Quereinsteiger in die Einsatzabteilungen der freiwilligen Feuerwehren rückläufig, so dass vielerorts die Jugendfeuerwehr die größte Nachwuchsquelle an Einsatzkräften ist.
Probleme der Jugendfeuerwehr
Beispiel Ostdeutschland
Gerade in
Ostdeutschland gibt es das Problem, dass ein Großteil der ausgebildeten Jugendlichen, bereit für den aktiven Dienst in der Feuerwehr, aus ihrer Heimat nach
Westdeutschland wegziehen. Begründet ist dies meist durch schlechtere
Ausbildungs- und Einstellungsschancen für die Jugendlichen in ostdeutschen Regionen.
Letztendlich wurden zwar Jugendliche zu Feuerwehrleuten "angelernt", das Ziel der betroffenen Wehren, nämlich neue Feuerwehreinsatzkräfte an ihren Ort zu binden, wurde aber verfehlt. Somit gibt es nur noch sehr wenige junge Einsatzkräfte in wirtschaftsschwachen Regionen.
Ausbildung und Gemeinschaft
Geführt wird eine Jugendfeuerwehr von Jugendfeuerwehrwarten. Sie betreuen die Gruppe aus Kindern und Jugendlichen. Eine solche Gruppe trifft sich meist wöchentlich zur gemeinsamen Ausbildung. Die Ausbildung enthält das Erlernen von Grundtätigkeiten im Feuerwehrdienst, sowie die Übung von Geschicklichkeit, Beweglichkeit und
Allgemeinwissen. Auch gemeinsame Unternehmungen außerhalb des Feuerwehrrahmens stehen in vielen Jugendfeuerwehren auf dem Programm. So können zum Beispiel
Zeltlager,
Kinobesuche oder sportliche Tätigkeiten wie
Fußball durchgeführt werden. Diese fördern ganz besonders den Aufbau eines Zusammengehörigkeitsgefühls (
siehe auch Kameradschaft,
Kameradschaft in der Feuerwehr) innerhalb der Jugendfeuerwehr, welche später auf die Gemeinschaft in der Feuerwehr vorbereiten soll. Die Arbeit in der Jugendfeuerwehr umfasst demnach sowohl den Bereich der feuerwehrtechnischen Ausbildung, wie auch die allgemeine
Jugendarbeit.
Besonders fortschrittlich geführte Jugendfeuerwehren suchen bereits frühzeitig den intensiven Kontakt zu ihren „großen“ Partnern der „Aktiven Wehr“. In gemeinsamen Übungen mit diesen wird den Jugendlichen deutlich, dass auch sie schon „dazugehören“ und ein wichtiger Teil der Wehr sind.
Jugendfeuerwehrleute im Einsatz
Von Bundesland zu Bundesland und teilweise sogar innerhalb eines Landkreises unterscheiden sich die Regelungen, wie Jugendliche an Einsätzen der Feuerwehr teilnehmen können (oder dürfen). Beispielsweise nach dem bayerischen Feuerwehrgesetz können Jugendliche mit Vollendung des 16. Lebensjahres außerhalb der Gefahrenzone (Beispielsweise als Funker) an Einsätzen teilnehmen.
Manche Feuerwehren regeln dies anders. So gibt es Wehren, die ein Ausrücken der Jugendlichen gänzlich bis zum 18. Lebensjahr untersagen, andere hingegen erlauben dies ausdrücklich und statten ihre Jugendlichen sogar mit tragbaren Funkalarmempfängern aus.
Leztendlich ist es eine Entscheidung der jeweiligen Feuerwehrführung, wie die aktive Dienstteilnahme von Jugendlichen in der Feuerwehr geregelt wird.
Wettbewerbe
Landesweit testen Jugendfeuerwehren sich untereinander in verschiedenen Wettbewerben. Zu nennen sind hier:
- Ein doppelter Löschangriff wird aufgebaut und Löschwasser in Zielbehälter gespritzt.
- bestehend aus einem A-Teil (Löschangriffsübung) und B-Teil (Staffellauf)
- Hier wird Geschicklichkeit und Schnelligkeit verlangt u. a. durch Knotenkunde.
- Folgende Stationen sind enthalten: Eskaladierwand, Querbalken, Laufbalken, Hindernis mit Fenster, Löschen eines kleinen Feuers mit einer Kübelspritze
- Auch beliebt sind Seifenkistenrennen, Orientierungsläufe oder das sogenannte "Spiel ohne Grenzen", welches aus kleineren Geschicklichkeitsübungen besteht.
Siehe auch: CTIF
Siehe auch
Literatur
- Homfeldt, Hans G; Schulze, Jörgen; Schenk, Manfred; Seyl, Stephan; Michels, Christoph; Knop, Simone: Jugendverbandsarbeit auf dem Prüfstand/ Die Jugendfeuerwehr - Perspektiven für das verbandliche Prinzip der Jugendarbeit. 1995, ISBN 3-779-90866-2
Weblinks
Jugendfeuerwehr
Junior firefighter | Jeune sapeur-pompier